Wort der Woche: Tag (5)

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    • Wort der Woche: Tag (5)

      Wenn es tagt, beginnt ein Tag. Wenn unsereins tagt, findet eine meist mehrtägige Tagung statt, die aber fast nie "-tage", dagegen öfter "-tag" genannt zu werden pflegt, zum Beispiel Kirchentag oder Soziologentag. Nur menstruierende Frauen haben ganz ausdrücklich ihre "Tage". Obwohl es auch den einzelnen Frauentag gibt, nicht als Tagung, sondern als Gedenk- oder Aktionstag. Geradezu verewigt ist das Tagen in Einrichtungen wie einem Land- oder Bundestag; auf Dauer gestellt und in die feste Form eines Parlamentsgebäudes gegossen. Dieser Bedeutungswandel kommt daher, dass sich anfangs, wegen des überschaubaren Verhandlungs- und Entscheidungsbedarfs, das politische Personal immer mal wieder nur zu eintägigen Tagungen traf, zudem im Freien. Das alles hat sich gewandelt und somit auch der Sinn der Worte "Tag" und "Tagung".

      Nicht bloß nebenbei bemerkt, scheint es auf der Erde darauf hinauszulaufen, dass überall die Nacht zum Tag gemacht und es deshalb nur noch einen unabsehbar langen letzten Tag geben wird. Die Sonne wird als maßgebliche Lichtquelle für unterschiedliche Tageszeiten außen vor gelassen und durch die künstliche Beleuchtung eines optisch durchgestylten Weltinnenraums ersetzt. Womöglich lässt sich parallel dazu auch das "Problem" unseres Schlafbedarfs lösen, so dass wir so ständig wie das Lichtermeer unsere hellen Köpfe eingeschaltet lassen können. Wir werden einen endlosen Tag lang tagen können. Dieser Tag dürfte dann endgültig "nur der weiße Schatten der Nacht" sein (Heinrich Heine). 8|
      LG

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Lutger ()