Aristoteles: Metaphysik - Buch Omicron (Buch II)

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    • Aristoteles: Metaphysik - Buch Omicron (Buch II)

      Ich habe nun vor, in einem auf mehrere Monate angelegten Projekt die einzelnen Bücher der Metaphysik des Aristoteles zu lesen. Es ist einfach für meine eigene Philosophie notwendig dass ich mir hier ein tieferes Verständnis der aristotelischen Metaphysik aneigne. Wir fangen am besten ganz von vorne an, beim Buch Omicron (Buch II) und folgen dann der Zeno-Aufstellung der Metaphysik. Hier sämtliche Volltexte:

      zeno.org/Philosophie/M/Aristoteles/Metaphysik

      In einem Zeno-Begleittext heißt es zur Beschreibung:

      Entstanden zwischen 348 und 322 v. Chr. Erstdruck: Venedig 1498. Erste vollständige deutsche Übersetzung durch Julius Rieckher, Stuttgart 1860. Der Text folgt der Übersetzung durch Adolf Lasson von 1907, der die überlieferten Bücher der »Metaphysik« in folgender Anordnung wiedergegeben hat: II. Buch [α] S. 1-5. – I. Buch [Α] S. 6-35. – III. Buch [Î’] S. 36-57. – IV. Buch [Γ] S. 58-84. – VI. Buch [Ε] S. 85-92. – VII. Buch [Ζ] S. 93-130. – VIII. Buch [Η] S. 131-141. – IX. Buch [Θ] S. 142-161. – XII. Buch [Λ] S. 162-181. – X. Buch [Ι] S. 185-206. – XI. Buch [Κ] S. 207-236. – XIII. Buch [Îœ] S. 237-267. – XIV. Buch [Ν] S. 267-285. – V. Buch [Δ] S. 286-319.

      Leider konnten die griechischen Buchstaben beim kopieren nicht übertragen werden.

      In den Zeno-Texten kann man sich gut anhand der Seitenangaben orientieren. Das Buch Omicron (Buch II) umfasst nur die Seiten 1-5 der Übersetzung und Zusammenstellung von Adolf Lasson. Hier der Zeno-Text, der dem Buch Omicron entspricht, und den wir als erstes lesen werden:

      zeno.org/Philosophie/M/Aristot…tst%C3%BCcke/Vorbemerkung

      Nicht wahr, es sind die Seiten 1-5, wobei - von der erste Seite abgesehen - die Nummerierungen immer am Ende der Seite stehen. Das nur zur Erklärung... Wir können den Text des Buches Omicron umgehend lesen... Ich werde in Kürze was dazu sagen...

      Gruß Joachim Stiller Münster

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    • Aristoteles beginnt seinen Aufsatz mit diesen Worten:

      Die Aufgabe der Wissenschaft, die auf Erforschung der Wahrheit gerichtet ist, darf man wohl in einer Beziehung als schwierig, in anderer Beziehung wieder als leicht bezeichnen. Ein Anzeichen davon ist schon dies, daß kein Denker zwar die Wahrheit in völlig zutreffender Weise zu erreichen, keiner aber auch sie völlig zu verfehlen vermag, sondern jeder wenigstens etwas vorzubringen weiß, was der Natur der Sache entspricht, und daß, wenn auch der einzelne sie gar nicht oder nur in geringem Maße trifft, doch aus dem Zusammenwirken aller sich schließlich ein gewisses Quantum des Wissens ergibt.
      Die Aufgabe der Wissenschaft (könnte sein, dass Aristoteles hier bereits die Ontologie als Teil der Metaphysik meint) ist leicht und schwer zugleich... Niemand hat die Wahrheit in völligem Umfange geschaut, andererseits hat auch niemand sie gänzlich verfehlt... Da ist natürlich ein super relativistischer Standpuntk und ich kann Aristoteles dafür nur loben. Wissenschaft ist letztendlich immer approximativ. Sie ist immer nur eine Annäherung an die Wirklichkeit, kann diese aber niemals ganz erreichen. Absolutes Wissen gibt es höchstens bei Gott. Auf den Aspekt Gottes als höchster Grund oder letzte Ursachewerden werden noch einmal zurückkommen. Man hat übrigenes ein bischen den Eindruck, als sei Aristoteles dem Grundgedanken des Relativismus erheblich mehr aufgeshclossen, als sein Lehrer Platon.

