Philosophie ist die erste allgemeine Verunsicherung

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    • Prometheus13 schrieb:

      ohne jede Definition ist die Wahrheit ein rein persönliches Verlangen


      Danke für die Anregung! "Definieren" wir sie als ein rein persönliches Anliegen. Ich setz noch eins drauf, obwohl Du es mit dem "rein" schon andeutest: Wahrheit ist vielleicht das persönlichste Anliegen, das ein Mensch haben kann.

      Wie Du das Wort "persönlich" eingeführt, erscheint es als Kriterium minderer Qualität, etwa im Unterschied zu "pragmatisch". So kann man die Tiefenschärfe des urphilosophischen "Erkenne dich selbst!" durch eine Pseudophilosophie um unpersönliches Allerweltszeug ersetzen, nur um den billigen Vorteil einzuheimsen, dass die Terminologie gesichert ist. Hier mit besonderer Entschlossenheit liegt mir die allgemeine Verunsicherung am Herzen.
      LG
    • Lutger schrieb:

      Prometheus13 schrieb:

      ohne jede Definition ist die Wahrheit ein rein persönliches Verlangen


      Danke für die Anregung! "Definieren" wir sie als ein rein persönliches Anliegen. Ich setz noch eins drauf, obwohl Du es mit dem "rein" schon andeutest: Wahrheit ist vielleicht das persönlichste Anliegen, das ein Mensch haben kann.

      Wie Du das Wort "persönlich" eingeführt, erscheint es als Kriterium minderer Qualität, etwa im Unterschied zu "pragmatisch". So kann man die Tiefenschärfe des urphilosophischen "Erkenne dich selbst!" durch eine Pseudophilosophie um unpersönliches Allerweltszeug ersetzen, nur um den billigen Vorteil einzuheimsen, dass die Terminologie gesichert ist. Hier mit besonderer Entschlossenheit liegt mir die allgemeine Verunsicherung am Herzen.
      Ob 'Wahrheit' ein persönliches Anliegen ist oder nicht, das ändert nichts am Gehalt, dem Inhalt oder dem Begriff von Wahrheit.
    • idea schrieb:

      Ob 'Wahrheit' ein persönliches Anliegen ist oder nicht, das ändert nichts am Gehalt, dem Inhalt oder dem Begriff von Wahrheit.


      Und wenn wir einmal in Betracht ziehen, dass das Wesen ("Gehalt, Inhalt, Begriff") der Wahrheit Person ist? Wahrheit und Person dasselbe? Und das, was allgemein und eher unbedacht Wahrheit genannt wird, bloß Richtigkeit oder Echtheit?

      Vielleicht gibt ausgerechnet das flapsige Gerede von je "meiner Wahrheit" einen Wink auf das fortwährend Unbekannte und somit Verunsichernde im vermeintlich Bekannten von "Ich" und "Welt".
      LG
    • Lutger schrieb:

      Prometheus13 schrieb:

      ohne jede Definition ist die Wahrheit ein rein persönliches Verlangen


      Danke für die Anregung! "Definieren" wir sie als ein rein persönliches Anliegen. Ich setz noch eins drauf, obwohl Du es mit dem "rein" schon andeutest: Wahrheit ist vielleicht das persönlichste Anliegen, das ein Mensch haben kann.

      Wie Du das Wort "persönlich" eingeführt, erscheint es als Kriterium minderer Qualität, etwa im Unterschied zu "pragmatisch". So kann man die Tiefenschärfe des urphilosophischen "Erkenne dich selbst!" durch eine Pseudophilosophie um unpersönliches Allerweltszeug ersetzen, nur um den billigen Vorteil einzuheimsen, dass die Terminologie gesichert ist. Hier mit besonderer Entschlossenheit liegt mir die allgemeine Verunsicherung am Herzen.


      Nee. Ich habe nichts gegen die Selbsterkenntnis.
    • Lutger schrieb:

      idea schrieb:

      Ob 'Wahrheit' ein persönliches Anliegen ist oder nicht, das ändert nichts am Gehalt, dem Inhalt oder dem Begriff von Wahrheit.


      Und wenn wir einmal in Betracht ziehen, dass das Wesen ("Gehalt, Inhalt, Begriff") der Wahrheit Person ist? Wahrheit und Person dasselbe? Und das, was allgemein und eher unbedacht Wahrheit genannt wird, bloß Richtigkeit oder Echtheit?

      Vielleicht gibt ausgerechnet das flapsige Gerede von je "meiner Wahrheit" einen Wink auf das fortwährend Unbekannte und somit Verunsichernde im vermeintlich Bekannten von "Ich" und "Welt".

