Wort der Woche: Tag (4)

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    • Wort der Woche: Tag (4)

      Es war bezeichnend für Ernst Bloch (1885-1977), den drohenden Gemeinspruch "Noch ist nicht aller Tage Abend" auf den Kopf gestellt zu haben: "Noch ist nicht aller Abende Tag." Für Blochs Zeitgenossen Oswald Spengler (1880-1936) war das Abendland dem Untergang geweiht, ohne eines Tages Licht am Ende dieses Tunnels in Aussicht zu stellen, jedenfalls nicht auf alteuropäischem Terrain. Bloch dagegen erwartete wo, wenn nicht hier, die menschheitsgeschichtliche Morgenröte nach Jahrtausenden eines klassengesellschaftlichen Zwielichts. Trotz des wissenschaftlich-technischen Fortschritts im Kapitalismus hat der fortwährende Klassengegensatz nicht zu dem Himmel auf Erden geführt, der "allianztechnisch" machbar erscheint. Stünden die meisten Produktionsmittel der modernen Gesellschaft für wahrhaft gemeinnützige Neuerungen statt für zweifelhafte Beglückungen zur Verfügung, dann wäre unser ganzer Globus ein "guter Ort: Eutopia". Trotz aller Enttäuschungen, die gerade zu seinen Lebzeiten sozusagen auf der Tagesordnung standen, hat Bloch bis zuletzt (er wurde 92) an seinem "Prinzip Hoffnung" festgehalten. Ich möchte ihm zu gerne nachrufen: Was lange dämmert, wird endlich Tag – statt Nacht. Wer weiß! :/
      LG