Gottlob Frege, "Der Gedanke"

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    • Hermeneuticus schrieb:

      Das ist meine These.

      Kann schon sein. Nur hat es einfach nichts mit dem zu tun, wovon ich spreche. Das zeigt sich schon daran, dass du die vielfachen Beispiele, die zeigen sollen, worum es geht, einfach ignorierst.

      Ich behaupte aber, dass sich der Gehalt eines Satzes nicht ohne Berücksichtigung der Mitteilungsabsichten des Sprechers (in einem ganz bestimmten Kontext) bestimmen lässt!

      Damit bin ich natürlich einverstanden. Nur lassen sich die Mitteilungsabsichten des Sprechers (in einem ganz bestimmten Kontext) gar nicht ohne die Unterscheidung, die ich mache bestimmen. Der Satz "Der Kerl ist groß" mit zeigendem Finger auf einen Zwerg, kann nur dann als schlechter Witz (Ironie oder was auch immer) verstanden werden, wenn ich zwischen der wortwörtlichen Bedeutung und dem, was der Sprecher in diesem Moment damit beabsichtigt, unterscheide. Nach deiner Ansicht müsste in diesem Kontext "groß" "klein" bedeuten oder der Hörer müsste von einem Irrtum bzw. einer Lüge ausgehen. Das wird aber der Situation nicht gerecht.

      Hermeneuticus schrieb:

      hel schrieb:

      Wenn ich also sage, dass das Wort "Hund" sich auf Hunde bezieht (oder eben das Wort "Hund" die Bedeutung Hund hat) meine ich nichts anderes, als diesen Sachverhalt einer intersubjektiv geteilten Wortassoziation bzw. Wortverwendung.

      Ja, einverstanden.

      Nun sage ich "Hund" und zeige auf deinen Chef. Die wortwörtliche Bedeutung ändert sich aber dadurch nicht. Das Wort Hund heißt nun nicht plötzlich "Chef", was nach deiner Version der Fall sein müsste. Es heißt weiterhin das, was es immer heißt. Und mithilfe dieser Tatsache kann ich je nach Kontext verschiedenes ausprobieren, aber das geht nur, wenn es diese Differenz gibt, zwischen dem "richtigen", bzw. dem "wortwörtlichen" oder (meinem) üblichen/gewohnheitsmäßigen Gebrauch und meinem Spielchen. Hier sind einfach mindestens diese zwei Aspekte im Spiel. Und ich behaupte, dass das immer der Fall ist.
    • Jörn-
      Nun sage ich "Hund" und zeige auf deinen Chef. Die wortwörtliche
      Bedeutung ändert sich aber dadurch nicht. Das Wort Hund heißt nun nicht
      plötzlich "Chef", was nach deiner Version der Fall sein müsste. Es heißt
      weiterhin das, was es immer heißt. Und mithilfe dieser Tatsache kann
      ich je nach Kontext verschiedenes ausprobieren, aber das geht nur, wenn
      es diese Differenz gibt, zwischen der "richtigen", "wortwörtlichen",
      (meiner) üblichen Bedeutung und meinem Spielchen. Hier sind einfach
      mindestens diese zwei Aspekte im Spiel. Und ich behaupte, dass das immer
      der Fall ist.
      Wenn du Hund sagst und auf seinen Chef zeigst, dann ist das eine missbräuchliche Verwendung des Wortes Hund, das kannst du mit allen Wörtern machen wenn du willst, es sagt einfach nichts sachdienliches aus, sondern beschreibt nur eine Schimpfgeste, oder ein Sprachspiel wenn du so willst. Dazu nehme ich an, dass du gezielt das Wort Hund mit dem Chef assoziierst, also weißt, dass das Wort 'Hund' mit einem Hund bzw. der Definition von Hund ident ist.
      Bei einer vorgegebenen Sprache wird eine Kenntnis dieser vorausgesetzt, also, dass Hund nicht gleich Chef ist.
      Ander wenn du z.B. sagst 'Wien ist deutschsprachig', dann könnte das heißen _
      (die Stadt )Wien ist deutschsprachig - ( token, oder suppositio formalis), oder
      (das Wort) Wien ist deutschsprachig - ( types, oder suppositio materialis). Hier ist einfach zwischen der normalen Verwendung (use) und der Erwähnung (mention) eines Wortes zu unterscheiden.
    • Fliege-
      Und deswegen ist Logik nicht die Wissenschaft von den "Gesetzen des
      Wahrseins", weil Logik auch bei falschen Sätzen funktioniert.
      Hm, Frege beschreibt ja ganz genau, dass er mittels Logik die Gesetze des Wahrseins finden will und nicht, dass Logik die Gesetze des Wahrseins sind.(S1)
      Fliege-
      Also nun meine Formel: Logik ist die Wissenschaft von der Sinndichtigkeit.


