Bioethik: Klonen

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    • Bioethik: Klonen

      Hallo zusammen,

      ich bereite gerade eine Präsentation im Fach Ethik (Klasse 13) zum Thema Klonen - Grenzen und Möglichkeiten der Gentechnologie vor. Dazu soll ich die Sonderstellung des Menschen bewerten. Ich stelle mir es so vor, dass ich Kants Menschenwürde erläutere und diese in Kontrast zu einer dem Klonen positiv eingestellten Ethik/Philosophie setze. Allerdings tue ich mich schwer bei der Findung einer adäquaten, passenden Ethik. Der Präferenzutilitarismus liegt vielleicht nahe, aber so einschlägig spricht er sich ja auch nicht dafür aus.

      Haltet ihr die Idee für sinnvoll? Und könnt ihr mir vielleicht bei einer Ethik helfen, die Klonen befürwortet? Vielen Dank!
    • Hallo madeodd

      madeodd schrieb:

      Dazu soll ich die Sonderstellung des Menschen bewerten.
      Ich bin momentan nicht so wirklich auf dem Laufenden, was die politische (globale) Haltung zu diesem Thema ist. Heißt Dein Auftrag ist in etwa, eine ethische Begründung herzuleiten für... Klonen ja, nur nicht beim Menschen? Oder wie ist das mit der "Sonderstellung" gemeint?

      lg
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • Ich habe den Auftrag so gedeutet (Fragen dürfen mir nicht beantwortet werden, da es unter Abiturbedingungen stattfindet), dass ich zunächst die Möglichkeiten und Grenzen der zwei Methodiken (reproduktives und regeneratives (therapeutisches) Klonen) darlege und danach eine zunächst objektive Bewertung durch zwei Seiten: zum einen die Menschenwürde nach Kant, auf der anderen Seite eine Philosophie, die das Klonen befürwortet. Danach möchte ich nochmal eine persönliche Stellungnahme abgeben.

      Zentrales Problem derzeit ist, dass ich keine Moralphilosophie finde, die Klonen begünstigt. Es kann auch ein anthropologisches Konzept sein, das auf einer Philosophie beruht.

      Ich hoffe, es ist verständlich :)
    • Das Klonen von Embryonen, um Stammzellen zu erhalten, dient in erster Linie medizinischen Zwecken, um einstmals, wenn das Wissen und die Technik dafür bereit stehen, z.B. defektes Gewebe (vielleicht sogar komplette Organe und Körperteile) zu erneuern.
      Sogar das Klonen von Menschen könnte möglich werden. Vielleicht könnte man eine Kopie seiner selbst (oder eines schon vorhandenen Kindes) als eigenes Kind aufziehen - eine Art verspäteter Zwilling. Das könnte psychologisch reizvoll sein, quasi sich selbst zu erziehen, oder interessant sein für die Wissenschaft, weil man systematisch die Frage der genetischen und sozialen Prägung erforschen könnte. Oder man klont Menschen, die nachweislich die Erbanlagen für Schönheit, Intelligenz, Kreativität, Talenten,... haben - das eigene Kind soll ja möglichst mit optimalen Erbanlagen in sein Leben starten. Auch das Militär könnte Begehrlichkeiten entwickeln, insbesondere, wenn Menschen mit besonderen Eigenschaften gezüchtet werden könnten, die man dann nur noch en masse kopieren müsste.

      Eine Idee, die solche Konzepte unterstützte, würde ich im ethischen Solipsismus ansiedeln, also im klassischen "Egoismus" (Wikipedia)

      Ich möchte klar stellen, dass ich von den meisten angegebenen Vorstellungen gelinde gesagt nicht gerade angetan bin. Ich habe nur meiner Phantasie freien Lauf gelassen. Ich bin mir leider recht sicher, dass diese Phantasien irgendwann Realität werden - und noch Schlimmeres.

