Was bringt mir Philosophie?

    • Orientierungsprobleme

      Hi Jörn,


      Jörn schrieb:

      Woran man sieht, dass Philosophen (auch solche aus Foren) sich nie einig sind :)



      ... was dafür spricht das zumindest Philosophen Konstruktivisten sind.... ;)


      mvg Philzer
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Jan H. schrieb:

      Bitte verzeiht mir, dass ich wieder so einen Laien-Thread eröffne, aber bisher konnte ich mich für Philosophie noch nicht begeistern... nur bin ich eigentlich auch offen für Neues und wenn ich Leute sehe, die haufenweise Philosophen lesen, denke ich mir, muss doch auch irgendetwas dran sein an Philosophie... ich finde Philosophie als Unterrichtsfach zwar ganz spannend, wenn man etwas diskutieren kann, auch die grundlegenden Gedankenansätze der Epistomologie (wenn ich jetzt den Begriff richtig eingesetzt habe), aber warum man sich viel mehr damit beschäftigen sollte (außerhalb philosophischer Fragen, die sich jeder in Selbstreflexionen stellt), hat sich mir bisher noch nicht recht erschlossen...

      Wie seid Ihr zur Philosophie gekommen? Hattet Ihr ähnliche Skepsis gegenüber Philosophie? Fühlt Ihr Euch im Leben bereichert durch das Auseinandersetzen mit Philosophen bzw. Philosophie im Allgemeinen, wie ein Historiker, der plötzlich politische Ereignisse in einem ganz anderen Licht sieht? Wenn ja, gab es eine Art Aha-Moment, wo Ihr verstanden habt, dass Philosophie wichtig ist oder lief das eher sukzessiv ab? Wenn ersteres, ab welchem Zeitpunkt ungefähr?

      Diese Fragen sind mir einfach sehr wichtig, weil ich mir jetzt nicht irgendwelche Kants und Co.s ins Haus holen möchte, ohne zu wissen, ob es sich denn für mich persönlich lohnt.
      es war ein trauriger, regnerischer tag in der 6. klasse, ich lief über den schulhof mit meinen freunden, und so plötzlich wie seltsam poppte in meinem kopf die frage auf, was denn der sinn des lebens sei.

      ich freute mich ob dieser frage und ob der scheinbaren unsinnigkeit derselben, und teilte sie sogleich meinen freunden mit. nicht wenig wurde ich in kindheit und jugend mit philosophischen gedankengängen konfrontiert, doch niemals offen, sondern immer nur versteckt; mein vater, selbst einst philosoph, hat sicher nicht wenig dazubeigetragen.

      nun also freute ich mich über diese frage, und gerade weil sie mir so sinnlos schien. es schien mir wie ein idealer zeitvertreib, sich über solcherlei idiotische fragen gedanken zu machen. ich war mittlerweile innerhalb meiner schulwelt dermaßen akzeptiert, dass meine freunde und bekannten innerhalb der schule nicht nur tolerierten, dass ich mich stets mit intelektuellem quark beschäftigte, sondern diese art sogar an mir schätzten; sie mochten den kleinen (ich war der jüngste und mit kleinste der klasse) kerl, der ständig in seiner eigenen welt lebte, über irgendetwas nachdachte und doch nie zu einem ende kam, und so konnte ich mich endlich und final mit den großen fragen des lebens auseinandersetzen, und nicht erntete ich dafür schmach und verachtung, sondern, ganz im gegenteil, meine freunde mochten mich sogar dafür.

      so ging es weiter, all die jahre. stets galt meinen mitmenschen gerade das an mir nett und witzig, eben dass ich nicht war wie all die anderen kerle; auch interessierte mich natürlich ein panzer, ein gewehr, ein skateboard oder fußball, doch niemals so sehr wie das glasperlenspiel, das wir philosophie nennen. das ewige hin und herjonglieren von scheinbar völlig willkürlich dahingerotzten gedankenfäden machte mir eine dermaßene freude, dass meine freunde nur staunten; und stets suchten sie sich mich aus, wenn sie selber über so etwas nachdenken wollte, und gerade in der jugend passierte dies nicht selten, wenn sich welche fragten "ja, was ist denn nun der sinn des lebens?" - während es für sie eine dringliche, nagende und unbefriedigende frage war, war es für mich eine wonne, es war meine kunst, solcherlei fragen zu beantworten, zu umkreisen, und spaß hatte ich daran ohne ende, gerade weil ich schon so lange an sie gewohnt war, dass sie mir keinerlei schrecken mehr einjagen konnten.

