Reckermann Alfons, Einleitung, Meiner Verlag Hamburg, 2014

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    • Reckermann Alfons, Einleitung, Meiner Verlag Hamburg, 2014

      Alfons Reckermann kommentiert in Philosophischer Bibliothek Band 654, Meiner Verlag, 2014

      den Abdruck der im Suhrkamp Verlag erschienen Texte:
      Parmenides, Vom Wesen des Seienden.
      Die Fragmente, griechisch und deutsch, herausgegeben, übersetzt und erläutert von Uvo Hölscher, Frankfurt a. M. 1986





    • Alfons Reckermann schreibt am Anfang seiner Einleitung, Seite 7 römisch: Da er das, was in der Ausgabe von Uvo Hölscher selbst reichhaltig geleistet ist, weder doppeln noch im Einzelnen kritisch diskutieren möchte, beschränke er sich auf die Beantwortung folgender Fragen:
      • Was ist das Besondere des parmenideischen Denken, das auch heute noch einen reflektierten Nachvollzug sinnvoll macht?
      • Welcher Art sind die Schwierigkeiten, die dem Verständnis seines Denkens entgegenstehen?
      • Was ist die Besonderheit des Zugangs, den Uvo Hölscher zu Parmenides Gefunden hat?
      • Und warum kann es für eine Antwort auf die zuerst angeführte Frage sinnvoll sein, sich von dem andie Hand nehmen zu lassen, was Hölschers Übersetzung der Texte des Parmenides und deren Kommentierung dem Leser anbietet?
    • Rätsel und Rätselgestalt

      Mir gefällt ganz besonders, dass Alfons Reckermann in seiner Einleitung an folgenden Stellen von Rätseln (oder offenen Fragen) spricht:

      • Parmenides (ist) eine Rätselgestalt der Philosophie geblieben. […] Das Rätselhafte beginnt bereits mit der Form, in der uns sein Denken entgegen tritt. Sie ist nämlich, was man ihrem hexametrischen Versmass abnehmen kann, diejenige der mythischen Dichtung, genauer die der theogonisch und kosmogonische ambitionierten Lehrdichtung, wie sie uns exemplarisch in der Theogonie Hesiods vor Augen steht. (Seite VIII römisch)
      • Gleich in den ersten Zeilen des Prooemiums ist die Rede vom „Kunde-reichen Weg der Göttin ..., der den wissenden Mann durch alle Städte führt".
        Natürlich muss man fragen, was das für ein Weg ist, wie der „wissende Mann“' ihn erreicht hat, warum und inwiefern der Weg derjenige ,,der Göttin" ist, warum er „durch alle Städte führt" und zugleich ,,fernab vom Verkehr des Menschen" liegt. Wie verläuft dieser Weg, was sind sein Ausgangspunkt und sein Ziel?
        Woher kommen die ,,Sonnenmädchen", die die weitere Fahrt des Jünglings so lenken, dass er auf der von ihm schon eingeschlagenen Bahn vor das ,,Tor der Straßen von Nacht und Tag" gelangt?
        Warum ist er ein Wissender, wenn er dieses Ziel nicht ohne fremde Hilfe erreichen kann und zudem der Belehrung durch eine Göttin bedarf, die ihm zunächst versichert, es sei „kein schlechtes Geschick", das ihn zu ihr geführt habe, und ihm danach ausführlich erklären muss, dass nur Sein ist und erkannt werden kann, Nichtsein hingegen weder ist noch zu erkennen ist?
        Das Rätsel betrifft also den Charakter des Weges, das Wissen, das der Jüngling schon vorher besitzt, und das Verhältnis zwischen diesem Wissen und der Kunde, die er nur über den Weg gewinnen kann, der einerseits „durch alle Städte führt", andererseits „fernab vom Verkehr der Menschen liegt", wobei das „fernab“ im Griechischen […] diese Ferne so betont, dass damit vollständige Unerreichbarkeit gemeint ist. (Seite XXXIV-XXXV römisch)
    • Rätsel ff.

