Reckermann Alfons, Einleitung, Meiner Verlag Hamburg, 2014

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    • Homer schrieb:

      Hallo Alltag, die Stuten, sind weibliche Pferde. Warum leiten den jungen Parmenides gerade die Stuten hin, und nicht stattdessen männliche Pferde, also Hengste ?
      Hallo Homer, der Sohn des Helios schaffte es nicht, die vor den Sonnenwagen gespannten Hengste in die Zügel zu nehmen und verunglückte tödlich. Falls es im damaligen Weltbild auch der Mond und die Planeten auf Wagen über den Himmel geführt wurden, so waren diese Wagen gewiss leichter, sodass ein Gespann von weiblichen Pferden, d.h. Stuten, angemessen war. Der Morgen und Abendstern wird im Lehrgedicht des Parmenides erwähnt, ebenso der Mond.

      Danke für Deinen Hinweis „die Stuten leiten ihn auf einen Weg, und dort wo der Weg endet, endet auch sein Verlangen. Besser gesagt, sobald sein Verlangen endet, endet gleichzeitig der Weg. Die Straße, also der Weg selbst, ist sein daimon. Der junge Parmenides beschreibt einen Zustand! Verständlicher wird es mit den nächsten Strophen.“

      Ich habe jedoch nicht verstanden, was Du mit folgendem meinst: "Wir könnten das Bild von Parmenides, mit den Bild von Platon und seine Pferde vergleichen." --- Gruss --- Alltag
    • Über das Tor der Nacht

      Allgemeingut ist das Schauspiel der untergehenden Sonne. Dennoch war ich neulich am Mittelmeer baff erstaunt. Sobald die intensiven Farben am eindämmernden Himmel verschwunden waren, schaute ich in die andere Richtung, nach Osten, wo am bereits tief dunkeln Nachthimmel die ersten Sterne leuchteten. Hesiods Beschreibung der ätherischen Nacht, die durch ein geöffnetes Tor übers Land und Meer hereinströmt, ging mir infolge der auffrischenden Kühle unvermittelt durch Haut und Knochen. Ich konnte nicht bis zum nächsten Abend warten und nahm mir vor den Tagesanbruch unter keinen Umständen zu verpassen. Es war nicht romantisch aber lehrreich. Die Nacht zieht sich auf der Seite des Sonnenuntergangs, d.h. im Westen, nur langsam zurück. Es ist als würde die Nacht ihre im Osten einströmende ätherische Kraft verlieren, während dem sie im Westen noch alles fest im Griff hat. Dennoch zieht sie wie eine Schnecke ihren Schleim hinter sich her und weicht nach und nach durch das andere Tor der Nacht im Westen, welches hinter ihr geschlossen wird, um dem Tag das Zepter zu überlassen. Hesiod lässt grüssen.

      Daher ziehen im Vers 9 und 10 des parmenideischen Prooemiums die Heliaden "das Tor der Nacht hinter sich lassend" in Richtung Osten, wo die Sonne aufgeht und wie allgemein bekannt das Morgenland liegt, d.h. sie "drängen nach dem Licht mit aller Kraft dem Festland zu". So, damit klären sich die Rätseln um "das Tor der Nacht" und um" das Tor zur Scheidung von Tag und Nacht". Gelüftet ist auch das Rätsel rund um den Schleier, der meiner Meinung nach ein Übertragungsfehler sein könnte.

      Vers 11 bis 15 berichtet uns von den Ängsten vor neu auflauernden Gefahren. Der erfahrene Seemann hält in unbekannten Gewässern nach Untiefen Ausschau und unser Protagonist, "der wissende Mann" sucht freie Fahrt voraus nach den Gefahren am Horizont. Wo ist das mächtige Tor das Tag und Nacht scheidet, Lichtdicht ist’s dank mächtigen Pfosten. Dennoch lassen sich, weil gut geschmiert, seine Flügel ohne ohrenbetäubenden Lärm öffnen und schliessen.
    • Hallo Alltag, die Pferde von Parmenides sind Stuten, und keine Hengste. Das ist kein Zufall ! Sie sind Weise, denn sie Wissen ganz genau wohin sie den Jungen Parmenides hinleiten. Sie leiten ihn durch die berühmte Straße des daimon. Wagenlenker sind die Heliaden, und der junge Parmenides der Beobachter. Hier spielt eindeutig die Einfühlsamkeit und die Intuition die Hauptrolle.

      Beim Platon stattdessen, sind die zwei Pferde sehr Unterschiedlich. Das eine Pferd ist Weiß und das andere Schwarz. Hat das Bild das uns Platon gibt, etwas mit das Licht (Tag) und die Dunkelheit (Nacht) zu tun ? Das eine Pferd will sich im Himmel erheben. Ist das ein Verlangen wie beim Parmenides ? Das andere Pferd stattdessen, ist Schwarz. Ist das vielleicht der Trieb und die niederen-tierischen- Verlangen, die beim jedem Menschen innen stecken ? Der Wagenlenker ist beim Platon der Mensch selbst, der mit seine Logik die beiden unterschiedlichen Pferde lenkt.

