Wort der Woche: Tag (2)

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    • Wort der Woche: Tag (2)

      In dieser Woche lese ich einen Band des "kollektiven Tagebuchs" von Walter Kempowski, das mit "Führers Geburtstag" beginnt. Diesem "besonders begangenen Tag" widmet Wikipedia einen eigenen Artikel. Kempowski hat allerdings einen ganz bestimmten "Führergeburtstag" ausgewählt: den 20. April 1945. Da wurde Hitler 56 Jahre alt und dauerte es noch zehn Tage bis zu seinem Todestag. In dem "Tagebuch"-Band sind die Tage des Zweiten Weltkriegs Tag für Tag gezählt. Über den Eintragungen zum 20. April steht "<2059 Tage ... 18 Tage>". Tagsächlich: die Tage sind gezählt; weshalb der Band auch den Untertitel "Abgesang '45" trägt.

      Streng genommen können nur die Tage einer auf den Tag genau bestimmten Frist gezählt sein. Solche Fristen sind Wochen, Monate und Jahre. Auch etwa Kündigungsfristen sind tagesgenau. Unbestimmtere Fristen sind die Lebenszeiten. Gänzlich Unbefristetes scheint es nicht zu geben, so dass im gewissen Sinn alle Tage gezählt sind, vom allerersten bis zum allerletzten. Demnach gab es einst einen "Tag ohne Gestern" und wird es einst einen "Tag ohne Morgen" geben.

      Aber, nochmals streng genommen: Was ist das überhaupt für eine Zeiteinheit, der Tag? Seine Dauer richtet sich bekanntlich nach dem Sonnenstand. Und der hängt davon ab, wo man sich im Sonnensystem befindet. Das kann enorm viel ausmachen. Ein Mondtag ist circa 29, ein Merkurtag 176, ein Venustag 117 Erdtage lang. Nur ein Marstag ist (mit circa vierundzwanzigeinhalb Stunden) ziemlich genau so lang wie ein Tag auf unserem Planeten. Mit solchen Unterschieden beginnen erst die gewaltigen Komplikationen einer physikalischen Zeitrechnung. Von der philosophischen noch zu schweigen. ?(
      LG

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Lutger ()