Ankündigung Pragmatismus als Projekt

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    • Pragmatismus als Projekt

      Wir bedenken das Wesen des Handelns noch lange nicht entschieden genug.
      (Martin Heidegger)



      "Pragmatismus" wird hier nicht im umgangssprachlichen Sinne verstanden, demzufolge "pragmatisch" so viel heißt wie: fokussiert auf das gerade bequem Machbare und dessen persönlichen Nutzen, ohne Rücksicht auf übergeordnete Werte und Ziele. Als philosophischer Terminus ist "Pragmatismus" vielmehr eine Sammelbezeichnung für solche philosophischen Fragestellungen und Lösungsansätze, die das Handeln nicht nur zum zentralen Thema erheben, sondern darin auch einen Anfang (ein "Prinzip") des Erklärens und Begründens sehen.

      Für die Praktische Philosophie, die traditionell Ethik, Recht und Politik umfasst, ist es trivial, das Handeln ins Zentrum zu stellen, das ergibt sich einfach aus dem Thema. Seine spezifischen Konturen gewinnt ein pragmatistisches Denken erst dort, wo auch traditionell als "theoretisch" eingestufte Themen und Gegenstände primär unter dem Handlungsaspekt betrachtet werden - wie Erkenntnis, Sprache, Vernunft, Logik, "Geist".

      Um das etwas greifbarer zu umachen, seien zwei Beispiele für Pragmatismus genannt, ein antikes und ein modernes.

      Während Platon in ethischen Fragen stets den Vorrang der theoretischen Erkenntnis betont und das Gute als eine Idee auszeichnet, die letzlich nur durch reine Vernunft erfasst werden kann, bestimmt sein Schüler und Kritiker Aristoteles das Gute als das Ziel des Handelns und Strebens. In der Ethik geht es Aristoteles daher um das Gute, das nicht bloß gedacht, sondern durch Handeln erreicht, also verwirklicht werden kann. (Erich Kästner hat diesen Ansatz 2000 Jahre später witzig auf den Punkt gebracht: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.") Jene Vernunft, die sich um die Prinzipien des im Handeln erstrebten und erreichten Guten kümmert, sondert Aristoteles als praktische Vernunft von der theoretischen, spekulativen Vernunft ab. Das heißt, er gesteht ihr eine eigene Dignität zu, die durch theoretische Vernunft nicht übertrumpft werden kann.

      In seinem Buch Der Begriff des Geistes (orig. The Concept of Mind, 1949) untersucht Gilbert Ryle solche Gegenstände der (philosophischen) Psychologie wie Empfindungen, Vorstellungen, Wille, Selbstkenntnis, Wahrnehmungen, Verstand. Die pragmatistische Pointe dieser Untersuchungen besteht nun darin, dass Ryle die geistigen Sachverhalte nicht primär als private Bewusstseinszustände oder -ereignisse versteht, sondern als Manifestationen eines praktischen Könnens. Geist zu haben - indem man etwas will, beobachtet, erkennt - ist nach Ryle primär ein Tun-Können, also ein im Handeln sich bekundendes Knowing-how. Dieses praktische "Gewusst-wie" stellt er nicht nur dem theoretischen, sprachlich ausgedrückten "Gewusst-was" gegenüber, er legt es ihm auch zugrunde. Das heißt, er erklärt das theoretische Wissen aus dem praktischen Können.

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      Kurzum: In diesem neuen Projekt "Pragmatismus" sollen solche philosophischen Positionen und Publikationen vorgestellt und diskutiert werden, die das Handeln ins Zentrum stellen. Dabei soll es keine Rolle spielen, ob es sich um Beiträge zur praktischen oder theoretischen Philosophie handelt, ob sie alt oder neu sind oder ob sie zur analytischen oder kontinentalen Tradition gehören.

      Es sind alle zur Teilnahme eingeladen, die sich für eins der vorgeschlagenen Themen interessieren oder selbst ein Thema stellen möchten. Kontroverse Diskussionen sind ausdrücklich erwünscht, aber ich erwarte Bereitschaft zur Sachlichkeit. Es wird keine Meinung unterdrückt, aber ich werde bloß polemische Beiträge, unbegründete Statements und Abschweifungen vom jeweiligen Thema in "Small-Talk"-Threads verschieben. Und wer trotz mehrmaliger Ermahnung ungebremst als Störer agiert, den werde ich aus der Benutzergruppe ausschließen.


      Auf gutes Gelingen hebt sein (Rotwein-) Glas
      Hermeneuticus

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