Positionierung zum Korrelationismus

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    • Positionierung zum Korrelationismus

      Die Passagiere steigen in den Zug ein, weil ich sehe, dass die Passagiere in den Zug einsteigen? 10
      1.  
        Ja (1) 10%
      2.  
        Nein (4) 40%
      3.  
        (Ungenannte Möglichkeiten bzw. Notausgang) (5) 50%
      Umfrage läuft bis Ende Februar; genau eine Anwort ist möglich; gegebene Antworten können nicht mehr geändert werden; öffentliche Umfrage.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Hier geht es gar nicht um eine Positionierung zum Korrelationismus, sondern offengestanden um eine Positionierung zu einer sehr dummen Frage, die alles, was man unter Korrelationismus verstehen kann, falsch und dumm widerspiegelt.

      Weil wir - oder zumindest die meisten von uns - einen Begriff davon haben, dass Passagiere in einen Zug einsteigen können, deshalb können wir in einen Zug einsteigen oder können selbiges beobachten.
      Denn schließlich haben wir Augen nicht WEIL es etwas zu sehen gibt, sondern DAMIT es etwas zu sehen gibt.
    • Nach meiner Auffassung mißbrauchst du hier das Instrument der Umfrage (wenn sie nicht nur ein Scherz sein sollte) auf zweierlei Weise :
      1. Die gestellte Frage suggeriert, dass der Begriff "Korrelationismus" bereits eine Klärung (im Sinne einer ontologischen, und damit leicht angreifbaren Interpretation) erfahren hat. Wie die Diskussion überdeutlich zeigt, hat er das nicht.
      2. Angenommen, die Frage sei so gestellt zulässig (was sie nicht ist): Was sollte eine derartige Umfrage klären? Wieviele Mitdiskutanten (oder gar Foristen) einem radikalen Konstruktivismus anhängen? Und dann?
      Ich schlage vor, einfach sinnfrei den letzten Punkt anzuklicken. Das wäre der Notausgang aus dem schrägen Versuch, Meinungssteuerung zu betreiben. Wenn es "nur ein Gag" sein sollte, ist es ja auch egal.

      Ich bitte die Projekt-Moderation Jörn um Stellungnahme zur "Umfrage" bzw. zu meiner Kritik.
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind. (A. Camus)
    • richard schrieb:

      Hier geht es gar nicht um eine Positionierung zum Korrelationismus, sondern offengestanden um eine Positionierung zu einer sehr dummen Frage, die alles, was man unter Korrelationismus verstehen kann, falsch und dumm widerspiegelt.

      Weil wir - oder zumindest die meisten von uns - einen Begriff davon haben, dass Passagiere in einen Zug einsteigen können, deshalb können wir in einen Zug einsteigen oder können selbiges beobachten.

      Obwohl du die Fragestellung für "dumm" häst, hast du dich diesbezüglich in deinem Post positioniert - und zwar als Korrelationist. Das ist doch beachtlich. Zudem ist diese Fragestellung bereits in einem Thread des Leseprojektes erörtert worden.


      Geworfener schrieb:

      Nach meiner Auffassung mißbrauchst du hier das Instrument der Umfrage (wenn sie nicht nur ein Scherz sein sollte) auf zweierlei Weise [...]

      Danke für dein Mitgefühl.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Noch ein Hinweis für Geworfener: Falls du Probleme haben solltest, die Fragestellung zu verstehen bzw. die Fragestellung im Kontext des Projektes zu verorten, so kannst du hier im Thread gern um Verstehenshilfen nachsuchen.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Ich habe mit "ja" abgestimmt, weil die einzigen Passagiere, die ich gerade sehe, nur in meiner Fantasie existieren. Flieges Frage zielt ja nicht auf zeitlich und räumlich bestimmte, existierende Passagiere, die in einen ganz bestimmten, existierenden Zug steigen.
    • Das ändert doch nichts: Deine phantasierten Zuschauern stiegen in deiner Phantasie ja nicht in den phantasierten Zug, weil ich das hier gerade von dir lese, sondern weil du diese Phantasie tatsächlich hattest. Du hattest eine Phantasie. Das ist eine Tatsache (wenn du nicht geschummelt hast). Und diese Tatsache produziere nicht etwa ich oder mein Bewusstsein oder die Sprache oder die Gesellschaft, sondern es ist einfach eine Tatsache.
    • Ich finde die Frage auch strange, das sie voraussetzungslos daherkommt. Daher 3.
      Eine Frage ala: "Können Leute tatsächlich in einen Zug einsteigen, unabhängig davon, ob ich das aktuell beobachte?" Hätte wohl ein "Yup" bekommen.
      Da ich grad zwei Bücher in der Post hatte, wovon mir das von Meillassoux wesentlich ergiebiger als das von Gabriel scheint, kann ich ja schon mal versuchen, auf Meillassoux' Terminologie ein wenig einschwenken: Das Einsteigen von Leuten in Züge lässt sich potentiell in Form eines dia-chronischen Ereignis als Tatsache nachweisen. (oder so) ^^
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.
    • novon schrieb:

      Ich finde die Frage auch strange, das sie voraussetzungslos daherkommt. Daher 3.
      Eine Frage ala: "Können Leute tatsächlich in einen Zug einsteigen, unabhängig davon, ob ich das aktuell beobachte?" Hätte wohl ein "Yup" bekommen.
      Da ich grad zwei Bücher in der Post hatte, wovon mir das von Meillassoux wesentlich ergiebiger als das von Gabriel scheint, kann ich ja schon mal versuchen, auf Meillassoux' Terminologie ein wenig einschwenken: Das Einsteigen von Leuten in Züge lässt sich potentiell in Form eines dia-chronischen Ereignis als Tatsache nachweisen. (oder so) ^^

      Auch Erläuterungen, warum der eine dies, der andere das gewählt hat, kann erhellend sein. Deine Stellungnahme ist also interessant ;-).
      Meillassoux widmet sich anzestraler Ereignisse (Ereignisse, "die dem Aufkommen der menschlichen Gattung vorausgeh[en] - und die sogar jeder erfassten Form des Lebens auf der Erde vorausgeh[en]"; Nach der Endlichkeit, S. 24), um sich durch Entkopplung von esse und percipi einige oberflächliche Nörgeleien von Korrelationisten zu ersparen.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Jörn schrieb:

      Deine phantasierten Zuschauern stiegen in deiner Phantasie ja nicht in den phantasierten Zug, weil ich das hier gerade von dir lese, sondern weil du diese Phantasie tatsächlich hattest.

      Aber die Passagiere, die ich mir vorgestellt habe, stiegen nur in den vorgestellten Zug, weil ich mir das so vorgestellt habe. Und darum ging es. Aber mir ist - wie jedem, der kein hartgesottener Solipsist ist - ebenso klar, dass in diesem Moment auf vielen Bahnhöfen der Welt Menschen in Züge steigen, obwohl ich sie nicht sehe. Ich wüsste gar nicht, warum ich das bestreiten oder anzweifeln sollte.


      Du hattest eine Phantasie. Das ist eine Tatsache (wenn du nicht geschummelt hast). Und diese Tatsache produziere nicht etwa ich oder mein Bewusstsein oder die Sprache oder die Gesellschaft, sondern es ist einfach eine Tatsache.

      Ist mir schon klar. Braucht man mir also nicht mühselig einzutrichtern. Man sollte mir (oder anderen) freilich auch keine abstrusen Behauptungen andichten (!), die ich gar nicht vertrete. Und DAS scheint mir bei dieser Kasperei, die Fliege hier abzieht, der Knackpunkt zu sein.
    • Hermeneuticus schrieb:

      Und DAS scheint mir bei dieser philosophischen Kasperei, die Fliege hier abzieht, der Knackpunkt zu sein.

      Bitte halte dich mit ad personams zurück, sonst melde ich dich!
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Hallo Fliege und Hermeneuticus,

      man sollte die Menschen die "in Züge" steigen ihre "Fahrt" antreten lassen und auf ihr ihre Sichtweise, wie sie sich sehen verlassen und ihnen ihr bei sich sein und bei denen die sie Begleitenden gönnen und ihnen nur "vom Bahnhof" zuwinkend nicht mehr von ihnen erwarten, als, dass sie einen nur in guter Erinnerung behalten mögen.

