Modernes Töten mit Drohnen?

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    • Modernes Töten mit Drohnen?

      Hallo alle zusammen,

      ich habe nach vielem Mitlesen mich auch mal entschieden, hier anzumelden, weil mich aktuell ein Thema beschäftig: Sollten Staaten wie die USA mit unbemannten Drohnen Terroristen auf Distanz ausschalten dürfen? Findet ihr das moralisch in Ordnung?
    • Hallo juhuhu77,

      willkommen im Forum erst einmal!

      Zum Thema:

      Deine Ausgangsfrage beinhalten meines Erachtens eigentlich gleich zwei Fragen, die getrennt voneinander Betrachtet werden müssen: 1. Darf ein Land Terroristen außerhalb des eigenen Staatsgebiets vermeintliche Terroristen präventiv bekämpfen? und 2. Darf es unbemannte Drohnen einsetzen, um Menschen umzubringen, die eine potentiellle Gefahr darstellen.
      Ich würde schon die erste Frage mit nein beantworten. Sollten im Ausland lebende Terroristen wirklich eine Gefahr darstellen, ist es Aufgabe des Staates, in dem sie sich befinden, mit diesen fertig zu werden. Eine Einmischung von außen könnte höchstens mit Zustimmung dieses Staates gerechtfertigt werden, und auch dann nur, wenn erwiesenermaßen eine Gefahr von ihnen ausgeht (also wenn z. B. 100% sicher ist, dass dieser Terrorist morgen eine Bombe zündet und die tötung die einzige Möglichkeit ist, das zu verhindern). Alles andere verstößt m.E. gegen die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und das Völkerrecht.

      Diese Diskussion um Drohnen finde ich ehrlich gesagt ein bißchen scheinheilig. Schon heute gibt es viele Möglichkeiten, Menschen quasi "auf Knopfdruck" zu töten, und sie werden auch regelmäßig eingesetzt, auch von der Bundeswehr (siehe dieser Tanklasterangriff in Afghanistan vor einiger Zeit). Ich verstehe nicht ganz, warum eine Drohne anders zu behandeln ist als ein Kampfflugzeug, ein Scharfschützengewehr o.ä ausgeklügelte Tötungsmaschinen. Das einzige, was gegen Drohnen spricht, ist ein veraltetes Ideal der Ritterlichkeit, dass Soldaten sich gefälligst Mann gegen Mann erschießen sollen anstatt mit technischen Hilfsmitteln. Anstatt zu versuchen, mit solchen Idealen den Krieg irgendwie zu humanisieren, sollte man lieber versuchen, ihn ganz abzuschaffen.
      Beim Brand der einzigen Bibliothek auf Melmac sind beide Bücher verbrannt. Und eines davon war noch nicht einmal fertig ausgemalt.

      ALF
    • rob wrote:

      Hallo juhuhu77,

      willkommen im Forum erst einmal!

      Zum Thema:

      Deine Ausgangsfrage beinhalten meines Erachtens eigentlich gleich zwei Fragen, die getrennt voneinander Betrachtet werden müssen: 1. Darf ein Land Terroristen außerhalb des eigenen Staatsgebiets vermeintliche Terroristen präventiv bekämpfen? und 2. Darf es unbemannte Drohnen einsetzen, um Menschen umzubringen, die eine potentiellle Gefahr darstellen.
      Ich würde schon die erste Frage mit nein beantworten. Sollten im Ausland lebende Terroristen wirklich eine Gefahr darstellen, ist es Aufgabe des Staates, in dem sie sich befinden, mit diesen fertig zu werden. Eine Einmischung von außen könnte höchstens mit Zustimmung dieses Staates gerechtfertigt werden, und auch dann nur, wenn erwiesenermaßen eine Gefahr von ihnen ausgeht (also wenn z. B. 100% sicher ist, dass dieser Terrorist morgen eine Bombe zündet und die tötung die einzige Möglichkeit ist, das zu verhindern). Alles andere verstößt m.E. gegen die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und das Völkerrecht.

