Indexikalia - Beispiel von Kaplan

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    • novon schrieb:

      Um im Kontext zu sprechen: "Ich" stellt im Sprechakt eine direkte Referenz auf den jeweils Sprechenden dar.
      Das wäre die Definition.

      Also: Wir definieren: Ich = DeineDef.

      Dann stellen wir aber fest, auch Affen sind Ich-Subjekte. Nur: Affen sprechen nicht. Also ist die Definition falsch, weil sie Affen nicht miteinbezieht. Es mag zwar sein, dass "Ich" im Sprechakt eine direkte Referenz auf den jeweils Sprechenden darstellt. Aber das kann nicht als Definition von "ich" taugen.
    • Jörn schrieb:

      Wir definieren: Ich = DeineDef.

      Nein, "ich".
      Nicht eine ontologische Entität, sondern die im Sprechakt gebrauchte Bezeichnung, die notwendig direkt auf den Sprecher verweist. Kommt mir nicht in den Sinn, das zu verwechseln. Dir..? (Ging doch um Sprachphilosophie, oder?)

      Jörn schrieb:

      Affen sprechen nicht.

      Ja, eben. Wird schwer, zu einem Sprechakt zu kommen, sofern nicht gesprochen würde.
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.
    • novon schrieb:

      Jörn schrieb:

      Wir definieren: Ich = DeineDef.

      Nein, "ich".
      Nicht eine ontologische Entität, sondern die im Sprechakt gebrauchte Bezeichnung, die notwendig direkt auf den Sprecher verweist. Kommt mir nicht in den Sinn, das zu verwechseln. Dir..? (Ging doch um Sprachphilosophie, oder?)

      Wenn es um eine Gebrauchstheorie der Bedeutung oder Sprechaktheorie geht, kommen Handlungen (Gebrauche/Gebräuche, Akte) ins Spiel. Ein Handeln kann man jedoch nicht entontologisieren, weil man sonst gerade nicht handelt. Oder kann man handeln, ohne zu handeln?
      "Wir alle, die wir in freien und offenen Gesellschaften leben wollen [...]: Wir alle haben ein Problem mit dem Islam" (Heiko Heinisch; in: The European, 20. Januar 2015). — "Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal hat kürzlich als Zeuge vor Gericht in Paris gesagt, der Antisemitismus sei Teil der islamischen Kultur, er werde im Koran, in den Moscheen und in den Familien verbreitet" (FAZ, 11. Dezember 2017). — "Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht verwirkt."
    • Fliege schrieb:

      Wenn es um eine Gebrauchstheorie der Bedeutung oder Sprechaktheorie geht, kommen Handlungen (Gebrauche/Gebräuche, Akte) ins Spiel.

      Ja, denke schon. Allerdings implizit bzw. präformierend, sofern ein Sprechakt immer bereits vollzogen sein muss, sofern er einer Analyse zugänglich sein sollte. Der Gebrauch erschließt sich aus dem Sprechakt, nicht umgekehrt. Ansonsten müssten alle Sprecher im Vorwege quasi sprachanalytisch ausgebildet sein, was nicht der Fall sein dürfte. Der Sprechende ist der der spricht. Darüber hinaus gehende Annahmen sind ja gar nicht nötig, um die Bedeutung der Referenz zu erfassen bzw. darin erschöpft sie sich bereits - zumindest, sofern sie nicht darüber hinaus quasi projizierend aufgeladen wird, wobei das auch weit über den Sprechakt hinausgehen würde.

      Fliege schrieb:

      Ein Handeln kann man jedoch nicht entontologisieren, weil man sonst gerade nicht handelt. Oder kann man handeln, ohne zu handeln?

      Theoretisch oder praktisch? Wenn ich die Tür schließe, weil es zieht, ist keine Ontologie im Spiel. Inwieweit bei Sprechakten Ontologie hineinspielt... Mach mich bitte schlau, aus welcher Perspektive.

      @Jörn
      Ist, hoffe ich, nichts falsch daran, dass ich beim besten Willen nicht nachvollziehen kann, wie es, des Sprechens unfähig, zu Sprechakten kommen könnte.
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.
    • novon schrieb:

      Theoretisch oder praktisch? Wenn ich die Tür schließe, weil es zieht, ist keine Ontologie im Spiel. Inwieweit bei Sprechakten Ontologie hineinspielt... Mach mich bitte schlau, aus welcher Perspektive.