      • Das Rätselhafte [an Parmenides Lehre] bleibt jedoch, dass er das weder in seinem eigenen noch im Namen einer zu sich selbst gekommenen und dabei autonom gewordenen menschlichen Vernunft getan hat, sondern im Medium einer Rede, die als den Ort ihrer Wahrheit eine Wirklichkeit benenn, die nur im Medium mythischer Bilder umschrieben werden kann. Sie erklingt nämlich am unheimlichsten Ort, den die griechische Mythologie überhaupt kennt, liegt er doch „hinter dem Haus der Nacht“ (Fr. 1,9), sodass man, um ihn (den Ort) zu erreichen, zuvor „das Tor der Strassen von Nacht und Tag“ (Fr. 11) durchschreiten muss. (Seite XIV-XV römisch) […]
      • Bei Parmenides hat dieser Ort jedoch seinen Schrecken verloren, … (Seite XVI römisch).Der „gähnende Schlund“ hinter dem Tor der Bahnen von Tag und Nacht öffnet sich nur für den , dem die Wahrheit des Seienden verschlossen bleibt. […] Das Seiende selbst steht unter einer göttlichen Macht,[…] hat sie es doch selbst so „in fesseln gelegt“, dass es in seiner Grenze vollständig und vollkommen ist und damit das Nicht-Sein „in weiter Ferne verschlagen“ hat (Fr. 8,28). (Seite XVII römisch)
      • Im ersten Teil geht es also um das, was in späterer Redeweise „Ontologie“ heisst, im zweiten hingegen um Kosmologie oder Kosmogenie, so dass sich die Frage stellt, ob und wenn ja wie diese beiden Teile, die sich als wahre und trügerische Rede radikal zu widersprechen scheinen, miteinander verbunden sind. (Seite XIX römisch)
      • Philosophiehistorisch betrachtet scheint mit Parmenides […] etwas Neues aufgekommen zu sein, auf das sich spätere Philosophie in kritischer Auseinandersetzung immer wieder bezogen hat. Aber auch aus dieser Perspektive löst sich das Rätsel seines Denkens nicht auf, weil bis heute umstritten ist, worin dieses Neue besteht.(Seite XXIII römisch)
      • Aber auch der Versuch, „vor-sokratische" Philosophie nicht möglichst geradlinig auf Platon und Aristoteles zulaufen zulassen, sondern sie im Blick auf ihre eigenen Voraussetzungen zu verstehen, hat das Rätselhafte nicht auflösen können, das im Denken des Parmenides seinen Ausdruck gefunden hat. Gerade wenn man sich nach einer exemplarisch von Karl Reinhardt formulierten Maxime bemüht, das Denken des Parmenides unabhängig von philosophiehistorischen Konstruktionsbedürfnissen „zum Reden" zu bringen, wird um so deutlicher, dass er selbst sich nur „schwer erklärt", so dass nichts anderes übrig bleibt, als „manches was in seine Verse nicht hinüberkonnte" und deshalb „in seinen Gedanken stumm zurückblieb",„zwischen den Worten und Zeilen und selbst zwischen den Teilen seines Gedichts" als wirksam wahrzunehmen. Jede Parmenides-Ausgabe ist ein erneuter Beweis dafür, dass ein derartiges wahrnehmen zu sehr unterschiedlichen und oft miteinander völlig unvereinbaren Ergebnissen führt. Dabei scheinen die äußeren Voraussetzungen für eine historisch korrekte Annäherung an Parmenides auf den ersten Blick deutlich besser zu sein als das bei anderen Repräsentanten vorsokratischer Philosophie der Fall ist. (SeiteXXIX-XXX römisch)
      • Das Rätsel des parmenideischen Lehrgedichts, das auch die historisch-philologische Forschung trotz aller direkt darauf bezogenen Anstrengung bis heute nichtauflösen konnte, betrifft deshalb zunächst einmal das Verhältnis zwischenseinen beiden Teilen.

