Was bringt mir Philosophie?

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    • Was bringt mir Philosophie?

      Bitte verzeiht mir, dass ich wieder so einen Laien-Thread eröffne, aber bisher konnte ich mich für Philosophie noch nicht begeistern... nur bin ich eigentlich auch offen für Neues und wenn ich Leute sehe, die haufenweise Philosophen lesen, denke ich mir, muss doch auch irgendetwas dran sein an Philosophie... ich finde Philosophie als Unterrichtsfach zwar ganz spannend, wenn man etwas diskutieren kann, auch die grundlegenden Gedankenansätze der Epistomologie (wenn ich jetzt den Begriff richtig eingesetzt habe), aber warum man sich viel mehr damit beschäftigen sollte (außerhalb philosophischer Fragen, die sich jeder in Selbstreflexionen stellt), hat sich mir bisher noch nicht recht erschlossen...

      Wie seid Ihr zur Philosophie gekommen? Hattet Ihr ähnliche Skepsis gegenüber Philosophie? Fühlt Ihr Euch im Leben bereichert durch das Auseinandersetzen mit Philosophen bzw. Philosophie im Allgemeinen, wie ein Historiker, der plötzlich politische Ereignisse in einem ganz anderen Licht sieht? Wenn ja, gab es eine Art Aha-Moment, wo Ihr verstanden habt, dass Philosophie wichtig ist oder lief das eher sukzessiv ab? Wenn ersteres, ab welchem Zeitpunkt ungefähr?

      Diese Fragen sind mir einfach sehr wichtig, weil ich mir jetzt nicht irgendwelche Kants und Co.s ins Haus holen möchte, ohne zu wissen, ob es sich denn für mich persönlich lohnt.
    • Bertrand Russell schrieb:

      Die wahre philosophische Kontemplation ... findet Genugtuung in jeder Vergrößerung des Nicht-Selbst, des Anderen, in allem was die betrachteten Gegenstände und erst dadurch das betrachtende Subjekt vergrößert. Was bei der Kontemplation noch persönlich oder privat ist, alles, was von Gewohnheiten, eigenen Interessen oder Wünschen abhängt, verzerrt den Gegenstand und stört die Einheit, nach der der Intellekt strebt. Indem sie so eine Barriere zwischen dem Subjekt und dem Objekt aufrichten, werden diese persönlichen und privaten Dinge zu einem Gefängnis des Geistes. Der freie Intellekt will die Dinge sehen, wie Gott sie sehen würde, frei vom Hier und Jetzt, von Hoffnungen und Ängsten, ohne den Plunder gewohnter Meinungen und traditioneller Vorurteile, ruhig, leidenschaftslos, nur von dem einen und alle anderen ausschließenden Wunsch nach Erkenntnis beseelt, nach einer Erkenntnis, die so unpersönlich, so rein kontemplativ ist, wie das für Menschen möglich ist. Deshalb wird der freie Intellekt auch die abstrakte und allgemeine Erkenntnis, die von den Zufällen der persönlichen Gesichte unberührt bleibt, höher schätzen als die Erkenntnis durch die Sinne, die notwendigerweise von einem ganz persönlichen Gesichtspunkt und einem Körper abhängt, dessen Sinnesorgane entstellen, was sie uns enthüllen.
      Der Geist, der sich an die Freiheit und Unparteilichkeit der philosophischen Kontemplation gewöhnt hat, wird sich auch in der Welt des Fühlens und Handelns etwas von dieser Freiheit und Unparteilichkeit erhalten. Er wird seine Ziele und Wünsche als Teile des Ganzen betrachten, und ihre Dringlichkeit wird sich vermindern, weil er sie als unendlich kleine Bruchteile einer Welt sieht, die im Ganzen von den Taten eines einzelnen Menschen unbeeinflußt bleibt. Die Unparteilichkeit, die in der Kontemplation das unvermischte Verlangen nach Wahrheit ist, ist dieselbe Qualität des Geistes, die sich im Handeln als Gerechtigkeit ausdrückt, und im fühlen als jene umfassende Liebe, die allen gelten kann und nicht nur jenen, die man für nützlich oder für bewunderungswürdig hält. So vergrößert die Kontemplation nicht nur die Gegenstände unseres Denkens, sondern auch die unseres Handelns und unserer Neigungen: sie macht uns zur Bürgern der Welt und nicht nur zu Bewohnern einer ummauerten Stadt, die mit der Welt vor ihren Toren im Kriege liegt. In dieser Weltbürgerschaft besteht die wahre Freiheit des Menschen, seine Befreiung aus der Knechtschaft kleinlicher Hoffnungen und Ängste.
      Fassen wir unsere Betrachtungen über den Wert der Philosophie zusammen: man soll sich mit der Philosophie nicht so sehr wegen irgendwelcher bestimmter Antworten auf ihre Fragen beschäftigen - denn in der Regel kann man diese bestimmten Antworten nicht als wahr erkennen. Man soll sich um der Fragen selber willen mit ihr beschäftigen, weil sie unsere Vorstellung von dem, was möglich ist, verbessern, unsere intellektuelle Phantasie bereichern und die dogmatische Sicherheit vermindern, die den Geist gegen alle Spekulationen verschließt. Vor allem aber werden wir durch die Größe der Welt, die die Philosophie betrachtet, selber zu etwas Größerem gemacht und zu jener Einheit mit der Welt fähig, die das größte Gut ist, das man in ihr finden kann.

      Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es. (Bertrand Russell)
      Any philosophy that can be put in a nutshell belongs in one. (Hilary Putnam)
    • Hi Jan.H,


      Vielleicht solltest Du erstmal versuchen darzulegen was Du unter Phil verstehst.
      Als nächstes dann Deine Ziele. Etc, etc...

      Für mich ist Phil der Versuch der Reflexion des Seins im Gegensatz zum einfachen im Sein sein des Nichtphilosophen.


      Jan H. schrieb:

      und wenn ich Leute sehe, die haufenweise Philosophen lesen, denke ich mir, muss doch auch irgendetwas dran sein an Philosophie... ich finde Philosophie als Unterrichtsfach zwar ganz spannend, wenn man etwas diskutieren kann, auch die grundlegenden Gedankenansätze der Epistomologie (wenn ich jetzt den Begriff richtig eingesetzt habe), aber warum man sich viel mehr damit beschäftigen sollte (außerhalb philosophischer Fragen, die sich jeder in Selbstreflexionen stellt), hat sich mir bisher noch nicht recht erschlossen...


      Das ist eben die Frage, sind Dir die Fragen Deiner Selbstreflexion so wichtig das Du sie beantworten willst, oder ist es nur ab und an ein wenig 'Kreuzworträtsel'. In der echten Demokratie (Surplusprofitzufluss) haben viele ein sahniges Faulenzerdasein, bspw. Frühpensionäre, da greift dieser und jener eben auch mal zum Philosophiebuch, meist sucht er aber nicht Erkenntnis, höchstens Apologie für sein Sein.

      Hier ist bspw. eine Frage drin die mich interessiert hat, weißt Du was Demokratie ist, oder bildest Du dir dies nur ein?


      Jan H. schrieb:

      Diese Fragen sind mir einfach sehr wichtig, weil ich mir jetzt nicht irgendwelche Kants und Co.s ins Haus holen möchte, ohne zu wissen, ob es sich denn für mich persönlich lohnt.


      Das kann Dir niemand beantworten. ;)


      mvg Philzer
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Eigentlich beschäftige ich mich schon sehr viel mit Philosophie, reflektiere mich selbst sehr häufig und komme nach Wochen auch meist zu Antworten, die mich in Diskussionen z.B. weiterbringen. Deswegen kann ich nicht verstehen, warum ich mir die Gedanken von anderen Leuten durchlesen sollte, wenn ich doch weiß, dass ich früher oder später auch selber darauf komme... ich glaube auch, dass ich bereits sehr philosophisch denke, weil ich mir eine Grundeinstellung "angedacht" habe, offen für Neues zu sein, mir andere Meinungen anzuhören und diese auch ernst zu nehmen, evtl. zu verinnerlichen usw.... also bspw. gibt es ja einige Leute, die zwar oberflächlich betrachtet gute Überzeugungen haben (Bio, Umwelt,...), aber sie nicht so weit verinnerlicht haben, um daraus zu lernen; sie also vielmehr übernommen haben, anstelle diese fremden Überzeugungen durch eigenes Denken zu verinnerlichen. Die auf Abruf etwas gesellschaftlich gepriesenes sagen, aber eben auch nur auf Abruf. Darüber denke ich zumindest momentan nach - ich weiß nicht, ob das eine philosophische Haltung ist, die ich da einnehme oder ob ich mir das nur einbilde...

