Was ist/was heißt Konstitution?

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    • Was ist/was heißt Konstitution?

      Was heißt Konstitution? Konstitution wird übersetzt mit: Begründung, Grund, Grundlage, Fundierung; notwendige Bedingung(en) eines anderen. Die folgende Bestimmung stammt aus dem Philosophie-Lexikon von Hügli/Lübcke. Meine Änderunge sind formaler Art, der guten Leserlichkeit halber habe ich Zwischenüberschriften und Absätze hinzugefügt, sowie Abkürzungen entfernt.

      1 Ontologische Konstitution
      Darunter versteht man eine Reihe von notwendigen Bedingungen, die erfüllt sein müssen damit ein Seiendes existieren kann. In der scholastischen Philosophie bezeichnet Konstitution die Einheit von Form und Materie; bei Locke die Realessenz, das Wesen.

      2. Logische Konstitution
      Nach Carnap konstituiert sich der Begriff <A> aus den Begriffen <B> und <C> genau dann, wenn es eine Konstitutionregel gibt, die zeigt, wie jede Aussage, die <A> enthält, in eine Aussage mit gleicher Extension (gleichem Wahrheitswert) verwandelt werden kann, in der <B> und <C> auftreten, nicht aber <A>.

      Carnap verwendet den Begriff «logische Konstitution» in seinem Werk “Der Logische Aufbau der Welt von 1928”, in dem er sämtliche theoretischen Begriffe vom empirisch Gegebenen her zu konstituieren versucht. Später hat Nelson Goodman in The Structure of Appearance (1951, Struktur der Erscheinung) ein Konstitutionsystem ausgearbeitet, dessen Grundelemente unbestimmt bleiben.

      3. Phänomenologische oder transzendentale Konstitution
      Bei Husserl ist ein Bewusstseinsakt A für einen anderen Bewusstseinsakt B konstituierend, wenn A eine notwendige Bedingung für B darstellt. Ein Bewusstseinsakt A ist für einen Gegenstand G konstituierend, wenn A für den Bewusstseinsakt B konstituierend ist, in dem G auf direkte Weise gegeben ist.

      Diese Terminologie wird (dem Anschein nach) von Heidegger übernommen, der allerdings von Husserl abweicht in der Antwort auf die Frage, was nun eigentlich was konstituiert. So sind z. B. für Husserl Wahrnehmungsakte konstituierend für kulturelle Erfahrungen, bei Heidegger jedoch ist es unser Umgang mit Gebrauchsgegenständen, der unsere Wahrnehmung konstituiert.

      4. Bei Kant
      ... heißen die Kategorien (die Grundbegriffe) konstituive (bestimmende), apriorische (erfahrungsunabhängige) Prinzipien unserer Erfahrungswelt, weil sie notwendige Bedingungen jeder Gegenstandserfahrung darstellen. Die Vernunftideen andererseits stellen nur regulative Prinzipien dar, weil sie für unsere Gegenstandserfahrung nicht konstitutiv sind.

      5. Eine Regel
      … ist konstitutiv für eine bestimmte Handlungsweise, wenn sie sie nicht nur reguliert, sondern diese Handlungsweise geradezu definiert oder ermöglicht. Ein Beispiel dafür sind die Schachregeln, ohne welche es unmöglich wäre, Schach zu spielen. Im Gegensatz hierzu dient eine regulative Regel allein der Bestimmung einer - unabhängig von ihr schon bestehenden - Handlungsweise (z. B. Höflichkeitsformen). Die Unterscheidung ist besonders in der Wissenschaftstheorie der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften und in der Theorie der Sprechhandlungen (u. a. bei Searle) geltend gemacht worden.

      6. In der politischen Philosophie und Rechtsphilosophie
      ... nennt man die Verfassung eines Landes seine Konstitution und die gesetzgebende Versammlung eine konstituierende.

      7. In Psychologie und Psychiatrie
      ... bezeichnet man mit Konstitution die genetisch bedingte leibliche oder seelische Grundverfassung eines Menschen. Bekannt ist C. G. Jungs Typenlehre mit ihrer Einteilung in extravertierte (nach außen gewandte) und intravertierte (nach innen gewandte) Typen oder E. Kretschmers (1888-1964) typologische Unterscheidung zwischen Menschen mit pyknischem, leptosomem oder athletischem Körperbau.
    • Falls es im Kontext interessiert: Ich verwende einen allgemeinen Konstitutionsbegriff.
      Als allgemeines betrachte ich, dass - quasi bottom-up anstatt top-down - nicht das Gesamte das darin Einzelne bestimmt, sondern umgekehrt konstituieren die vielen Einzelnen das gesamte. Analog z. B. Schwarmverhalten (individuell instinktiv), Verkehr ("du stehst nicht im Stau, du bist es") oder auch gesellschaftlich/kulturelle Prozesse wie Mode, Zeitgeist oder Politik etc.
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.