Gottlob Frege, "Der Gedanke" [Freestyle/Offtopic/Smalltalk]

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    • Fliege schrieb:

      Jörn schrieb:

      [W]ie kommt er zu diesem Punkt: "Dann aber gibt es keine vollkommene Übereinstimmung, keine vollkommene Wahrheit." Geist und Welt können nicht vollkommen übereinstimmen, so wie Frege das versteht, ginge das nur, wenn sie identisch wären. Wie er aber auch selbst feststellt, ist das gar nicht verlangt und gemeint: "Aber das will man gerade nicht, wenn man die Wahrheit als Übereinstimmung einer Vorstellung mit etwas Wirklichem bestimmt. Dabei ist es gerade wesentlich, daß das Wirkliche von der Vorstellung verschieden sei."
      [...] Wie funktioniert Freges Gedankengang?
      [...] "Die Wahrheit verträgt kein Mehr oder Minder." Stimmt das? Ich finde nicht. Warum sollte man sich der Wahrheit nicht sukzessive nähern können? Ist das nicht sogar der Weg, den die Wissenschaften vermutlich genommen haben??

      Ich denke, man kommt weiter, indem man Freges Argument (Gedanke, S. 60) rückwärts verfolgt, denn Frege versucht, eine Reductio ad absurdum zu machen.

      Frege geht davon aus, "Wahrheit verträgt kein Mehr oder Minder", denn das sehen die beiden Wahrheitswerte der zweiwertigen Logik so vor. "Halb wahr" gehe nicht, denn das "ist unwahr". Man hat demnach entweder die "vollkommene Wahrheit" oder gar keine Wahrheit.
      Für die "vollkommene Wahrheit" wäre im Rahmen einer Korrespondenztheorie der Wahrheit ("Wahrheit als Übereinstimmung einer Vorstellung mit etwas Wirklichem") eine "vollkommene Übereinstimmung" anzusetzen und nicht bloß eine aspektbezogene Teilübereinstimmung. Bei "vollkommener Übereinstimmung" läge jedoch Identität vor, so dass Vorstellung und Wirkliches in Eines fallen würden. "Wahrheit als Übereinstimmung einer Vorstellung mit etwas Wirklichem" wäre somit als absurde Konzeption dargetan und entsprechend zu verwerfen.

      Freges Argument gegen eine Korrespondenztheorie der Wahrheit lautet also: Wahrheit gemäß einer Korrespondenztheorie der Wahrheit verträgt sich nicht mit Wahrheit gemäß zweiwertiger Logik.

      Das guck ich mir so mal an :)
    • idea schrieb:

      Freges Argument gegen
      eine Korrespondenztheorie der Wahrheit lautet also: Wahrheit gemäß einer
      Korrespondenztheorie der Wahrheit verträgt sich nicht mit Wahrheit
      gemäß zweiwertiger Logik.


      Hallo zusammen,

      Ich habe gelesen zweiwertige Logik erlaube nicht eine Menge zu definieren als Menge aller Mengen, die sich nicht selbst enthalten, weil die Menge aller Mengen sich selbst dann enthält und nicht enthält. Viele glauben auf mehr als eine zweiwertige Logik zurückgreifen zu sollen und ein bekannter Philosoph, dessen Name mir gerade nicht einfällt meinte, diese Menge aller Mengen sei keine gewöhnliche Menge, das wurde aber mE von Philosophischer Seite aus nicht recht verstanden. Wer kann mehr dazu sagen?

      @ Jörn

      Wäre nett, wenn Du kurz was zu meiner Antwort auf Deinen Beitrag sagen könntest. Auch, "sagt mir nichts" reicht mir. Nur ich fühle mich sonst immer ein wenig "ignoriert".
      Ich selbst schätze Deine Beiträge sehr, glaube sie im Kern zu verstehen, aber das ist leider nur ein "glauben" ohne Feedback.
    • sammler9 schrieb:

      Ich habe gelesen zweiwertige Logik erlaube nicht eine Menge zu definieren als Menge aller Mengen, die sich nicht selbst enthalten, weil die Menge aller Mengen sich selbst dann enthält und nicht enthält. Viele glauben auf mehr als eine zweiwertige Logik zurückgreifen zu sollen und ein bekannter Philosoph, dessen Name mir gerade nicht einfällt meinte, diese Menge aller Mengen sei keine gewöhnliche Menge, das wurde aber mE von Philosophischer Seite aus nicht recht verstanden. Wer kann mehr dazu sagen?

      a) Wenn Du etwas deutlicher ausführen könntest, welches Problem mit dieser Menge Du adressieren oder diskutieren möchtest, besonders in Bezug auf die Arbeiten Freges, wäre das hilfreich. Wenn Du Dich nur allgemein schlau machen möchtest, wäre der Wikipedia-Artikel Russellsche Antinomie oder auf englisch der Artikel auf Plato ein guter Einstieg.

      b) Wenn Du keinen Bezug auf Frege herstellen willst, wäre ein separater Thread angebracht.

