Gottlob Frege, "Der Gedanke" [Korrespondenztheorie/Definition der Wahrheit]

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    • Frege, der Gedanke schrieb:

      [...] Das Wort „wahr” erscheint sprachlich als Eigenschaftswort. Dabei entsteht der Wunsch, das Gebiet enger abzugrenzen, auf dem die Wahrheit ausgesagt werden, wo überhaupt Wahrheit in Frage kommen könne. Man findet die Wahrheit ausgesagt von Bildern, Vorstellungen, Sätzen und Gedanken. Es fällt auf, daß hier sichtbare und hörbare Dinge zusammen mit Sachen vorkommen, die nicht mit den Sinnen wahrgenommen werden können. Das deutet darauf hin, daß Verschiebungen des Sinnes vorgekommen sind. In der Tat! Ist denn ein Bild als bloßes sichtbares, tastbares Ding eigentlich wahr? und ein Stein, ein Blatt ist nicht wahr? Offenbar würde man das Bild nicht wahr nennen, wenn nicht eine Absicht dabei wäre. Das Bild soll etwas darstellen.

      Auch die Vorstellung wird nicht an sich wahr genannt, sondern nur im Hinblick auf eine Absicht, daß sie mit etwas übereinstimmen solle. Danach kann man vermuten, daß die Wahrheit in einer Übereinstimmung eines Bildes mit dem Abgebildeten bestehe. Eine Übereinstimmung ist eine Beziehung. Dem widerspricht aber die Gebrauchsweise des Wortes „wahr”, das kein Beziehungswort ist, keinen Hinweis auf etwas anderes enthält, mit dem etwas übereinstimmen solle. Wenn ich nicht weiß, daß ein Bild den Kölner Dom darstellen solle, weiß ich nicht, womit ich das Bild vergleichen müsse, um über seine Wahrheit zu entscheiden.

      [60] Auch kann eine Übereinstimmung ja nur dann vollkommen sein, wenn die übereinstimmenden Dinge zusammenfallen, also gar nicht verschiedene Dinge sind. Man soll die Echtheit einer Banknote prüfen können, indem man sie mit einer echten stereoskopisch zur Deckung zu bringen sucht. Aber der Versuch, ein Goldstück mit einem Zwanzigmarkschein stereoskopisch zur Deckung zu bringen, wäre lächerlich. Eine Vorstellung mit einem Dinge zur Deckung zu bringen, wäre nur möglich, wenn auch das Ding eine Vorstellung wäre. Und wenn dann die erste mit der zweiten vollkommen übereinstimmt, fallen sie zusammen. Aber das will man gerade nicht, wenn man die Wahrheit als Übereinstimmung einer Vorstellung mit etwas Wirklichem bestimmt. Dabei ist es gerade wesentlich, daß das Wirkliche von der Vorstellung verschieden sei. Dann aber gibt es keine vollkommene Übereinstimmung, keine vollkommene Wahrheit. Dann wäre überhaupt nichts wahr; denn was nur halb wahr ist, ist unwahr.

      Die Wahrheit verträgt kein Mehr oder Minder. Oder doch? Kann man nicht festsetzen, daß Wahrheit bestehe, wenn die Übereinstimmung in einer gewissen Hinsicht stattfinde? Aber in welcher? Was müßten wir dann aber tun, um zu entscheiden, ob etwas wahr wäre? Wir müßten untersuchen, ob es wahr wäre, daß — etwa eine Vorstellung und ein Wirkliches — in der festgesetzten Hinsicht übereinstimmten. Und damit ständen wir wieder vor einer Frage derselben Art, und das Spiel könnte von neuem beginnen. So scheitert dieser Versuch, die Wahrheit als eine Übereinstimmung zu erklären. So scheitert aber auch jeder andere Versuch, das Wahrsein zu definieren. Denn in einer Definition gäbe man gewisse Merkmale an. Und bei der Anwendung auf einen besonderen Fall käme es dann immer darauf an, ob es wahr wäre, daß diese Merkmale zuträfen. So drehte man sich im Kreise. Hiernach ist es wahrscheinlich, daß der Inhalt des Wortes „wahr” ganz einzigartig und undefinierbar ist.

