Wissen und Bewusstsein 2

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    • Dr Gideon Fell schrieb:

      Riha schrieb:


      dass Bewusstsein ein Sammelbegriff für Wahrnehmungen ,Gedanken und Gefühle ist
      Nein. Wenn du das so schreibst, dann ist der gleiche Satz: *dass Obst ein Sammelbegriff fuer Apfel, Birne und Trauben ist*.

      Das Bewusstsein tut etwas, es hilft z.B eine Wahrnehmung klarer zu differenzieren, einen Gedanken klarer zu erfassen, ein Gefuehl klarer oder auch staerker zu empfinden.



      Ja ,so bzw. ähnlich wird der Begriff "Bewusstsein" umgangssprachlich auch gebraucht: " Bewusstsein : geistige Klarheit" (Wahrig).

      Aber in der Philosophie wird "Bewusstsein " dominierend im Sinne eines Sammelbegriffs gebraucht.
    • Dr Gideon Fell schrieb:

      Riha schrieb:

      Aber in der Philosophie wird "Bewusstsein " dominierend im Sinne eines Sammelbegriffs gebraucht.
      Ich habe ja nicht kritisiert,
      DASS du einen Sammelbegriff
      unbedingt benutzen willst.
      Ich habe kritisiert, um es dir im Beispiel zu zeigen,
      dass du fuer:

      Bus, Auto, Traktor, den Sammelbegriff "Wasser" nimmst, statt "Fahrzeug".

      In der Philosophie wird Bewusstsein dominierend im Sinne eines Sammelbegriffs für Wahrnehmungen, Gedanken ,und Gefühle benutzt.

      Was wäre denn nach deiner Ansicht der richtige Sammelbegriff für Wahrnehmungen ,Gedanken und Gefühle?
    • Riha schrieb:


      In der Philosophie wird Bewusstsein dominierend im Sinne eines Sammelbegriffs für Wahrnehmungen, Gedanken ,und Gefühle benutzt.

      Was wäre denn nach deiner Ansicht der richtige Sammelbegriff für Wahrnehmungen ,Gedanken und Gefühle?
      Der von der Psychologie und Paedagogik eigenmaechtig zweckentfremdete Begriff: Bewusstheit

      Wahrnehmung ist eine Bewusstheit
      Gefuehl ist eine Bewusstheit
      Gedanke ist eine Bewusstheit

      usw

      All diese sind Bewusstheiten, die vom Bewusstsein differenziert und erfasst werden kann. Philosophie gibt es nicht erst seit heute (Moderne). Wenn wir jedoch zulassen, dass BewusstSEIN mehrere Bedeutungen innerhalb sich selbst und auch widersprechend beinhaltet, dann wird auch das erkannte Problem, weshalb die ersten Philosophen "Bewusstsein" praegten, nie geloest. Wenn Bewusstsein im Sammelsein ein Gedanke ist, wird das Selbstbewusstsein in logischer Konsequenz ebenfalls zum Gedanken. Wir muessen uns doch fragen, ob wir uns an Dogmen festhalten wollen und somit nicht weiterkommen oder ob wir bereit sind, dem Sinn Bedeutung zu geben, wenn er unpassend ist.
    • Ich will dir mal am Menschen etwas zeigen:

      Der Mensch hat Organe, ja?

      Herz
      Lunge
      Nieren
      Galle
      usw

      Da kann ich nicht, egal in welcher Zeit ich geboren wurde, daher kommen und behaupten: Das Herz ist ein Mensch.
      Klar, das Herz hat eine Funktion, die Lunge auch eine Funktion, beide Funktionen sind unterschiedlich. Wenn ich nun
      Mensch als Sammelbegriff fuer Niere ,Galle, Leber, usw verwende, nur weil es Teile vom Menschen sind, was ist denn
      dann der Mensch, wenn er alles ist, was ihn ausmacht?

      Also kommt ein sinnvoller Begriff daher: Organ. Und so seh ich es auch mit dem Bewusstsein

      Das Bewusstsein hat Bewusstheiten, ja?

      Gedanke
      Wahrnehmung
      Gefuehl
      usw

      Das Bewusstsein sendet und enpfaengt Bewusstheiten. Jede Bewusstheit hat eine andere Funktion und ist Teil
      des Bewusstseins so wie das Herz ein Teil des Menschen ist und nicht der Mensch.
    • Dr Gideon Fell schrieb:

      Das Bewusstsein sendet und enpfaengt Bewusstheiten. Jede Bewusstheit hat eine andere Funktion und ist Teil
      des Bewusstseins so wie das Herz ein Teil des Menschen ist und nicht der Mensch.

