Prooemium

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    • Prooemium, Vers 6 bis 10

      Die Achse in der Nabe war eine klingende Flöte.
      Erhitzt waren beide, obwohl eng und rund eingespielt.
      Allseits aufgewühlt, weil besonders heftig angetrieben.
      Die Sonnenmädchen, das Haus der Nacht hinter sich lassend,
      drängen zum Licht mit aller Kraft unter dem Sturmdeckel weg dem Festland zu.
    • Alltag schrieb:

      Die bekannte Reiterei [Regie: er zeigt mit der Hand an den Himmel], die mich leiten soweit mein nach Schutz flehendes Herz begehrt,
      Liess den Gesandten mir den Ausweg zeigen zur vielstimmig geehrten
      Göttin, die mit allen Sternen den wissenden Mann leitet,
      zu ihr hin führen mich, die Leitstuten
      Das Gespann antreibend, die Mädchen des vorrangigen Wegs.

      Hallo Alltag, welches Wort wurde mit "allen Sternen" übersetzt ?

      Grüße
    • Prooemium
      [Regie: Der als Schiffskapitän gekleidete Rhapsod zeigt zur Sonne hin, alsdann zum θυμὸς (Herz respektive Lebenskraft etc.) ]
      1Stuten, die mich - soweit mein Schutz flehendes Herz begehrt - leiten,
      2liessen den Gesandten mir den Ausweg zur allseits geehrten Göttin zeigen,
      3die mit allen ihren Gestirnen den wissenden Mann anleitet.
      [Gestirne als Bürgerinnen des Himmelreichs]
      4Zu ihr hin führen mich ankündend - die Leitstuten
      5das Gespann antreibend - die Mädchen des Königwegs.
      [Regie: Seemannsgarn spinnend in Vers 6 bis 10]
      6Die Achse in der Nabe war eine klingende Flöte.
      7Erhitzt waren beide, obwohl eng und rund eingespielt.
      8Es scheuen rundum alle (Stuten), weil sie‘s besonders heftig treiben.
      9Die Sonnenmädchen, das Haus der Nacht hinter sich lassend,
      10Drängen zum Licht unter dem Sturm-Deckel hinweg dem Festland zu.
      [Fussnote: Die Heliaden drängt’s ins Morgenland]
      [Regie: Der Schiffskapitän zeigt nun zum Mond]
      11Die Türen der Reisen sind nachts und bei Tag da
      12und ringsum sich hat er zu äusserst eine steinerne Schwelle,
      13hoch in der Luft nimmt das mit Türen versehene ein ausserordentliches Ende,
      14entgegen mühseliger Gewohnheiten sind die Riegel abgelöst.

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    • Prooemium - Ergänzt mit Fragment 14 und 15 (sowie mit Regieanweisungen und Fussnoten)
      [Regie: Der Rhapsod ist als Schiffskapitän gekleidete, zeigt mit der einen Hand zur Sonne, … ]
      1Rosse, die mich – sobald meine Manneskraft begehrt – reiten lassen,
      [Regie: … greift sich in den Schritt, wartet bis das Gelächter abflaut, um erneut zu beginnen. Nun bedeckt er sich wie ein schüchternes Mädchen Schritt und Busen.]
      1Rosse, die mich – sobald mein Schutz flehendes Herz begehrt - leiten,
      [Regie: So sind weitere Bedeutungen von thymos verkörpert, wie Mut, Zorn usw. Er wartet erneut bis das Gelächter abflaut, greift sich nur zum Herz und beginnt.]
      1Rosse, die mich – sobald mein Schutz flehendes Herz begehrt - leiten,
      2liessen den Gesandten mir zeigen den Ausweg zur allseits geehrten
      [Wer ist der Gesandte? ]
      3Göttin, die mit allen ihren Gestirnen den wissenden Mann anleitet.
      [Ein Gestirn. Gestirne als Bürgerinnen des Himmelreichs.]
      4Zu ihr hin führen mich ankündend - die Leitstuten
      5das Gespann antreibend - die Mädchen des Königwegs.
      [Regie: in den folgenden Vers 6 bis 10 Seemannsgarn spinnend]
      6Die Achse in der Nabe war eine klingende Flöte.
      7Erhitzt waren beide, obwohl eng und rund eingespielt.
      8Es scheuen rundum alle, weil sie‘s besonders heftig treiben.
      9Die Sonnenmädchen, das Haus der Nacht hinter sich lassend,
      10Drängen zum Licht unter dem Sturm-Deckel hinweg dem Festland zu.
      [Die Heliaden drängt’s ins Morgenland]