      Wenn man Wahrheit von einem Bilde aussagt, will man eigentlich keine Eigenschaft aussagen, welche diesem Bilde ganz losgelöst von anderen Dingen zukäme, sondern man hat dabei immer noch eine ganz andere Sache im Auge, und man will sagen, daß jenes Bild mit dieser Sache irgendwie übereinstimme. „Meine Vorstellung stimmt mit dem Kölner Dome überein” ist ein Satz, und es handelt sich nun um die Wahrheit dieses Satzes. So wird, was man wohl mißbräuchlich Wahrheit von Bildern und Vorstellungen nennt, auf die Wahrheit von Sätzen zurückgeführt. Was nennt man einen Satz? Eine Folge von Lauten; aber nur dann, wenn sie einen Sinn hat, womit nicht gesagt sein soll, daß jede sinnvolle Folge von Lauten ein Satz sei. Und wenn wir einen Satz wahr nennen, meinen wir eigentlich seinen Sinn. Danach ergibt sich als dasjenige, bei dem das Wahrsein überhaupt in Frage kommen kann, der Sinn eines Satzes. Ist nun der Sinn eines Satzes eine Vorstellung? Jedenfalls besteht das Wahrsein nicht in der Übereinstimmung dieses Sinnes mit etwas anderem; denn sonst wiederholte sich die Frage nach dem Wahrsein ins Unendliche. [...]
    • Jörn schrieb:

      Frege hat zu Beginn gleichsam "nebenbei" die Korrespondenztheorie der Wahrheit widerlegt und aufgezeigt, dass Wahrheit ein undefinierbarer Grundbegriff ist. Interessant, nicht wahr ;) Außerdem will er zeigen, dass Gedanken nicht zur Innenwelt zählen, nicht zur Außenwelt zählen, also einen eigenen Bereich beanspruchen. Wir sollten darüber reden, Gottlob ;)

      Ob es sich um eine Widerlegung handelt, wäre ebenfalls zu bereden *g*. Frege bezahlt einen Preis für seine Operation, und er bezahlt ihn gern, nämlich diesen: "Eine Tatsache ist ein Gedanke, der wahr ist" (S. 74). Das ist ein sehr hoher Preis.
      "Die rechtsstaatliche Ordnung in der Bundesrepublik ist in diesem Bereich jedoch seit rund eineinhalb Jahren außer Kraft gesetzt und die illegale Einreise ins Bundesgebiet wird momentan de facto nicht mehr strafrechtlich verfolgt" (Rheinland-Pfalz, Landesrecht online, Oberlandesgericht Koblenz, Aktenzeichen 13 UF 32/17, Urteil vom 14. Februar 2017). — Will es nun wieder niemand gewesen sein? — Boris Palmer for Merkel!
    • Jörn schrieb:

      Frege hat zu Beginn gleichsam "nebenbei" die Korrespondenztheorie der Wahrheit widerlegt und aufgezeigt, dass Wahrheit ein undefinierbarer Grundbegriff ist.
      Zumindest hat er gezeigt, dass eine Definition im Stile: " Die Vorstellung X ist genau dann wahr, wenn sie im Sinne Y mit der Tatsache T übereinstimmt." nicht möglich ist. Sie wird dadurch, dass die Untersuchung, ob X denn wirklich im Sinne Y mit der Tatsache T übereinstimmt, ihrerseits nicht ohne die Wahrheitsfrage auskommt, zirkulär. Damit haben wir den Ausdruck "wahr" implizit auch im Definiens.
      Für formale Sprachen, hat ja Tarksi die Definition über das Definitionsschema "Der Satz "p" ist wahr dann und nur dann, wenn p" erzielen können. In der Umgangssprache müssen wir uns mit Teildefinitionen Satz für Satz begnügen. Aber obwohl das Schema an Versuche wie solche anknüpft: "Eine Aussage ist wahr, wenn sie sagt, dass die Tatsachen so und so sind, und die Tatsachen sind dann auch so und so" kommt das Schema ganz ohne Bezug auf Wirklichkeit, Tatsachen und Behauptung aus. Die Wahrheitsdefinition ' "Der Schnee ist weiß" ist wahr dann und nur dann, wenn der Schnee weiß ist', ist zwar mit der Korrespondenztheorie im Sinne eines metaphysischen Realismus kompatibel, aber auch mit anderen, z.B. idealistischen Philosophien.
      Da das Tarski-Schema wegen des Lügner-Paradoxons für die natürlichen Sprachen keine vollständige Wahrheitsdefinition zulässt, hat Frege bis jetzt mit seiner Undefinierbarkeit des Wahrheitsbegriffs recht behalten.

      Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es. (Bertrand Russell)
      Any philosophy that can be put in a nutshell belongs in one. (Hilary Putnam)
      Religion is an insult to human dignity. (Steven Weinberg)
    • Definitionen sind sowieso mit Vorsicht zu genießen. Man muss sich hüten, über Definitionen begrifflich-apriorische Erkenntnisansprüche zu generieren. Fragt man beispielsweise, worin die Wahrheit der Aussage, dass es jetzt 22.30 Uhr ist, bestehen könnte und wie man ihrer kriteriell habhaft werden könnte, so muss man aufpassen, nicht naive Zeitmesstechnologie zu betreiben. Das kann sehr leicht lächerlich daher kommen.
      Tarski brachte es fertig, was auch seine Absicht war, eine Methode aufzuzeigen, wie man über die Wahrheit von Aussagen reden kann, ohne hilflos ins Lügnerparadox zu stolpern.
      "Die rechtsstaatliche Ordnung in der Bundesrepublik ist in diesem Bereich jedoch seit rund eineinhalb Jahren außer Kraft gesetzt und die illegale Einreise ins Bundesgebiet wird momentan de facto nicht mehr strafrechtlich verfolgt" (Rheinland-Pfalz, Landesrecht online, Oberlandesgericht Koblenz, Aktenzeichen 13 UF 32/17, Urteil vom 14. Februar 2017). — Will es nun wieder niemand gewesen sein? — Boris Palmer for Merkel!
    • Kurze Notiz: Dass Wahrheit ein Grundbegriff ist, scheint mir ziemlich evident zu sein. Jedoch: Falls sich Wahrheit - wie Frege glaubt - nicht definieren lässt, ist damit schon gezeigt, dass es sich bei ihr um einen Grundbegriff handelt?
    • In einer zentralen Passage (S. 60) benutzt Frege für seine Charakterisierung des Problems so viele verschiedenen Verben, dass ich den Eindruck habe, ihm sei die Problemlage selber nicht sonderlich klar:
      "Kann man nicht festsetzen, daß Wahrheit bestehe, wenn die Übereinstimmung in einer gewissen Hinsicht stattfinde? Aber in welcher? Was müßten wir dann aber tun, um zu entscheiden, ob etwas wahr wäre? Wir müßten untersuchen, ob es wahr wäre, daß — etwa eine Vorstellung und ein Wirkliches — in der festgesetzten Hinsicht übereinstimmten. Und damit ständen wir wieder vor einer Frage derselben Art, und das Spiel könnte von neuem beginnen. So scheitert dieser Versuch, die Wahrheit als eine Übereinstimmung zu erklären. So scheitert aber auch jeder andere Versuch, das Wahrsein zu definieren. Denn in einer Definition gäbe man gewisse Merkmale an. Und bei der Anwendung auf einen besonderen Fall käme es dann immer darauf an, ob es wahr wäre, daß diese Merkmale zuträfen. So drehte man sich im Kreise."

      1. Eine Festsetzung ist eine Definition.
      2. Doch eine Definition leistet keine Erklärung (Beispiel: Warum hat ein Hund vier Beine? Weil ein Hund als ein Tier mit vier Beinen definiert ist).
      3. Ja, eine Untersuchung kann kompliziert sein, weil viele Aspekte zu berücksichtigen sind.
      4. Ob ein Bestehen von Wahrheit mittels einer angebbaren Methode entscheidbar ist, ist weder ein Definitions-, Untersuchungs-, noch ein Erklärungsproblem.

      Frege stört sich daran, dass im Falle einer Korrespondenztheorie der Wahrheit keine Entscheidungsprozedur für ein Bestehen von Wahrheit angebbar ist. Das passt nämlich nicht mit seinem logizistischen (bzw. metaphysischen) Erkenntnisprogramm zusammen, das Entscheidbarkeit mittels Logik vorsieht (was nur über Kohärenz geht). Von Entscheidbarkeit ist es nicht weit zu einem Verifikationismus, wonach der Sinn eines Satzes in der Methode seiner Verifikation besteht.
      "Die rechtsstaatliche Ordnung in der Bundesrepublik ist in diesem Bereich jedoch seit rund eineinhalb Jahren außer Kraft gesetzt und die illegale Einreise ins Bundesgebiet wird momentan de facto nicht mehr strafrechtlich verfolgt" (Rheinland-Pfalz, Landesrecht online, Oberlandesgericht Koblenz, Aktenzeichen 13 UF 32/17, Urteil vom 14. Februar 2017). — Will es nun wieder niemand gewesen sein? — Boris Palmer for Merkel!
    • Fliege schrieb:

      Frege stört sich daran, dass im Falle einer Korrespondenztheorie der Wahrheit keine Entscheidungsprozedur für ein Bestehen von Wahrheit angebbar ist.