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    • Rätsel ff2.

      • Zu dem Rätsel, das die Konsistenz des Lehrgedichts und damit seine Aussageabsicht insgesamt betrifft, und für dessen Lösung in der Forschung auch noch andere als die hier angedeuteten Lösungen vorgeschlagen werden, die hier im Einzelnen nicht aufzuführen, geschweige denn kritisch zu diskutieren sind, kommen zum wenigsten zwei andere, aber ebenso fundamentale Probleme hinzu, die das Verständnis des ersten Teils erschweren.
        (1) Wie ist der Begriff des Seienden zu verstehen, das dort in aller Strenge als ungewordene, mit sich selbst identische, unerschütterliche, unvergängliche Einheit bestimmt und damit dem Werden insgesamt so entgegensetzt wird, dass auch kein Einzelnes ist, wenn es denn wird und vergeht?
        Und wie muss (2) der Satz verstanden werden, der offensichtlich das gedankliche Zentrum des ersten Teils ausmacht, dass es nämlich ein und dasselbe ist, von dem gleichartig gilt, dass es gedacht werden und dass es sein kann?
        Was aber bedeutet dann die Einheit von Sein und Denken?
        Was ist das für ein Seiendes, das im Denken anwesend sein kann, weil es Zeichen an sich hat, die das vernünftige Denken ausschließlich und von sich aus dem in Wahrheit Seienden zuordnet?
        Und was ist das für ein Denken, dessen Wahrheit und Verlässlichkeit darin begründet ist, dass es Seiendes denkt, so dass das in Wahrheit Seiende der Garant der Wahrheit ist, die das Denken vergegenwärtigt und ausspricht?
        Inwiefern und aufgrund welcher Voraussetzung hat das Denken ein Wissen seiner selbst, wenn es im vollen Bewusstsein der zwei oder drei Möglichkeiten, die ihm grundsätzlich offen stehen, genau den Weg gehen kann, der allein das in Wahrheit Seiende trifft, und die anderen Wege aus dem Wissen heraus nicht geht, dass dort das in Wahrheit Seiende nicht zu finden ist? (Seite XXXIII-XXXIV römisch)
      • Um dem Leser einen ungefähren Eindruck von den Rätseln zu geben, die sich, wenn überhaupt, nur durch exakte philologische Forschung lösen lassen, möchte ich nur zwei Beispiele anführen, von denen das erste ein einzelnes, aber für den Gesamtsinn des Gedichts außerordentlich wichtiges Wort und das zweite die Stellung eines Satzes im Ganzen des Textes betrifft. (Seite XXXIV römisch)
    • Indirekt warnt nun Alfons Reckermann alle Rätselrater, wie mich @Alltag selbst: Jeder Herausgeber steht deshalb vor der Aufgabe, nahezu für jede Zeile eine begründete Entscheidung zwischen verschiedenen Lesarten fällen zu müssen, die nicht nur einzelne Worte, sondern oft auch deren Stellung im Satzgefüge oder gar den Ort eines Satzes im Ganzen des Textes betreffen. Man kann diese Probleme nicht für nebensächlich erklären, weil der Weg zum Sinnganzen des parmenideischen Lehrgedichts nur zu finden ist, wenn man sich mit seinen einzelnen Worten und Sätzen des materiellen Substrats vergewissert, das allein seinen Gesamtsinn tragen kann. (Seite XXXIV römisch)
    • Alphons Reckermanns Warnung zum Trotz