      [Regie: Er zeigt nun zum Mond]
      10bisEs ist als schaut er sich um, ob Du - Helios – bescheinst [Frag. 15]
      [Fussnote: Hat Simplicius Parmenides Weltbild nicht mehr verstanden, oder den Index respektiert? Das Prooemium ist uns durch Simplicius aus der ersten Hälfte der 6-ten Jahrhunderts überliefert. Also etwa tausend Jahre nach Parmenides und ebenso viele Jahre vor der Wiederentdeckung des Heliozentrischen Weltbilds Galileis.]
      10trisNachtleuchte in der Nähe der Erde gefangene, ihr gehörende Erscheinung [Frg.14]
      11Die Türen der Reisen sind nachts und bei Tag da
      12und ringsum sich hat er zu äusserst den Übergang aus Stein,
      13hoch in der Luft nimmt das mit Türen versehene ein ausserordentliches Ende,
      14entgegen mühseliger Gewohnheiten sind die Riegel abgelöst.
      [Regie: Er zeigt dorthin, wo’s in den Zuschauerränge unruhig sei]
      15Zu wem denn, obergescheiter Lüstling, redest aus jugendlichem Übermut?
      [Regie: Er zeigt erneut zum Mond, alsdann zur Sonne, alsdann den Mond „anbetend“]
      16Wie sehr Gehorsam übervorsichtig macht, verpflockt‘s einem den Standpunkt
      17unsagbar ist’s, so als ob Türen fern der Tore von Tag und Nacht geschlossen werden.
      18Der Glanz meiner Dichtkunst hängt am tosenden Beifall,
      19Wie Achse und Nabe sich wechselseitig wälzen.
      20Wie werden Bolzen und Schnalle verbunden? Es sei denn, unter Geschrei!
      21Die Mädchen hielten Wagen und Pferde entlang der Strasse.

      an den verbleibenden Versen 22ff arbeite ich noch.

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    • 22
      Nehmt mich und das Schauspiel durch Hand auf Hand wohlwollend auf.

      [Regie: Als Echo auf die <give me five> gibts zustimmenden Applaus … ]
      23
      betörend klug! Sodass für mich ein heiteres Jahr anbricht.
      24
      Oh! Gefährte der göttlichen, die Zügel haltenden Mädchen die
      25
      die Gespanne, die Dich getragen, sind Schutz flehend heimwärts unter unserem HausDach.

      [Regie: zeigt über sich zum Firmament; Rhetorisch offen bleibt, ob eine Göttin spricht, oder ob einzelne (pars per toto)
      angesprochen sind. Auf jeden Fall schaffen Handzeichen für das nötige Verständnis.]

      26
      Sei gegrüsst! Da kein böses Schicksal Dich den Kopf hängen lässt, frisch eingekleidet?
      27
      Der Weg aber - Nicht wahr? [Daumen hoch] - ist fernab der Leute Trott.
      28
      Vielmehr Brauch, Gewohnheit und auch Verlangen machten in jedem Fall sehr faul, ebenso Ordnung, Recht und auch Notwendigkeit, denn
      29
      sowohl die gut abgestützte Wahrheiten liessen uns ruhigen Geists bleiben,
      30
      als auch der Leute Meinungen, denen nicht echte Zuverlässigkeit innewohnt.
      31
      Vielmehr siehst Du der Leute Gemeintes selbst ganz und gar ein,
      32
      insofern es alles durchaus durchdringt und deswegen erprobt ist.
    • Erörterung

      Auch für mich liegt eine Schlüsselstelle des Proömiums von Parmenides in Vers

      28 ἀλλὰ θέμις τε δίκη τε. Χρεὼ δέ σε πάντα πυθέσθαι

      Aber nicht wegen der Göttinnen Themis und Dike, sondern wegen der Inhalte für die diese Göttinnen stehen. Dadurch schmiegen sich die Bedeutungen von Chreo an. Deshalb setze ich mich über die übliche Interpunktion und die eh nur teilweise gesetzten Majuskeln hinweg. Ich respektiere jedoch, wie im Altgriechisch üblich, die Bedeutungen des Passiv und Aktiv in gleicher Weise. Deshalb wird der Vers im deutsch so lang (siehe oben):
      • Brauch, Gewohnheit und auch Verlangen sind die passiven Bedeutungen von themis, dike und chreo. Zusammenfassend würden wir heute von <Tradition> reden. Dabei ist stillschweigend gemeint, dass man etwas tut, ohne jüngst darüber nachgedacht zu haben.
      • Ordnung, Recht und auch Notwendigkeit sind die aktiven Bedeutungen von themis, dike und chreo. Wer sie in die eigenen Hand nimmt oder an sich reisst, handelt ebenso gedankenlos.
      Infolge dieser, sowohl aktiv wie passiv auftretenden, Gedankenlosigkeiten machen themis, dike und chreo träge oder eben sehr faul ( πάντα πυθέσθαι )!