      Was meinst Du mit Demokratie, Philzer? Ist "echte" Demokratie nicht Anarchie?
    • Und warum sollte man sich "gegen Spekulationen verschließen" ? Ich meine, man kann und sollte es ja nicht als absolute Wahrheit darstellen ("Dogma"), aber ist das ganze Leben nicht irgendwie Spekulation ? Wir wissen nun einmal nur sehr wenig, den Rest müssen wir mit Interpretationen füllen (Optische Täuschungen, Zukunftsplanung,...), anders geht's nun einmal nicht. Wobei man natürlich nicht Leute falsch beschuldigen sollte oder so etwas in dieser Richtung, wo halt andere Lebewesen leiden müssen.
    • Jan H. schrieb:

      Und warum sollte man sich "gegen Spekulationen verschließen" ?
      Er schreibt ja gerade, dass Philosophie die dogmatische Sicherheit vermindert, welche sich gegen Spekulationen verschließt. Er tritt also gegen Dogmatismus und für Phantasie und Spekulationen ein.

      Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es. (Bertrand Russell)
      Any philosophy that can be put in a nutshell belongs in one. (Hilary Putnam)
    • Hi Jan,


      Jan H. schrieb:

      Eigentlich beschäftige ich mich schon sehr viel mit Philosophie, reflektiere mich selbst sehr häufig und komme nach Wochen auch meist zu Antworten, die mich in Diskussionen z.B. weiterbringen. Deswegen kann ich nicht verstehen, warum ich mir die Gedanken von anderen Leuten durchlesen sollte, wenn ich doch weiß, dass ich früher oder später auch selber darauf komme... ich glaube auch, dass ich bereits sehr philosophisch denke, weil ich mir eine Grundeinstellung "angedacht" habe, offen für Neues zu sein, mir andere Meinungen anzuhören und diese auch ernst zu nehmen, evtl. zu verinnerlichen usw.... also bspw. gibt es ja einige Leute, die zwar oberflächlich betrachtet gute Überzeugungen haben (Bio, Umwelt,...), aber sie nicht so weit verinnerlicht haben, um daraus zu lernen; sie also vielmehr übernommen haben, anstelle diese fremden Überzeugungen durch eigenes Denken zu verinnerlichen. Die auf Abruf etwas gesellschaftlich gepriesenes sagen, aber eben auch nur auf Abruf. Darüber denke ich zumindest momentan nach - ich weiß nicht, ob das eine philosophische Haltung ist, die ich da einnehme oder ob ich mir das nur einbilde...


      Sagen wir es ist eine geeignete Ausgangsposition.

      Kannst Du Hegel; Sokrates; Popper; Marx; Kant; Freud etc etc alles allein denken? Dann bist Du der Überflieger schlechthin. ;)

      Du musst nämlich (m.E.) am allermeisten darauf aufpassen, das es keine Esoterik wird, das ist aber nur mein Standpunkt, andere finden Esoterik 'geil'.


      Jan H. schrieb:

      Was meinst Du mit Demokratie, Philzer? Ist "echte" Demokratie nicht Anarchie?