      Diese Diskussion um Drohnen finde ich ehrlich gesagt ein bißchen scheinheilig. Schon heute gibt es viele Möglichkeiten, Menschen quasi "auf Knopfdruck" zu töten, und sie werden auch regelmäßig eingesetzt, auch von der Bundeswehr (siehe dieser Tanklasterangriff in Afghanistan vor einiger Zeit). Ich verstehe nicht ganz, warum eine Drohne anders zu behandeln ist als ein Kampfflugzeug, ein Scharfschützengewehr o.ä ausgeklügelte Tötungsmaschinen. Das einzige, was gegen Drohnen spricht, ist ein veraltetes Ideal der Ritterlichkeit, dass Soldaten sich gefälligst Mann gegen Mann erschießen sollen anstatt mit technischen Hilfsmitteln. Anstatt zu versuchen, mit solchen Idealen den Krieg irgendwie zu humanisieren, sollte man lieber versuchen, ihn ganz abzuschaffen.
      Zum zweiten Punkt mache ich mir häufig Gedanken über Kant bzw. Utilitarismus.
      Kant würde das töten mit Drohnen ja ablehnen, weil der Mensch bzw. das Opfer nur Mittel zum Zweck der Sicherung der eigenen Bevölkerung ist. Auch dürfte man das vorgehen nach dem kategorischen Imperativ auch ablehnen, weil zum einen niemand ein Gesetz haben möchte, mit dem es Staaten erlaubt ist, außerhalb ihres Landes mehr oder weniger "willkürlich" festgelegte Staatsfeinde zu töten. Auch verstöße das Töten ja gegen das Naturgesetz, weshalb es sowieso abgelehnt werden sollte.
      Utilitarismus würde meiner Meinung nach das Töten mit Drohnen erlauben, weil der Vorteil ja der Schutz von Menschenleben bedeuten würde, indem man einen Terroristen ausscheltet. Auch wenn dabei Zivilisten sterben sollten, wäre der Nutzen trotz allem größer als wenn man es unterließe.
    • rob wrote:

      Hallo juhuhu77,
      ...
      Ich verstehe nicht ganz, warum eine Drohne anders zu behandeln ist als ein Kampfflugzeug, ein Scharfschützengewehr o.ä ausgeklügelte Tötungsmaschinen. Das einzige, was gegen Drohnen spricht, ist ein veraltetes Ideal der Ritterlichkeit, dass Soldaten sich gefälligst Mann gegen Mann erschießen sollen anstatt mit technischen Hilfsmitteln. Anstatt zu versuchen, mit solchen Idealen den Krieg irgendwie zu humanisieren, sollte man lieber versuchen, ihn ganz abzuschaffen.


      Hallo rob,

      das Töten mittels Drohnen ist eine Weiterentwicklung des Tötens mit Kampfflugzeugen aus großer Höhe; also eine weitere Steigerung der Distanz zwischen Schütze und Ziel = Mensch/en.
      Diese Distanz dürfte das Töten einfach noch leichter machen.
      Durchaus möglich wäre ein solches Töten mit Drohnen quasi in Heimarbeit. Vom heimischen Sessel aus.
      Aber die Drohnen-Piloten müssen bis jetzt, glaube ich, noch "ins Büro" gehen. Von 8 bis 16 Uhr.

      Dann ist es ja so, das man mit Drohnen auch Leute observieren kann. Ob jetzt bis zum Schuss oder nur zum Beobachten/Überwachen. Und das weltweit.
      Positiv: Angeblich haben Leute in Istanbul den umkämpften Platz und die Vorgehensweise der Polizei mit Drohnen beobachtet.
      Letztere hat dann eine Drohne abgeschossen.

      Wer sollte den Krieg abschaffen? Und wie sollte das gehen?
      Wenn wir Sprache und Denken aufgeben, können wir über alles hinausgehen. (Meister Sosan)
      „Langfristig gesehen sind wir alle tot“ (Meister Keynes)
      "Wenn der, der zuhört, nicht weiß, was der, der spricht, meint, und der, der spricht, nicht weiß, was sein Sprechen bedeutet - das ist Philosophie". (Voltaire zugeschrieben)
    • juhuhu77 wrote:



      Zum zweiten Punkt mache ich mir häufig Gedanken über Kant bzw. Utilitarismus.
      Kant würde das töten mit Drohnen ja ablehnen, weil der Mensch bzw. das Opfer nur Mittel zum Zweck der Sicherung der eigenen Bevölkerung ist. Auch dürfte man das vorgehen nach dem kategorischen Imperativ auch ablehnen, weil zum einen niemand ein Gesetz haben möchte, mit dem es Staaten erlaubt ist, außerhalb ihres Landes mehr oder weniger "willkürlich" festgelegte Staatsfeinde zu töten. Auch verstöße das Töten ja gegen das Naturgesetz, weshalb es sowieso abgelehnt werden sollte.
      Utilitarismus würde meiner Meinung nach das Töten mit Drohnen erlauben, weil der Vorteil ja der Schutz von Menschenleben bedeuten würde, indem man einen Terroristen ausscheltet. Auch wenn dabei Zivilisten sterben sollten, wäre der Nutzen trotz allem größer als wenn man es unterließe.


      Mit Utilitarismus lässt sich alles legitimieren.
      Utilitarismus verdunkelt die Sache, um die es geht.
      Er entmündigt das Gewissen und ist die Basis für das Handeln der Ideologen (Hitler, Bush) und Technokraten (Obama).
      Sie woll(t)en alle das Beste. Nur das Beste.
      Utilitarismus negiert zumindest die Würde der Zielpersonen.
      Wenn wir Sprache und Denken aufgeben, können wir über alles hinausgehen. (Meister Sosan)
      „Langfristig gesehen sind wir alle tot“ (Meister Keynes)
      "Wenn der, der zuhört, nicht weiß, was der, der spricht, meint, und der, der spricht, nicht weiß, was sein Sprechen bedeutet - das ist Philosophie". (Voltaire zugeschrieben)
    • Hancock wrote:


      das Töten mittels Drohnen ist eine Weiterentwicklung des Tötens mit Kampfflugzeugen aus großer Höhe; also eine weitere Steigerung der Distanz zwischen Schütze und Ziel = Mensch/en.