      Gruß Joachim Stiller Münster

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    • Und weiter schreibt Aristoteles:

      Wenn es also etwas für sich hat, was man im Sprichwort sagt: ein rechter Schütze, der ein Scheunentor verfehlt! [Vorsicht: Ironie] so würde in diesem Sinne die Aufgabe immerhin leicht sein. Daß man aber ganz wohl mit dem Teile fertig werden und doch am Ganzen scheitern kann oder umgekehrt [beides ist möglich], darin zeigt sich die Schwierigkeit der Sache. Es könnte freilich auch sein, daß der Grund der Schwierigkeit, die sich in [besagter] doppelter Beziehung darstellt, weit weniger im Gegenstande als in uns selber liegt. Denn wie sich das Auge der Fledermaus [dieses Bild wird von Thomas Nagel adaptiert, womit er auf das Problem der Qualia verweist] zum Tageslicht verhält, so verhält sich das denkende Vermögen unseres Geistes zu den Gegenständen, die von Natur und an sich unter allen gerade die lichtvollsten sind. [Mit anderen Worten, wir sind so geblendet, dass wir trotz Sonnelicht, oder vielleicht gerade deswegen, im Dunkeln tappen.]
      (Hervorhebungen von mir.)

      Die Welt ist eben auch eine Welt der Täuschung, und ich habe einmal gesagt: Wahrhaft lächerlich ist nur, dass wir immer nur unseren nächsten Irrtum vorbereiten. Das hätte fast von Sokrates stammen können.

      Gruß Joachim Stiller Münster

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    • Aristoteles schreibt:

      Billigerweise haben wir denn auch dankbar zu sein, nicht bloß denen, deren Ansichten man wohl zu teilen vermöchte, sondern auch denen, deren Darlegungen der Sache minder gerecht werden; denn auch diese haben zum weiteren Fortgang ihren Beitrag geliefert und unsere Fähigkeiten geschult.
      Das ist ein zugegebener Maßen ein toleranter Zug. Wir eifern den guten Philosophen nach, und schulen unsere Fähigkeiten an den Unzulänglichkeiten der schlechteren Philosophen. Dankbar müssen (sollten) wir beiden sein.

      Gruß Joachim Stiller Münter
    • Aristoteles macht es an einem historischen Beispiel aus der griechischen Kulturgeschichte fest, das uns heute aber wohl nichts mehr sagt, denn wir kenn die Personen natürlich nicht mehr:

      Wäre Timotheos nicht gewesen, so würden wir manches nicht besitzen, was doch zum Schatze unserer musikalischen Lyrik gehört, und wieder, wäre Phrynis nicht gewesen, so würde Timotheos nicht gekommen sein.

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Aristoteles schließt den Abschnitt mit folgenden Worten:

      Es ist mit den Denkern, die sich wissenschaftlich um die Wahrheit bemüht haben, ganz dieselbe Sache [wie mit Timotheos un der musikalischen Lyrik]. Da sind Leute, von denen wir gewisse Lehren überkommen haben, und wieder andere, die es möglich gemacht haben, daß jene aufgestanden sind. [So ist z.B. die Lehre des Aristoteles bis zu uns überkommen, aber sie urständet bei den Vorsokratikern, und naütlich bei Platon]

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Aristoteles schreibt:

      Es hat wohl seinen guten Grund, wenn man die Philosophie als die Wissenschaft bezeichnet, die die Wahrheit sucht. [Also, da wäre in der Tat zu Fragen, ob denn die Wissenschaft selbst "nicht" die Wahrheit sucht. Insofern scheint mir diese Definition mehr als unglücklich zu sein] Denn das Ziel, nach dem [1] das rein theoretische Verhalten ringt, ist die Wahrheit [was eben sowohl für die Wissenschaft, als auch für die Philosophie gilt. Im übrigen hielt ich es immer schon für problematisch, die Philosophie als bloße Wissenschaft zu sehen], wie das Ziel der Praxis die Anwendung ist.
      Aristoteles unterscheidet hier das erste Mal zwischen Theorie und Praxis, eine Unterscheidung, die ich persönlich für ungeheuer wichtig halte. Später wird Aristoteles dann auch die Philosophie in theoretische Philosophie und praktische Philosophie unterteile, eine Unterteilung, die zwar stets umstritten war, die sich aber im akademischen Betrieb bis heute erhalten hat.