      im alter von 19 jahren dann - ich war mittlerweile an einer depression erkrankt - saß ich eines tages vor meinem computer, rauchte eine zigarette, und guckte, wie ich es schon so häufig tat in meinem leben, south park. south park, so schien es mir, war nicht selten ein grund, warum ich weiterkam in meinem denken. die spielerische verbindung von humor und tiefen gedanken war ein prägendes element in mir und meinem denken.

      nun also saß ich da, und ich überlegte. ich mochte mein leben nicht besonders; und ich fragte mich: warum, fragte ich mich, warum gerade ich? ich habe keine freundin, so dachte ich, ich habe keine freunde, ich habe kein ordentliches leben, ich habe keinen job, und alles in allem ist mein leben ganz und gar füchterlich;

      und plötzlich fragte mich eine stimme

      "warum interessiert dich überhaupt was die anderen von dir halten?"

      und das hatte dermaßen viel sinn ergeben dass es weh tat. und plötzlich interessierte es mich nicht mehr. es war mir egal, dass ich keinen job hatte, weil es mir ja eigentlich egal war; es war wenn dann eine notwendigkeit, niemals aber eine voraussetzung für mich, damit es mir gut geht; es war mir plötzlich egal, ob ich keine freundin habe, hell, wen juckts, freunde, arbeit, soziales ansehen, alles war mir so plötzlich so sehr egal, und die welt war ganz plötzlich wunderschön, ich ging hinaus in die welt und sie gefiel mir. und ich lachte herzlich, das erste mal seit jahren, und ich freute mich aufrichtig, über alles was war, was ist, und was sein wird, die blumen, die bienen, mein gras, mein essen, south park, mein computer, mein ganzes leben war plötzlich wie hell erleuchtet wie niemals zuvor.

      so lebte ich ein wenig, und ich hatte großen spaß; ich tat nicht wenig am alkohol, ich lief durch die gegend, ich hatte die besten räusche im cannabis, und alles in allem war das leben plötzlich wundervoll, und all die angst, all das, was mich zuvor noch zurückhielt, war plötzlich gewichen einem lebenshunger, einer freude am leben die ich noch nie zuvor erlebt hatte.

      und ich fragte mich: woran liegt das? warum ist das so? und ich fing an nachzudenken, und weil ich ja keine angst mehr hatte entwickelte ich gedankenmuster, ideen, und ich entwickelte meine eigene philosophie; nicht lange später, ich war wieder in meinem alten, normalen leben, man mag sagen, "gefangen", entdeckte ich, dass eben diese philosophie die eines zhuangzis war; und mit freude erfüllte mich der gedanke, dass auch andere schon ähnliches hatten erleben dürfen.

      man erzählte mir später, ich hätte eine psychose erlebt. mir war relativ egal, wie man das bezeichnete, was ich da erlebte. für mich galt stets das als real, was unmittelbar zugänglich war, und my oh my, dies war unmittelbar zugänglich, und hat mir geradezu das leben gerettet; denn wenn solche schönheit, solche wunderbarkeit, solche unmittelbarkeit jedes momentes möglich waren, so war mir relativ egal, wie sehr ich leiden musste im restlichen leben, diese kurzen phasen des glücks waren es auf jeden fall wert, all das leiden, all der hass war dadurch ertragenswert geworden.

      und seitdem erlebe ich immer wieder solche phasen, und sie werden immer normaler, und immer zugänglicher; denn wo zuvor noch eine völlig überwältigung von den neuen inhalten stand, so gewöhnt man sich immer mehr daran, darauf klarzukommen, es wird immer einfacher, sich nicht davon erschlagen zu lassen.