      Ich würde eher sagen: Er zeigt auf, dass das Verständnis von Wahrheit als "Übereinstimmung mit der Wirklichkeit" in einen unendlichen Regress führt.

      2. Doch eine Definition leistet keine Erklärung

      Da bin ich anderer Meinung. Eine Definition antwortet auf die Frage "Was ist ein x?" bzw. "Was bedeutet 'x'?" Und diese Antwort erklärt eben entweder x bzw. den Gebrauch von 'x'.

      Hier die Definition von "Definition" aus Wikipedia:

      Eine Definition (lateinisch definitio „Abgrenzung“, aus de „(von etw.) herab/ weg“ und finis „Grenze“) ist je nach der Definitionslehre, der hierbei gefolgt wird, entweder 1. die Bestimmung des Wesens einer zu erklärenden Sache, 2. die Bestimmung eines Begriffs, 3. die Feststellung eines tatsächlich geübten Sprachgebrauchs oder 4. die Festsetzung oder Vereinbarung eines solchen.
    • Hermeneuticus schrieb:

      Fliege schrieb:

      2. Doch eine Definition leistet keine Erklärung

      Da bin ich anderer Meinung. Eine Definition antwortet auf die Frage "Was ist ein x?" bzw. "Was bedeutet 'x'?" Und diese Antwort erklärt eben entweder x bzw. den Gebrauch von 'x'.

      Hier die Definition von "Definition" aus Wikipedia:
      Eine Definition (lateinisch definitio "Abgrenzung", aus de "(von etw.) herab/ weg" und finis "Grenze") ist je nach der Definitionslehre, der hierbei gefolgt wird, entweder 1. die Bestimmung des Wesens einer zu erklärenden Sache, 2. die Bestimmung eines Begriffs, 3. die Feststellung eines tatsächlich geübten Sprachgebrauchs oder 4. die Festsetzung oder Vereinbarung eines solchen.

      Da passt ja mein Beispiel perfekt: Warum hat ein Hund vier Beine? Weil ein Hund als ein Tier mit vier Beinen definiert ist.
      "Die rechtsstaatliche Ordnung in der Bundesrepublik ist in diesem Bereich jedoch seit rund eineinhalb Jahren außer Kraft gesetzt und die illegale Einreise ins Bundesgebiet wird momentan de facto nicht mehr strafrechtlich verfolgt" (Rheinland-Pfalz, Landesrecht online, Oberlandesgericht Koblenz, Aktenzeichen 13 UF 32/17, Urteil vom 14. Februar 2017). — Will es nun wieder niemand gewesen sein? — Boris Palmer for Merkel!
    • Fliege schrieb:

      1. Eine Festsetzung ist eine Definition.

      Hermeneuticus schrieb:

      Da bin ich anderer Meinung.

      Hermeneuticus schrieb:

      [eine Definition ist] 4. die Festsetzung


      Der Begriff Definition hat (wie immer) viele Bedeutungen :) Festsetzung gehört sicher dazu, aber es gibt meines Erachtens auch Definitionen, die erklären sollen. Selbst "mit dem Finger auf etwas zeigen" kann eine Definition sein. Wenn man sich fragt, ob Wahrheit ein grundlegender Begriff ist, lautet die Frage jedoch, ob er sich auf andere Begriffe zurückführen lässt - da er sonst eben nicht grundlegend wäre.
    • Hermeneuticus schrieb:

      Fliege schrieb:

      Frege stört sich daran, dass im Falle einer Korrespondenztheorie der Wahrheit keine Entscheidungsprozedur für ein Bestehen von Wahrheit angebbar ist.

      Ich würde eher sagen: Er zeigt auf, dass das Verständnis von Wahrheit als "Übereinstimmung mit der Wirklichkeit" in einen unendlichen Regress führt.

