Wort der Woche: Tür (2)

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Wort der Woche: Tür (2)

      Tage der offenen Tür sind in vielen Fällen nicht die Regel. Es sei denn, man gehört zum Kreis der Befugten. Die besitzen dann oft einen Schlüssel, in jüngerer Zeit eine Chipkarte, womit sich die verschlossene Tür entriegeln lässt. Außentüren von Privathaushalten sind bei fehlendem Sichtkontakt häufig mit einer Sprechanlage verbunden, damit erwünschte und unerwünschte Besucher unterschieden werden können. Daraufhin wird ein elektrischer Türöffner betätigt oder auch nicht. In anderen Fällen haben zwar alle an der Eingangstür freien Zutritt, aber an der Pforte hält sich Personal auf, das überprüft, ob ein Besucher durchgelassen werden kann.

      Solches Personal ist auch vom Sport her bekannt. Zum Beispiel hält im Fußball ein "Torwart" seinen "Kasten sicher", solange es geht. Wann immer ihm das nicht gelingt, hat der Spielgegner ein "Tor erzielt": der "Keeper" hat dann "hinter sich greifen" müssen, weil für ihn ein gezielter "Torschuss unhaltbar" gewesen ist. Die allerersten Fußballspiele sollen auf dem Gelände zwischen zwei Stadttoren ausgetragen worden sein. So vergleichen sich auch heute noch in diesem Mannschaftssport Teams, die meist lokal oder auch national zusammengesetzt sind.

      Einer der berühmtesten Torleute ist eine fiktive Gestalt: der namenlose Türhüter in Franz Kafkas Legende "Vor dem Gesetz", die man in dem Roman "Der Prozess" nachlesen kann. Ein ebenso namenloser "Mann vom Lande" will das Gesetz betreten, worunter man sich ein ziemlich komplexes Gebäude vorzustellen hat. Der Türhüter gibt jedenfalls zu verstehen, dass er nur einer von vielen sei. Alle anderen seien weiter innen platziert. Der um Einlass Ersuchende ist verunsichert: einerseits stellt sich ihm der Türhüter einschüchternd entgegen, andererseits stellt er ihm durchaus den Zutritt frei. Was tun? Der Mann zögert und will einen möglichst günstigen Moment abwarten. Dass weiter drinnen noch größere Schwierigkeiten zu erwarten sind, tut ein Übriges, um ihn vor dem Gesetz verharren zu lassen – bis ans Lebensende. Dann ist er endgültig nicht mehr stark genug, sich ein Herz zu fassen, um über seinen Schatten zu springen, über die Tür-Schwelle hinaus seinen Weg zu gehen. Obwohl – so die Antwort des Türhüters auf die letzte seiner vielen, vielen Fragen – hier alles ganz allein auf ihn zugeschnitten gewesen ist.
      LG

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Lutger ()

    • Lutger schrieb:

      Tage der offenen Tür sind in vielen Fällen nicht die Regel. ....

      Solches Personal ist auch vom Sport her bekannt. Zum Beispiel hält im Fußball ein "Torwart" seinen "Kasten sicher", solange es geht. ......

      Einer der berühmtesten Torleute ist eine fiktive Gestalt: der namenlose Türhüter in Franz Kafkas Legende "Vor dem Gesetz", die man in dem Roman "Der Prozess" nachlesen kann. Ein ebenso namenloser "Mann vom Lande" will das Gesetz betreten, worunter man sich ein ziemlich komplexes Gebäude vorzustellen hat. Der Türhüter gibt jedenfalls zu verstehen, dass er nur einer von vielen sei. ....


      Die Formel <vor dem Gesetz> kommt im Gesetz tatsächlich vor /1/, sodass man sich gar kein Gebäude vorstellen muss, ausser es sei denn ein "ziemlich komplexes" Gedankengebäude. Der Türhüter könnte dann die Hemmschwelle sein.

      /1/
      Art. 8 Rechtsgleichheit
      1 Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.