      Gruß Joachim Stiller Münster

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    • Aristoteles fährt fort:

      Diejenigen, die sich in der Praxis bewegen, haben auch dann, wenn sie untersuchen, wie die Sache an sich beschaffen ist, nicht das Ewige im Auge, sondern das, was für ein anderes und was für den Augenblick von Bedeutung ist.
      Das hört sich ein bischen so an, als sei die Theorie für die Ewigkeit gebaut, die Praxis hingegen nur für den Nutzen des Augenblicks. Dabei vergisst Aristoteles, dass das, was hier Praxis genannt wird, eigentlich die "Theorie der Praxis" meint, und dann macht es wenig Sinn, zwischen Theorie der Theorie und Theorie der Praxis groß zu unterscheiden. Für beide sollten sich Gesichtspunkte angeben lassen, die den Anspruch auf volle Allgmeingültig erheben dürfen.

      Gruß Joachim Stiller Münter
    • Kunst (techne) ist doch eher in einem vertikalen Sinne die Manifestaion des Bildhaften, und dann stehen Theorie und Praxis praktisch in einem horizontalen Sinne quer dazu.... Ist jedenfalls meine Meinung...


      ..........................Bild

      ..............Theorie............Praxis

      ....................Manifestation


      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Aristoteles schreibt:

      Die Wahrheit aber wissen wir nicht, wo wir nicht den Grund der Sache wissen.
      Eigentlich steckt da schon der ganze Satz vom zureichenden Grund drin, von dem das Kausalgesetz (Leukipp und Demokrit) nur ein Teil ist. Der Satz vom zureichenden Grund wird, wenn nicht (möglicerweise fälschlich) Parmenides, so in jedem Fall Aristoteles zugeschrieben, der ihn ausdrücklich erklärt hat.

      Gruß Joachim Stiller Münster

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    • Das griechsiche Alphabet

      Vielleicht habt Ihr Euch mal gefragt, welcher Buchstabe im griechischen Alphabet der Buchstabe "Omicron" ist. Der griechiche Buchstabe Omicron ist das Lateinische O, allerdigs wird das O beim Buch Omicron aus mir unerfindlichen Gründen klein geschrieben...

      google.de/imgres?client=firefo…2&ved=1t:429,r:0,s:0,i:89

      (siehe auch den Link im Link)

      Gruß Joachim Stiller Münter
    • Ich setze die Besprechung fort:

      Jegliches nun stellt seinen Begriff um so reiner dar, je mehr es den Grund bildet für das, was andere Dinge mit ihm gemein haben. So stellt uns das Feuer am reinsten die Wärme dar; denn es ist der Grund der Wärme auch für die anderen Dinge.
      Das ist im Grunde eine Tautologie, denn Aristoteles sagt praktisch, dass die wesentlichen Eigenschaften eiens Dinges um so allgemeiner sind, je allgmeiner sie sind. Ich vermute, dass Aristoteles etwas ganz anderes im Sinn hatte, nämlich die Tatsache, dass es Begriffe höherer Allgemeinheit und Begriffe niederer Allgemeinheit gibt.

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Und so stellt denn auch das am reinsten die Wahrheit dar, was im Abgeleiteten den Grund dafür bildet, daß es wahr ist. [???]
      Ich weiß wirklich nicht, was Aristoteles hier meint. Die Galoppsprünge sind mir hier einfach zu groß, mal ganz davon abgesehen, dass es irgendwei ebenfalls einen tautologen Eindruck hinterlässt. Vielleicht hatte Aristoteles ja ein besonderes Problem damit, auf Tautologien zu verfallen. Wir werden sehen.