      Dazu müsstest du zuerst Sinn, bzw. Sinndichtigkeit definieren.
      Aussagesätze besitzen auch, neben der Eigenschaft wahr oder falsch zu sein und aus Sicht der logischen Grammatik wohlgeformt oder korrekt gebildet zu sein, eine pragmatische Eigenschaft,- dadurch, dass sie (bzw. ihre Inhalte) behauptet werden, Informationen vermittelt werden. Dabei ist es egal, ob der Aussagesatz wahr oder falsch ist, eine Information übermittelt er in jedem Fall. Das Kapitel 'Aussagesatz' ist ein langes.
    • Jörn-
      Zitat von »idea«
      dann ist das eine missbräuchliche Verwendung des Wortes Hund
      Dergleichen kommt nicht nur gelegentlich, sondern dauernd vor :) Manche
      sagen, das Leben sei ein Fluss oder noch abwegigere Dinge :-))
      Steilvorlage :) aaber, Aussagesätze (Propositionen) und Theorien einerseits und Methoden andererseits fassen wir sinnvollerweise als abstrakte Objekte auf, also als abstrakte Typen, nicht als konkrete Vorkommnisse in Raum und Zeit.
    • idea schrieb:

      Fliege schrieb:

      Und deswegen ist Logik nicht die Wissenschaft von den "Gesetzen des Wahrseins", weil Logik auch bei falschen Sätzen funktioniert.

      Hm, Frege beschreibt ja ganz genau, dass er mittels Logik die Gesetze des Wahrseins finden will und nicht, dass Logik die Gesetze des Wahrseins sind.(S1)

      Ich habe nicht gesagt, Frege meine, "dass Logik die Gesetze des Wahrseins sind", sondern Frege meine, dass Logik "die Wissenschaft von den 'Gesetzen des Wahrseins'" sei.

      Ergänzend möchte ich erwähnen, dass Frege in diesem Zusammenhang deutlich mäandert:
      Zunächst meint Frege, "so weist 'wahr' der Logik die Richtung" (S. 58 ). Etwas später heißt es, "in den Gesetzen des Wahrseins wird die Bedeutung des Wortes 'wahr' entwickelt (S. 59). Fällt dir etwas auf? Ich denke, Frege sollte sich mehr Klarheit darüber verschaffen, wie er sich die Reihenfolge vorstellen möchte.

      idea schrieb:

      Fliege schrieb:

      Also nun meine Formel: Logik ist die Wissenschaft von der Sinndichtigkeit.

      Dazu müsstest du zuerst Sinn, bzw. Sinndichtigkeit definieren.
      Aussagesätze besitzen auch, neben der Eigenschaft wahr oder falsch zu sein und aus Sicht der logischen Grammatik wohlgeformt oder korrekt gebildet zu sein, eine pragmatische Eigenschaft,- dadurch, dass sie (bzw. ihre Inhalte) behauptet werden, Informationen vermittelt werden. Dabei ist es egal, ob der Aussagesatz wahr oder falsch ist, eine Information übermittelt er in jedem Fall. Das Kapitel 'Aussagesatz' ist ein langes.

      Nein, das muss ich nicht. Und ich hoffe, dass wir nicht anfangen, irgendwas zu definieren. Auch Frege geht nicht diesen Weg, was mir gefällt: "Ohne damit eine Definition geben zu wollen [...]" (S. 60).

