Philosophie ist die erste allgemeine Verunsicherung

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    • Philosophie ist die erste allgemeine Verunsicherung

      "Erste allgemeine Verunsicherung (EAV)" hat sich in den 1970er Jahren eine Band genannt, die heute noch gefeierte Comebacks liefert. So könnte man auch die Philosophie nennen, deren Evergreens inzwischen einen mehr als zweieinhalb Jahrtausende langen Atem haben. Immanuel Kant (1724-1804) hat einen mustergültigen deutschen Text als Zusammenfassung dieser Dauerbrenner beigesteuert:

      "Die menschliche Vernunft hat das besondere Schicksal in einer Gattung ihrer Erkenntnisse: dass sie durch Fragen belästigt wird, die sie nicht abweisen kann, denn sie sind ihr durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben, die sie aber auch nicht beantworten kann, denn sie übersteigen alles Vermögen der menschlichen Vernunft."
      (Beginn der Vorrede zur Ausgabe A der "Kritik der reinen Vernunft" von 1781)

      Das "besondere Schicksal" kann man eben als Verunsicherung kennzeichnen. Jedes radikale Philosophieren kommt aus der Verunsicherung, dem Staunen, der geistigen Beunruhigung nicht heraus. Man muss schon die "Natur der Vernunft" verkehren, um sich hier zu beruhigen und auf Nummer sicher zu gehen. Das pflegt – Kant deutet es an – auf zweierlei Weise zu geschehen:
      • Entweder indem Antworten, die zum Scheitern verurteilt sind, einem glaubwürdig genug erscheinen, um sie nicht noch gründlich überprüfen zu müssen – und damit basta!
      • Oder dadurch, dass man die "lästigen" metaphysischen Fragen auf sich beruhen lässt, indem man sie für Schnee von gestern hält und darüber hinaus jeden Winter in frostfreie Gefilde verreist. Keine Fragen, keine Probleme.
      Streng genommen sind das zwei Weisen, sich um den Verstand zu bringen. Das Herz mag noch lange schlagen, aber die Diagnose Hirntod scheint unwiderruflich. Letzteres verhält sich in der Physiologie allerdings anders als in der Philosophie, in der es nur den Schlaf der Vernunft geben kann, nicht deren Tod. Für irgendeinen Weckruf mag jede Unvernunft empfänglich bleiben. Darauf besteht begründete Hoffnung, so klein sie sich oft auch ausnimmt. Gleich dem Aufklärer Kant können wir so tun, als wäre sie überall erfüllbar.
      LG
    • hallo lutger,

      der "schlaf der vernuft" findet bei mir täglich von 22 h bis 5 h 30 statt, smile, jedem jungen nervösen und psychisch überbelasteten menschen wurde das zu meiner zeit ärztlich verordnet - es dauerte aber einige zeit, bis ich die sinnhaftigkeit des unterfangens erkannte. um vernunft erwecken zu können, muss man sie schlafen legen.

      zur allegmeinen verunsicherung, ich mag diese band sehr, da ich letztens mehr in glaubens threads arbeite, möge nur das lied "das böse ist immer und überall" erwähnt sein. der mensch denkt und gott lenkt, eben wie bei dem bankräuber, der dann doch lieber was einzahlt. - oder wie bei dem lied der gleichen band in der die leckere mischung aus arnold schwarzenegger und albert einstein besungen wird, nur leider hat der held der story von einstein die figur und von schwarzenegger das hirn, das ihm rät zur eroberung seiner angebeteten body building zu betreiben, die in der zwischenzeit aber längst einen andern heiratet. resümierend, dass lediglich am schotterteich von mistelbach vielleicht noch die christel schwach wird, verbleibt das muskelpaket als witzfigur in unsem bewusstsein.

      was mich aktuell beschäftigt, was ist reine verunft und kann sie in einem ethischen sinne überhaupt rein sein, wenn sie vernuft ist?
      ich selbst erlebe pure vernuft oft als kalt und eher schmutzig vor allem im wirtschaftlichen und unterhaltungs medien sektor.

      - soweit meine erstreaktion auf deinen neuen thread

      lg

      Ich bin ein Freund der Weisheit,
      aber nicht alle ihrer Freunde
      sind auch meine Freunde.

