es regnet in London

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    • es regnet in London

      das Zitat stammt aus einem anderen thread
      Der Naturalismus: Das metaphysische Vorurteil unserer Zeit? (Holm Tetens)


      was bedeutet der Satz 'es regnet in London'?

      1) es regnet gerade in London
      ich bin selber in London und davon betroffen oder sehe die Wolke auf dem Satellitenfilm
      kurz: eine Beobachtung

      2) es regnet meistens in London
      ich war in London und die meiste Zeit hat es geregnet
      kurz: eine Verallgemeinerung

      3) es regnet theoretisch in London
      London liegt in der entsprechenden Klimazone
      kurz: ein begründetes Urteil

      4) es regnet in London, weil es sonst nur Nebel gäbe
      der Londoner Regen als rhetorisches Stilmittel
      kurz: Aberglaube


      dradio.de/dlf/sendungen/studiozeit-ks/2199914/

      Und im Übrigen: Wenn es in London regnet, dann regnet es in London!
      Und nicht nur in unserer Vorstellung, weil zum Beispiel, wie Philosophen gern konstruieren,
      ein böser Dämon oder ein Computerprogramm uns ständig halluzinieren lassen, dass es in London regnet.
      Die Philosophie, meint Gabriel,
      bastele sich selbst die unwahrscheinlichsten Hypothesen zusammen, um das Sichere fraglich werden zu lassen.

      "Ich glaube, so urteilen wir gar nicht. Sondern dass ist eine philosophische Fiktion,
      die wir basteln, um uns einzureden, dass noch die sichersten Wahrheiten unsicher sind.
      Es gibt in der Philosophie eine Tendenz oder gab - der neue Realismus möchte darüber hinaus -
      dass die Unsicherheit der Modus des Philosophierens ist. Und das halte ich für falsch."

      'Der Bonner Philosoph Markus Gabriel' hat damit Punkt 1 und Punkt 4 erklärt
      die Verallgemeinerung und das begründete Urteil fehlen
    • Der Satz "Es regnet in London" ist ohne Kontext noch vielfältig interpretierbar.

      Der Satz soll deutlich machen, dass London eine Stadt ist in der es sonst nie regnet.

      Der Satz soll deutlich machen, dass es in London regnet und sonst nirgendwo.

      Der Satz kann eine Lüge sein.

      Der Satz kann ein Irrtum sein.

      Der Satz könnte sich auf ein Labor "London" beziehen in dem künstlich Regen hergestellt wurde.

      Der Satz könnte einen Spion warnen, dass es in London für ihn gefährlich ist.

      usw.

      Ohne zu wissen wofür die Worte des Satzes stehen, kann man nur mehr oder weniger plausible oder besser wahrscheinliche Mutmaßungen anstellen was er bedeuten soll. Sobald aber die Bedeutung der Wörter geklärt ist, erklärt sich auch was der Satz bedeutet - umso exakter die Erklärung der Wortinhalte, desto genauer wird die Bedeutung des Satzes.
      Worauf gezeigt wird, ist unabhängig davon was darüber gedacht wird, nicht was darunter verstanden wird.
    • Ist das so was ähnliches wie "Lisa ließt zu Hause MacBeth" von Henri-Nero Castaneda >Sprache und Erfahrung<, suhrkamp). ? ~ auch so'n Ontologie Zeugs?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Mithrahee ()

    • "Gerade" stammte von Gabriel.
      Insofern besagt der Satz "Es regnet gerade in London", dass innerhalb der Stadtgrenzen (Eigenschaft) Londons momentan Regen fällt. Letzteres stellt keine Eigenschaft Londons (Gabriel) dar.

      Der Satz "es regnet in London" ist notwendig wahr, denn für die Lage der Stadt ist bekannt, dass da auch Regen fällt.