      Welche sachbezogene Information wird durch den falschen Aussagesatz, die Sonne sei ein dunkles Gestirn, das durch Anstrahlung aus welttranszendenter Quelle leuchte, übermittelt? Ich möchte nun nicht, dass du mir erzählt, es werde die Ad-Personam-Information übermittelt, dass der Aussager sich im Irrtum befindet *g*.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Fliege-
      Ich habe nicht gesagt, Frege meine, "dass Logik die Gesetze des
      Wahrseins sind", sondern Frege meine, dass Logik "die Wissenschaft von
      den 'Gesetzen des Wahrseins'" sei.
      Ergänzend möchte ich erwähnen, dass Frege in diesem Zusammenhang deutlich mäandert:
      Zunächst meint Frege, "so weist 'wahr' der Logik die Richtung" (S. 58 ).
      Etwas später heißt es, "in den Gesetzen des Wahrseins wird die
      Bedeutung des Wortes 'wahr' entwickelt (S. 59). Fällt dir etwas auf? Ich
      denke, Frege sollte sich mehr Klarheit darüber verschaffen, wie er sich
      die Reihenfolge vorstellen möchte.
      Dazu stellt sich die Frage, was Wissenschaft ist,- man könnte folgendes festhalten:
      X ist wissenschaftlich, genau dann, wenn (i) x wird in der Absicht ausgeführt dem Finden und Begründen wahrer wissenschaftlicher Aussagesätze zu dienen und (ii) x wird mit angemessener Kompetenz ausgeführt. Was wäre angemessener zum Finden einer Gesetzmäßigkeit als logische Wahrheit und logische Folge? Oberste Voraussetzung bzw. richtungsweisend für logische Wahrheit ist auch allgemeingültige Wahrheit, daran ist nichts anstößig. Die 'Gesetze des Wahrseins' sind zu unterscheiden vom Wahrsein an sich, sie dienen dazu 'wahr' in der Bedeutung des Wortes als unumstößlich anzuerkennen und nicht dazu um im Fürwahrhalten des psychologischen Dunstkreises zu enden. Frege hat dazu mE die richtigen Voraussetzungen geschaffen.
      Fliege-

      Nein, das muss ich nicht. Und ich hoffe, dass wir nicht anfangen,
      irgendwas zu definieren. Auch Frege geht nicht diesen Weg, was mir
      gefällt: "Ohne damit eine Definition geben zu wollen [...]" (S. 60).
      Nein, natürlich nicht, wenn du eine unbegründete Behauptung aufstellen willst.
      Fliege -
      Welche sachbezogene Information wird durch den falschen Aussagesatz, die
      Sonne sei ein dunkles Gestirn, das durch Anstrahlung aus
      welttranszendenter Quelle leuchte, übermittelt? Ich möchte nun nicht,
      dass du mir erzählt, es werde die Ad-Personam-Information übermittelt,
      dass der Aussager sich im Irrtum befindet *g*.
      Ich habe nicht gesagt, dass die Information sachbezogen sein muss, sondern dass es sich um eine Information handelt, möglicherweise eine unsinnige, oder eine sprachspielerische, was weiß ich was genau - wie schon Jörn sagte wir sind jeden Tag mit Informationen konfrontiert, denkst du dass sie alle sachbezogen sind?
    • idea schrieb:

      Ich habe nicht gesagt, dass die Information sachbezogen sein muss, sondern dass es sich um eine Information handelt, möglicherweise eine unsinnige, oder eine sprachspielerische, was weiß ich was genau - wie schon Jörn sagte wir sind jeden Tag mit Informationen konfrontiert, denkst du dass sie alle sachbezogen sind?

      Eine Information ohne Sachbezug ist keine Information, sondern ein Gemurmel ;-). Und eine falsche Information ist eine Fehlinformation oder Desinformation (je nach Intention des Redners).
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • idea schrieb:

      Fliege schrieb:

      Ich habe nicht gesagt, Frege meine, "dass Logik die Gesetze des Wahrseins sind", sondern Frege meine, dass Logik "die Wissenschaft von den 'Gesetzen des Wahrseins'" sei.
      Ergänzend möchte ich erwähnen, dass Frege in diesem Zusammenhang deutlich mäandert:
      Zunächst meint Frege, "so weist 'wahr' der Logik die Richtung" (S. 58 ). Etwas später heißt es, "in den Gesetzen des Wahrseins wird die
      Bedeutung des Wortes 'wahr' entwickelt (S. 59). Fällt dir etwas auf? Ich denke, Frege sollte sich mehr Klarheit darüber verschaffen, wie er sich die Reihenfolge vorstellen möchte.