      Ein kleiner Hinweis: das Problem für Frege, der seine logischen Grundlagen der Mathematik auf der sog. naiven Mengenlehre aufgebaut hatte war umgekehrt: nämlich die Tatsache, dass sich eine solche Menge leider schon definieren lässt. Die weiteren Arbeiten der Logiker und Mathematiker zielten - erfolgreich - daraufhin, dass sich solche antinomischen oder paradoxen Mengen nicht mehr definieren lassen.
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      Der Kosmos ist bestenfalls ein planlos aufgeschütteter Misthaufen. (Heraklit)
    • hel schrieb:

      a) Wenn Du etwas deutlicher ausführen könntest, welches Problem mit dieser Menge Du adressieren oder diskutieren möchtest, besonders in Bezug auf die Arbeiten Freges, wäre das hilfreich. Wenn Du Dich nur allgemein schlau machen möchtest, wäre der Wikipedia-Artikel Russellsche Antinomie oder auf englisch der Artikel auf Plato ein guter Einstieg.
      Englisch kann ich nicht so gut. Aber Danke.
      In Flieges Zitat wird ja deutlich, dass Intentionalität nur die Lösung sein kann, weil hier Bild und Vorstellung von einem Bild als Beispiel wegen der extrinsischen geometrischen Formen die T. v. Aquin in seinem ontologischen Gottesbeweis nur als ein kleiner als Gott gedacht werden kann behandelt hat. Gott ist aber das Maß und die Mitte, hier wenn die geometrische Form als Variable Null wird. Er ist nicht das Größer als nichts gedacht werden kann, weil hier der Widerspruch, den Fliege angemerkt hat auftreten würde.

      hel schrieb:

      b) Wenn Du keinen Bezug auf Frege herstellen willst, wäre ein separater Thread angebracht.
      Frege ist hier zentral mit seinem Sinnbegriff, weil wir seit es Lebewesen gibt immer auf Farben und Formen ausgerichtet sind. Jörn liegt mit der Intentionalität des Rot haargenau richtig.
      Wenn die geometrische Form als Mass und Mitte Null ist, dann ist der Sinn bereits offenbart worden, nämlich dass Gott als die Menge aller Mengen das Maß und die Mitte ist.

      hel schrieb:

      Ein kleiner Hinweis: das Problem für Frege, der seine logischen Grundlagen der Mathematik auf der sog. naiven Mengenlehre aufgebaut hatte war umgekehrt: nämlich die Tatsache, dass sich eine solche Menge leider schon definieren lässt. Die weiteren Arbeiten der Logiker und Mathematiker zielten - erfolgreich - daraufhin, dass sich solche antinomischen oder paradoxen Mengen nicht mehr definieren lassen.
      Weil sie recht haben.
    • Gottlob Frege, "Der Gedanke" [Freestyle]

      sammler9 schrieb:

      Wäre nett, wenn Du kurz was zu meiner Antwort auf Deinen Beitrag sagen könntest. Auch, "sagt mir nichts" reicht mir. Nur ich fühle mich sonst immer ein wenig "ignoriert".

      Jetzt hab ich hier einen Freestyle/Offtopic-Bereich eröffnet, in dem auch freies Assoziieren seinen Platz hat. Wenn du den Beitrag, auf den ich was schreiben "soll" hier zitierst und ich ihn verstehe, dann ist hier der Ort für meine Antwort :) Okay?
    • Jörn schrieb:

      sammler9 schrieb:

      Wäre nett, wenn Du kurz was zu meiner Antwort auf Deinen Beitrag sagen könntest. Auch, "sagt mir nichts" reicht mir. Nur ich fühle mich sonst immer ein wenig "ignoriert".

      Jetzt hab ich hier einen Freestyle/Offtopic-Bereich eröffnet, in dem auch freies Assoziieren seinen Platz hat. Wenn du den Beitrag, auf den ich was schreiben "soll" hier zitierst und ich ihn verstehe, dann ist hier der Ort für meine Antwort :) Okay?
      Ja.

      Liebe Grüße