    • Neutralis schrieb:

      was mich aktuell beschäftigt, was ist reine verunft und kann sie in einem ethischen sinne überhaupt rein sein, wenn sie vernuft ist?
      ich selbst erlebe pure vernuft oft als kalt und eher schmutzig vor allem im wirtschaftlichen und unterhaltungs medien sektor.


      ist das wirklich "vernunft"? Wäre das nicht eher rationales, egoistisches Denken, also eher das Gegenteil aller Vernunft?
      Der Dativ ist des Genitivs tode.
      Der Theos versucht eine Monokausalität aufrecht zu erhalten, gegen alleWidrigkeiten die ihm die Ratio, der Ethos, die Ästhetik auferlegen, also der Organismus.Transhumanismus sollte das theologische Ideal sein, verwirklich in Prozesstheologie. Zeiträume die nicht-abzählbar sind, weil sie die reine Gegenwart betreffen und Skalenerträge reproduzieren.
    • hallo canuma,

      ja da hast du mehr recht als du denkst, aber du meinst nicht rationales denken, denn das heißt einfach vernünftiges denken, was du meinen könntest, wäre rationelles denken, da steckt nicht ratio drinnen sonder ration, also quantität, je mehr quantität desto mehr kann man verkaufen. je rationeller produziert wird je mehr man herstellen kann, desto mehr geld - das ist genau diese vernuft die wirtschaftlich und am unterhaltungsmarkt eben nur begrenzt funktioniert - und in der gegenwart nicht wirklich mehr empfehlenswert ist. der markt ist prinzipiell mit dingen die man nicht wirklich braucht mehr als überfüllt.

      lg

      Ich bin ein Freund der Weisheit,
      aber nicht alle ihrer Freunde
      sind auch meine Freunde.

    • Neutralis schrieb:

      was ist reine vernunft und kann sie in einem ethischen sinne überhaupt rein sein, wenn sie vernunft ist?


      Wie aus dem Titel von Kants Hauptwerk zu ersehen, ist reine Vernunft etwas, womit sich dieser Philosoph kritisch auseinandergesetzt hat. Er hat unterschieden zwischen ihren Leistungen und ihren Grenzen. Dein und Thomas Spitzers Landsmann Karl Popper hat ja den "Kritischen Rationalismus" begründet, mit dem er auf Kants Vernunftkritik zumindest anspielt. "Rationalismus" und "reine Vernunft" sind weitgehend austauschbare Bezeichnungen. Sie stehen für eine Denktradition, die im Zweifel jederlei Lebenserfahrung über Bord wirft, um ausgedachte Grundsätze, aus denen sich alles, was ist, logisch ableiten lässt, aufrechtzuerhalten. Zu den Lebenserfahrungen zählen auch wissenschaftlich-technische Experimente. Galilei hatte es seinerzeit mit Rationalisten und deren theologischen Grundsätzen zu tun, als er eine päpstliche Delegation einlud, durch sein Fernrohr den Himmel zu beobachten. Ob einer von diesen die Einladung annahm oder nicht, ist unerheblich: es kann nicht sein, was nicht sein darf – hier nämlich eine Erde, die sich wie ein Planet bewegt. Im Gegensatz dazu wäre nach Poppers Kritischem Rationalismus das geozentrische Weltbild gestorben, sobald Galileis Beobachtungsdaten gesichert waren.

      Kant nahm bekanntlich die Gottesbeweise ins Visier, das rationalistische Unterfangen einer "natürlichen Gotteslehre", wonach sich (der biblische) Gott nicht nur auserwählten Menschen zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Situationen offenbart, sondern jedem Menschen jederzeit und überall, sobald er sich die Existenz Gottes rein in Gedanken klarmacht. Kant zeigte auf, dass für Gottes Nichtexistenz genauso unvollkommen gut argumentiert werden kann wie für Gottes Existenz. Eine Ausnahme stellt die reine praktische Vernunft dar. Hier kann der Gedanke eines bösen Willens nicht so stichhaltig sein wie der eines guten. Und hier wiegt auch schon allein der Umstand schwerer, dass prinzipiell keinem Menschen der gute Wille abgesprochen werden kann, so sehr er sich auch im Lebensalltag danebenbenehmen mag. Daher muss, bildlich mit Schiller gesprochen, "droben überm Sternenzelt ein guter Vater wohnen" oder, mit Kant, "ein höchstes Gut", das göttliche, im Sinne einer unbedingten Forderung "postuliert" werden. Am Ende der Vernunftkritik bleibt dieser "ethische Gottesbeweis" im Sinne eines "praktischen Rationalismus" von der "natürlichen Gotteslehre" übrig.