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Und so stellt denn auch das am reinsten die Wahrheit dar, was im Abgeleiteten den Grund dafür bildet, daß es wahr ist. Darum müssen also auch die Prinzipien dessen, was ewig ist, am meisten Wahrheit enthalten.
      Noch ein tautologer Galoppsprung. Asistoteles kann doch nur sagen, dass die allgemeinen Prinzipien mehr Anspruch auf "Allgmeingültigkeit" haben, als alle anderen Wahrheit. Und das ist schon ein Unterschied. Es gibt somit nur eine Stufenfolge der Allgemeingültigkeit, aber nicht der Wahrheit. Entweder etwas ist wahr, oder es ist es nicht. Ein drittes kann es nicht geben. Das hätte Aristoteles aber eigentlich wissen können, denn in der Logik (Organon) ist es ihm absolut klar. Wir werden erst zu einem sehr viel späteren Zeitpunkt auf die Logik des Aristoteles (Organon) ausführlich eingehen. Vorgenommen habe ich es mir.

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Denn sie sind nicht bloß zuzeiten wahr und haben den Grund ihres Wahrseins nicht in etwas außer sich, sondern sie sind der Grund dafür, daß das andere wahr ist. Die Stufenfolge der Abhängigkeit im Sein ist also zugleich das Maß für den Grad der Wahrheit.
      Das klingt ein bischen so, als meine Aristoteles gar nicht die Prinzipien des ewigen, sondern die Prinzipien der Logik, also das, was heute Denkgesetze genannt wird. Im Übrigen ist, um mit Aristoteles zu sprechen, die Stufenfolge der Abhängigkeit im Sein das Maß für den Grad der "Allgemeingültigkeit", und nicht das Maß für den Grad der "Wahrheit". Aber das hatten wir ja schon.

      Gruß Joachim Stiller Münster

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    • Auffällig ist noch, dass Aristoteles in den letzten Asführungen nicht ausreichend zwischen der "Allgemeingültigkeit von Begriffen" und der "Allgemeingültigkeit von Wahrheiten" unterscheidet. Nur Urteile, Sätze oder Ausagen können den Anspruch erheben, wahr zu sein, aber niemals Begriffe. Sollte es sich hier um eine Undurchdachtheit bei Aristoteles handeln?

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Jedenfalls, soviel steht fest, daß es einen obersten Grund gibt und die Gründe dessen was ist nicht ins Unendliche verlaufen können, weder im Sinne einer unendlichen Reihe, noch in dem von unendlich vielen Arten von Gründen.
      Fest steht also nach Aristoteles in jedem Fall, dass einen obersten Grund gib, also einen Gott. Denn der oberste Grund kann ja nur Gott sein. Ist denn das wirklich so klar. Aristoteles scheint mir da etwas sehr sicher zu sein. Aritoteles argumentiert damit, dass die Reihe der gründe, warum etwas ist, nicht ins Unendliche laufen könne. Auch wenn man das in Frage stellen kann, so möchte ich es jetzt einmal als Grund so stehenlassen. Warum es aber nicht unendlich viele Arten von Gründen geben soll, erschließt sich mir hier nicht, und noch weniger, warum dies ein Argument für einen obersten Grund sein soll. Das scheint mir wenig durchdacht zu sein.

      Gruß Joachim Stiller Münster

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    • Denn was zunächst die Materie als Grund anbetrifft, so ist es ausgeschlossen, daß das eine ins Unendliche aus dem anderen, z.B. Organisches aus Erde, Erde aus Luft, Luft aus Feuer entstehe, ohne daß es darin einen Abschluß gäbe.
      Na ja, da würden wir wohl heute sagen, dass ein solches Argument unwissenschaftlich ist, und daher würden wir ein solches Argument wohl nicht mehr gelten lassen. Aber dass die Reihe der Gründie nciht unendlich weitergeführ werden kann, wäre schon viel einleuchtenden. Dass bezieht sich dann aber auf ein Zeitliches hintereinander der Gründe und Ursachen.

      Gruß Joachiim Stiller Münster