      Verstehe. Bewusstheit ist nach deiner Auffassung der Sammelbegriff, Bewusstsein die Gesamtheit der Wahrnehmungen ,Gedanken und Gefühle. Das ist ein wesentlicher Unterschied.

      Nun ist es aber so ,dass der Begriff Bewusstsein bereits als Sammelbegriff vergeben ist (die Bedeutung liegt im Gebrauch ) .Man sollte dann besser für die Gesamtheit der verschiedenen Bewusstseinsweisen ein anderes ,in seiner Bedeutung noch nicht anderweitig gebundenes Wort wählen
    • 1) Schoen. Du hast mich schon mal "verstanden". Das ist in Foren sehr viel Wert.

      2) Dominanz interessiert mich nicht die Bohne. Vielleicht liegt das in der Zeit meines Aufwachsens begruendet. Jedenfalls interessiert mich nur das, was Sinn macht. So wie ein Gebrauch in der Minderheit, so kann auch ein Gebrauch in der Mehrheit, falsch sein. Wenn ich der Dominanz statt gebe, brauch ich mich mit allem nicht mehr zu befassen und muesste mir ein anderes Interesse zu legen. Doch Interesse laesst sich nicht auf Befehl justieren. Wenn etwas keinen Sinn macht, dann geh ich dagegen an. Was hat die Moderne aus dem Begriff "toll" gemacht? Noch irgendwas von Tollheit vorhanden? Nein. Wer sich der Dominanz unterwerfen will, mag dies tun, ich nicht. Ich sage auch nicht, die Kirche hat Recht, wenn sie dominierend "Das Christentum" einhaemmert. So ist es auch mit dem Bewusstsein. Das Bewusstsein war zu erst da. Und dies gilt es nicht zu aendern, nur weil eine Dominanz nicht will, das dies geschieht. Haben wir den Euro, weil er dominant gefordert wurde? Nein. Er wurde dominant abgelehnt, und ist doch gekommen.
    • Dr Gideon Fell schrieb:

      Dominanz interessiert mich nicht die Bohne.

      O.K., man muss sich nicht nach dem Dominierenden richten. Aber mit deinem ungewöhnlichem Gebrauch /Def. von Bewusstsein und Bewusstheit stehst du mW ganz allein da, und Missverständnisse in der Kommunikation sind damit unvermeidlich.

      Bist du der Meinung, dass wir uns um Wörterbücher nicht scheren sollten?
    • Riha schrieb:

      Dr Gideon Fell schrieb:

      Dominanz interessiert mich nicht die Bohne.

      O.K., man muss sich nicht nach dem Dominierenden richten. Aber mit deinem ungewöhnlichem Gebrauch /Def. von Bewusstsein und Bewusstheit stehst du mW ganz allein da, und Missverständnisse in der Kommunikation sind damit unvermeidlich.

      Bist du der Meinung, dass wir uns um Wörterbücher nicht scheren sollten?

      Jeder steht mit seinem Sein alleine da. Wir kommen alleine, muessen die Kreuzwege des Lebens alleine gehen und verschwinden alleine. Dazwischen gibt es Begegnungen, die eine Teilstrecke Begleiter sein koennen. Und jeder, der aufsteht, mag im Leben bei Wirkungen alleine sein, dennoch hat die Geschichte der Menschheit immer wieder gezeigt, dass, ist man erst mal verschwunden, nach dem Tod das Alleinsein verschwindet. Auch ein Elvis war ungewoehnlich. Was ist heute nach seinem Tod? Hatte er die Revolution gewollt? Nein. Er wollte nur die Musik machen, die er empfand und musste harte Kritik und Kampf einstecken. Doch nun, da er tot ist, ist er mit seinem Empfinden nicht mehr alleine. Niemand muss ein Meister sein oder den Trieb haben, einer sein zu wollen, doch wer sich einem Strom anschliesst, dem er nicht zustimmt, lebt verkehrt.