      Hoffe ich konnte Anregungen geben (nicht für die Wissenschaft, sondern für die Präsentation!).
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind. (A. Camus)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Geworfener ()

    • madeodd schrieb:

      Zentrales Problem derzeit ist, dass ich keine Moralphilosophie finde, die Klonen begünstigt. Es kann auch ein anthropologisches Konzept sein, das auf einer Philosophie beruht.

      Hm, also spontan fällt mir da definitiv keine Philosophie ein, die Klonen begründet rechtfertigen könnte. Gründe dagegen gibt es viele. Nun kenne ich nicht die Freiheiten in der Gestaltung Deiner Arbeit. Mein Vorschlag wäre momentan (mangels Alternative) nicht zwei philosophische Positionen dazu heran zu ziehen, sondern vielleicht eine philosophische und eine medizinische.

      Die einheitliche Meinung der Philosophie zu dem Thema lässt sich auch ganz gut hier nachvollziehen. Hast Dir ein sehr schwieriges Thema ausgesucht. :)

      lg

      Auf Seite 43 findet sich evtl. eine Möglichkeit, philosophisch doch noch etwas als "Befürwortung" in Beziehung zu setzen. Neopragmatisch gesehen ist natürlich eine Menschenrechstdefinition immer auch abhängig vom derzeitigen Menschenbild und muss so wörtlich "offen sein für das unbekannt Zukünftige". Vielleicht hilft Dir das ja weiter.
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      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von iselilja ()

    • Hey, danke für eure Antworten!

      Im Prinzip ist mir eigentlich alles freigestellt: allerdings sollte es eine ethische Abwägung sein, das ist mir schon sehr wichtig. Ich würde ungern einen medizinischen Argumentationsstrang heranziehen.

      Verstehe ich den "ethischen Solipsismus" als Präferenzutilitarismus? Ich finde nämlich im Zusammenhang mit Klonen fast nichts im Internet..
    • madeodd schrieb:

      Verstehe ich den "ethischen Solipsismus" als Präferenzutilitarismus?
      Nein, das wäre das genaue Gegenteil.

      Eine Strategie kann gerade auf Abiturniveau immer sehr hilfreich sein. Nutze Wiki, um Dir einen begrifflichen Überblick zu verschaffen. Wenn Du den gefunden hast, findest Du ebenfalls bei Wiki meistens sehr viele nützliche Literaturhinweise. Dort kannst Du Dich in die Materie vertiefen.

      lg und Viel Erfolg :)
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    • Sooo...

      Ich bin noch nicht ganz fertig, aber mein Konzept sieht momentan so aus: Ich stelle wie in der Aufgabenstellung die zwei Arten von Klonen samt Chancen und Grenzen dar. Danach möchte ich auf die Anthropologie von Aristoteles Bezug nehmen: vor allem auf den Menschen als "zoon logon echon" (das vernunft- und sprachbegabte Wesen). Dadurch soll die Differenzierung von Mensch, Tier und Pflanze und die Sonderstellung des Menschen eindeutig werden. Anknüpfen möchte ich mit der Menschenwürde nach Kant, die er ja sowohl unter der Autonomie als auch der Vernunft begründet. Hier ist mir die Selbstzweckformel wichtig - das Verbot zur Instrumentalisierung von Menschen. Über den Schluss bin ich mir noch nicht ganz schlüssig, ob es etwas "herausgerissen" wirkt, wenn ich die Präsentation mit Kant beende oder nochmal ein persönliches Fazit ziehe, in dem ich noch auf psychosoziale Auswirkungen auf den Menschen und eine Identitätskrise eingehe, die durch Klonen entstehen würde.
    • Hm, eine abschließende Antwort darauf kann ich Dir natürlich nicht geben, es ist ja Deine Arbeit. Aber so wie ich es beurteile, sieht Dein Konzept ganz gut aus. Tierethik ließe sich vielleicht noch zwischen Kant und Schluß hervor bringen, aber das musst Du selbst einschätzen, wie weit da der zeitliche Rahmen ausreicht.

      lg
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