      Btw: Ist mir gar nicht so wichtig, das haarklein aufzudröseln. Aber dass ein (sog.?) Philosophieprofessor so etwas derart klopsig raushaut, selbst, wenn er denn "frei" referiert, ist irgendwie schon...merkwürdig, wenn nicht signifikant...
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.
    • scilla schrieb:

      bei 'Inspector Barnaby spielen die Handlungen in einem blumigen und von der Sonne verwöhnten England

      o.t.: Bitte entschuldigt, daß ich mich einmische, ich bin dann auch gleich wieder weg, aber das muß ich korrigieren, unbedingt, - gelegentlich, hin und wieder, doch ja, regnet es auch in Midsoner und die Natur trägt Herbst- oder Winter-Kleid. *verschwind*
    • Riha schrieb:

      novon schrieb:

      "Gerade" stammte von Gabriel.
      Insofern besagt der Satz "Es regnet gerade in London", dass innerhalb der Stadtgrenzen (Eigenschaft) Londons momentan Regen fällt.
      Es könnte doch auch gemeint sein, dass es in London nicht schief regnet (?) ^^

      Chlor... ^^
      Im Kontext (Video) schien Gabriel allerdings dann doch eher in temporalen Bezügen zu konfabulieren.
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
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    • novon schrieb:

      Riha schrieb:

      novon schrieb:

      "Gerade" stammte von Gabriel.
      Insofern besagt der Satz "Es regnet gerade in London", dass innerhalb der Stadtgrenzen (Eigenschaft) Londons momentan Regen fällt.
      Es könnte doch auch gemeint sein, dass es in London nicht schief regnet (?) ^^

      Chlor... ^^
      Im Kontext (Video) schien Gabriel allerdings dann doch eher in temporalen Bezügen zu konfabulieren.

      Es geht um die Interpretationsmöglichkeiten des Satzes "Es regnet in London". Im Rahmen der Umgangssprache ist es selbstverständlich ,dass damit "Es regnet jetzt in London gemeint ist."

      Aber in der Philosophie, insbesondere bei der Interpretation von klassischen Texten ,ist es oft sinnvoll zu fragen und zu spekulieren ,was der Autor wohl mit einem bestimmten Satz gemeint hat, und welche Deutung am besten in das Gesamtkonzept es Autors passt. (z.B. Kant:" Das Ding an sich ist ein Noumenon im negativen Verstande")
    • Riha schrieb:

      Aber in der Philosophie, insbesondere bei der Interpretation von klassischen Texten ,ist es oft sinnvoll zu fragen und zu spekulieren ,was der Autor wohl mit einem bestimmten Satz gemeint hat, und welche Deutung am besten in das Gesamtkonzept es Autors passt. (z.B. Kant:" Das Ding an sich ist ein Noumenon im negativen Verstande")

      Klar. Wieso "aber"?
      Das hab ich auf Gabriels Aussage ja angewandt. Oder müsste ich was anderes als "Gesamtkontext" für Gabriel hernehmen?
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.
    • novon schrieb:

      Riha schrieb:

      Aber in der Philosophie, insbesondere bei der Interpretation von klassischen Texten ,ist es oft sinnvoll zu fragen und zu spekulieren ,was der Autor wohl mit einem bestimmten Satz gemeint hat, und welche Deutung am besten in das Gesamtkonzept es Autors passt. (z.B. Kant:" Das Ding an sich ist ein Noumenon im negativen Verstande")

      Klar. Wieso "aber"?
      Das hab ich auf Gabriels Aussage ja angewandt. Oder müsste ich was anderes als "Gesamtkontext" für Gabriel hernehmen?
      Mein ABER richtet gegen Gabriels Einschätzung. "Die Philosophie, meint Gabriel, bastele sich selbst die unwahrscheinlichsten Hypothesen zusammen, um das Sichere fraglich werden zu lassen." Das ist mE eine ungerechtfertigte Unterstellung.
    • Riha schrieb:

      novon schrieb:

      Riha schrieb:

      Aber in der Philosophie, insbesondere bei der Interpretation von klassischen Texten ,ist es oft sinnvoll zu fragen und zu spekulieren ,was der Autor wohl mit einem bestimmten Satz gemeint hat, und welche Deutung am besten in das Gesamtkonzept es Autors passt. (z.B. Kant:" Das Ding an sich ist ein Noumenon im negativen Verstande")

      Klar. Wieso "aber"?
      Das hab ich auf Gabriels Aussage ja angewandt. Oder müsste ich was anderes als "Gesamtkontext" für Gabriel hernehmen?

      Mein ABER richtet gegen Gabriels Einschätzung. "Die Philosophie, meint Gabriel, bastele sich selbst die unwahrscheinlichsten Hypothesen zusammen, um das Sichere fraglich werden zu lassen." Das ist mE eine ungerechtfertigte Unterstellung.