      Dazu stellt sich die Frage, was Wissenschaft ist,- man könnte folgendes festhalten:
      X ist wissenschaftlich, genau dann, wenn (i) x wird in der Absicht ausgeführt dem Finden und Begründen wahrer wissenschaftlicher Aussagesätze zu dienen und (ii) x wird mit angemessener Kompetenz ausgeführt. Was wäre angemessener zum Finden einer Gesetzmäßigkeit als logische Wahrheit und logische Folge? Oberste Voraussetzung bzw. richtungsweisend für logische Wahrheit ist auch allgemeingültige Wahrheit, daran ist nichts anstößig. Die 'Gesetze des Wahrseins' sind zu unterscheiden vom Wahrsein an sich, sie dienen dazu 'wahr' in der Bedeutung des Wortes als unumstößlich anzuerkennen und nicht dazu um im Fürwahrhalten des psychologischen Dunstkreises zu enden. Frege hat dazu mE die richtigen Voraussetzungen geschaffen.

      Lassen wir das zunächst so stehen (meine Unterstreichung). Wir können festhalten: Auf den Unterschied zwischen Wahrsein (einer Aussage) und Fürwahrhalten (einer Aussage) aufmerksam gemacht zu haben, ist ein großes Verdienst.

      PS.
      Damit ich mich nicht ganz allein fühlen muss, möchte ich Wolfgang Spohn anbieten ("Wie kann die Theorie der Rationalität normativ und empirisch zugleich sein?", 1993, PDF-S. 4):
      "Denn die deduktive Logik ist ja nichts anderes als eine Theorie der theoretischen Rationalität - sofern man in der deduktiven Logik nicht die Gesetze des Wahr-Seins erblickt, wie es Gottlob Frege, ihr moderner Gründervater, tat, sondern die Gesetze des vernünftigen Denkens und Für-Wahr-Haltens."
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Nachtrag zu Freges "Gesetzen des Wahrseins"

      Simon Evnine, "Frege on the Relations between Logic and Thought", S. 9-10:

      "Why, then, does Frege insist so forcefully on the idea that it is truth that points the way for logic? The answer, such as it is, is complicated and begins with Frege's odd conception of inference. It is plausible to say, and Frege did indeed hold, that logic has some normative impact on thought through the notion of inference. As he writes in a letter to Dingler: 'When we infer we recognize a truth on the basis of other previously recognized truths according to a logical law' ([vom 31. Januar 1917]; emphasis mine). But, as is well known, Frege had a very distinctive theory of inference. He held that inferences can only be made on the basis of things known to be true. He expresses this view frequently, including a passage immediately prior to the previous quotation: 'We can infer something only from true propositions. Thus if a group of propositions contains a proposition whose truth is not yet known, or which is certainly false, then this proposition cannot be used for making inferences' (emphasis mine)." -
      Warum besteht Frege so nachdrücklich auf der Idee, dass es Wahrheit ist, die der Logik ihre Richtung weist? Die Antwort ist kompliziert und beginnt mit Freges seltsamem Konzept von Ableitung (bzw. Folgerung). Frege war der Auffassung, dass Logik normativen Einfluss auf das Denken ausübt wegen der begrifflichen Vorstellung von Ableitung. Er schreibt in einem Brief an Hugo Dingler vom 31. Januar 1917: 'Wenn wir ableiten, erkennen wir eine Wahrheit aufgrund einer anderen zuvor erkannten Wahrheit gemäß eines logischen Gesetzes'. Doch Frege hatte eine sehr spezielle Vorstellung von Ableitung. Er vertrat die Auffassung, dass Ableitungen nur gemacht werden können aufgrund von Prämissen, von denen bekannt ist, dass sie wahr sind. Er äußerte diese Auffassung häufig, auch in einer Passage vor dem bereits gebrachten Zitat: 'Wir können etwas nur aus wahren Aussagen ableiten. Wenn eine Gruppe von Aussagen eine solche Aussage enthält, deren Wahrheit derzeit unbekannt ist oder die mit Sicherheit falsch ist, dann kann diese Aussage nicht benutzt werden, um Ableitungen vorzunehmen.'
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Riha-
      Der Gebrauch schafft die Bedeutung eines Wortes . Zumindest im
      alltäglichen Sprachgebrauch wird ein Mensch mit schlechtem Charakter oft
      als "Hund" bezeichnet .Wir müssen akzeptieren, dass es auch diese
      Bedeutung für "Hund" gibt.
      Ja, aber das ist keine Frage der Logik, sondern der konventionellen Übereinstimmung. Ein Wortgebrauch, der im Alltäglichen gewachsen ist. Das ist Teil der Begriffsbestimmung - dazu könnte ich noch auf Quine verweisen und "Zwei Dogmen des Empirismus".
    • Fliege-
      Wir können festhalten: Auf den Unterschied zwischen Wahrsein (einer
      Aussage) und Fürwahrhalten (einer Aussage) aufmerksam gemacht zu haben,
      ist ein großes Verdienst.
      Das können wir festhalten, doch Freges Bestrebungen gingen weit darüber hinaus.
      Fliege-
      Warum besteht
      Frege so nachdrücklich auf der Idee, dass es Wahrheit ist, die der Logik
      ihre Richtung weist? Die Antwort ist kompliziert und beginnt mit Freges
      seltsamem Konzept von Ableitung (bzw. Folgerung). Frege war der
      Auffassung, dass Logik normativen Einfluss auf das Denken ausübt wegen
      der begrifflichen Vorstellung von Ableitung. Er schreibt in einem Brief
      an Hugo Dingler vom 31. Januar 1917: 'Wenn wir ableiten, erkennen wir
      eine Wahrheit aufgrund einer anderen zuvor erkannten Wahrheit gemäß
      eines logischen Gesetzes'. Doch Frege hatte eine sehr spezielle
      Vorstellung von Ableitung. Er vertrat die Auffassung, dass Ableitungen
      nur gemacht werden können aufgrund von Prämissen, von denen bekannt ist,
      dass sie wahr sind. Er äußerte diese Auffassung häufig, auch in einer
      Passage vor dem bereits gebrachten Zitat: 'Wir können etwas nur aus
      wahren Aussagen ableiten. Wenn eine Gruppe von Aussagen eine solche
      Aussage enthält, deren Wahrheit derzeit unbekannt ist oder die mit
      Sicherheit falsch ist, dann kann diese Aussage nicht benutzt werden, um
      Ableitungen vorzunehmen.'