      Hallo Lutger - dann - wird's knifflig, denn selbst 'Person' kann nur aus einer Beobachterperspektive erkennen was Wahrheit oder Wahrheit als Person ist. In einem anderen Thread hieß es: 'ich bin die Wahrheit' es handelte sich dabei angeblich um Gottes Aussage - nun - das ist schwer überprüfbar und eine Glaubenssache. Andererseits ist es so, dass jeder Mensch in der Lage ist über sich selbst zu reflektieren und seine Wahrheit einer intersubjektiven gegenüberstellen kann, um zu erkennen, oder zu erfahren, was denn nun Wahrheit ist, bzw. sich wissentlich dazu äußern. Natürlich kann Mensch auch in seiner Höhle bleiben, dann sieht er eben nur die eigenen Schatten ander Wand.
    • hallo prometheus,

      eine gute definition der wahrheit ist eine "unreine" - das was mehre menschen für wahr halten ist wahr, bzw. wahrscheinlich mehr wahrer, als das was nur ein mensch für wahr hält.

      bei einem kriminal fall ist es aber auch oft gerade anders rum, sozusagen die ausnahme der regel, welche aber dennoch die regel an sich nicht ausser kraft setzt, denn in den meisten fällen geht es darum, ob andere das was man für wahr hält bestätigen oder nicht.

      damit ist die wahrheit meistens nichts weiter die hure unter den tugenden, weil einer allein hat sie nie.

      bezüglich festen grundpositionen von denen man bei metaphysik ausgehen muss, da gebe ich dir allerdings recht, allerdings sollte man aber auch dann wissen, wo die grenze zwischen humorvoller verarbeitung und bedürfnis besudelnder grenzstein markierung - wirklich anzusiedeln ist.

      nämlich hier nicht.

      lg

      Ich bin ein Freund der Weisheit,
      aber nicht alle ihrer Freunde
      sind auch meine Freunde.

    • idea schrieb:

      dann - wird's knifflig, denn selbst 'Person' kann nur aus einer Beobachterperspektive erkennen was Wahrheit oder Wahrheit als Person ist


      "Knifflig" ist im Vorfeld einer systemtheoretisch gesicherten Terminologie die Person als Phänomen. Das Wort "Person" ist befremdlich genug, um Rätsel aufzugeben, will man es nicht kurz entschlossen terminologisch fixieren, sondern möglichst lange im Freiraum seiner alltagssprachlichen Wendungen belassen. So ansetzend, möchte ich das Phänomen des Persönlichen etwa vor der gesetzgeberischen Unterscheidung von natürlichen und juristischen Personen bewahren, während der ehemalige Volljurist Niklas Luhmann hier ohne viel Federlesens anschloss. Hätte er das personbezogene Federlesen weit genug getrieben, das ganz Persönliche hätte ihm nicht entgehen können.

      Aber woher den Antrieb dazu nehmen im Jahrhundert der 'Antiquiertheit des Menschen', um mit Günther Anders zu reden! Von Mensch zu Mensch: das ist mein Verständnis des wahrhaft Persönlichen, des uneingeschränkt Personhaften, das im Vergehen begriffen ist, weil man soziologisch in viel zu vielerlei Rollen zu zerfallen pflegt und in physiologischer Hinsicht drauf und dran ist, anthropotechnisch zu mutieren.

      "Person" hat auch die Bedeutung des Maskenhaften, Trügerischen, Unwahren. Unter dem angesprochenen Aspekt und bestimmt noch weiteren Gesichtspunkten bewegt sich das so leichtfertig in den Mund genommene Wort "persönlich" im Spannungsfeld von wahr und unwahr. Persönliches und Unpersönliches, sprich Wahrheit und Unwahrheit erscheinen undefinierbar im Sinne der fehlenden Grenze innerhalb dieses Gegensatzes.
      LG

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Lutger ()

    • Hallo Lutger-
      Hätte er das personbezogene Federlesen weit genug getrieben, das ganz Persönliche hätte ihm nicht entgehen können.

      Willst du mich darüber aufklären, was genau du damit meinst?
      Von Mensch zu Mensch: das ist mein Verständnis des wahrhaft Persönlichen, des uneingeschränkt Personhaften, das im Vergehen begriffen ist, weil man soziologisch in viel zu vielerlei Rollen zu zerfallen pflegt und in physiologischer Hinsicht drauf und dran ist, anthropotechnisch zu mutieren.