      Na, das ist doch eine Wende! Nicht wahr?
    • Erörterung ff1

      Zu Beginn von Vers 28 wird mit ἀλλὰ (= vielmehr) der Inhalt des vorangehenden Vers:

      27 τήνδ΄ ὁδόν - ἦ γὰρ ἀπ΄ ἐκτὸς πάτου ἐστίν-,

      vertieft.
      Insbesondere das ἀνθρώπων ἐκτὸς πάτου , das ich mit fernab des Trotts der Leute , oder eben der Leute Trott wiedergebe.

      27 Der Weg aber - Nicht wahr? [Regieanweisung: Zustimmung forderndes "Daumen hoch!"] - ist fernab der Leute Trott.

      Also, diese Nuss ist elegant geknackt !
    • Deine zweite Idee (die erste war die Nautik),
      daß es sich um reine Fiktion (und nicht um die Ankündigung einer Definition des nicht-Dualistischen)
      handelt,
      wird Dir wenig Gegenliebe bereiten

      traditionell

      Vertrauensvoll empfing mich die Göttin, sie ergriff mit ihrer Hand
      meine Rechte, begrüßte mich und sprach die folgenden Worte:
      "Junger Mann, Gefährte unsterblicher Wagenlenkerinnen,
      der du mit den Stuten, die dich tragen, mein Haus erreicht hast,
      sei gegrüßt! Denn kein böses Geschick hat dich geleitet, um ans Ziel zu gelangen,
      einen Weg, der weitab vom üblichen Pfad der Menschen liegt –,
      sondern göttliche Fügung und Recht. So gehört es sich, daß du alles erfährst:
      einerseits das unerschütterliche Herz der wirklich überzeugenden Wahrheit ,
      andererseits die Meinungen der Sterblichen, denen keine wahre Verläßlichkeit innewohnt.

      12koerbe.de/pan/parmen.htm
    • Erörterung ff2

      Die Gedankenlosigkeit, die ich oben in der Erörterung zu Vers 28 thematisiert habe, wird eingehend präzisiert in Vers

      29 sowohl die gut abgestützte Wahrheiten liessen uns ruhigen Geists bleiben,

      und

      30 als auch der Leute Meinungen, denen nicht echte Zuverlässigkeit innewohnt.

      Damit ergibt sich in den Versen 28, 29 und 30 eine schöne thematische Konsistenz,
      die mit der in den Versen 31 und 32 formulierten Vision abgeschlossen wird:


      31 Vielmehr siehst Du der Leute Gemeintes selbst ganz und gar ein,
      32 insofern es alles durchaus durchdringt und deswegen erprobt ist.






      @scilla,

      es fragt sich, ob das mythisch Geheimnisvolle hervorgehoben werden will
      oder die (Natur)wissenschaftliche Präzision.
      Ich meine letzteres passt besser zu den weiteren Fragmenten. --- LG.
    • Alltag,

      1) ich möchte nicht verhindern,
      daß Du weiter übersetzt

      mach weiter!

      2) mir ist noch eingefallen,
      daß ich selbst ja der Meinung bin,
      daß die Evangelien einem Theaterstück (Passionsfestspiele) entstammen

      und Raoul Schrott hat die Ilias ja auch mit Regienanweisungen übersetzt
      (ich habs allerdings noch nicht gelesen)

      3) wenn ich den Gedanken 'Wanderprediger spielt während seiner Aufführung Theater' weiterspinne,
      dann könnte es sich bei den Fragmenten weniger um Fragmente
      als um Exzerpte handeln,
      die als Einzige aus dem verschollenen Stück überlebt haben,
      weil sie eine philosophische Position diskutiert haben

      die nachfolgenden Interpretationen könnten dann automatisch das philosophisch (theologisch) Gemeinte
      in den Vordergrund gehoben haben,
      während Du jetzt das Original rekonstruierst
    • Erörterung ff3

      @scilla,

      danke für die aufmunternden Worte und die anregenden Querverweise.
      Vorläufig kommentier ich noch einige meiner Verse.

      -----------

      Nebst den Themis und Dike, gibt es noch eine Thea, die in der Sekundärliteratur viel zu reden gibt. Ich habe wiederum nicht die mytische Bedeutung übersetzt, sondern mit <Schauspiel> die inhaltlichen Werte hervorgehoben und mit einer Regieanweisung abgerundet.

      22 Καί με θεὰ πρόφρων ὑπεδέξατο, χεῖραδὲχειρί

      22 Nehmt mich und das Schauspiel durch Hand auf Hand wohlwollend auf.
      . . . . . [Regie: Als Echo auf die <give me five> gibts zustimmenden Applaus … ]