      Parmenides ist wie Buddha und wie die Sonne, deshalb die Heliaden. Parmenides erlangt Wissen, weil klares Licht in ihm innen steckt. Verstehst du ? Beim Platon wird Wissen erworben... in uns gibt es eine Welt der Schatten. Mit dem Mond, führe ich keine Kritik, sondern ich wollte die Sache mit der Dunkelheit etwas vertiefen.

      Grüße dich
      Lebe so, dass dein Glück so wenig wie möglich, von äußeren Dingen abhänging ist.
      (Epiktet)

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    • Hesiods Tore von Tag und Nacht

      Einstein und Parmenides haben etwas gemeinsam: die wissenschaftliche Pingeligkeit!

      `Alfons Reckermann – Einleitung` schrieb:

      Parmenides knüpft in eigenständiger und wohl auch eigensinniger Weise an die Tradition an. Das gilt mit besonderer Auffälligkeit für den zweiten Teil seines Lehrgedichts, das ausschließlich dem Thema der Kosmogonie gewidmet ist, sich aber als erklärtermaßen ‘trügerischen Rede‘ von seiner traditionellen Darstellungsweise distanziert. Dasselbe trifft aber auch schon für seinen ersten Teil zu, der bereits im Prooemium die inhaltliche Unterscheidung zwischen Wahrheit und trügendem Schein, die nicht nur die zweiteilige Form des Gedichts, sondern auch seine zentrale Lehraussage bestimmt, von Hesiod her aufnimmt. [Seite IX römisch]

      Bei Parmenides muss man sich meines Erachtens durch die wissenschaftliche Pingeligkeit leiten lassen. Durch Hesiods Tor von Tag und Nacht folgen sich Tag und Nacht, wie sich's gehört, um zwölf Stunden verschoben. Am Abend zieht Helios durch das abendländische, sprich westliche Tor ab. Durch dasselbe Tor wird jeden Morgen die Nacht hinausgedrängt. Am Morgen zieht Helios den Sonnenwagen durch das morgenländische, sprich östliche Tor auf. Und am Abend zieht ätherisch die Nacht durch dasselbe Tor über Land und Meer. Über mein diesbezügliches Urlaubserlebnis habe ich berichtet. In Hesiods Kosmos gehen die Gestirne durch zwei Tore, d.h. sowohl durch das morgenländische als auch das abendländische. Das wirft die üblichen Fragen auf, die sich nach Parmenides als trügerische Fragen erweisen, weil die Antworten nicht entscheidend weiter helfen. Parmenides lenkt im zweiten Teil unsere Aufmerksamkeit auf den Mond, der insofern eine Ausnahme ist, dass er sowohl bei Tag als auch bei Nacht zu sehen ist. Die Mondsicheln zeigen dem geneigten Betrachter warum die Fragen trügerisch sind.
    • Homer schrieb:

      Alltag schrieb:

      Die bekannte Reiterei [Regie: er zeigt mit der Hand an den Himmel], die mich leiten soweit mein nach Schutz flehendes Herz begehrt,
      Liess den Gesandten mir den Ausweg zeigen zur vielstimmig geehrten
      Göttin, die mit allen Sternen den wissenden Mann leitet,
      zu ihr hin führen mich, die Leitstuten
      Das Gespann antreibend, die Mädchen des vorrangigen Wegs.
      Hallo Alltag, welches Wort wurde mit "allen Sternen" übersetzt ?

      Grüße

      Guten Abend Homer, ich übersetzte < ἣ κατὰ πάντ΄ ἄστη > schliesslich mit "allen Bürgerinnen (des Himmels)" und meine es sei gleichbedeutend mit "allen Sternen".

      Ich habe die Verse 1 bis 14 zusammen mit meinen Regieanweisungen und Kommentaren neu eingefügt unter <Prooemium>
    • Hallo Alltag, in der zweiten Strophe steht aber "odon" (Straße). Die Stuten leiten ihn somit auf der berühmten Straße des daimon. In der ersten Strophe steht "epi thymos", auf neu Griechisch "epithymia", also Verlangen. Das ist eindeutig ein Zustand, denn er wird dahin geleitet. Er selbst ist der Beobachter.

      Grüße dich
      Lebe so, dass dein Glück so wenig wie möglich, von äußeren Dingen abhänging ist.
      (Epiktet)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Homer ()

    • Ich versuchte den ersten Vers vom Verb am Versende her aufzuzäumen. :

      Ἵπποι ταί με φέρουσιν, ὅσον τ΄ ἐπὶ θυμὸς ἱκάνοι

      Ἵπποι ταί με φέρουσιν, ὅσον τ΄ ἐπὶ [Präp.] θυμὸς [mask.] ἱκάνοι [ἱκω (L); ἱκάνω Präs.Opt.Sg.3.]
      Stuten, die mich leiten soweit (τ΄ ἐπὶ) Herz als Schutzflehender kommendes.
      Stuten, die mich - soweit mein nach Schutz flehendes Herz begehrt - leiten,

      Wie Du siehst verstehe ich (τ΄ ἐπὶ) als Präposition, die ich mangels tiefen Kenntnissen etwas poetisch umgehe. Insbesondere das (τ΄) macht es mir schwer.