      Der Mensch als athropotechnisch mutiertes Wesen - klingt irgendwie humorvoll, ist es aber nicht, was verstehst du darunter?
      "Person" hat auch die Bedeutung des Maskenhaften, Trügerischen, Unwahren. Unter dem angesprochenen Aspekt und bestimmt noch weiteren Gesichtspunkten bewegt sich das so leichtfertig in den Mund genommene Wort "persönlich" im Spannungsfeld von wahr und unwahr. Persönliches und Unpersönliches, sprich Wahrheit und Unwahrheit erscheinen undefinierbar im Sinne der fehlenden Grenze innerhalb dieses Gegensatzes.

      Ich stimme Peter Singer zu, der 'Person' als ein Lebewesen mit rationalistischen Fähigkeiten und mit 'Ich-Bewusstsein' sieht.Persönliches wie Unpersönliches sagt nichts über Wahrheit bzw. Unwahrheit aus beides ist in beidem inhärent und doch ist die Möglichkeit gegeben, durch die personalen Eigenschaften, den Anliegen von Wahrheit bzw. Unwahrheit nachzugehen und in Übereinstimung mit Wirklichkeit und Intersubjektivität sich einer möglichen,
      gesicherten Wahrheit anzunähern.
      LG
    • idea schrieb:

      Der Mensch als anthropotechnisch mutiertes Wesen - klingt irgendwie humorvoll, ist es aber nicht, was verstehst du darunter?


      Nimm bloß einmal den Computer. Jahrzehnte füllte sein Speicher großräumige Kellergeschosse. Zu vergleichbarer Rechenleistung brachte er es um die Jahrtausendwende als Tower-PC, wenige Jahre danach als Laptop. Heute steckt dieselbe Power in Tablets und Smartphones, bald in armbanduhren- und brillenartigen Utensilien. Dann wird's ans Eingemachte gehen: die ganze EDV-Anlage wird in den User hineinoperiert und nicht viel später als Hirnschrittmacher mit dem Nervensystem vernetzt. Und das alles gehört erst zur Vor- und Frühgeschichte des anthropotechnischen Zeitalters. Stell Dir selber parallele Entwicklungen auf anderen Gebieten vor! Es gehört heute nicht viel Phantasie dazu. Die jetzige Enkelgeneration wird ihren eigenen Enkeln voraussichtlich als Aliens begegnen, soweit sie die anstehenden Upgrades versäumt oder verweigert.
      LG

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Lutger ()

    • idea schrieb:

      Persönliches wie Unpersönliches sagt nichts über Wahrheit bzw. Unwahrheit aus


      An der Bezeichnung "Person" liegt mir so viel, wie dabei der Wortsinn der lateinischen "persona" (Maske des Schauspielers) vergegenwärtigt und somit die menschliche Doppelnatur gekennzeichnet ist. Das Wesen des Menschen ist das Lebewesen von Wahrheit und Unwahrheit. Das Gespann von Wahrheit und Unwahrheit zeigt sich allein im Menschsein. Diese Möglichkeit erwäge ich vorzugsweise. Von "Satz-" oder "Aussagewahrheit" rede ich nicht. Aussagen können richtig oder unrichtig sein, nicht wahr und unwahr – dazu sind sie eben zu unpersönlich.
      LG
    • idea schrieb:

      "Hätte er das personbezogene Federlesen weit genug getrieben, das ganz Persönliche hätte ihm nicht entgehen können."
      Willst du mich darüber aufklären, was genau du damit meinst?


      Das mit dem Federlesen ist der Versuch einer Umschreibung des in Luhmanns Theorie durch funktionale Gegebenheiten (wie psychisches System, soziale Adresse) ersetzten Menschen. Ich vermisse darin nicht die Subjektivität im Sinne einer quasi göttlichen, weltgrundlegenden res cogitans. Der subjektivistische Gotteskomplex kann dem Philosophieren gestohlen bleiben. Ich vermisse lediglich, aber auch sehr die jedem von uns eigene nackte menschliche Existenz, deren Schwäche ihr nicht die jeweilige Einzigartigkeit und Denkwürdigkeit nimmt. Beides lässt sich offenbar in der Kunst ausdrücklicher von allen unterordnenden 'Federn' befreien als in der Wissenschaft (die Kunstsoziologie inbegriffen).
      LG
    • Lutger schrieb:

      idea schrieb:

      Der Mensch als anthropotechnisch mutiertes Wesen - klingt irgendwie humorvoll, ist es aber nicht, was verstehst du darunter?