      Lange Zeit noch hat man vor allem einer strengen Kindererziehung angemerkt, dass in der Lebenspraxis zu viel kantianische Vernunft im Spiel gewesen und zu wenig, diesmal, Moralkritik beherzigt worden ist, deren früher Wortführer der eben erwähnte Friedrich Schiller war: "Gern dien' ich den Freunden, doch tu' ich es leider mit Neigung / Und so wurmt es mir oft, dass ich nicht tugendhaft bin."
      LG
    • hallo lutger,

      danke für deine ausführungen, die ich prinzipiell sehr umgreifend und angenehm gerafft empfinde.
      trotzdem möchte ich drauf verweisen, dass ich hier die frage nach relitiosität, gott und dessen kritisierbarkeit nicht thematisiert habe.
      es ging mir rein um die fesststellung dass es auch reine Vernuft ist, seinen kot in die toilette zu entleeren, weil der menschliche körper einerseits zur kotproduktion konzipiert, alle anderen wohnräumlichkeiten außer der toilette jedoch nicht zur kotentleerung konzipiert sind. die reinheit der Vernuft kann also durchachaus sich darin offenbaren, dass man den sowohl die notwendikeit als den ort des zweckes einer verunreinigung logisch wählt. - smile
      stellt das nicht auch eine allgemeine verunsicherung dar?

      zu dem, was du sonst noch thematisch anspielst,
      das zentrische weltbild, welches die kirche eigentlich immer noch vertritt, stellt für mich in meiner heutigen zeit als glaubender kein problem dar, da ich als mensch mich schon von der gemeinschaft mit den anderen arten der natur her nie als "einzelwesen" und im schillerschen sinne als "mittelding zwischen gott und dem tierreich" gesehen habe oder so erzogen wurde. keine ausserirdische art und keine sonnensystemorientierte erde würde daran wesentlich etwas ändern. in der vergangenheit hatte man von dem mensch sein aber ein prinzipiell anderes verständnis und das "zu höherem berufen sein" mancher dichter und poeten kann man aus heutiger sicht durchaus als "untergott stellung von künstlern" als so eine art vierte stufe über der stummen masse von normalo menschen sehen. aber das ist dann schon wieder eine andere geschichte.

      zu praktischer vernuft, hier würde ich das reinigen der toilette und die wasserspülung der toilette ansiedeln... ne im ernst... bei kant war in der praktischen vernuft nicht zuletzt das erkennen des göttlichen deswegen praktisch, weil es anderenfalls ganz konkrete verfolgungen seines gedankengutes gegeben hätte in seiner zeit, gerade nach so spannendem abgesang jeglicher theologie als fulminantes ende der kritiken doch zu dem schluss zu kommen ohne gott ist vernuft nicht perfekt, rührte auch gar manch kirchentreues herz. sage ich hier nur der fairnesshalber dazu, denn ich habe kant schon so verstanden, dass er in erster linie an die ethische selbstverantwortlichkeit des menschen unter menschen glaubte und weniger an das starre theologische zeug, dass dazumal nicht immer nur gottgefällig sondern in erster linie regentengefällig zu sein hatte.

      nun ja, verunsichern wir uns weiter, für diesmal mal der input streem abgerissen, weil der magen auf abendbrot geswitcht hat.

      lg

      Ich bin ein Freund der Weisheit,
      aber nicht alle ihrer Freunde
      sind auch meine Freunde.

    • Neutralis schrieb:

      zu praktischer vernunft, hier würde ich das reinigen der toilette und die wasserspülung der toilette ansiedeln


      Hallo Neutralis, Deine prompte Antwort, weil unter "Benachrichtigen" übersehen, ist mir fünf Tage lang entgangen. Jetzt will ich endlich Stellung nehmen.