      was all das mit der philosophie zu tun hat? nun, ich glaube, das leben in der eigenen welt ist erst mal überhaupt grundlage zum philosophieren. man mag behaupten, es sei auch das größte hindernis, und das ist zweifellos richtig, es kommt auf das maß an. man muss überhaupt erstmal in der lage sein seine eigenen gedanken soweit ernst zu nehmen dass man in der lage ist zu philosophieren; denn wenn man bei jedem verrückten gedanken, der einem so kommt, sofort zurückschreckt mit den worten "oh nein, das will ich nicht", so wird man nicht weit kommen in der eigenen philosophie, besteht sie doch eigentlich nur aus einem system von verrücktheiten; gleichzeitig braucht man natürlich eine gewisse motivation, um sich überhaupt mit solcherlei dingen auseinanderzusetzen. bei mir war es der natürliche spieltrieb, denn ich spiele unheimlich gerne, und nichts liegt mir ferner, als nicht zu spielen; die philosophie aber ist für mich nichts weiter als ein großes glasperlenspiel, in dem man gedanken um gedanken an sich vorbeirauschen lässt, und letzten endes eine große komposition schafft, so man denn nur will.

      es ist ein spiel ohne regeln; bzw: die regeln schafft man sich selber. wenn man will, so kann man einfach aufhören, mittendrin, und sich ergötzen; oder man spielt unheimlich schnell und geschickt, und lässt die gedanken nur so um sich kreisen, bis man sie in einem großen knall aufeinanderschnellen lässt; viele lassen sich ihre regeln diktieren von anderen, die das spiel spielten, doch das halte ich für mich für problematisch; meiner meinung nach diktieren sich die regeln selbst, man muss ihnen nur zuhören, und eben aus diesem selbstdiktat haben auch die anderen denker ihre regeln gezogen, weswegen es möglich ist, diese zu verstehen, nicht wenn man ihnen folgt, sondern ihren ideen und gedanken. methodik muss sich jeder immer selber schaffen, bzw: muss die methodik sich selbst in ihm schaffen lassen, sonst geht es nicht.

      und zu guter letzt: man braucht die materiellen voraussetzungen. wer tagtäglich im kampf um sein überleben verhaftet ist, der wird nicht philosophieren können; es wird ihm die zeit und die muße fehlen. er wird keinen grund dazu finden, die philosophie zu suchen; seine lebensphilosophie wird durch seine notwendigkeit bedingt, und auch das ist ein lied, ein schönes lied, aber nicht das leid des philosophierens, dem philosophen sind solcherlei dinge egal.

      tjoa. ich glaub das war's von mir. irgendwelche fragen? ^^

      cya! :D
    • Deumaios schrieb:

      Ordnung lehrt Dich Zeit gewinnen:

      youtube.com/watch?v=PcKfYAjKH6g


      ?( :LtD:


      ..."es ist ein spiel ohne regeln; bzw: die regeln schafft man sich selber. ..."

      Ja!!!

      :)

      vor zwei tagen; es war ein freitag - war ich in einer kletterhalle, und ich fühlte mich einsam; der hauptgrund, warum ich da war, war das trainieren, und doch eher die einsamkeit; und so setzte ich mich zu alten freunden, die ich noch kannte, sie mich nicht allzu gut, weil ich mir dachte, sie um eine zigarette zu bitten; lieber rauchen als konstante einsamkeit, dachte ich mir.