      Und Missverstaendnisse sind ja gerade der Grund, weshalb mich dieses Uebel so interessiert. Es gibt eine ganze Flut von Missverstaendnissen, die aufgeklart gehoeren. Es wird immer jene geben, die Missverstaendnisse bauen und jene, die den Versuch wagen, dagegen anzugehen, um die Missverstaendnisse zu beseitigen, auch wenn sie es letztlich vielleicht nicht schaffen. Doch "Sehende" koennen einander finden und somit bereits im Leben nicht mehr alleine sein (geistig)

      Ein Wortbuch ist eine Hilfe, ein Wegweiser, fuer jene, die sich nicht um Worte scheren, doch wem Worte und Begriffe wichtig sind, der geht drueber hinaus, und ergruendet, weshalb und wodurch Missverstaendnisse entstanden sind. Noch heute geistert Onanie als Selbstbefriedigung umher, auch dies ein Missverstaendnis. Der Beispiele gibt es Zuhauf. Wie koennte ich mit einem Wort zufrieden sein, dass den Nebel beibehaelt oder verstaerkt, statt ihn zu lichten?

      Archibald Joseph Cronin - 1937 - Die Zitadelle
      : Ich will stets versuchen, nichts als gegeben hinzunehmen
    • Bewusstheit bedeutet sich Bewusst zu sein und selbst zusein. sich mit anderen verständigen und klar darüber zu sein sich selbst zu sein. Es bedeutet im Miteinander Klarheit schaffen. Für das Wir aber auch für Information welchen an sich mit dem Bewusstsein zuammen hängt, denn auch ein Kaffe führt zu mehr Klarheit. Information verarbeitet sich zu einem Seelischen begriff von Klarheit. Die Seele ist ein für sich seinendes Organ welche sich gut zu fühlen hat. Schmerzen bedeuten Krankheit. Krankheit ist auszumerzen wegen den Folgen an der Information des Körpers. Es gibt mehrere Arten der Information, welchen an sich im Zusammenwirken die an sich seinde Welt ausmachen. Information ist wichtig.
    • Dr Gideon Fell schrieb:

      novon schrieb:


      Was bedeutet "sich seiner Existenz bewusst" zu sein?

      Also. Expertensysteme befinden sich auf der Ebene des Verstandes. Und nur dort. Null Empfinden. Reine Rationalitaet. Nur erfasst, was mit dem Verstand erfassbar ist. Alles andere ausgegrenzt.

      Hmm... Sagt dir Turing-Test etwas? Da wurden auf Basis von Expertensystemen schon recht überzeugende Mechanismen umgesetzt.
      Man könnte sich ein psychologisches Diagnosesystem vorstellen, in dem Frage auftauchen wie "Fühlt es sich eher gut oder eher schlecht an?" oder "Welche Farbe ist Ihnen angenehmer: Türkis oder Orange?".

      Dr Gideon Fell schrieb:

      Ein Mensch, der sich von seinem Verstand vereinnahmen laesst, ist sich seiner Existenz immer weniger bewusst.

      Liest sich für mich irgendwie recht tendenziös...
      Sofern die Frage war, was es bedeutet, sich seiner Existenz bewusst zu sein... Meinst du damit nun, je ausgeprägter der Verstand, desto unbewusster die eigene Existenz? Ich kann nicht so recht nachvollziehen, in welchem Bezug das überhaupt zu der Frage steht.

      Dr Gideon Fell schrieb:

      Sich seiner Existenz bewusst zu sein bedeutet, mit allen Sinnen zu leben.

      Würdest du sagen, dass ein Nasenaffe auf Borneo "mit allen Sinnen" lebt? Würdest du sagen, dass dieser sich seiner Existenz bewusst wäre...?

      Dr Gideon Fell schrieb:

      Auch mit jenen, die der Verstand zu blockieren sucht.

      Welche deiner Sinne versucht dein Verstand denn zu "blockieren"...?

      Dr Gideon Fell schrieb:

      Bewusstsein ist dafuer da, die Existenz zu erfassen, jedoch vollstaendig in Zusammenarbeit mit Geist und Seele (Denken und Empfinden).

      Das würde bedeuten, du nimmst an, dass, neben evolutionären Aspekten, Bewusstsein ein Zweck zukommt...

      Dr Gideon Fell schrieb:

      Wir koennen ein Gefuehl wahrnehmen, wir koennen einen Gedanken wahrnehmen, doch erst, wenn wir uns mit dem Bewusstsein verbinden, koennen wir unterscheiden, was es mit dem Gedanken oder dem Gefuehl auf sich hat. Dort, wo mir nicht empfinden, ist Bewusstsein weniger vorhanden. Je empfindungsloser wir werden, um so weniger ist uns irgendetwas bewusst. Der Verstand ist eine Bruecke oder eine Blockade zur Verbindung mit dem Bewusstsein, je nach dem.

