Dialog mit David Chalmers / Type-B Materialismus

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    • Dialog mit David Chalmers / Type-B Materialismus

      Hallo zusammen,
      kürzlich hatte ich einen Anflug von Hybris und dachte, ein neues Argument gegen den Type-B Materialismus gefunden zu haben. Diese Position ist ja - nach David Chalmers - dadurch gekennzeichnet, dass die epistemische Lücke anerkannt wird und als a priori nicht zu schließen betrachtet wird, trotzdem jedoch ein ontologischer Monismus vorliegt. Im Prinzip wird eine Identität von mentalen und physikalischen Zuständen angenommen, die nur a posterori erkennbar ist.

      Mein Argument basiert dabei auf der empirischen Tatsache, dass wir selbst von unseren eigenen Qualia-Zuständen Kenntnis haben, also davon wissen und dieses Wissen gedanklich weiterverarbeiten können - im Grunde manifestert sich dadurch das Qualiaproblem überhaupt erst. Also angenommen ein P1 in unserem Gehirn (B) ist für eine Rotwahrnehmung verantwortlich. Dann muss es ein P2 in B geben, das aus den rein physikalischen Gegebenheiten von P1 das Vorhandensein der Rot-Quale ableiten kann. In P2 wird also Wissen über die Qualia-Seite von P1 generiert. Und zwar aus den rein physikalischen Eigenschaften von P1. Da ist insofern bemerkenswert, weil P2 im Grund damit das Qualiaproblem bereits gelöst hat. Wir als bewusste Wesen, konstituiert durch B (mit P2 als Teil von B) haben jedoch offensichtlich bewusst keinen Zugang über die Art und Weise, wie P2 das schafft. P2 widerlegt also auch den Type-B Materialismus (dachte ich zumindest), weil P2 als physikalisches/algorithmisches System die Lücke schließt, die eigentlich als "uncloseable" angesehen wird.
      Dazu hatte ich dann einen kurzen Mail-Dialog mit David Chalmers und war erstmal sehr positiv überrascht, überhaupt eine Antwort von ihm zu bekommen! Nach einigen kritischen Nachfragen (ich hatte das ja auf englisch formuliert) sagte er, dass P2 ja nicht unbedingt deduktiv arbeiten müsste... Also im Grunde meint er damit wohl, dass P2 induktiv die Korrelation zwischen dem Auftreten bestimmter physikalischer P1-Eigenschaften und den daraus resultierenden Qualia-Eigenschaften ermittelt, ohne die logischen Zusammenhänge zu kennen. Also keine Widerlegung des Type-B Mat.
      Auf weitere Nachfragen hat er bis jetzt nicht mehr geantwortet, weil er wohl verständlicherweise zu wenig Zeit dafür hat.
      Dazu hab ich mir die letzten Tage noch weitere Gedanken gemacht und möchte das hier mal diskutieren.

      Im Gedankenexperiment kann man sich ja einen funktionalen Isomorphen von P2 und P1 vorstellen, z.B. aus Siliziumchips statt den biologischen Neuronen, ich nenn das mal I(P2) bzw. I(P1). I(P2) hat also ebenso wie P2 Wissen über die Qualia-Eigenschaften von P1, nur anders physikalisch codiert. Wenn I(P1) nun aber keine Qualia hat, also wenn die Identitätstheorie richtig ist, hätte man mit I(B) einen Zombie von B. Das ist interessant, aber für die Argumentation erstmal unwichtig. Entscheidend daran ist, dass I(P2) ausschließlich a priori, also deduktiv aus den P1-Eigenschaften die damit verbundenen Qualia-Eigenschaften ermitteln muss. Ein induktiver Zugang ist ja nicht möglich, weil gar keine Qualia vorhanden sind. Da P2 funktionsgleich mit I(P2) ist, muss also auch P2 deduktiv arbeiten. Falls I(B) Qualia hätte, der Fuktionalismus also richtig wäre, könnte die Generierung in P2 auch induktiv erfolgen. Die Identitätstheorie wäre dann aber falsch.
      Somit kann man sagen: entweder der Type-B Materialismus ist falsch, weil die epistemische Lücke a priori zu schließen ist, oder er ist falsch, weil der Funktionalismus richtig ist.

      Grundannahme für dieses Gedankenexperiment ist ein funktionale/algoritmische Beschreibbarkeit der physikalischen Abläufe. Falls diese nicht gegeben ist, könnte man keinen funktionalen Isomorphen denken. Alles was wir heute aber über Physik wissen (inkl. Quantenphysik) ist funktional beschreibbar.
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