      sie saßen am tisch, zu zweit, beide fertig, beide erschöpft; doch traute ich meinen augen kaum, hatte doch der eine einen joint in der hand. nun, dachte ich mir, viele bauen zigaretten, die so aussehen, doch bei ihm war es tatsächlich ein joint; ich kannte ihn, er ist der vater mehrerer kinder, ein trainings-monster, hervorragender kletterer, und so saß er da, und kiffte; also fragte ich, ob ich einen zug abhaben könnte, und er war überaus großzügig, anders kann man es kaum beschreiben. was darauf passierte war unerhört, und völlig unbegreiflich; ich fing an zu plappern, zu reden, wie ein wasserfall. die vorherige angst, die einsamkeit, alles war wie weggeweht, und erneut fing ich an zu reden wie selten zuvor, sprach und sprach und sprach, fasste zusammen, ordnete dinge, und fand das maßhalten erneut für mich, sprach leute an, die ich nie gesehen hatte, hatte spaß mit anderen, die mir völlig unbekannt waren zuvor, stand draußen mit einem anderen, und redete mit ihm, und irgendwann kamen wir auf etwas philosophisches, auf das arbeiten, das studium; ich meinte, es sei überaus stressvoll für mich, und dass ich den sinn in diesem stress nicht so recht erkennen könnte, er meinte, im arbeitsleben sei das noch schlimmer, ich meinte, das sei schwerlich für mich vorstellbar, doch ja.

      ich studiere philosophie; derzeit. es ist überaus entnervend, wenn ich ehrlich sein soll. es ist nicht so sehr die tatsache, dass mir die inhalte nicht gefielen, ganz im gegenteil. es ist die tatsache, dass man ständig auf schlau tun muss. man muss konstant intelligent sein, konstant seine inhalte verteidigen, bücher lesen, dabei bleiben, verstehen, dies sehen, das sehen, andere verstehen, sich selbst verstehen ... es ist fürchterlich. nun; eigentlich liebe ich ja exakt diese art zu denken, liebe ich all dieses, doch war es für mich einfach zu viel auf dauer. ich bin ein überaus dümmlicher, dummer, stumpfer, hässlicher, idiotischer mensch; es ist wahr. ich liebe es, dumm zu sein. es gibt nichts schöneres für mich, als ein idiot zu sein, als scheiße zu bauen, unsinn zu machen, quark zu produzieren, sich fehler zu erlauben, ständig etwas falsch zu machen, und dabei darüber zu reden und zu lachen. ich hatte das gefühl, dass dies mir dort nicht mehr möglich sei. es war mir zwar immer noch möglich, quark zu reden, aber mir ist ein wenig die lässigkeit dabei abhanden gekommen; ich glaubte ständig, ich müsste alles richtig machen, dürfte mir keine fehler erlauben, müsste tun und machen und korrekt und immer richtig. und hab dabei irgendwie den spaß am leben verloren.

      vielleicht fehlen mir auch einfach nur freunde, wer weiß. die einzigen, die ich hatte, haben sich alle verabschiedet, als ich einen größeren wutausbruch hatte, 7 Monate ist es her; vll bin ich ein wenig größenwahnsinnig geworden, wer weiß, allerdings aus gutem grund; ich war überaus verletzt und versuchte mich irgendwie in der bahn zu halten, irgendwie weiterzumachen obwohl ich komplett am abdrehen war, doch das endete nicht gut. vielleicht sind zeiten der einsamkeit manchmal ganz gut, gerade wenn man dermaßen am abdrehen ist; doch auf dauer leidet man mehr darunter als man sich vorstellen kann, speziell wenn man tagtäglich von menschen umgeben ist, vielen menschen, aber man findet zugang zu keinem; noch viel schlimmer ist es, wenn man gut ist in dem was man tut, und immer wieder und ständig versucht irgendwer an einen ranzutreten, einem die hand zu reichen, und man kann nicht anders als sie wegzuschlagen, weil man dermaßen verletzt ist dass vertrauen anderen gegenüber einfach unmöglich ist.