      Da können wir doch gleich mit der Frage anknüpfen: "Warum sind mathematische Wahrheiten wahr?" Freges Auffassung ist nicht falsch, denn Logik nimmt einen Einfluss auf das Denken, weil es eine besondere Art zu denken ist, die sich wie jede andere Denkart bildet wenn man sich näher damit auseinandersetzt. Wer z.B. sich ständig mit Musik auseinandersetzt, wird eine Melodie schon hören, wenn er/sie nur die Noten sieht. Man könnte auch sagen Logik ist die richtige Art zu denken :) ( im Hinblick auf Philosophie allemal). Wenn Frege davon ausging mittels Logik allgemeingültige Wahrheit ans Licht zu bringen, dann stimmt seine Voraussetzung, dass dazu auch wahre Prämissen notwendig sind. Wenn er falsche oder unbekannte Prämissen ausschließt, dann deswegen, weil damit keine Argumentation vorgenommen werden kann, deren Konklusion außer logischer Wahrheit noch allgemeingültige Wahrheit garantiert - das ist ein bemerkenswerter Ansatz, der erst erarbeitet werden muss. Wer Logik kennt, weiß wie schwierig und umfangreich eine derartige Erkenntnis zu erarbeiten ist.
    • idea schrieb:

      Riha-
      Der Gebrauch schafft die Bedeutung eines Wortes . Zumindest im
      alltäglichen Sprachgebrauch wird ein Mensch mit schlechtem Charakter oft
      als "Hund" bezeichnet .Wir müssen akzeptieren, dass es auch diese
      Bedeutung für "Hund" gibt.
      Ja, aber das ist keine Frage der Logik, sondern der konventionellen Übereinstimmung.

      Stimmt, der am meistens praktizierte Gebrauch für "Hund" aber auch.