      Wer auf Hygiene Wert legt, für den ist praktisches Denken im Sinne des Ergreifens von Hygienemaßnahmen geradezu eine Notdurft. Hier kommt der hypothetische Imperativ zum Tragen: Wenn man dieses erreichen will, dann muss man jenes dafür tun. Das ist ein Gebot der praktischen Vernunft. Ein Gebot der reinen praktischen Vernunft ist allerdings nur der kategorische Imperativ. Kant stellte die philosophische Ethik auf dieses unbedingte moralische Gesetz. Alle übrigen Sitten und Gebräuche erscheinen bedingt durch vielerlei Konventionen, so "heilig" oder "selbstverständlich" sie auch nach dieser oder jener "positiven" (sakralen oder profanen) Rechtsordnung bzw. -empfindung sein mögen. Daher kann Schweinefleischkost ebenso tabuisiert werden wie schmutzige Toiletten. Unreine Vernunft hingegen, ob theoretische oder praktische, ist keine absolut gesetzte, sondern eine dem gelebten Leben zugeordnete Art des No-Go; sie erweist sich sogar als die einzig gängige. Reine Vernunft nimmt sich als die 'eigentliche' – à la Kants regulativer Idee – von der (gedanklich) unreinen Regel aus.
      LG
    • hallo lutger,

      danke für deine antwort, ich dachte schon, ich hätte dich humoreskes wollen, persönlich beleidigt. smile.
      ich denke das reine an der kantschen vernuft ist ja doch nur, dass es ein nicht konkreter schuh für jedermanns fuß ist bzw. eben sein soll.
      wie du richtig schreibst, auch wenn nicht in dieser form, so liegt unreine vernuft dann vor, wenn sie ein ganz konkretes gegeständliches objekt - also ein konkreter fall x der realiät ist - und sozusagen diese situation durchläuft
      unrein - wäre dann die wirklichkeit des reinen in einer konkreten irdischen gestalt.

      sollte uns das nicht zu denken geben?

      LG

      Ich bin ein Freund der Weisheit,
      aber nicht alle ihrer Freunde
      sind auch meine Freunde.

    • Neutralis schrieb:

      unrein - wäre dann die wirklichkeit des reinen in einer konkreten irdischen gestalt.

      sollte uns das nicht zu denken geben?


      Oder wie wäre es, jede ehrgeizige philosophische Arbeit zum Abschluss ins Unreine zu schreiben? Die Krone in einen Hasen umzuschmelzen. Das Konstruierte zu dekonstruieren? Eine Grundversicherung nach der anderen zu verunsichern?

      PS
      Schon wieder hatte ich unter "Benachrichtigungen" keinen Hinweis auf Dein Posting. Was ist denn da los?
      LG
    • Ich vermute sehr stark, dass die sog. Verunsicherung in dem Fehler besteht, an die Tatsache an sich zu glauben.

      Es ist sehr viel klüger, in Möglichkeiten und Analogien zu denken. So nämlich wird man nicht verzweifeln, noch überhaupt zweifeln, sondern lediglich zur Deutung der Realität finden.

      Das, was den Menschen in seiner Wahrnehmung betrifft, wird im besten Fall zur nützlichen Deutung herangezogen. So findet man zu begründeten Regelmäßigkeiten, die einem selbst nützlich sind, ohne irgendwelche Möglichkeiten auszuschließen oder sich jeder Überzeugung verweigern zu müssen.
    • Prometheus13 schrieb:

      Ich vermute sehr stark, dass die sog. Verunsicherung in dem Fehler besteht, an die Tatsache an sich zu glauben.

      Es ist sehr viel klüger, in Möglichkeiten und Analogien zu denken. So nämlich wird man nicht verzweifeln, noch überhaupt zweifeln, sondern lediglich zur Deutung der Realität finden.


      Ausgerechnet ein Mensch mit ausgeprägtem Möglichkeitssinn will eine naheliegende Möglichkeit als "Fehler" und "unklug" abqualifizieren? Die Möglichkeit, dass liebgewonnene oder sonstwie eingebürgerte Denk- und Deutegewohnheiten nicht per se die klaren Favoriten unter den Optionen sein müssen? Dass etwa ein beharrlich positives Denken eher ein Anzeichen von Trug ist als von sorgfältiger Erwogenheit?

      Alles in der Schwebe zu lassen, passt als Empfehlung den meisten wohl nicht in den Glaubenskram und mag sie geradezu mit Horrorvorstellungen erfüllen. Doch die Minderheit derer, die den Mut oder vielleicht nur die Lust zur Skepsis aufbringen, kann durch den produktiveren Möglichkeitssinn ausgezeichnet sein – im Zeichen der Fehlbarkeit des armen Toren Mensch, weswegen auch immer er sich ein Besserwissen (resp. Besserphilosophieren) einbilden mag und damit gelegentlich meint auftrumpfen zu können.
      LG
    • Prometheus13 schrieb:

      Ich vermute sehr stark, dass die sog. Verunsicherung in dem Fehler besteht, an die Tatsache an sich zu glauben.