      Dazu möchte ich eine ähnliche Liste von jemand anderem bringen (Ulrich Pardey, "Freges Kritik an der Korrespondenztheorie der Wahrheit - Eine Verteidigung", 2004, S. 8; Vorwort in der Leseprobe; er tritt als Verteidiger Freges auf):
      "Frege sei nicht klar gewesen, dass man das einstellige Prädikat 'x ist eine Ehefrau' durch das zweistellige Prädikat 'x ist mit y verheiratet' definieren könne, z. B. so: 'x ist eine Ehefrau := es gibt einen Mann y, für den gilt: x ist mit y verheiratet'. (Künne, Stuhlmann-Laeisz, Soames)
      Frege sei der logische Unterschied zwischen 'Sokrates war vollkommen und klug' und 'Sokrates war vollkommen klug' nicht deutlich gewesen. (Stuhlmann-Laeisz)
      Frege habe den Ausdruck 'Entscheidung' äquivok gebraucht, einmal im epistemischen und einmal im ontischen Sinne. (Stuhlmann-Laeisz, ähnlich Dummett)
      Frege habe die Entscheidung, ob p, für verschieden von der Entscheidung, ob q, gehalten, obwohl er 'p' und 'q' als synonym angenommen habe. (Künne)
      Frege habe nicht zwischen einem unendlichen Regress und einem Kreis (Zirkel) unterschieden, er habe offenbar das eine gesagt und das andere gemeint. (Dummett, Künne, Stuhlmann-Laeisz)
      Frege habe übersehen, dass eine Definition vom Typ 'Orange := Apfelsine' nicht zirkulär sei. (Kutschera)"
      "Die rechtsstaatliche Ordnung in der Bundesrepublik ist in diesem Bereich jedoch seit rund eineinhalb Jahren außer Kraft gesetzt und die illegale Einreise ins Bundesgebiet wird momentan de facto nicht mehr strafrechtlich verfolgt" (Rheinland-Pfalz, Landesrecht online, Oberlandesgericht Koblenz, Aktenzeichen 13 UF 32/17, Urteil vom 14. Februar 2017). — Will es nun wieder niemand gewesen sein? — Boris Palmer for Merkel!
    • Eine Definition ist sehr hilfreich, wenn sie klarzustellen hilft , worüber man genau spricht. Ich würde sie als methodisches Instrument bezeichnen. Erkenntnisgewinn kann man durch Definitionen direkt nicht erlangen:

      Nehmen wir als Beispiel die Popperschen Schwäne:
      wenn "weiss" zum Definiens von Schwänen gehörte, wäre die Aussage: "Alle Schwäne sind weiß" gar keine empirische mehr. Und Popper, wenn er nach langer Suche mühsam keuchend endlich seinen schwarzen Schwan dem Moritz Schlick gezeigt hätte, wäre einfach ausgelacht worden: Wenn's net weiß ist, ist's ka Schwan!

      Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es. (Bertrand Russell)
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    • hel schrieb:

      Eine Definition ist sehr hilfreich, wenn sie klarzustellen hilft , worüber man genau spricht. Ich würde sie als methodisches Instrument bezeichnen. Erkenntnisgewinn kann man durch Definitionen direkt nicht erlangen:

      Nehmen wir als Beispiel die Popperschen Schwäne:
      wenn "weiss" zum Definiens von Schwänen gehörte, wäre die Aussage: "Alle Schwäne sind weiß" gar keine empirische mehr. Und Popper, wenn er nach langer Suche mühsam keuchend endlich seinen schwarzen Schwan dem Moritz Schlick gezeigt hätte, wäre einfach ausgelacht worden: Wenn's net weiß ist, ist's ka Schwan!

      Ja, und ein schwarzer und ansonsten schwanartiger Vogel ist ein Schwan*, aber kein Schwan: netter Versuch ;-).
      "Die rechtsstaatliche Ordnung in der Bundesrepublik ist in diesem Bereich jedoch seit rund eineinhalb Jahren außer Kraft gesetzt und die illegale Einreise ins Bundesgebiet wird momentan de facto nicht mehr strafrechtlich verfolgt" (Rheinland-Pfalz, Landesrecht online, Oberlandesgericht Koblenz, Aktenzeichen 13 UF 32/17, Urteil vom 14. Februar 2017). — Will es nun wieder niemand gewesen sein? — Boris Palmer for Merkel!
    • hel schrieb:

      Erkenntnisgewinn kann man durch Definitionen direkt nicht erlangen

      Da wäre ich mir nicht sicher. Insofern man unter Definition einen Festsetzung versteht - etwa: wir wollen künftig alle x, die z sind N nennen - hält sich der mögliche Erkenntnisgewinn in Grenzen, es sei denn ich höre von N und erfahre dann, dass damit alle x, die z sind gemeint sind.

