Was machen wir hier eigentlich?

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    • Was machen wir hier eigentlich?

      rob wrote:

      Ich muss gestehen, dass ich das ganze Projekt hier noch nicht so ganz verstehe. [...]

      :)
      Am 23.6.2011 gegen 13:30 hat Markus Gabriel bei einem Mittagessen zusammen mit dem italienischen Philosophen Maurizio Ferraris den "Neuen Realismus" gegründet. Der Titel soll das Zeitalter nach der Postmoderne bezeichnen- gefunden in Markus Gabriels "Warum es die Welt nicht gibt".

      Im Klappentext des Merve-Buchs "Realismus Jetzt" heißt es: "SPEKULATIONEN ist eine neue »Reihe in der Reihe« betitelt, die jene intellektuellen und theoretischen Strömungen würdigt, die sich seit einigen Jahren auf sehr heterogene Weise anschicken, ein neues Paradigma philosophischen Denkens herauszubilden.
      Gemeinsamer Absetzungspunkt der nicht notwendig miteinander kompatiblen spekulativen Positionen ist eine spätestens seit Ende des 20. Jahrhunderts erschöpfte (post)moderne Kondition. Signum der neuen Denkansätze ist ihr positives Verhältnis zur Ontologie und ihr entspannter Umgang mit Metaphysik. [...]

      Ziel des Projektes ist, diese vergleichsweise neuen (im Sinne von: aktuellen) Strömungen zu erkunden und zu diskutieren. So weit ich es bisher überschaue, haben wir keinen ausgewiesenen Kenner dieser Strömungen mit an Board. Daher müssen wir - wohl oder übel - gemeinsam versuchen, heraus zu finden, was es damit auf sich hat :)
    • rob,
      Du könntest wikipedia umformulieren


      Elemente postmodernen Denkens und Urteilens sind:

      ...
      Ablehnung oder kritische Betrachtung eines universalen Wahrheitsanspruchs
      im Bereich philosophischer und religiöser Auffassungen und Systeme
      (sog. Metaerzählungen oder Mythen wie Moral – wodurch Postmoderne zum Amoralismus wird – , Geschichte, Gott, Ideologie, Utopie oder Religion,
      aber auch, insofern sie einen Wahrheits- oder Universalitätsanspruch trägt, Wissenschaft)
      ...

      de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne



      Elemente des spekulativen Denkens und Urteilens über die Realität sind:

      ...
      Bejahung oder wohlwollende Betrachtung eines universalen Wahrheitsanspruchs
      im Bereich philosophischer und religiöser Auffassungen und Systeme
      (sog. Metaerzählungen oder Mythen
      wie Moral – wodurch der spekulative Realismus zur Ethik heranwächst – , Geschichte, Gott, Ideologie, Utopie oder Religion,
      aber auch, insofern sie einen Wahrheits- oder Universalitätsanspruch trägt, Wissenschaft)
      ...

      rob
    • Das Schmitz`sche Spüren als Denkanstoss bezüglich der Weise wie wir vom objektiven Ansichsein getroffen werden oder wir an es stossen

      Jörn wrote:

      "SPEKULATIONEN ist eine neue »Reihe in der Reihe« betitelt, die jene intellektuellen und theoretischen Strömungen würdigt, die sich seit einigen Jahren auf sehr heterogene Weise anschicken, ein neues Paradigma philosophischen Denkens herauszubilden.
      Gemeinsamer Absetzungspunkt der nicht notwendig miteinander kompatiblen spekulativen Positionen ist eine spätestens seit Ende des 20. Jahrhunderts erschöpfte (post)moderne Kondition. Signum der neuen Denkansätze ist ihr positives Verhältnis zur Ontologie und ihr entspannter Umgang mit Metaphysik. [...]

      Ziel des Projektes ist, diese vergleichsweise neuen (im Sinne von: aktuellen) Strömungen zu erkunden und zu diskutieren.