      Meine "Zigarette" geht langsam aus...

      Es wird Zeit mich zurückzuziehen, mit einem letzten Glas Wein.
    • Hermeneuticus schrieb:

      Das wird mich aber nicht dazu bringen, dieses Kasperletheater ernst zu nehmen.

      Du scheinst nicht zu verstehen: Wenn ich dich melde, dann nicht, weil ich dich zu etwas bringen möchtest, sondern damit deinen ad personams von dritter Seite abgeholfen wird.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Wie auch immer:
      Hermeneuticus, du könntest uns als einer, der sich mit Kant beschäftigt hat, in einem Diskussionsthread erklären, weshalb oder inwiefern Kants korrelationistische Auffassung von Erkenntnis deiner Meinung nach sachangemessen ist oder auch nicht. Als Titel schlage ich vor: "Kants Korrelationismus".
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Hermeneuticus schrieb:

      Aber die Passagiere, die ich mir vorgestellt habe, stiegen nur in den vorgestellten Zug, weil ich mir das so vorgestellt habe. Und darum ging es.

      Ja, darum ging es. Deswegen habe ich ja auch darüber geschrieben. Und zwar, um zu zeigen, dass du damit keinen Einwand dargestellt hast.

      Hermeneuticus schrieb:

      Aber mir ist - wie jedem, der kein hartgesottener Solipsist ist - ebenso klar, dass in diesem Moment auf vielen Bahnhöfen der Welt Menschen in Züge steigen, obwohl ich sie nicht sehe. Ich wüsste gar nicht, warum ich das bestreiten oder anzweifeln sollte.

      Mir war erstens nicht klar, dass du glaubst, der Thread drehe sich um dich. Tut er das?

      Und zweitens glauben nicht nur hartgesottene Solipsisten, dass die Passagiere in den Zug einsteigen, weil sie sehen, dass die Passagiere in den Zug einsteigen. Ein materialistischer Konstruktivist glaubt das ganz bestimmt sogar. Für ihn gibt es nur subatomare Teilchen und sonst nichts. Dass wir von Passagieren sprechen, die in Züge steigen, ist alles ausnahmslos unserer Konstruktion zu verdanken, die sich unserer Wahrnehmung oder/und irgendwelchen sozialen Konstruktionen verdankt. Und WEIL wir so konstruieren, erscheint uns das Szenario so. So jemand glaubt de facto, dass die Passagiere in den Zug einsteigen, weil wir sehen, dass die Passagiere in den Zug einsteigen. Und das ist nur ein Beispiel.
    • Hermeneuticus schrieb:


      Hermeneuticus schrieb:

      Ich habe mit "ja" abgestimmt, weil die einzigen Passagiere, die ich gerade sehe, nur in meiner Fantasie existieren. Flieges Frage zielt ja nicht auf zeitlich und räumlich bestimmte, existierende Passagiere, die in einen ganz bestimmten, existierenden Zug steigen.
      Flieges Frage eilt eben voraus. Gabriel bezieht sein Beispiel auf den von ihm interpretierten Konstruktivismus, als wollte
      er darauf hinaus: es sind Tatsachen die uns zu Konstruktionsleistungen (erst) in die Lage versetzen. Gabriel geht es um die
      Skizzierung seiner Tatsachen-Ontologie.

      Meillassoux unterscheidet zwischen einer schwachen (kantschen) und starken ( heute herrschenden ) Form der Korrelationismus.
      Wahrscheinlich meint er mit der letzteren den Konstruktivismus. Meillassoux geht es anfangs hauptsächlich um die Frage:
      "Zu was für einer Interpretation der anzestralen Aussagen ist der Korrelationismus fähig ?" (anzestral nennt er "jede Wirklichkeit,
      die dem Aufkommen der menschlichen Gattung vorausgeht." )

      Vorerst kann man Korrelationismus mit Konstruktivismus nur mit dem vieldeutigen Wink gleichsetzen " du weißt, was ich meine ".

      Ein lehrreicher Happen für den Philosophie-Historiker: den zeitlichen Weg einer Begriffsdifferenzierung kann man nicht nach
      belieben beschleunigen.
      Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
      Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

      (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)