      Gabriel trat zunächst mit Buchveröffentlichungen zur pyrrhonischen Skepsis in Erscheinung, bevor er vor drei Jahren Professor geworden ist. Dabei meine ich eine Sympathie bei Gabriel herausgehört zu haben, pyrrhonische Skepsis bzw. deren Argumente in eigener Sache auf Wittgensteins Art behandeln zu wollen. Wittgensteins Art besteht darin, eine dogmatische Haltung so einzunehmen, als wäre gar nichts dabei. Es mag nun sein, dass sich Gabriel der Wittgenscheinschen Problembehandlung ein wenig verbunden fühlt.
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".
    • Riha schrieb:

      Mein ABER richtet gegen Gabriels Einschätzung.

      Ach so... Ich dachte du beziehst dich auf mein Zeugs. ^^

      Was Gabriels Einschätzung angeht, tappe ich irgendwie allerdings nach wie vor im Dunkeln. Hab mir zwar keine Mühe gemacht, verspüre nach dem kruden Versuch einer Hinleitung zum Thema (Video) aber irgendwie auch nicht gerade Interesse dahingehend, diese zu erkunden. Wer die Leute derart unterirdisch abzuservieren versucht, wird wohl auch ansonsten eher nichts zu bieten haben.
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.
    • novon schrieb:

      Fliege schrieb:

      pyrrhonische Skepsis ... Wittgenstein

      Bin da ja nicht der Experte... Bring ich aber nicht zusammen. Wie ist das gemeint?

      Wittgenstein ist unfreiwilliger Skeptiker, der sich Zeit seines Lebens gegen seinen Skeptizismus gewehrt, aber immer wieder verloren hat. Seine letzte Niederlage hat er wegen Todes nicht mehr mitbekommen.
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".
    • Fliege schrieb:

      novon schrieb:

      Fliege schrieb:

      pyrrhonische Skepsis ... Wittgenstein

      Bin da ja nicht der Experte... Bring ich aber nicht zusammen. Wie ist das gemeint?

      Wittgenstein ist unfreiwilliger Skeptiker, der sich Zeit seines Lebens gegen seinen Skeptizismus gewehrt, aber immer wieder verloren hat. Seine letzte Niederlage hat er wegen Todes nicht mehr mitbekommen.

      zeno.org schrieb:

      [Skeptizismus] setzt sich der unphilosophischen naiven Weltanschauung, der Wissenschaft, der positiven Philosophie und dem religiösen Glauben entgegen.

      In dem Sinne?
      (Hab da u. a. auch noch was zu Schavanismus aufgetan... ^^)
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
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    • Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".
    • "Es regnet in London." Gabriel ist ein "neuer Realist". Seine Ontologie ist ziemlich reichhaltig, er könnte damit Rekorde brechen. Aber das ist für den Zusammenhang vermutlich nicht so wichtig :) Zwei Sachen, die wichtiger für den Zusammenhang sind, will ich heraus heben: Gabriel ist der Ansicht, dass Sätze natürlich wahr sein können, aber Wahrheit nicht an Sätzen hängt, so wie es das Gros der Philosophen glaubt. "Es regnet in London." wäre kann auch dann wahr sein, wenn es niemandem gibt, der wahre Sätze mit diesem Gehalt bilden könnte. [Wenn etwa ein böser Alien alles Leben im Universum zerstören würde, aber London noch übrig bliebe :-)] Zumindest versteh ich ihn so.

      Ebenso steht es mit Tatsachen. Sätze können zwar Tatsachen zum Ausdruck bringen, aber Tatsachen gibt es für sich genommen, das ist nichts, was wir stiften. Er vertritt also eine Tatsachenontologie. Damit gehört er nicht gerade zu einer großen Mehrheit. Daher auch seine flapsige Art: Er schaut einfach aus dem Fenster - und siehe da, es regnet. Mir ist diese (unbekümmert wirkende) Art sympathisch.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von _its_not_me_ ()

    • novon schrieb:


      [...]Man nennt es auch "kritisches Denken".

      Find ich mich glatt wieder... ^^
      Wittgenstein hat das abgestritten...? (Weiß ja nicht... Kann ich mir aber nicht wirklich vorstellen...)

      Er befand, es sei angemessen, Begründungsversuche als erfolgreich abzuschließen, sobald der Spaten verbogen ist.
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Fliege ()