      In Hinsicht auf das damalige Weltbild frage ich, ob in dem Kosmos mit dem Sonnenwagenfahrer, Helios die anderen, im Vergleich zu den Fixsternen herumirrenden Himmelskörper, wie der Mond, der Morgen- und Abendstern und andere Planeten, auf Wagen gefahren wurden. Gegebenenfalls wären die Wagen weniger gross und die Gespanne weniger kräftig, wie beispielsweise Stuten, sodass Helios Verwandten ebenfalls Wagenfahrer sein könnten. Die in den ersten Versen des Prooemium des parmenideischen Lehrgedichts genannten Wagenfahrer (Fr. 1,5) wären somit ausgewiesene Führer und bestens zu hägemonischem Geleit geeignet. Einige Zeilen später werden die Töchter des Helios, die Heliaden namentlich genannt. Daher wäre es zu Beginn des Proömium naheliegend, dass der ‘wissende Mann‘ sich an den Sternen orientiert und somit seinen Weg als Seefahrer abseits der Küste, auf offener See, trotz der vermeintlich, in der Nacht drohenden Gefahren anhand der hellen Sterne findet. --- L.G. --- Alltag
    • warum nicht die Seefahrt?
      gute Idee
      (der oceanos ist das Sein)

      im Zusammenhang mit Sternen tauchen jetzt aber die Erkenntniswege auf



      Rekonstruktion der Lehre des Parmenides

      die Fragmente entstammen einem Lehrgedicht,
      wurden also mündlich überliefert


      ein paar hundert Jahre später hat dann jemand das Mittelmeer abgeklappert
      die kursierenden Versionen gesammelt,
      übersetzt
      und als Collage erstmalig niedergeschrieben


      ob diese Textfassung vollständig oder zerstückelt die Gegenwart erreicht hat,
      weiss ich nicht


      jedenfalls sollte man sich darüber im Klaren sein,
      daß die heute bekannten Fragmente keinen durchkomponierten Text darstellen


      um was geht es in den Fragmenten?


      ein Mensch begibt sich auf eine spirituelle Reise (Drogen?)
      und trifft auf die Göttin der Wahrheit,
      die sich über seine Anwesenheit freut (mit ihm schläft?)
      und dem Gast zur Belohnung die volle Wahrheit verrät
      und denjenigen Quatsch, den die Menschen für wahr halten


      die Scheidung von Licht und Dunkelheit gehört zum Quatsch (Frg. 7/8 - 55)
      der Äther und die Himmelsgesetze gehören nicht zum Quatsch (Fr. 10)
      die Höherentwicklung des Universums gehört nicht zum Quatsch (Fr. 11)


      Parmenides möchte wahrscheinlich
      ~ Perioden erforschen (ein Phänologe erkennt an der Verwandlung des Waldkörpers die Jahreszeit)
      ~ Substanzen erforschen (Prozesse sind am Wirken)
      ~ Etappen erforschen (so hat sich die Materie höherentwickelt)


      Parmenides argumentiert wie das Johannesevangelium gegen den Dualismus

      Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.
      Dasselbe war im Anfang bei Gott.
      Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. (
      In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
      Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht begriffen.

      die Ablehnung des Dualismus wird in Fragment 6 formuliert

      Es ist dies nämlich der erste Weg der Forschung, vor dem ich Dich warne.
      Sodann aber auch vor jenem, auf dem da einherschwanken nichts wissende Sterbliche, Doppelköpfe.



      anstelle des Dualismus tritt das SEIN


      der Rest ist allgemein bekannt


      interessant ist noch die Aussage

      Denn [das Seiende] denken und sein ist dasselbe.


      denn 'denken' müsste eigentlich 'fühlen, denken, handeln' (in dieser Reihenfolge) heißen

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    • ... zum Trotz ff.

      Das hier von mir dem Prooemium zugesprochene Thema ist uns seit zwei Tausend Jahren im "Stern von Bethlehem" überliefert. Nicht ganz falsch ist daher der Plot des in Not geratenen und sich an den Gestirnen, statt an der Küste, orientierenden Kapitäns. Dies ermutigt mich. Bringt es uns doch bis auf etwa 500 Jahre an die Entstehung des parmenideischen Lehrgedichts heran.