      Aber wenn wir den philosophisch wichtigen Begriffen auf den Grund gehen wollen, können wir dabei durchaus lernen. Beispiel: Wir fragen uns, was "Wissen" heißt ... Naja, wenn man etwas wahres glaubt. Aber wusste der Lottokönig wirklich von den sechs Richtigen? Naja, eigentlich nicht. Dann reparieren wir die Definition: Wissen ist wahre gerechtfertigte Überzeugung. Naja, dann kommen ein paar tausend Jahre später Gettier-Einwände. usw. usf.

      Das sind durchaus Erkenntnisse, auch wenn es im fraglichen Fall nur dazu führt, dass man weiß, dass man die Definition nicht hinkriegt, obwohl bei allen Definitionsversuchen unser intuitives Wissen um den Begriff "Wissen" mit im Spiel war, vorsichtig gesagt.
    • @jörn: stimme Dir vollkommen zu. Darum habe ich ja auch das Wörtchen "direkt" in dem zitierten Satz drin stehen :)

      Das Problem einer Definition, die einen Begriff aus der Alltagssprache präzisieren will, ist ja nicht nur die formale Korrektheit sondern auch das, was Tarski die inhaltliche Adäquatheit nennt.
      Wieder mal Stegmüller:

      Die erste Aufgabe einer solchen Definition, die inhaltlich adäquate Erfassung des betreffenden Begriffs, bedeutet gerade die eben erwähnte Tatsache, daß sie mit dem üblichen Gebrauch dieses Terminus in Einklang stehen muß. Daß die Definition dieser Forderung entspricht, kann, wie wir sehen werden, mittels einer aufgestellten Konvention, der die Definition zu genügen hat, überprüft werden, wobei in dieser Konvention die Grundvorstellung zum Ausdruck gelangen muß, die mit dem Terminus ... intendiert wird (unter Außerachtlassung der nicht interessierenden Nebenbedeutungen).

      Und daran scheitern sehr viele Definitionen.

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      Religion is an insult to human dignity. (Steven Weinberg)
    • hel schrieb:

      Nehmen wir als Beispiel die Popperschen Schwäne:
      wenn "weiss" zum Definiens von Schwänen gehörte, wäre die Aussage: "Alle Schwäne sind weiß" gar keine empirische mehr. Und Popper, wenn er nach langer Suche mühsam keuchend endlich seinen schwarzen Schwan dem Moritz Schlick gezeigt hätte, wäre einfach ausgelacht worden: Wenn's net weiß ist, ist's ka Schwan!
      IN diesem Fall müsste man Schlick zu Recht den Vorwurf machen ,dass er sich nicht nach der Definition für "Schwan" in der Zoologie richtet. Hiernach gibt es auch schwarze Schwäne.
    • Jörn-
      Ich vermute nicht, dass es in der Absicht Freges lag, dies zu zeigen :) und ich denke auch nicht, dass er es tat.
      Du hattest die Frage nach dem Grundbegriff 'Wahrheit gestellt - und wenn es Wahrheit gibt, dann gibt es auch den Grundbegriff dazu.

      Einen sprachlichen Ausdruck definieren: heißt eine Bedeutung von A anzugeben. Zu unterscheiden sind zudem stipulatiove und reportive Definitionen wobei im philosophischen Sinn in der Regel von stipulativen Definitionen also von einer Festsetzung der Bedeutung ausgegangen wird. So hat eine Wahrheitsdefinition möglicherweise folgende Form: x ist wahr genau dann, wenn gilt:... . Einen sprachlichen Ausdruck A definieren heißt anzugeben, was A bedeutet (der Ausdruck A bedeutet:...) Dazu gibt einige Definitionsregeln zu beachten.

      Für Frege ist die Bedeutung eines Begriffs das Gemeinsame von Vielem.