Sartre, frz. Existenzialismus

    • Sartre, frz. Existenzialismus

      Hallo :) ich beschäftige mich momentan mit Sartre bzw. dem frz. Existenzialismus. Dabei ist mir etwas unklar. Sartre schreibt, der Mensch habe eine ursprünglichere/spontane Wahl getroffen, die zur Bildung seiner Essenz führt ("ich kann Mitglied einer Partei werden, dies ist jedoch Resultat einer spontaneren Wahl"). Aber wie wird diese Wahl getroffen, wenn der Mensch sie nicht nach seinem Willen entwirft ("er wird, wie er sich entwirft, nicht, wie er sich entwerfen will"). Wie soll die Wahl dann getroffen werden, gibt es Kriterien? Wenn ja, dann wäre er doch beeinflusst, also nicht frei in seiner Entscheidung, was er laut Sartre ja sein soll..;/
      Würde mich über eine Antwort freuen! LG :wink:
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      Juliette184 schrieb:

      Hallo ich beschäftige mich momentan mit Sartre bzw. dem frz. Existenzialismus. Dabei ist mir etwas unklar. Sartre schreibt, der Mensch habe eine ursprünglichere/spontane Wahl getroffen, die zur Bildung seiner Essenz führt ("ich kann Mitglied einer Partei werden, dies ist jedoch Resultat einer spontaneren Wahl"). Aber wie wird diese Wahl getroffen, wenn der Mensch sie nicht nach seinem Willen entwirft ("er wird, wie er sich entwirft, nicht, wie er sich entwerfen will"). Wie soll die Wahl dann getroffen werden, gibt es Kriterien? Wenn ja, dann wäre er doch beeinflusst, also nicht frei in seiner Entscheidung, was er laut Sartre ja sein soll..;/
      Würde mich über eine Antwort freuen! LG :wink:
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      Meiner Meinung nach wäre für die Untersuchung Deiner Frage hilfreich, zu berücksichtigen, dass sich wohl ausnahmslos(?) alle französischen Existentialisten mit Freud befassten, darunter Camus als derjenige, dessen Werk die wenigsten Kompromisse erkennen lässt. Er geht so weit, sich selbst als „absurden Menschen“ zu bezeichen. In der Tat! Seine Haltung, die er im Mythos des Sissyphos glänzend dargelegt, ist absurd, verrückt, so man sie aus der Perspektive der „Werte“ betrachtet, die unsere Gesellschaftsform ihr eigenen nennt...

      Aus dieser Haltung wurde Camus zum fundierten Kritiker Satres'. Unter anderem in Hinblick darauf, wie er mit dessen Freiheits-Frage umgeht: Er erklärt sie knapp für nichtig, mit der Begründung, dass sie sich auf folgenden Gedanken reduzieren oder umformulieren lässt:

      Entweder ist den Mensch frei in seinen Entscheidungen;
      dann ist Gott nicht allmächtig. Oder verhält es sich umgekehrt.

      Ein Versuch, es besser zu sagen:

      a) Der Mensch ist frei in seinen Entscheidungen, er kann irren;
      dies führt im Extrem zum Tode, sonst zum Leiden an seelischen Perversionen hin.

      [size=7]((( Solch Polarisation zu bewirken, war Freud also nicht imstande [siehe anderer Thread] - er plagte sich mit dem seinerzeit nicht auflösbaren "Unbehagen", mangels klärender Befunde aus dem Gebiet der erst nach seinem Tode begründeten Ethologie, eine vollständig neue Forschungsmethode. Sie revolutioinierte die Zoologie; aus dieser Sicht urteile ich hier: teilweise[/size]. Das eigentliche "Kriterium" ist indess mystisch-/introspektiver Natur; siehe unten, "Wille". Satre will zwar aus sich was anderes machen, als was andere aus ihm machten, ihm fehlt nur der vollen Zugang zu DAS Kriterium. Dies sieht man an "Das Ekel" vor sich selbst, symptomatisch...)))