      Es ist sehr viel klüger, in Möglichkeiten und Analogien zu denken. So nämlich wird man nicht verzweifeln, noch überhaupt zweifeln, sondern lediglich zur Deutung der Realität finden.

      Das, was den Menschen in seiner Wahrnehmung betrifft, wird im besten Fall zur nützlichen Deutung herangezogen. So findet man zu begründeten Regelmäßigkeiten, die einem selbst nützlich sind, ohne irgendwelche Möglichkeiten auszuschließen oder sich jeder Überzeugung verweigern zu müssen.


      Glaubst du an die Realität - als 'Tatsache'?
    • hallo lutger,

      ich denke alles das sich nicht klar formuliert, passt schablonen denkern an sich nicht, ist es doch die vortreffliche eigenschaft der "form" einer schablone, klare konturen zu haben. die proletisch neckende heißenbergsche unschärferelation im denken dazu zu nutzen, subjektiv stärker zu strahlen, als der teller rand seiner eigenen existenz, ist gerade für solche indiviuen besonders schmerzvoll, welche wie keksformen sich keinen passenden teig mehr finden um sich abzubiden, weil der teig gegessen und die form lange schon wieder für die nächste zweifelhafte herzchen ladung gefestigtes bröselgut in einem jahr zum oh du fröhliche singen verpackt und verstaut ist.

      lg

      Ich bin ein Freund der Weisheit,
      aber nicht alle ihrer Freunde
      sind auch meine Freunde.

    • Lutger schrieb:

      Prometheus13 schrieb:

      Ich vermute sehr stark, dass die sog. Verunsicherung in dem Fehler besteht, an die Tatsache an sich zu glauben.

      Es ist sehr viel klüger, in Möglichkeiten und Analogien zu denken. So nämlich wird man nicht verzweifeln, noch überhaupt zweifeln, sondern lediglich zur Deutung der Realität finden.


      Ausgerechnet ein Mensch mit ausgeprägtem Möglichkeitssinn will eine naheliegende Möglichkeit als "Fehler" und "unklug" abqualifizieren? Die Möglichkeit, dass liebgewonnene oder sonstwie eingebürgerte Denk- und Deutegewohnheiten nicht per se die klaren Favoriten unter den Optionen sein müssen? Dass etwa ein beharrlich positives Denken eher ein Anzeichen von Trug ist als von sorgfältiger Erwogenheit?

      Alles in der Schwebe zu lassen, passt als Empfehlung den meisten wohl nicht in den Glaubenskram und mag sie geradezu mit Horrorvorstellungen erfüllen. Doch die Minderheit derer, die den Mut oder vielleicht nur die Lust zur Skepsis aufbringen, kann durch den produktiveren Möglichkeitssinn ausgezeichnet sein – im Zeichen der Fehlbarkeit des armen Toren Mensch, weswegen auch immer er sich ein Besserwissen (resp. Besserphilosophieren) einbilden mag und damit gelegentlich meint auftrumpfen zu können.


      Ich bin kein Positivist. Erst recht bin ich kein Besserwisser.

      Dass ich die philosophische Verunsicherung als Fehler bezeichnet habe, hat etwas mit der Klugheit im pragmatischen Sinn zu tun. Bitte verzichte auf deine Polemik.
    • Prometheus13 schrieb:

      Ich bin kein Positivist. Erst recht bin ich kein Besserwisser.

      Dass ich die philosophische Verunsicherung als Fehler bezeichnet habe, hat etwas mit der Klugheit im pragmatischen Sinn zu tun. Bitte verzichte auf deine Polemik.


      Positivismus und positives Denken sind zwei ziemlich verschiedene Angelegenheiten. Soll ich's Dir erklären oder möchtest Du es selber nachlesen?

      Die Besserwisserei habe ich den Menschen ganz allgemein unterstellt, mich selbst nicht ausgenommen. Von "Polemik" kann in meinen Ausführungen also überhaupt keine Rede sein.