      Ich bin mir nicht sicher, ob du nicht hier eher auf die Frage "Was ist Verstand" einzugehen bemüht bist. Sicher auch spannend...
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.
    • @simon61
      keine Festplatte, aber systematische Prozesse sind teils vergleichbar, was dir beim verstehen hilft.

      Bewusstsein ist ein Resultat unseres gesamten mentalen/psychischen Prozesses.
      Wie wir Wahrnehmung verarbeiten, sowie Emotionen, sowie wie wir rationalisieren und wie sich das ganze entwickelt, spielt alles ins Bewusstsein mit hinein.
      Das wir uns selbst und andere Dinge (!) so wahrnehmen können, ist ein Umstand, der sich erst kristallisiert hat. Allein durch unseren Gebrauch/Sozialisierung/interagierung mit den Dingen.

      Es ist uns möglich, bestimmte Dinge auf eine bestimmte Art und Weise zu denken, weil wir es mit der Zeit gelernt haben.
      Der Mensch hat das komplizierteste Bewusstsein, da er auch die kompliziertesten Rationalisierungen und Emotionalisierungen vollbringt.
      Das hat sich mit "harter Arbeit", "Glück" und Tradierung so etabliert. So wie sich auch die anderen organe entwickeln.
      (THX Dr Gideon Fell!! für die perspektive)

      Das was du am Anfang unbedingt brauchst, ist deine Wahrnehmung und Kommunikation - deine egtl Verbindung zur Außenwelt.
      Absolut unterschätzt von vielen Philosophen!! (heil dem empirismus)
      Diese Verbindung erzeugt Bewusstsein erst.

      Bewusstsein ist entwickeltes "organ" - die "mentale" summe ist es (aus Wahrnehmung, Gedächtnis, Rationalisierung, Emotionalisierung), die es uns vlt später ermöglichen wird, unseren Körper zu verlassen.
      Dann schaffen wir uns vlt unseren eigenen Himmel ;)

      PS
      ich hatte heute Abend den geilsten Traum aller Zeiten, soweit ich mich erinnern kann :D