      Gleich im ersten Vers ist die Veranlassung verbrieft. In den Worten "soweit mein Schutz flehendes Herz begehrt" widerspiegelt sich das griechische Bedürfnis nach dem Schirm der Götter. So ist beispielsweise die Stadt Athen nach ihrer Schutzpatronin oder Schirm-in benannt.

      Könnte uns die im dritten Vers erstmals erwähnte, aber nicht benannte Dämonin, seit fast zwei Tausend Jahren überliefert und seit einem der ersten Konzile als "Gottgebährende" verbrieft sein? Könnte die Dämonin die Schirm-in des Himmels sein? In den Archiven der beiden Kirchenstaaten zu Rom und zu Konstantinopel könnte daher eine Fährte aufgenommen werden, die Alphons Reckermann wie folgt anspricht.

      Alfons Reckermann schrieb:

      Im dritten Vers ist das Substantivierte Städte nur unsicher überliefert. Relativ gut lesbar ist nur die Buchstabenfolge alpha' ,tau' und 'eta'. Von daher besteht durchaus die Möglichkeit, `àstê zu lesen, wofür sich auch Uvo Hölscher im Anschluss an Hermann Diels entschieden hat. Die Editoren des Sextus-Textes (adv. math. VII iii) haben dafür aber verschiedene Alternativen vorgeschlagen, so dass der Weg auch "durch alles Deutliche" geht oder der Jüngling "durch alle Stationen" des Weges getragen wird. Weitere Alternativen hat Hölscher im Lesartenapparat seiner Ausgabe genannt. Walter Burkert diskutiert kritisch die Lesart "von selbst" und erwähnt die Interpretationen […], die den ,,Weg der Göttin" als Sonnenbahn verstehen. Guthrie hat deshalb zusammen mit der Übersetzung des kata durch "über hinweg" (statt ,,hindurch") auch die inhaltlich problematische Lesart `àstê verteidigt; denn von der Bahn des Helios kann man in der Tat beides sagen, dass sie "über alle Städte hinweg" führt und doch auch "fernab vom Verkehr der Menschen" liegt. [Es gibt weiteren Interpretationen], wonach der Weg den parmenideischen "Jüngling" "durch alles Dunkle bringt". [Oder aber] den "Weg der Göttin" als Initiationsweg deutet und deshalb den "wissenden Mann" […] als "Eingeweihten" im Sinne der Mysterienkulte versteht, der den Weg in die Unterwelt und damit an die Grenze zwischen Tod und Leben […] nicht mehr fürchten muss, weil er ihn in der kultischen Begegnung mit der Unterweltgottheit schon gegangen ist. Weder die Frage nach der Aussageabsicht des Prooemiums (nur eine Allegorie oder mythisch ernst gemeinte Umschreibung eines göttlich beglaubigten Wissens) und damit des ganzen Gedichts noch die nach dem Ziel der dort beschriebenen Fahrt (Auffahrt von der Dunkelheit zum Licht, von der Erde zum Himmel oder Fahrt an den unheimlichen Grenzort aller Wirklichkeit) ist sicher zu beantworten, wenn man in Vers 3 ein Schlüsselwort nicht lesen kann und zudem weiß, dass jede Entscheidung, die man fällt, auch wenn sie gut begründet ist, immer auch gute Gründe gegen sich hat. (Seite XXXV-XXXVI römisch)
      Im Vers 3 habe ich mich beim umstrittenen Wort über die Akzente hinweg gesetzt und mich für das Nächstliegende in Langenscheidts Altgriechisch Wörterbuch entschieden: aste = Bürger; Einwohner des Reichs der Göttin; poetische Umschreibung für <die Sterne am Himmel> = Gestirne. Daher heisst bei mir Vers
      3 "Göttin, die mit all ihren Bürgerinnen den wissenden Mann leitet."
    • Alfons Reckermann schrieb:

      [Es gibt weiteren Interpretationen], wonach der Weg den parmenideischen "Jüngling" "durch alles Dunkle bringt". [Oder aber] den "Weg der Göttin" als Initiationsweg deutet und deshalb den "wissenden Mann" […] als "Eingeweihten" im Sinne der Mysterienkulte versteht, der den Weg in die Unterwelt und damit an die Grenze zwischen Tod und Leben […] nicht mehr fürchten muss, weil er ihn in der kultischen Begegnung mit der Unterweltgottheit schon gegangen ist. Weder die Frage nach der Aussageabsicht des Prooemiums (nur eine Allegorie oder mythisch ernst gemeinte Umschreibung eines göttlich beglaubigten Wissens) und damit des ganzen Gedichts noch die nach dem Ziel der dort beschriebenen Fahrt (Auffahrt von der Dunkelheit zum Licht, von der Erde zum Himmel oder Fahrt an den unheimlichen Grenzort aller Wirklichkeit) ist sicher zu beantworten, wenn man in Vers 3 ein Schlüsselwort nicht lesen kann und zudem weiß, dass jede Entscheidung, die man fällt, auch wenn sie gut begründet ist, immer auch gute Gründe gegen sich hat.



      Hallo Alltag, es heißt das Parmenides in seine Jugend (in Elea) Xenophanes kennengelernt hat. Sicher ist auch das Parmenides von Pythagoras beeinflusst worden ist, da in seinem Geburtsort stark die Pythagorische Bewegung im "Gange" war. Die Pythoreer waren Orphiker, und Orpheus steht sehr eng in mit Asklepios und Hermes Trismegistos in Verbindung. Die Dunkelheit steht mit dem Mond in eine sehr enge Verbindung. Beim Parmenides (Platon) steht das der Mond sich um die Erde bewegt, und dass das Licht, von der Sonne geborgt ist; also eine Art "Schein". In den hermetischen Schriften spricht der Mond und sagt das er die Angst, die Ruhe und das Gedächtnis bringen wird (seine Schwingung). Und wo anders (wieder in den hermetischen Schriften) das der Mond, für den Zerfall des Körpers verantwortlich ist. Die Sonne, für die Geburt (also Leben) und die Art.

      Grüße
    • Alltag

      Bringt es uns doch bis auf etwa 500 Jahre an die Entstehung des parmenideischen Lehrgedichts heran.

      bist Du sicher,
      daß Du den Bereich der Entstehung datieren kannst,
      wenn es doch um Sterne gehen soll?

      Stonehenge soll aus der Jungsteinzeit stammen
      die HImmelscheibe stammt aus der ältesten Bronzezeit (fast noch Jungsteinzeit)

      500 Jahre vor der vermeintlichen Entstehungszeit wäre für die Sternenhypothese locker 1000 Jahre zu spät

      Parmenides aus Elea (griechisch Παρμενίδης; * um 520/515 v. Chr.; † um 460/455 v. Chr.

      de.wikipedia.org/wiki/Parmenides

      zumal die Epochen im Mittelmeergebiet zeitlich früher als in Mitteleuropa stattgefunden haben sollen
    • Alltag
      Göttin, die mit all ihren Bürgerinnen den wissenden Mann leitet

      das Wort Bürger setzt eine Burg voraus
      nun sollen aber die kretischen Städte (Minoer) nicht befestigt gewesen sein

      die befestigte Akropolis deutet auf kriegerische Auseinandersetzungen
      zwischen der angestammten und der einwandernden indogermanischen Bevölkerung hin

      vielleicht wurden auch die angestammte Bevölkerung verdrängt

      so sollen die kretischen Minoer nichtindogermanischen Ursprungs sein


      Man vermutet für diese Zeit (wie für die Peloponnes) Einwanderung nichtindogermanischer Stämme aus Anatolien nach Kreta.

      gottwein.de/grep/his_3000.php
    • Alltag

      dass der ‘wissende Mann‘ sich an den Sternen orientiert und somit seinen Weg als Seefahrer abseits der Küste, auf offener See, trotz der vermeintlich, in der Nacht drohenden Gefahren anhand der hellen Sterne findet.

      die astronomische Navigation setzt einen Sextanten voraus

      (sonst hat man nur den Polarstern und die Sternbilder als grobe Orientierung)
    • @scilla, @Homer, danke für die aufbauende Kritik. Sobald ich mir selbst sicherer bin, möchte ich drauf eingehen.