      Mhhhh. Ich glaube nicht. Anarchie widerspricht m.E. nach einigen Grundprinzipien, bspw. der Strebung zu immer größeren Einheiten (immer größere Komplexität; immer größere Negentropie wie Arbeitsteilung; Wissensteilung ) ..... aber vielleicht irre ich da .... ich bin da gegenteiliger Tendenz zugetan, also so in etwa einem wissenschaftlich-pluralistischen Globalstaat. ( die Idee Globalstaat ist soweit ich weiss von Kant "Entwurf zum ewigen Frieden" )

      Dagegen ist Demokratie esoterischer Pluralismus (Meinung ist die Form der religiösen Alleinstellungsideologie im Pantheismus: Glaubensgrenze=Individuum)

      und der Zusammenhalt/ Stabilität der Formation wird über andere 'Muster' generiert.

      Demokratie beschreibe ich so, es ist quasi die Herrschaft von Völkern über Völker....o.s.ä.


      mvg Philzer
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      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Jan H. schrieb:

      Deswegen kann ich nicht verstehen, warum ich mir die Gedanken von anderen Leuten durchlesen sollte, wenn ich doch weiß, dass ich früher oder später auch selber darauf komme.

      Du kannst dir völlig sicher sein, dass du auf vieles, wenn nicht das meiste, was gute Philosophen schreiben, im Leben nicht kommst :)
    • Mein Tipp ist an dieser Stelle immer der selbe: Geh in die nächstgelegene Bibliothek, klemm dir so viele Philobücher unter den Arm, wie geht und fang an darin zu schmökern. Nimm aber nicht nur Primärtexte (die sind meistens für den Anfang zu schwer) sondern nimm auch ein paar Einführungen mit. Und dann einfach ein wenig schmökern. Irgendwo fängst du vielleicht Feuer :)

      "Was bringt mir Philosophie?" Oft ist es so, dass Philosophen Philosophen-Probleme lösen. Oder bildlich gesprochen, Krankheiten zu heilen versuchen, an denen nur Philosophen erkranken :) Oft sind sie aber auch gut darin, Vorurteile, die der Mann und die Frau auf der Straßen haben, auseinander zu nehmen, also solche Lösungen, bei denen du (wie du oben schreibst) glaubst selbst drauf gekommen zu sein. Bestimmt ist deine Lösung falsch (vielleicht auch nicht) und am Ende hast du Glück, einen Philosophen einzupacken, der dir ein Licht anzündet :) (vielleicht auch nicht)
    • Jan H. schrieb:

      Eigentlich beschäftige ich mich schon sehr viel mit Philosophie, reflektiere mich selbst sehr häufig und komme nach Wochen auch meist zu Antworten, die mich in Diskussionen z.B. weiterbringen. Deswegen kann ich nicht verstehen, warum ich mir die Gedanken von anderen Leuten durchlesen sollte, wenn ich doch weiß, dass ich früher oder später auch selber darauf komme...



      Das klingt eher nach unanspruchvoller Philo a la Schule. Es verhält sich mit der Philosophie eigentlich nicht viel anders wie mit jeder Wissenschaft auch. Du wirst ja auch nicht von selber auf den Gedanken kommen, was in der Physik das Higgsteilchen mit der starken Wechselwirkung zu tun hat, oder ob in der Mathematik das P≟NP Problem lösbar ist. Auf die Lösung dieser Probleme kommt man (wenn überhaupt) nicht ohne auf dem Wissen von anderen zurückzugreifen. Man wird vermutlich diese Probleme noch nicht einmal kennen.
      Und du kennst eben keine philosophischen Diskurse die es in sich haben :)
    • Jan H. schrieb:

      Okay, dann versuch's ich einfach mal querfeld mit Büchern.

      Besser wäre, eine (oder mehrere) Problemstellung(en) zu verfolgen und entsprechend die Lektüre (gern auch mit Zufallskomponente) zu wählen.
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".
    • Jörn schrieb:

      Woran man sieht, dass Philosophen (auch solche aus Foren) sich nie einig sind :)

      Jan kann beide Vorgehensweisen abwechselnd heranziehen ;-).
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".
    • Vielleicht ist er ja eher der systematische Typ, dann wäre die Konzentration auf ein Thema vielleicht ein Ansatz. Ich plädiere für den Durcheinander-Ansatz, weil er die Chance erhöht, etwas zu finden, was einen interessiert und man zugleich einen kleinen Überblick über die Philosophie erhält.