Wort der Woche: Mut (3)

    • Wort der Woche: Mut (3)

      Ich vermute, dass der meistzitierte "Mut"-Satz der Philosophiegeschichte ein Dichterwort ist, penibler gesagt: zwei Wörter. Im Lateinischen zumindest; denn es handelt sich bei dem Dichter um einen alten Römer. Übersetzungen dieser Maxime ins Deutsche pflegen nicht ganz so kurz und bündig zu geraten. Dem Dichterphilosophen Friedrich Schiller gelang noch eine der schlankesten Wiedergaben: "Erkühne dich, weise zu sein!" (im achten der 'Ästhetischen Briefe'). Die umständlichere von Kant ist dennoch die berühmtere Fassung: "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" Sie findet sich in dem Aufsatz, den der Königsberger Vernunftkritiker als Antwort auf eine Umfrage unter Gelehrten verfertigte: "Was ist Aufklärung?" Und er fügte das von Horaz stammende Original – "sapere aude" – rücksichtsvoll hinzu.

      Mutige riskieren etwas. Gilt das für die anderen nicht? Wie man's nimmt. Hinsichtlich der heutigen "Risikogesellschaft" nehmen Risiken nicht nur diejenigen auf sich, die furchtlos mitmachen, sondern auch diejenigen, die sich furchtsam zurückhalten. Ob man will oder nicht, man legt Mutproben ab. Denn die Gefahren lauern überall, wohin man sich auch wendet. Altmodisch, mit Goethes Worten ("Beherzigung"), aufgezählt:

      Ist es besser ruhig bleiben, klammernd fest sich anzuhangen? Ist es besser, sich zu treiben?
      Soll man sich ein Häuschen bauen? Soll man unter Zelten leben?
      Soll man auf die Felsen trauen? Selbst die festen Felsen beben.


      Das mannigfache Dilemma in puncto Lebenspraxis ist auch wissenschaftstheoretisch ein kritischer Befund. An der Unsicherheit führt – gerade beim Gebrauch des je eigenen Verstandes – kein Weg vorbei.

      Ist es besser gläubig bleiben oder Kernphysik zu treiben?
      Soll man ganz auf Gott vertrauen oder auf die Forschung bauen?
      Liegt im Wissen ein Behagen? Ungemütlich ist das Fragen.

      Eines Besseren belehrt als durch Vermutungen wird der heutige Mensch durch nichts mehr. Und ein solches Optimum ist jedes fehleranfällige Provisorium, jede Lebensentscheidung wie jede wissenschaftlich-technische Errungenschaft oder philosophisch-metaphysische Erwägung. Überall und immer wieder frischer und fehlender Mut zugleich – damit müssen und können Gemütswesen leben.
      LG
    • Viele Fragen, keine Antworten.
      Das "sapere aude" bezieht sich eher auf die Benutzung des Verstandes,
      als Gegensatz zum (religiösen) Glauben.
      "Angstmacher" hat es immer gegeben
      angefangen mit der Hölle, den apokalyptischen Reitern und den heute noch gelegentlich
      auftauchenden Weltuntergangspredigern.
      Die heutigen Angstmacher sind leider auch Geschäftemacher, es geht um Billionen;
      man spricht nicht mehr von Gott,
      sondern von "Wissenschaft", die aber ebenso nicht infrage gestellt werden darf, wie Religion.
      Es sind die "Allarmisten", wer sie kritisiert wird "Leugner" genannt,
      für die auch schon die Todesstrafe gefordert wurde.

      mfG
      leben ist bewegung
    • ​Ein Professor an der Grazer Universität hat vor zwei Jahren auf der Homepage der Hochschule einen Beitrag veröffentlicht, in dem er nicht mehr und nicht weniger als die Todesstrafe für Klimaleugner forderte. Der Klimawandel, so der Professor, werde Millionen von Menschen das Leben kosten, deswegen wäre es "prinzipiell in Ordnung, jemanden umzubringen, um eine Million andere Menschen zu retten". Die Leitung der Uni war nicht amüsiert, verzichtete aber auf disziplinarische Maßnahmen, nachdem der Professor versichert hatte, er habe "nur laut über ein wichtiges Problem" nachgedacht.

      tinyurl.com/puopjnk

      Es gehört also viel Mut dazu, diesen pseudoreligiösen "Allarmisten" zu widersprechen.
      Auch hier in diesem Forum.

      mfG
      leben ist bewegung