      Quentin Meillassoux, Nach der Endlichkeit -- Versuch über die Notwendigkeit der Kontingenz, S. 18 :

      »Der Korrelationismus besteht in der Zurückweisung aller Versuche, die Sphären der Subjektivität und der Objektivität unabhängig voneinander zu denken.«

      Aus obigem Zitat geht hervor, dass der Spekulative Realismus der Versuch ist beide Sphären, sowohl jene der Objektivität als auch jene der Subjektivität unabhängig voneinander zu denken.

      Im Zuge meines heuristischen Denkens in diesem Zusammenhang frage ich mich, in welcher Weise wir vom objektiven Ansichsein getroffen werden oder wir an es stossen (vgl. Jaspers, Von der Wahrheit, S. 85) um es denken zu können.

      Auch frage ich mich, wie weit das Schmitz`sche Spüren ein Denkanstoss sein könnte bezüglich der Weise wie wir vom objektiven Ansichsein getroffen werden oder wie wir an es stossen.

      MfG, P.
      »Don't worry, be happy! « (Meher Baba)

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    • Mir klingt das ein wenig zu selbstbeweihrächernd. Eine sich selbst dienende und damit gefällige Philosophie die sich literarisch gefällt und den "Geistreichtum" als so eine Art "mentale Kunst" versteht.

      Das Neue kommt schon, man braucht's nicht zu erfinden 8|

      Wenn ich in der zeitgenössischen Philisophie etwas beobachte, dann würde ich es mit dem Begriff "ordnen" bezeichnen.

      Ja, heutige Philosophie scheint das Bisherige irgendwie zu ordnen versuchen.
      Und auch dieses Propjekt scheint ganhz in diesem Zeichen zu stehen. Orientierung, einordnen, kategorisieren.

      Das ist nicht schlecht, aber halt eben nicht sehr praxisorientiert, weil doch eher etwas administatives, als denn ausführende Praxis. Daher wohl auch geren das literarische Mäschchen drumherum. Sieht nett aus. Nach geistreich, nach Philosophie.

      In den vergangenen Jahzehnten, also noch weit bis in's alte 20. Jahrhundert hinein, machte die Philosphie doch einige Entwicklungen durch. Da galt es, viele Moralfragen zu lösen, gesellschaftliche Entwicklungen bis hin zur endgültigen Emanzipation des "privaten Denkens" - in der alles einfach eine Meinung ist - "ist halt meine Meinung und das andere deine Meinung" - so der damit versöhnliche Konsens.
      Sie löste sich sich auch aus dem "Korsett der Akademie" - wurde zur Allgemeinbildung. Aber wie halt so beinahe jede Entwicklung eine Gegenentwicklung nach sich zieht, förderrte dies den akademischen Anspruch nur noch mehr. Irgendwie zur Abgrenzung und aber auch inhaltlichen Richtigstellung. Ja, richtig so.

      Meine Bedenken sind ganz andere : eine Philosophie die nicht mehr von sich heraus aus denkt.
      Die (übrigen) Wissenschaften nicht mehr als Informationsgeber, sondern als Referenz.
      Ob das gut oder schlecht ist - es scheint mir zumindest eine tendenzielle Entwicklung. Und solche Projekte wie hier beschrieben - auch wenn eher im literarischen Kreis angesiedelt und angebiedert - fördern dies noch mehr.
      Das sollte einfach mal gesagt werden
    • Genussdenker wrote:

      Ja, heutige Philosophie scheint das Bisherige irgendwie zu ordnen versuchen.
      Und auch dieses Propjekt scheint ganhz in diesem Zeichen zu stehen. Orientierung, einordnen, kategorisieren.
      Na endlich spricht es jemand so aus, dass ich auch einfädeln kann ( sonst wusste ich nicht, wo ich meine Beobachtung anbringen soll ).
      Das Projekt behandelt eine Bewegung, die sich formiert, um auf das vorangegangene, erkenntnistheoretische Paradigma zu antworten.
      Ich könnte es auch so sagen: das Neue konstituiert sich und setzt sich dadurch ab, dass es den Anderen als "Bloss-vor-sich-hin-konstruierende"
      auf den Begriff bringt. Ob die neue Bewegung, die sich "realistisch" nennt und sich ontologisch gebärdet (also kategorisiert, ordnet )
      mit ähnlicher Tragweite behaupten kann wie Kant, als er der ihm vorangegangenen...Ontologie ? ...nö... Metaphysik! den Maulkorb
      verpasst hat, das kann ich nicht einschätzen.

      Es ist angeblich eine grosse Menge an Wissen angehäuft worden, die sich - so die Klage- nicht mehr mit den Mitteln, die zu ihrer
      Erzeugung geführt hat, ordnen lässt. Eine bekanntere Formulierung würde sagen, dass die Quantität schon am Gären sei und drohe
      in eine unvorhersehbare Qualität umzuschlagen. Also, man kann durchaus Philosophen vorstellen, die irgendwie mit der Aufteilung
      "hier ist meine Erkenntnistheorie und dort meine Ontologie" wiederholt Konsistenz-Schwierigkeiten bekommen.

      Solche Erscheinungen haben wir auch sonst: der Erfinder von facebook - um das jüngste Beispiel zu erwähnen - wird rundherum als
      der fähigste Unternehmer gefeiert, sein Beispiel begeistert weiterempfohlen und ein wenig auch beneidet: ein Medienprofessor
      hat heute im Nachrichten bedauert, dass in Deutschland solche Initiativen Mangelware sind. Aber andererseits kennen wir die
      Hysterie, die täglich um solche Aufmerksamkeit-absorbierende und gerade deshalb zur Selbstentblößung animierende Angebote
      gemacht wird. Das Kritikbedürfnis entfacht wahre Kreativitätsausbrüche. Ich gebe zu, diese dämonische Widersprüchlichkeit
      beeindruckt mich, sie geht nicht nur durch den Einzelnen hindurch, sie macht auch attraktiv, lebendig...
      ich glaube mein Beispiel ist gründlich mißlungen: soetwas will ja gar nicht entzaubert (geordnet) werden....

      :rolleyes:
      Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
      Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

      (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)

      The post was edited 1 time, last by byLaszlo ().


    • Genussdenker

      Meine Bedenken sind ganz andere : eine Philosophie die nicht mehr von sich heraus aus denkt.

      Die (übrigen) Wissenschaften nicht mehr als Informationsgeber, sondern als Referenz.
      Ob das gut oder schlecht ist - es scheint mir zumindest eine tendenzielle Entwicklung.

      Und solche Projekte wie hier beschrieben
      - auch wenn eher im literarischen Kreis angesiedelt und angebiedert -
      fördern dies noch mehr.



      Genussdenker,

      Deine Bedenken stammen aus der Zeit vor dem spekulativen Realismus



      SCIACCA (1964): Akt und Sein.-

      9f
      Wie das bis zum Humanismus hin vorherrschende 'theologische' Interesse bewirkte,
      daß die Philosophie als ancilla fidei
      (jedoch unter Respektierung der Grenzen ihrer Eigengesetzlichkeit) begriffen wurde,
      so strebt das heute vorwaltende und fast ausschließlich 'weltliche' Interesse danach,
      aus ihr die ancilla scientiae,
      die untertänige Deuterin ihrer Methoden und Resultate zu machen.

      der spekulative Realismus ist eine Gegenposition zur Technokratie

      der spekulative Realismus will den technisch Interessierten
      tatsächlich zum Nachdenken bringen können

      der spekulative Realismsus wird in einer Technik münden,
      die es bisher nicht gibt
      und dadurch die Deutungshoheit über die Dinge wieder an die Philosophie binden