      btw
      forschung-frankfurt.uni-frankf…449/65-67-bewusstsein.pdf
    • Nicht von ungefähr habe ich im letzten Beitrag vom "Higgs-Feld" gesprochen. Ich weiß, dass Peter Higgs ein verdammtes Genie unserer Zeit ist ( wer hier Neid vermutet, liegt völlig richtig). Wäre der Nachweis - der für den Normalsterblichen kaum nachvollziehbar sein dürfte - eines Higgs-Feldes nicht gelungen, wäre das gesamte bisherige Verständnis von Materie tatsächlich hinfällig gewesen. In eine eher philosophische Spache übersetzt, könnte man vielleicht sagen, dass das Higgs-Feld gewissermaßen das "eigentlich Wirksame" dessen ist, was wir Gravitation nennen. Ich glaube, dass den meisten Menschen die kolossale Bedeutung des HF, auch wenn manche schon davon gehört haben, nicht wirklich bewusst ist, womit wir schon wieder beim Thema wären. Was mich auf das Thema "Wissen und Bewusstsein" gebracht hat, ist die Vermutung, dass es sich hier um ein "Phänomen" handelt, das viele Philosophen schon seit jeher fasziniert hat, und zwar das Phänomen, dass das Eine ohne das Andere nicht vernünftig denkbar, trotzdem aber ein Auseinanderhalten möglich ist. Auch wenn viele es wahrscheinlich nicht glauben, ist heutzutage die ganze Elementarteilchenphysik genau ein solches "Phänomen". Bedenkt man, welchen Grad der "Abstrahiertheit" diese Physik inzwischen erreicht hat, könnten uns, was die Hirnforschung angeht, noch einige Ungeheuerlichkeiten bevorstehen, denn warum sollte die Erforschung des Gehirns einfacher sein als die der Materie. Das geradezu Verrückte am HF ist, dass es weder als "Struktur" bestimmbar , noch als "Aktivität" messbar ist, es konnte "nur" durch gewisse Abweichungen im Verhalten bereits bekannter Teilchen in einer gezielt herbeigeführten Situation zwangsläufig rückgeschlossen werden, und zwar so - salopp formuliert - , dass eine Leugnung des HF eine Leugnung unserer Art zu denken, also unseres Verstandes, bedeuten würde. Das ist Philosophie pur! Ich selbst bin inzwischen so weit, es nicht mehr für ausgeschlossen zu halten, dass im menschlichen Großhirn ein ähnliches "Feld" quasi mitgeliefert wird, also gewissermaßen ein "mentales HF", das möglicherweise das eigentlich Entscheidende dafür ist, dass das Verhalten von Menschen sich dermaßen eklatant, drastisch, geradezu brutal vom Verhalten der anderen Lebewesen auf diesem wunderlichen Planeten unterscheidet. In der Untersuchung von Hominiden- und Menschenhirnen hat sich bisher ein eher marginaler struktureller Unterschied gezeigt, der - glaube ich - als eine plausible Erklärung einer solchen Verhaltensänderung nicht überzeugen kann. Eine solche Änderung im Zuge eines "prozessartigen" Geschehens zu deuten, kann man spätestens seit M. Heidegger wohl vergessen, was immer man von diesem Philosophen sonst halten mag. Es ist eine "Marotte" von mir, auch immer wieder an die "ersten Menschen" zu denken. Hatten diese bereits ein Bewusstsein? Und wenn ja, woher? Wie kamen Menschen eigentlich dazu, "abstrahierend" zu denken, eine sprachliche Begrifflichkeit zu entwickeln? Müssen hier nicht sämtliche Erklärungen, die mit dem Begriff "Prozess" arbeiten, ziemlich blutleer, dürftig wirken? Übrigens: Über Tiere rede ich schon allein deshalb eher ungern, weil ich gar nicht wissen kann, wie die Welt aus der Sicht irgendeines Tieres aussieht, was durchaus eine Art von "Respekt" ist. Auch wenn ich erhebliche Zweifel habe, in Tieren bereits ein Bewusstsein zu sehen, habe ich noch nie der Fraktion derer angehört, die Tiere für mehr oder minder komplexe "Reflexmaschinen" halten. Ich habe kein Problem damit, Tieren ein gewisses Reflexionsvermögen zuzutrauen. Wenn allerdings behauptet wird, Tiere könnten sogar abstrahieren, gehe ich nicht mehr mit. Selbst mit dem intelligentesten Bonobo der Welt wird man wohl kaum eine gepflegte Partie Schach spielen können. Apropos Bewusstsein: Was ich hier bisher gelesen habe, ist teilweise ziemlich sonderbar. Wer meint, Gefühle, Erinnerungen, Erfahrungen lägen im Bewusstsein ( Gedächtnis ) wie Sammelobst in einem Korb, glaubt vermutlich auch, subatomare Teilchen ließen sich ohne Weiteres mit Äpfeln und Birnen vergleichen. Dies ist gerade so, als wenn man sagen würde, Materie wäre nur ein "Sammelbecken" für irgendwelche Teilchen. Absurd! Das ist eine Denkweise, die sich bestimmt nicht "phänomenologisch" nennen darf. All diese rhetorischen Spiegelfechtereien interessieren mich nicht, es geht mir um die Denkansätze selbst, die eine Art des Suchens erfordern, das sich kompromisslos von jeglichen Eitelkeiten befreit.