      Ich wollte sagen ,dass es aufgrund konventioneller Übereistimmung nicht unbedingt ein Missbrauch des Wortes "Hund" ist ,wenn man damit einen Menschen mit schlechtem Charakter meint.
    • idea schrieb:

      Wenn er (Frege) falsche oder unbekannte Prämissen ausschließt, dann deswegen, weil damit keine Argumentation vorgenommen werden kann, deren Konklusion außer logischer Wahrheit noch allgemeingültige Wahrheit garantiert -
      Ich nehme an ,dass auch du unter einer logischen Wahrheit eine Aussage verstehst ,die auch ohne empirische Überprüfung als wahr anerkannt wird. Aber was meinst du mit allgemeingültiger Wahrheit? -eine allgemein als wahr anerkannte empirisch gestützte Aussage?
    • Riha-
      Aber was meinst du mit allgemeingültiger Wahrheit? -eine allgemein als wahr anerkannte empirisch gestützte Aussage?
      Ich werde mich davor hüten, hier so schnell mal eine Wahrheitsdefinition in den Raum zu schießen :) Aber so mal ganz reduziert gesagt verstehe ich darunter eine unumstrittene Wahrheit, die geforderten Wahrheitsbedingungen entspricht und allen einsichtig sein kann, wenn er/sie sich dafür interessiert.
      Die Frage die sich nach Frege stellte war, ob man eine solide Semantik für Modallogik entwickeln kann- und sie war lange nicht entschieden. Frege entwickelte eine intensionale Semantik, die ontologisch umstritten war. Erst Tarski ist es gelungen eine ontologisch unumstrittene Semantik zu entwickeln in der er nichts (keine zusätzlichen Dinge) voraussetzt, was er nicht in seiner Logik voraussetzen würde.
    • idea schrieb:

      Riha-
      Aber was meinst du mit allgemeingültiger Wahrheit? -eine allgemein als wahr anerkannte empirisch gestützte Aussage?
      Ich werde mich davor hüten, hier so schnell mal eine Wahrheitsdefinition in den Raum zu schießen :) Aber so mal ganz reduziert gesagt verstehe ich darunter eine unumstrittene Wahrheit, die geforderten Wahrheitsbedingungen entspricht und allen einsichtig sein kann, wenn er/sie sich dafür interessiert.
      Damit könnte ich mich anfreunden. Dann wäre eine allgemeingültige Wahrheit ein Sammelbegriff für unumstrittene Wahrheiten aus dem empirischen Bereich und logische Wahrheiten (denn eine logische Wahrheit ist doch gewiss auch unumstritten).
    • Jörn schrieb:

      Frege hat zu Beginn gleichsam "nebenbei" die Korrespondenztheorie der Wahrheit widerlegt und aufgezeigt, dass Wahrheit ein undefinierbarer Grundbegriff ist.
      Zumindest hat er gezeigt, dass eine Definition im Stile: " Die Vorstellung X ist genau dann wahr, wenn sie im Sinne Y mit der Tatsache T übereinstimmt." nicht möglich ist. Sie wird dadurch, dass die Untersuchung, ob X denn wirklich im Sinne Y mit der Tatsache T übereinstimmt, ihrerseits nicht ohne die Wahrheitsfrage auskommt, zirkulär. Damit haben wir den Ausdruck "wahr" implizit auch im Definiens.
      Für formale Sprachen, hat ja Tarksi die Definition über das Definitionsschema "Der Satz "p" ist wahr dann und nur dann, wenn p" erzielen können. In der Umgangssprache müssen wir uns mit Teildefinitionen Satz für Satz begnügen. Aber obwohl das Schema an Versuche wie solche anknüpft: "Eine Aussage ist wahr, wenn sie sagt, dass die Tatsachen so und so sind, und die Tatsachen sind dann auch so und so" kommt das Schema ganz ohne Bezug auf Wirklichkeit, Tatsachen und Behauptung aus. Die Wahrheitsdefinition ' "Der Schnee ist weiß" ist wahr dann und nur dann, wenn der Schnee weiß ist', ist zwar mit der Korrespondenztheorie im Sinne eines metaphysischen Realismus kompatibel, aber auch mit anderen, z.B. idealistischen Philosophien.
      Da das Tarski-Schema wegen des Lügner-Paradoxons für die natürlichen Sprachen keine vollständige Wahrheitsdefinition zulässt, hat Frege bis jetzt mit seiner Undefinierbarkeit des Wahrheitsbegriffs recht behalten.
      Die freie Diskussion ist das eigentliche Fundament der freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft. (Bundesverfassungsgerichtshof)
      Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren. (Karl Popper)
      Der Kosmos ist bestenfalls ein planlos aufgeschütteter Misthaufen. (Heraklit)