      b) Unzweifelhaft scheint weiterhin: Ein kleines Kind hat wegen der gänzlichen "Abhängigkeit" von den ihn umgebenden Erwachsenen, infolge seiner 'fehlenden' geist-körperlichen Kräfte, keine Wahl zwischen den Optionen, der 'Partei' dieser Bezugspersonen entweder beizutreten, oder es zu lassen. Es wird daher mit Notwendigkeit in die Unfreiheit des seelischen Leidens gestürzt (- sein Leib zum Grabe der Seele; das 'Ich' zum Gefangenen in der platonischen "Höhle"/ Verdrängung des Es ins Tiefe Unbewusste), sofern seine Bezugspersonen einen entsprechendes veranlassenden Irrtum initiieren, ihr Kind ihm unterwerfen. "Gut gemeint", in aller Regel fatal...

      c) Es gibt Ausnahmen, Menschen wie Diotima , Sokrates Platon Camus oder Freud, die diese Prozedur (erzieherische Domestikation) hinreichend gesund genug überleben, die fähig bleiben, ihre Situation nachträglich zu durchleuchten. Aus der "Diagnose" folgt schließlich die Therapie, die Konzequenz aus den gewonnen Erkenntnissen bzgl der eigenen Tragödige, die zugleich Tragödie der Menschheit ist..



      Versuch einer Verdeutlichung

      Der Begriff "Freiheit" macht Sinn, unter einer Bedingung: Das Ich muß den „Irrtum“ als etwas definieren, das prinzipiell nicht gegen Irgendwas, sondern wider die Triebinteressen des „Es“ gerichtet ist. Letztlich wider die 'hinter' aller Vor stellung befindliche Instanz eines noumenalen, dem Kausalnexus der Vernunft nicht angehörenden Willen. Freud nannte ihn Libido (Quelle & Ziel seiner heute 6 Partialtriebe differentierenden "Trieblehre"), Bergson Elan vital (weil ihm Darwins Evolutionstheorie ohne solch "Kreatives Prinzip" wie ein Mechanismus erschien), Aristoteles sprach vom Unbewegter Beweger, einer enérgeia als die Zweckursache des aus ihrer Substanz Gestalt nehmenden Kosmos, der Wesen und Dinge, des Alls.

      Aus der selben kann nun das Ich – vorausgesetzt, es blieb hinreichend gesund oder unverwickelt genug in seine seelisch-emotionellen Perversionen – die Forderung (imperare) der Eliminierung seiner Irrtümer verspüren. (vgl. Sokrates Daimonion). Auf eigene Gefahr und Verantwortung, niemandem Rechenschaft schuldig, als dem Willen...

      Was Satre in der markierten Passage mißverständlich zu sagen versucht, verwickelt in die Scheinglücks- und -wertvorstellungen unserer neurotisch "instinktverarmten", Willens-amputierten Gesellschaft, ist dieses: Das Ich kann nicht wollen, was das "Es" von ihm will - der noumenale Wille aus dem transzendenten Seelengrunde bestimmt sich, nicht das gelegentlich menschlich allzu menschliche Ich. Der "Entwurf" ist nicht Irgendwas, er ist etwas Bestimmtes, im Einklang mit dem Wille....

      Dieser Akt führt nicht zu der von Philzer aufgestellten Annahme, dernach das Ich mit seiner menschlich-fehlbaren Vernunft Sklave der Triebe (des Wille im Unbewussten) sei. Die Annahme sklavistischer Ergebenheit steht im Widerspruch zu der Annahme einer Freiheit, die nicht so sehr daraus besteht, dass das Ich Irrtümer begehen kann, als daraus, zu ihrer Eliminierung befähigt (geblieben) zu sein. Wäre der Wille "allmächtig" (wie die Gottvater-Vorstellung des Christentums postuliert), so bedürfte ER nicht des tätigen Einsatzes seines Geschöpfs. ER wird zu dessen eigentlichem Opfer, sobald das Geschöpf einen Irrtum fabriziert, ohnmächtig seufzend wie ein kleines Kind, verriegelt und vergessen im finsteren Kerker.

      Der absurde Mensch erhebt dagegen den Ruf "Revolte!" (Camus)...
      Wogegen sonst!

      Für Deine vorzügliche Anregungen zu dieser Erkenntnis meinen herzlichsten Dank!
      Ich freue mich sehr auf Deine Stellungnahme,

      Dein Jeshua
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