      Nimm bloß einmal den Computer. Jahrzehnte füllte sein Speicher großräumige Kellergeschosse. Zu vergleichbarer Rechenleistung brachte er es um die Jahrtausendwende als Tower-PC, wenige Jahre danach als Laptop. Heute steckt dieselbe Power in Tablets und Smartphones, bald in armbanduhren- und brillenartigen Utensilien. Dann wird's ans Eingemachte gehen: die ganze EDV-Anlage wird in den User hineinoperiert und nicht viel später als Hirnschrittmacher mit dem Nervensystem vernetzt. Und das alles gehört erst zur Vor- und Frühgeschichte des anthropotechnischen Zeitalters. Stell Dir selber parallele Entwicklungen auf anderen Gebieten vor! Es gehört heute nicht viel Phantasie dazu. Die jetzige Enkelgeneration wird ihren eigenen Enkeln voraussichtlich als Aliens begegnen, soweit sie die anstehenden Upgrades versäumt oder verweigert.


      Ja, ich kann mich noch gut an die Riesendinger erinnern :) Hm, ich würde die kommende Generation nicht als Aliens bezeichnen, eher die alte Generation die sich dem Schönheits- bzw. Jugendwahn hingibt und sich dem Skalpell unterwirft oder Botox. Der technische Fortschritt ist zweifellos auch von großem Nutzen für die Menschheit, wenn ich dabei an die eingepflanzten Mikrochips denke, die Gehörlose wieder hören lassen, oder an die verschiedensten Prothesen die ein menschenmögliches Leben für viele erst annähernd garantieren können. Der Missbrauch stellt sich natürlich ein - der Mensch ist ein Gesamtpaket und alles was gut für ihn ist, kann genausogut schlecht für ihn werden und so kann es durchaus passieren, das Menschen wie Tiere gechipt werden um sie besser überwachen zu können oder,... es gibt wahrscheinlich viele Möglichkeiten. Trotzdem zweifle ich nicht generell daran, dass erkannt werden wird, was für ein menschliches Leben - außer dem Gefühlsleben, notwendig sein wird um ein Überleben zu garantieren.
    • Lutger schrieb:

      idea schrieb:

      Persönliches wie Unpersönliches sagt nichts über Wahrheit bzw. Unwahrheit aus


      An der Bezeichnung "Person" liegt mir so viel, wie dabei der Wortsinn der lateinischen "persona" (Maske des Schauspielers) vergegenwärtigt und somit die menschliche Doppelnatur gekennzeichnet ist. Das Wesen des Menschen ist das Lebewesen von Wahrheit und Unwahrheit. Das Gespann von Wahrheit und Unwahrheit zeigt sich allein im Menschsein. Diese Möglichkeit erwäge ich vorzugsweise. Von "Satz-" oder "Aussagewahrheit" rede ich nicht. Aussagen können richtig oder unrichtig sein, nicht wahr und unwahr – dazu sind sie eben zu unpersönlich.

      Du bindest 'wahr und unwahr' an die Person des Menschen? Daher wahrscheinlich an die Überzeugungen oder Glaubensvorstellungen (nicht notwendigerweise religiösen)? Vielleicht kannst du 'wahr und Unwahr' näher definieren - das ist zwar dann eine Aussage aber der Begriffsinhalt wäre dein persönlicher!?
    • Lutger schrieb:

      idea schrieb:

      "Hätte er das personbezogene Federlesen weit genug getrieben, das ganz Persönliche hätte ihm nicht entgehen können."
      Willst du mich darüber aufklären, was genau du damit meinst?


      Das mit dem Federlesen ist der Versuch einer Umschreibung des in Luhmanns Theorie durch funktionale Gegebenheiten (wie psychisches System, soziale Adresse) ersetzten Menschen. Ich vermisse darin nicht die Subjektivität im Sinne einer quasi göttlichen, weltgrundlegenden res cogitans. Der subjektivistische Gotteskomplex kann dem Philosophieren gestohlen bleiben. Ich vermisse lediglich, aber auch sehr die jedem von uns eigene nackte menschliche Existenz, deren Schwäche ihr nicht die jeweilige Einzigartigkeit und Denkwürdigkeit nimmt. Beides lässt sich offenbar in der Kunst ausdrücklicher von allen unterordnenden 'Federn' befreien als in der Wissenschaft (die Kunstsoziologie inbegriffen).

      Ja, Kunst als Ausdruck scheint sich in der Gegenwart einen Freiraum geschaffen zu haben, der alles zu ermöglichen scheint. Aber 'Kunst' ist mehrdeutig und bei näherer Betrachtung nicht so frei und federlos wie man sich das möglicherweise vorstellt und vor allem muss sie erst als solche anerkannt sein. Hm, die eigene nackte Existenz ist zwar ein wichtiger Teil der Persönlichkeit für die Persönlichkeit, aber ob sie jemals für andere in der selben Sequenz zugänglich ist, oder ob jemals andere ein Interesse dafür zeigen, das scheint mir sehr fraglich zu sein.