      Kannst Du hier helfen?

    • Alltag schrieb:

      Guten Abend Homer, ich übersetzte < ἣ κατὰ πάντ΄ ἄστη > schliesslich mit "allen Bürgerinnen (des Himmels)" und meine es sei gleichbedeutend mit "allen Sternen".
      Ich würde "Sterne" stehen lassen. Den Sinn eines Gedichtes versteht man nicht in rationaler Analyse. Ein Gedicht muss man wirken lassen.. und DAS geht leider nur in der Sprache, die man von Kindes Beinen auf versteht - die Feinheiten der kleinen Weglassungen, die Betonungen und Gewichtungen, die sich durch die Metrik ergeben sind etwas, was man nur mit sehr viel Gespür erfühlen kann.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • Hallo Alltag, die Stuten aber, leiten ihn von verschieden Straßen in eine Bestimmte, nämlich in der Berühmten Straße des "daimonos" ... bis dort wo sein Verlangen reicht (endet). Weiter also, reicht sein Verlangen nicht. Es ist etwas innerliches, denn sein Verlangen hat etwas mit der Straße zu tun, wie auch der "daimon". Danach erhebt er sich, bis in dem Himmel. Wie verstehst du denn das Wort "daimon" ?

      Ich muß schlaffen gehen, denn ich arbeite von 10 Uhr in der Früh, bis 00,00 Uhr Nachts.

      Grüße dich
      Lebe so, dass dein Glück so wenig wie möglich, von äußeren Dingen abhänging ist.
      (Epiktet)
    • Alltag schrieb:

      Ich versuchte den ersten Vers vom Verb am Versende her aufzuzäumen. :

      Ἵπποι ταί με φέρουσιν, ὅσον τ΄ ἐπὶ θυμὸς ἱκάνοι

      Ἵπποι ταί με φέρουσιν, ὅσον τ΄ ἐπὶ [Präp.] θυμὸς [mask.] ἱκάνοι [ἱκω (L); ἱκάνω Präs.Opt.Sg.3.]
      Stuten, die mich leiten soweit (τ΄ ἐπὶ) Herz als Schutzflehender kommendes.
      Stuten, die mich - soweit mein nach Schutz flehendes Herz begehrt - leiten,

      Wie Du siehst verstehe ich (τ΄ ἐπὶ) als Präposition, die ich mangels tiefen Kenntnissen etwas poetisch umgehe. Insbesondere das (τ΄) macht es mir schwer.

      Kannst Du hier helfen?


      Hoson ti. Das "ti" bezieht sich auf die Pferde (hippoi) nicht auf "epi"... also die Pferde, die (hoson ti) bis zur Wut (jenachdem wie man hier Thymos übersetzt - Rage oder Rausch wäre auch möglich) mich leiten.. so in etwa würde ich es übersetzen.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • iselilja schrieb:

      Alltag schrieb:

      [...] Wie Du siehst verstehe ich (τ΄ ἐπὶ) als Präposition, die ich mangels tiefen Kenntnissen etwas poetisch umgehe. Insbesondere das (τ΄) macht es mir schwer.

      Kannst Du hier helfen?

      hoson ti. Das "ti" bezieht sich auf die Pferde (hippoi) nicht auf "epi"... also die Pferde, die (hoson ti) bis zur Wut (jenachdem wie man hier Thymos übersetzt - Rage oder Rausch wäre auch möglich) mich leiten.. so in etwa würde ich es übersetzen.
      Ἵπποι ταί με φέρουσιν, ὅσον τ΄ ἐπὶ θυμὸς ἱκάνοι

      Vielen Dank. Im folgenden versuche ich meine laienhafte Interpretation darzulegen:


      Ἵπποι ; Ἵππος; mänl. Nom. Pl. ;Pferd, Ross, Gespann
      ταί [ demo.Pron.Pl. ] <die>
      με <mich>
      φέρουσιν [ ind.Präs.aktiv.3.Pl ] <leiten>
      ὅσον <soweit>
      τ΄ [τίς, τί Indefinitpron.] <jemand, irgendeiner, etwas>
      τ΄ [? της, τη Artikel G,D,A] -> Verdeutlichung durch Possesivprn. <mein …. >
      ἐπὶ [adv.] <dabei, … solang >
      ἐπὶ (nachgestellt) [= ἐπεστι ] <ist da, findet statt, droht>
      θυμὸς [mask.] <Herz, Lebenskraft, Mut, Wut, Unwille etc>
      [Regie: Rapsod zeigt auf seinen Körper, je Interpretation, auf das Herz oder die Lebenskraft usw. ]
      ἱκάνοι[ἱκω (L); ἱκάνω Präs.Opt.Sg.3.]
      Optativ hebt erwünschtes oder mögliches hervor: <als Schutzflehender kommen> -> Schutz begehren

      Rosse, die mich leiten - soweit mein Herz als Schutzflehender begehrt.


      Rosse, die mich - sobald mein Schutz flehendes Herz begehrt - leiten,

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