      Ich vermute doch stark, dass man, wenn man die Tür schließt, eine ontologische Unterstellung macht, nämlich die, dass man die Tür schließt. Sonst könnte man sich mit dieser nachfolgenden "Türschließung" gänzlich zufrieden geben:

      vorher . |--> .......... nachher
      ........ |
      ..... ---| ... |--- ........... ---|-----|---


      Leider zieht es bei dieser entontologisierten "Türschließung" hinterher immer noch.
      "Wir alle, die wir in freien und offenen Gesellschaften leben wollen [...]: Wir alle haben ein Problem mit dem Islam" (Heiko Heinisch; in: The European, 20. Januar 2015). — "Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal hat kürzlich als Zeuge vor Gericht in Paris gesagt, der Antisemitismus sei Teil der islamischen Kultur, er werde im Koran, in den Moscheen und in den Familien verbreitet" (FAZ, 11. Dezember 2017). — "Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht verwirkt."

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Fliege ()

    • Fliege schrieb:

      novon schrieb:

      Theoretisch oder praktisch? Wenn ich die Tür schließe, weil es zieht, ist keine Ontologie im Spiel. Inwieweit bei Sprechakten Ontologie hineinspielt... Mach mich bitte schlau, aus welcher Perspektive.

      Ich vermute doch stark, dass man, wenn man die Tür schließt, eine ontologische Unterstellung macht, nämlich die, dass man die Tür schließt. Sonst könnte man sich mit dieser nachfolgenden "Türschließung" gänzlich zufrieden geben:
      vorher . |--> .......... nachher
      ........ |
      ..... ---| ... |--- ........... ---|-----|---

      You win.
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.
    • Jörn schrieb:

      sammler schrieb:

      Geist - Körper Dualismusproblem.

      Vielleicht spielt das hier mit hinein. Das denke ich. Dass hier immer da ist, wo ich bin, ist zwar auf den ersten Blick trivial (sonst könnte es nicht grundsätzlich wahr sein) aber es ist dennoch keine Trivialität, da wir es hier mit einer objektiven subjektiven Wahrheit zu tun haben, die sich auf keiner Karte einzeichnen und auf keine Uhr übertragen lässt. Dass Problem ist nicht in der selben Weise trivial wie "alle Kreise sind rund".
      Sehe ich auch so, wie Du.

      @ Jörn

      Eine Identität wäre immer lokalisierbar. Denn sie ist ja definiert als etwas, dass eine, wie auch immer geartete Grenze besitzt. Für eine Identität gibt es immer ein "hier" , im Sinne von einem "nicht dort".
    • Dass es so nicht klappt mit einer Semantik, die indexikalichen Ausdrücken in Abhängigkeit vom Kontext Gegenstände zuordnet, ist eigentlich offenkundig, wenn man nur schon an die De-se-Einstellungen denkt:
      Gerd glaubt, dass er schwitzt.
      Gerd ist der jüngste Sohn von Angela Merkel.
      Also: Gerd glaubt, dass der jüngste Sohn von Angela Merkel schwitzt.


      Nee, überzeugt nicht. Vielleicht weiß Gerd ja nicht, dass er der jüngste Sohn von Angela Merkel ist.
      So das Gängige. "ich" bezeichnet eben nicht einen - wie auch immer beschreibbaren - Gegenstand

      Lewis' "Attitudes de dicto and de se" ist voller beeindruckender Beispiele - habe ich vor drei Jahren nicht bemerkt. ->
      1) Zwei allwissende Götter, einer auf dem höchsten Berg und einer auf dem kältesten Berg. Wenn jeder weiß, wer er ist, ist das offenbar kein propositionales Wissen, sondern eine Selbstzuschreibung einer Eigenschaft. Sonst nicht allwissend.
      2) Der Herausgeber von "Soul" weiß, dass er Millionär ist. Nehmen wir an, er wisse, in welcher Welt er lebt, ohne zu wissen, ob er zu den Millionären gehört. Weiß er nun, dass er Millionär ist?

      Das riecht alles nach Perspektivität; und ich finde: Es stinkt danach. Ich mag diesen Geruch, der Leib-Seele, Indexikalität, Naturalismus, ....... anhaftet, nicht, weil "Perspektive" bislang eine Metapher ist; und Metaphern sind zwar manchmal nett, aber sie stinken und gehören beseitigt. :cussing:
      Das wäre ein extra Thema, aber die Themen fassen sich an den Händen, um gemeinsam zu stinken. Wie kommen wir von erster und dritter Perspektive zu nullter Perspektive ? :saint:
      P.S. Natürlich stinkt das auch nach Kant
      Metaphern stinken
    • eine der netten Metaphern?
      Klar. (Aber was interessiert mich mein Geschwätz von vorhin? :whistling: )




      Warum? Ich finde es völlig überzeugend.
      Ich glaube, ich war missverständlich. Das Argument von Lewis überzeugt mich. Daher überzeugt der Schluss
      Gerd glaubt, dass er schwitzt.

