6. Was sonst nirgends passt + "Smalltalk" (allgemeine Diskussion des Buches, Angst vor der Wahrheit)

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    • Janich schrieb:

      "Dieser Umstand irritiert gerne den erkenntnistheoretischen Laien, wenn er darauf verweist, dass es ja auch Sachverhalte 'gibt', d.h. dass sich ja auch Sachen verhalten, über die keine Aussagen gemacht werden. Ob z.B. auf der uns abgewandten Rückseite des Mondes an einer bestimmten Stelle gerade ein Meteorit einschlägt oder nicht, ist uns unbekannt und deshalb auch nicht Gegenstand irgendeiner Aussage. Dennoch könne doch dieses dem Menschen unbekannte Naturereignis nicht davon abhängig sein, ob nun irgendein Mensch darüber eine Behauptung aufstellt oder nicht.
      Wer diesem Problem aufgesessen ist, ist offensichtlich in eine selbst gestellte Falle getappt. Das Problem selbst lässt sich nämlich nicht formulieren, ohne doch einen Satz über das fragliche, menschen- und sprachunabhängige Geschehnis auszusprechen oder niederzuschreiben (wie ja soeben hier im Text geschehen)."


      Fliege schrieb:

      Solche Klöpse sind wir von Konstruktivisten aller Art gewöhnt.

      Tolles "Argument" von Fliege! :rolleyes:

      Mit Beleidigungen dieser Art kann aber kaum davon abgelenkt werden, dass Janich vollkommen Recht hat. Ein Gegenstand ist uns allein und zugleich durch unsere Unterscheidungen und Bezeichnungen (= Beobachtung) "gegeben". Wir müssen also, wenn wir etwas zur Sprache bringen wollen, davon sprechen (was gleichbedeutend mit der zugrunde liegenden Beobachtung ist), damit dieser Gegenstand durch uns als existierend gekennzeichnet ist, wodurch er eben erst zum Gegenstand wird.

      Ich finde Janichs Argumentation übrigens sehr klar und sehe überhaupt nicht, dass er sich irgendwo "selbst verwirrt".
      Denn schließlich haben wir Augen nicht WEIL es etwas zu sehen gibt, sondern DAMIT es etwas zu sehen gibt.
    • richard schrieb:

      [...] dass Janich vollkommen Recht hat. Ein Gegenstand ist uns allein und zugleich durch unsere Unterscheidungen und Bezeichnungen (= Beobachtung) "gegeben". Wir müssen also, wenn wir etwas zur Sprache bringen wollen, davon sprechen (was gleichbedeutend mit der zugrunde liegenden Beobachtung ist), damit dieser Gegenstand durch uns als existierend gekennzeichnet ist, wodurch er eben erst zum Gegenstand wird.

      Ich finde Janichs Argumentation übrigens sehr klar und sehe überhaupt nicht, dass er sich irgendwo "selbst verwirrt".

      Ja, ich dache mir, dass dir das zusagen würde :)
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Jörn schrieb:

      Damit kann man wohl höchsten völlige Laien in die Falle locken

      Du zeigst dich selbst als erkenntnistheoretischer Laie, wenn dir nicht klar ist, dass dir ein Gegenstand nur du dich gegeben ist. Wärst du nicht und auch kein anderer Mensch, für den der Gegenstand Gegenstand ist, dann gäbe es schlichtweg keinen Gegenstand. Jeder, der den Beobachter aus seiner erkenntnistheoretischen Überlegung ausspart, ist ein erkenntnistheoretischer Laie.
      Denn schließlich haben wir Augen nicht WEIL es etwas zu sehen gibt, sondern DAMIT es etwas zu sehen gibt.
    • Jörn schrieb:

      Tatsächlich dürfen wir davon ausgehen, dass laufend beliebig Vieles geschieht, ohne dass dies Gegenstand irgendeiner Behauptung wird [So ist es!]


      Jörn schrieb:

      Mit anderen Worten, die vorgetragenen Argumente sind dir (richard) egal?

      Nehmen wir das oben Genannte als dein Argument (und das "So ist es!" als dessen Bekräftigung), dann übersiehst du wohl, dass du dort von "Geschehnissen" redest, die nicht Gegenstand von Behauptungen werden. Über den Begriff "Geschehnisse" schleust du aber unter der Hand den Beobachter ein, dem solche Geschehnisse widerfahren, die also nur als Gegenstand von Behauptungen Sinn erhalten, eben weil Geschehnisse immer Geschehnisse für einen Beobachter sind. Ich glaube nämlich kaum, dass eine Realität so beschaffen ist, dass sie über sich selbst, über ihre eigene Beschaffenheit, von Geschehnissen redet.

      Kurzum: Ich sehe keine Argumente, die Janichs erkenntnistheoretischen Standpunkt tangieren könnten.
      Denn schließlich haben wir Augen nicht WEIL es etwas zu sehen gibt, sondern DAMIT es etwas zu sehen gibt.