      nun also war ich in dieser kletterhalle, und etwas wundervolles passierte; ich hatte erneut spaß am philosophieren wie lange nicht mehr. ich sprach mit einem jungen herrn, und wir redeten über arbeit und co; und schließlich kam ich darauf, er schon im weggehen, dass doch eigentlich das glück des einzelnen im mittelpunkt stehen sollte, und alles andere irrelevant; pflichten, arbeit, duty, ehre, all das ist doch eigentlich ohne das glücklichsein gar nichts mehr wert; wen man sich scheiße fühlt kann man sich noch so moralisch hochwertig, noch so pflichtgetreu, noch so korrekt verhalten, scheiße fühlen wird man sich trotzdem, einsamkeit suchen wird man doch trotzdem; und nichts schlimmeres gibt es in einer solchen situation, als sich, obgleich man sich sowieso schon dreckig fühlt, auch noch dafür fertig zu machen, auch noch dafür anzugreifen und kaputtzureden; offenbar geht es einem schlecht, und dann greift man sich auch noch dafür an, dass es einem schlecht geht, sagt sich selber, man müsse aufstehen und dinge tun, damit es einem nicht mehr so schlecht gehe, aber das ist ja genau andersrum, genau falschrum gedacht: wenn es mir gut geht, so mache ich ja automatisch solcherlei dinge, aber es ist keineswegs möglich, wenn es mir schlecht geht, etwas zu genießen, wozu ich keine lust habe.

      ich lag an dem gleichen abend noch auf dem bahnhofsvorplatz, neben einem gitarrenspieler, der mich mit seiner musik verwöhnte; es ist wundervoll gewesen, und sobald ich da lag, versammelten sich immer mehr menschen um ihn, er wurde immer wieder angesprochen, und es war mir eine große freude; ich fühlte mich gar, als wolle ich noch tanzen dazu, doch konnte ich nicht, war ich zu schüchtern; ich tanze an sich sehr gerne, nur schon seit einem ganzen jahr nicht mehr regelmäßig, uni und freundin haben zuviel zeit weggenommen, mein körper war zu erschöpft, ich fühlte mich schwach - wahrscheinlich eher das. es war weniger der fakt dass ich tatsächlich zu schwach war und eher der fakt dass ich mich zu schwach fühlte. es war als würde ich mich konstant unter die bewertung anderer unterwerfen ohne irgendetwas dafür zurückzuerhalten - natürlich habe ich etwas dafür zurückerhalten, doch hat das alles mein selbstwertgefühl ein wenig zerstört, weil andere mich - gemessen an meinem sozialverhalten - für einen vollidioten halten müssen. ich bin sozial gesehen nicht besonders geschickt, und auch wenn ich stets offen auf andere zugehen kann und all dieses, habe ich doch ständig das gefühl ich sei anderen unangenehm.

      das ist tatsächlich meist gar nicht der fall - glaube ich zumindest - aber, natürlich, je mehr ich das glaube, desto eher glaube ich ja auch, ich müsste mich irgendwie anders verhalten, was dann wiederrum zu unangemessenem verhalten führt, das andere verängstigt, sodass ich dann einfach gar nichts mehr machen kann.

      an diesem abend aber war es anders. ich fing an, auf die anderen zu hören - allerdings konnte ich nicht offen mit ihnen oder zu ihnen sprechen, logischerweise, ich hatte natürlich viel zu viel angst und das hätte wahrscheinlich eine anti-reaktion provoziert - sondern, empathisch. ich habe einfach empfangen wie sie sich fühlten, und ihre gefühle in worte übersetzt - ich habe mir also einfach vorgestellt, wie sie agieren würden und was sie zu meinen gedanken sagen würden. und das hat hervorragend funktioniert, weil ich das gleiche auch stets mit meiner ex-freundin gemacht habe - sie saß mir gegenüber, und alles was ich getan habe, war zu reden, und das über stunden, und sie saß da und schaute mir in die augen, und sie sprach immer nur dann wenn sie selber auf irgendetwas eine angst-reaktion hatte und etwas verstecken musste was sie nicht offen zugeben konnte, aber sonst nicht; ich hab ihre antworten einfach anhand ihrer körpersprache abgelesen, die eigentlich immer nur gesagt hat "hey, ich bin da für dich, alles ist gut, ich geh nicht weg, es ist okay, entspann dich, wir bleiben hier sitzen und entspannen uns gemeinsam, alles wird gut, ich liebe dich" - und während ich nach einiger zeit tatsächlich auch in der lage war all dies offen auszusprechen, war dies bei ihr leider nicht der fall.