      Gerd ist der jüngste Sohn von Angela Merkel.

      Also: Gerd glaubt, dass der jüngste Sohn von Angela Merkel schwitzt.
      nicht.
      Metaphern stinken
    • Passend auch und hier nun ein Link (nicht schön, vielleicht hat jemand einen schöneren):
      Perry "Frege on Demonstratives"

      mind.ucsd.edu/syllabi/00-01/ph…adings/perry_demonst.html

      Heute imponierte mir, dass Lewis genau das mit Bezug auf "ich" ins Feld führt, worauf Jackson (Mary-Beispiel) u. a. mit Bezug auf Qualia hinweisen:

      "But if it is possible to lack knowledge and not lack any propositional knowledge , then the lacked knowledge must be not propositional." In: Attitudes de dicto and de se (The Philosophical Review 88 ).
      Metaphern stinken
    • kunnukun schrieb:

      Dass es so nicht klappt mit einer Semantik, die indexikalichen Ausdrücken in Abhängigkeit vom Kontext Gegenstände zuordnet, ist eigentlich offenkundig, wenn man nur schon an die De-se-Einstellungen denkt:
      Gerd glaubt, dass er schwitzt.
      Gerd ist der jüngste Sohn von Angela Merkel.
      Also: Gerd glaubt, dass der jüngste Sohn von Angela Merkel schwitzt.


      Nee, überzeugt nicht. Vielleicht weiß Gerd ja nicht, dass er der jüngste Sohn von Angela Merkel ist.

      Nur weil niemand darauf eingegangen ist: Das Argument ist fehlerhaft, weil nicht richtig substituiert wurde.

      P1: Gerd glaubt, dass er schwitzt.
      P2: Gerd ist der jüngste Sohn von Angela Merkel.
      Folgerung: Der jüngste Sohn von Angela Merkel glaubt, dass er schwitzt.

      Da natürlich für den Wahrheitswert des Satzes egal ist, ob das, was Gerd glaubt, wahr ist, sind Substitutionen
      in den Bereichen, die angeben, was Gerd glaubt oder meint, nicht erlaubt.

      Eine fehlerhafte Folgerung wäre also:
      P1: Gerd glaubt, dass der Morgenstern der Saturn ist.
      P2: Der Morgenstern ist der Abendstern.
      Folgerung: Gerd glaubt, dass der Abendstern der Saturn ist.

      Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es. (Bertrand Russell)
      Any philosophy that can be put in a nutshell belongs in one. (Hilary Putnam)
      Religion is an insult to human dignity. (Steven Weinberg)
    • Faszinierende Sache immer wieder: The essential indexical

      Hier kurz in 1.1.: philpapers.org/archive/LIAWAC.pdf

      Ich habe dazu jetzt nichts zu sagen. :)


      Ach:

      hel schrieb:

      Nur weil niemand darauf eingegangen ist: Das Argument ist fehlerhaft, weil nicht richtig substituiert wurde.
      Normalerweise würde man das erst mal schon so ersetzen. Wenn man schon Frege-belastet ist, nicht mehr ...
      Metaphern stinken
    • "Wir alle, die wir in freien und offenen Gesellschaften leben wollen [...]: Wir alle haben ein Problem mit dem Islam" (Heiko Heinisch; in: The European, 20. Januar 2015). — "Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal hat kürzlich als Zeuge vor Gericht in Paris gesagt, der Antisemitismus sei Teil der islamischen Kultur, er werde im Koran, in den Moscheen und in den Familien verbreitet" (FAZ, 11. Dezember 2017). — "Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht verwirkt."
    • kunnukun schrieb:

      Fliege schrieb:

      uvm.edu/~lderosse/courses/lang/Perry(1979).pdf
      Danke, ist in dem Buch mit drin.
      Bin seit geraumer Zeit am Lesen:
      "Its solution requires us to make a sharp distinction between objects of belief and belief states, and to realize that the connection between them is not so intimate as might have been supposed" (S. 4).
      "Wir alle, die wir in freien und offenen Gesellschaften leben wollen [...]: Wir alle haben ein Problem mit dem Islam" (Heiko Heinisch; in: The European, 20. Januar 2015). — "Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal hat kürzlich als Zeuge vor Gericht in Paris gesagt, der Antisemitismus sei Teil der islamischen Kultur, er werde im Koran, in den Moscheen und in den Familien verbreitet" (FAZ, 11. Dezember 2017). — "Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht verwirkt."