      Zur Zeit habe ich mit Vers 6 bis 10 - siehe unten - grosse Mühe:

      Meine Version scheint mir in den Vers 6 und 7 ebenso klar, wie bei Uvo Hölscher oder Jaab Mansfeld (Reclam 7739).
      Vers 8 beziehe ich wegen des Verbs "scheuen" auf Pferde, statt wie üblich auf wirbelnde Räder.
      Vers 9 scheint mir unproblematisch zu sein.
      Vers 10 jedoch ist bei mir gänzlich anders:

      Ich finde das Wort <Hand>=<ê cheir, cheiros> im griechischen Text nicht. Bei mir steht <chersì> und finde dazu <chérsos> und <chérson-de>=<an das Festland>.
      Statt <Schleier> kann gemäss Langenscheidts Altgriechisch Wörterbuch auch <Deckel> übertragen werden.
      Und für <to kràtos> steht <mit aller Kraft, im Sturm, im Galopp>.

      Gruss,
      Alltag, der Hilfebedürftige

      Prooemium, Vers 6 bis 10

      Die Achse in der Nabe war eine klingende Flöte.
      Erhitzt waren beide, obwohl eng und rund eingespielt.
      Allseits aufgescheut, weil besonders heftig angetrieben.
      Die Sonnenmädchen, das Haus der Nacht hinter sich lassend,
      drängen zum Licht mit aller Kraft unter dem Sturmdeckel weg dem Festland zu.
    • Hallo Alltag, ich führe keine Kritik ! Ich beziehe mich auf den Vers 9, nämlich die Dunkelheit.

      Hier der Text auf altgriechisch. Du kannst es ganz Legal herunterladen:

      play.google.com/store/apps/det…automon.parmenidhs.apanta

      Ich habe jetzt keine Zeit, ich komme darauf zurück.

      Grüße dich und alle Gute...

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    • Alltag schrieb:

      Im Vers 3 habe ich mich beim umstrittenen Wort über die Akzente hinweg gesetzt und mich für das Nächstliegende in Langenscheidts Altgriechisch Wörterbuch entschieden: aste = Bürger; Einwohner des Reichs der Göttin; poetische Umschreibung für <die Sterne am Himmel> = Gestirne. Daher heisst bei mir Vers
      3 "Göttin, die mit all ihren Bürgerinnen den wissenden Mann leitet."


      Hallo Alltag, nicht die Bürger, er meint damit die Städte (die Seele der Polis, sind die Bürger selbst). Die Stuten, die mich dort hinleiten, (bis dort) wo mein Verlangen "endet" (ich finde das richtige deutsche Wort nicht), Beschleunigten, und sie brachten mich in die berühmte Straße des daimons, wo diejenigen die Wissen, von die Städte (aste) erhebt.

      Grüße

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Homer ()

    • Hallo Alltag, die Stuten, sind weibliche Pferde. Warum leiten den jungen Parmenides gerade die Stuten hin, und nicht stattdessen männliche Pferde, also Hengste ? Wir könnten das Bild von Parmenides, mit den Bild von Platon und seine Pferde vergleichen. Pass gut auf, die Stuten leiten ihn auf einen Weg, und dort wo der Weg endet, endet auch sein Verlangen. Bessergesagt, sobald sein Verlangen endet, endet gleichzeitig der Weg. Die Straße, also der Weg selbst, ist sein daimon. Der junge Parmenides beschreibt einen Zustand ! Verständlicher wird es mit den nächsten Strophen.

      Grüße dich

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