      Um so etwas handelt es sich eher, wenn den Ruf "Fehler!" kein Argument begleitet, sondern lediglich die Behauptung, deuten und analogisieren wäre klüger als etwa zweifeln und hinterfragen.

      Wir beide diskutieren derzeit kontrovers, das müssen wir nicht lassen, solange es uns nötig erscheint und geistig erregt. Bisher ist das womöglich der Fall.
      LG

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Lutger ()

    • Lutger schrieb:

      Prometheus13 schrieb:

      Ich bin kein Positivist. Erst recht bin ich kein Besserwisser.

      Dass ich die philosophische Verunsicherung als Fehler bezeichnet habe, hat etwas mit der Klugheit im pragmatischen Sinn zu tun. Bitte verzichte auf deine Polemik.


      Positivismus und positives Denken sind grundverschiedene Einstellungen.
      Die Besserwisserei habe ich den Menschen ganz im Allgemeinen unterstellt, mich selbst nicht ausgenommen.
      Von "Polemik" kann in meinen Ausführungen also überhaupt keine Rede sein.
      Um so etwas handelt es sich eher, wenn den Ruf "Fehler!" kein Argument begleitet, sondern lediglich die Behauptung, deuten und analogisieren wäre klüger als zweifeln und hinterfragen.


      Ich möchte mit dir nicht über den Begriff des Arguments diskutieren.

      Es ist wohl aus pragmatischer Sicht sehr viel sinnvoller, generell nicht in Tatsachen zu denken, sondern allein die Möglichkeit jeder Sache hinzunehmen und den Glauben gerade dorthin zu lenken, wo der ersichtliche Nutzen besteht.

      Eine solche Betrachtung der Realität führt weg von der Verunsicherung "Was ist wahr?" hin zu der Frage "Was ist von großem Nutzen?".

      So nämlich stellen sich die metaphysischen Fragen nicht.
    • Prometheus13 schrieb:

      weg von der Verunsicherung "Was ist wahr?" hin zu der Frage "Was ist von großem Nutzen?"


      Mit Fragen wie "Was ist wahr?" und "Was ist von großem Nutzen?" hält man den Ball flach. Beides erscheint mir kaum denkwürdig, sondern lediglich wissenswert. Philosophieren ist für mich das Wahrhabenwollen existenzieller Verlegenheiten, die von flachen Diskursen wie dem pragmatischen verdrängt werden. Dazu braucht mein Denken kein philosophisches Etikett, um der Besinnungslosigkeit disziplinäre Weihen zu geben. Nicht was wahr, sondern was Wahrheit ist, gibt philosophisch zu denken. Darüber nun möchte – vielleicht bis auf Weiteres – ich nicht mit Dir diskutieren.
      LG
    • Lutger schrieb:

      Prometheus13 schrieb:

      weg von der Verunsicherung "Was ist wahr?" hin zu der Frage "Was ist von großem Nutzen?"


      Mit Fragen wie "Was ist wahr?" und "Was ist von großem Nutzen?" hält man den Ball flach. Beides erscheint mir kaum denkwürdig, sondern lediglich wissenswert. Philosophieren ist für mich das Wahrhabenwollen existenzieller Verlegenheiten, die von flachen Diskursen wie dem pragmatischen verdrängt werden. Dazu braucht mein Denken kein philosophisches Etikett, um der Besinnungslosigkeit disziplinäre Weihen zu geben. Nicht was wahr, sondern was Wahrheit ist, gibt philosophisch zu denken. Darüber nun möchte ich – vielleicht bis auf Weiteres – nicht mit Dir diskutieren.


      Was Wahrheit ist? Undefinierbar.

      Der weisere Philosoph ist immer imstande, den Betrug des eigenen Verstandes zu entlarven.
    • Prometheus13 schrieb:

      Was Wahrheit ist? Undefinierbar.


      Was soll diese Erwartung, die Frage nach der Wahrheit habe auf eine Definition hinauszulaufen? Wenn die Diagnose "undefinierbar" wenigstens den "Nutzen" der Beunruhigung hätte! Stattdessen kommt das Statement wie eine Erledigung daher und wie ein "basta!" Oder verstehst Du der Undefinierbarkeit einen anderen Stellenwert zuzuweisen als den der Belanglosigkeit und Abgefertigtheit? Das ließe mich am Ball bleiben, wenn Prometheus spricht.
      LG