    • @novon Vielen Dank für den lehrreichen Hinweis! Es ist immer wieder verblüffend zu sehen, wie weit es mit der ( reflexiven ) Intelligenz von Tieren gehen kann. Ich selbst konnte vor Kurzem eine Krähe beobachten, die aus einer offenbar genau taxierten Höhe eine Nuss auf einen relativ schmalen, aber geteerten Fußweg, den ich öfter entlangjogge, gezielt herabfallen ließ. Von einem Bekannten, der in seiner Freizeit mit Vorliebe Vögel aller Art studiert, wusste ich bereits, dass Krähen so etwas machen; trotzdem war es ein beeindruckendes Erlebnis. Von den listigen Rabenvögeln ist ja schon länger die Rede, vermutlich ist auch den Menschen vor meinetwegen 3000 Jahren deren Verhalten aufgefallen, allerdings haben sie sich wahrscheinlich weit weniger darüber gewundert als die Verhaltensforscher von heute, was wohl weniger an den Tieren liegt. In der Regel wundern sich jene Mensch am meisten über die Intelligenzleistungen von Tieren, die diesen prinzipiell eher wenig zutrauen. Als Verhaltensforscher herausfanden, dass bestimmte Affen im Spiegel sich selbst erkennen können, war sogar zu lesen, unser "Weltbild" würde zusammenbrechen. Mein "Weltbild" wurde davon nicht einmal tangiert, es hätte mich eher stutzig gemacht, wenn man dergleichen nicht herausgefunden hätte. Bei aller Bewunderung tierischer Intelligenzleistungen meine ich - und nicht nur ich - mit "Abstrahieren" doch etwas Anderes. Selbst der superintelligente Rabenvogel wird beim Anblick eines rechtwinkligen Dreiecks sicher nicht auf die Idee kommen, den Satz des Pythagoras beweisen zu wollen. Könnten Raben abstrahieren, hätten sie schon längst mit der industriellen Produktion von Stöckchen verschiedener Form und Größe begonnen, damit möglichst jeder Vogel mit einem kompletten Stöckchensatz ausgerüstet ist, um jederzeit in Astlöchern jeglicher Art hocheffizient nach Würmern pulen zu können. Würde man einen "Zauberwürfel" mit einem leckeren Happen füllen, an den man nur gelangen kann, wenn alle Seiten einfarbig sind, wäre wohl auch der Einstein unter den Affen überfordert ( wäre einen Versuch wert ). Für das "Wissen um des Wissens willen" lassen sich Tiere eher nicht begeistern, ohne visuelle oder andere sinnliche Reize, ohne den Futtertrieb wären all diese Versuche so gar nicht möglich. Außerdem habe ich noch nie davon gehört, dass Tiere systematische Menschenversuche durchführen würden - du etwa ? Allein die Beherrschung des Feuers erfordert offenbar ein Denken, das nicht reflexiv bleibt. Würde man mit dem gleichen Eifer und Wohlwollen, mit dem man nach tierischen Intelligenzleistungen geradezu sucht, sich die menschlichen Verstandesleistungen betrachten, müsste man zugeben, dass diese unfassbar gigantisch sind. Es geht nicht darum, aus dem Menschen etwas "Besonderes" oder gar "Besseres" zu machen, sondern eher darum, das Offensichtliche auch tatsächlich zu s e h e n. Mit einer klammheimlichen Menschenverachtung kommt man auch nicht weiter. mit freundlichen Grüßen: simon61
    • Als langjähriger, ehemaliger Hundebesitzer kenne ich das Verhalten junger Hunde aus eigener Anschauung sehr genau. Wenn ein mit hochempfindlichen Sinnesorganen ausgestattetes Lebewesen sofort damit beginnt, eine neue Umgebung zu erkunden, ist dies ein völlig normales, zu erwartendes Neugierverhalten, das sehr wahrscheinlich sogar evolutiv sinnvoll ist. Mit "Wissen um des Wissens willen" meine ich nicht, dass ein Regenwurm nur beschnuppert wird, weil er komisch aussieht, sondern dass er seziert wird, weil man herausfinden will, wie er strukturiert ist, um es drastisch zu formulieren. Menschen können z.B. auch "essen um des Essens willen", eine ganze Industrie dreht sich um Essen und Ernährung; wären Tiere unter sich, wäre ein vergleichbares Verhalten eher unwahrscheinlich, was nicht daran läge, dass Tiere keine Geschmacksnerven hätten.
    • "Es könnte sein, dass "Bewusstsein" etwas ist, das wir letztlich gar nicht kennen können." (simon61)
      Ich denke, dass des Gegenteil richtig ist: Ich kenne/habe NUR das Bewusstsein - und sonst nichts. Ob etwas und was "jenseits" meines Bewusstseins ist und inwiefern meine Vorstellungen etwas bewusstseinunabhängiges betreffen, entzieht sich meiner Kenntnis.
      Alles Sein von Seiendem ist Bewusstsein - sowohl unsere Erkenntnis als auch die Gegenstände der Erkenntnis, d.h. ich meine, Bewusstsein ist vor allem der Titel dafür, dass unser Erkennen/Wissen es nicht mit einem unabhängig von dem Subjekt bestehenden (an sich) Seienden zu tun hat, sondern Seiendes (sowohl die Gegenstände des Erkennens als auch dessen Erkenntnis) immer schon das Subjekt als Bedingung seines Seins hat, also nicht ens increata sondern (subjektbedingte) ens creata ist.