      und je länger das anhielt, desto verunsicherter wurde ich ... ich passte einfach nicht mehr in ihr lebens-konzept. ich brauchte versicherung darüber, dass wir einander lieben, weil ich ansonsten ständig am rad gedreht habe - sie dagegen brauchte einfach nur einen festen rückhalt, der nicht allzu viel macht, sich bloß nicht zuviel regt (weil sie das verunsichert hat), und nach möglichkeit lediglich mit ihr zuhause rumhängt und filme guckt und eis isst. ich dagegen wollte weitermachen ... tanzen gehen, laufen, klettern, kämpfen, spaß haben, aber das war mit ihr nicht zu haben ... sie rauchte lieber, führte gespräche über dies und jenes, und auch wenn ich dies alles auch mochte, so war es doch nur ein ganz kleiner teil meines lebens ...

      es gab mir den rest als ich mit ihr und ihrem vater und dem hund ihres vaters rausging. ich bin - man könnte sagen, ein hundefreund, aber das ist zu wenig. wenn ich eine sache in der welt verstehe, von irgendetwas ahnung habe, dann sind das computer - und hunde. ich liebe hunde. hundefreund ist bedeutend zu wenig. wenn ich einen hund sehe werde ich wider ein kleinkind, das einen freund sieht, den es streicheln möchte. ich küsse hund, umarme sie, tolle mit ihnen über den boden, habe spaß mit ihnen, alles in allem: sie sind meine besten freunde. ich lebte einen großteil meines lebens mit hunden, und sie waren mein einziger emotionaler anker im leben. egal, wie scheiße ich drauf war, egal, wie schlecht es mir ging, egal, was passierte: ich ging zu meinen hunden, legte mich zu ihnen, streichelte sie, und war wieder glücklich.

      mein letzter hund ist letztes jahr verstorben. seitdem klafft ein loch in meinem herzen, das sich einfach nicht mehr füllen lässt, völlig egal womit. aber ich habe das gefühl ... es befreit mich auch. denn jetzt kann ich gar nicht mehr anders als loslassen. ich muss es tun. ich muss weitermachen, und das ist das schwerste, übelste und krankeste, was ich jemals unternommen habe ... meinen hund loszulassen, obgleich er tot ist, ist für mich eine unvorstellbar schwierige aufgabe. ich bin - immer noch - traurig. es ergibt nicht wirklich sinn, aber wenn ich daran denke bin ich nicht nur traurig, ich bin auch wütend auf meine eltern, die das tier eingeschläfert haben ... als ich sie einmal, an weihnachten, wutentbrannt darauf ansprach, haben sie mich einfach nicht verstanden. sie haben nicht verstanden wie man so traurig sein kann; allerdings glaube ich, dass sie es - speziell meine mutter - durchaus verstanden haben, denn als ich sauer war und durchdrehte und sie verantwortlich machte, wurde sie nicht sauer auf mich, sondern schien zu verstehen warum ich so sauer bin und so am durchdrehen; sie schien das gefühl was ich da durchmache tatsächlich nachvollziehen zu können.

      ich hab ewig viel geschrieben, und ich weiß nicht mehr warum, aber ich glaub ich finde diesen text zu schön um ihn wegzuwerfen. also drück ich jetzt auf absenden. ;)
    • Was bringt mir Philosophie?


      An Jan H.,

      ich dachte irgendwann auch, ich sollte mich mal mit Philosophie befassen.
      Einen schnellen und guten Überblick bekam ich über das Buch:

      „Illustrierte Geschichte der Philosophie
      Nagel Verlag Genf
      1962


      Jedoch – Weisheit – die mir etwas bringt und mit der ich etwas anfangen kann -
      fand ich beispielsweise bei Laotse.
      Wenn ich mir dann manche „Weisheiten“ im Philosophieraum anschaue, frage ich mich, was ich hier suche.
    • Philosophie kann dir vielleicht Antworten geben. Und eventuell Orientierung. Zumindest trieben mich persönlich viele Fragen zur Philosophie, neben unser verwirrend komplizierten Welt und der Schwierigkeit in ihr seinen Platz zu finden. Davon abgesehen wollte ich ungern aus einer depressiven Phase heraus klassischerweise zu Nietzsche greifen und dann verbittern. Mir schien es wichtig, die richtigen Philosophen zu wählen, um nicht von den falschen Denkern geprägt zu werden. Letztendlich war es wohl nicht sehr sinnvoll, mit diesen Erwartungen Philosophie zu studieren. Trotzdem macht es Spaß und hat mich weiter gebracht. Die wirklich lebensdienliche Philosophie kannst du allerdings am besten durch deine Fragen finden. Vieles geht eigentlich ohnehin jeden an. Jeder sollte sich mal gefragt haben, nach welchen Grundsätzen er handelt, wie er mit anderen Menschen umgeht, wie determiniert er ist, was er wissen kann, usw.

      Von der Philosophie kannst du ungeheuer profitieren. Das ist aber immer auch eine individuelle Sache. Wenn du ohnehin ein nachdenklicher und offener Mensch bist, dann schnapp dir ein paar Bücher. Ich glaube, bei mir fing das damals mit "Sophies Welt" an. Oder wenn du einen schönen Film mit vielen philosophischen Denkanstößen schauen möchtest: "Waking Life". Lohnt sich auch sehr.
    • Die Philosophie ist die Mutter und die Wissenschaften ihre Kinder. Wie das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist, so ist auch die Philosophie mehr das (die Summe der Wissenschaften). Die Philosophie geht darüber hinaus, denn die Philosophie hat etwas mit Weisheit zu tun. Deshalb spielt Erkenntnis...nicht eine, sondern, Die größte Rolle. Der Weise ist rein wie das Licht, weil er nach ihnen (in ihm) schaut, außerdem handelt er nicht aus nutzen. Heute, wenn ich im Fernsehen (hier in Griechenland) manche Philosophen mir anschaue (100-150 kilogramm), vergeht mir die Lust. Diese Menschen werden dann Philosophen genannt ...eine schande.
    • Homer schrieb:

      Die Philosophie ist die Mutter und die Wissenschaften ihre Kinder. Wie das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist, so ist auch die Philosophie mehr das (die Summe der Wissenschaften). Die Philosophie geht darüber hinaus, denn die Philosophie hat etwas mit Weisheit zu tun. Deshalb spielt Erkenntnis...nicht eine, sondern, Die größte Rolle. Der Weise ist rein wie das Licht, weil er nach ihnen (in ihm) schaut, außerdem handelt er nicht aus nutzen. Heute, wenn ich im Fernsehen (hier in Griechenland) manche Philosophen mir anschaue (100-150 kilogramm), vergeht mir die Lust. Diese Menschen werden dann Philosophen genannt ...eine schande.



      Das spricht ja eher für Plotin, der sich seines Körpers schämte und sich nicht abbilden liess.

      Beim Gewicht ist es so, das Größe und Länge zwei verschiedene Masse sind.
    • Hi,


      Edit: ( ... ein paar biographische Einzelheiten wieder entfernt ..)

      ...

      Auch wenn heute meine philosophische Geschmeidigkeit sehr eingerostet ist, wurde ich immer wieder diese Art der Philosophie studieren. Dort lernte ich eine Art des kritischen und analytischen Denkens, die sich später auf allen möglichen Gebieten bezahlt gemacht hat (und es machte einfach einen furchtbaren Spaß ;-))

      Das gilt imho für alle philosophischen Richtungen: Die Übung im konsequenten Durch-Denken und klaren Formulieren bringt einen überall weiter.

      Als Tipp für den Anfang: Keine Original-Lektüre und keine Philosophiegeschichte. Das erste verwirrt meist und das zweite ermüdet.
      Am besten finde ich thematische Einführungen.

      Was ich z.B. gelungen finde: Nigel Warburton: Was können wir wissen, was dürfen wir tun?
      Hier werden einige Grundfragen der Philosophie mit verschiedenen Ansätze diskutiert. Leicht und imho spannend geschrieben.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Gloox () aus folgendem Grund: ein paar biographische Einzelheiten wieder entfernt