      Es ist zusätzlich auch noch eine große Steigerung der Distanz zwischen Schütze und Tötungswerkzeug. Das ist insofern relevant, das der Soldat als Ausführer von Tötungen immer weniger gebraucht wird, sondern vielmehr als derjenige der eine Freund/Feindkennung macht.
      Und das ist ein großer Unterschied zu anderen konventionellen Waffen. Nicht nur die mögliche Entwicklung automatisierter Angriffe, sondern vorallem die Wahrnehmung solcher Schlachtfelder, bzw. das Verschwinden dieser. Kriege die nur noch vor Flatscreens ablaufen, sind eben deshalb anders weil die Gefahr besteht das solche dann gar nicht mehr auf dem Schirm einer Gesellschaft auftauchen. Nebst das die Hemmschwelle jemanden einfach nur noch als Feind zu markieren und somit auch zu töten, sehr gering seien dürfte wenn es sich nur um relativ abtrakte Darstellung in Pixelform handelt.
    • Hancock wrote:

      juhuhu77 wrote:



      Zum zweiten Punkt mache ich mir häufig Gedanken über Kant bzw. Utilitarismus.
      Kant würde das töten mit Drohnen ja ablehnen, weil der Mensch bzw. das Opfer nur Mittel zum Zweck der Sicherung der eigenen Bevölkerung ist. Auch dürfte man das vorgehen nach dem kategorischen Imperativ auch ablehnen, weil zum einen niemand ein Gesetz haben möchte, mit dem es Staaten erlaubt ist, außerhalb ihres Landes mehr oder weniger "willkürlich" festgelegte Staatsfeinde zu töten. Auch verstöße das Töten ja gegen das Naturgesetz, weshalb es sowieso abgelehnt werden sollte.
      Utilitarismus würde meiner Meinung nach das Töten mit Drohnen erlauben, weil der Vorteil ja der Schutz von Menschenleben bedeuten würde, indem man einen Terroristen ausscheltet. Auch wenn dabei Zivilisten sterben sollten, wäre der Nutzen trotz allem größer als wenn man es unterließe.


      Mit Utilitarismus lässt sich alles legitimieren.
      Utilitarismus verdunkelt die Sache, um die es geht.
      Er entmündigt das Gewissen und ist die Basis für das Handeln der Ideologen (Hitler, Bush) und Technokraten (Obama).
      Sie woll(t)en alle das Beste. Nur das Beste.
      Eigentlich nein. Da der Utilitarismus ein Konsequentialismus ist, können Hitler, Bush und Obama gewollt haben was sie wollen, entscheidend ist nur das Resultat der Handlungen, das sich objektiv bewerten lässt, wie z.B. dass viele Juden leiden mussten.
      "Reine, pure Physiker sind in der Tat nur die Tiere, da diese nicht denken, wohingegen der Mensch, als ein denkendes Wesen, ein geborener Metaphysiker ist." - Hegel
    • Trev wrote:

      Hancock wrote:

      juhuhu77 wrote:



      Zum zweiten Punkt mache ich mir häufig Gedanken über Kant bzw. Utilitarismus.
      Kant würde das töten mit Drohnen ja ablehnen, weil der Mensch bzw. das Opfer nur Mittel zum Zweck der Sicherung der eigenen Bevölkerung ist. Auch dürfte man das vorgehen nach dem kategorischen Imperativ auch ablehnen, weil zum einen niemand ein Gesetz haben möchte, mit dem es Staaten erlaubt ist, außerhalb ihres Landes mehr oder weniger "willkürlich" festgelegte Staatsfeinde zu töten. Auch verstöße das Töten ja gegen das Naturgesetz, weshalb es sowieso abgelehnt werden sollte.
      Utilitarismus würde meiner Meinung nach das Töten mit Drohnen erlauben, weil der Vorteil ja der Schutz von Menschenleben bedeuten würde, indem man einen Terroristen ausscheltet. Auch wenn dabei Zivilisten sterben sollten, wäre der Nutzen trotz allem größer als wenn man es unterließe.


      Mit Utilitarismus lässt sich alles legitimieren.
      Utilitarismus verdunkelt die Sache, um die es geht.
      Er entmündigt das Gewissen und ist die Basis für das Handeln der Ideologen (Hitler, Bush) und Technokraten (Obama).
      Sie woll(t)en alle das Beste. Nur das Beste.
      Eigentlich nein. Da der Utilitarismus ein Konsequentialismus ist, können Hitler, Bush und Obama gewollt haben was sie wollen, entscheidend ist nur das Resultat der Handlungen, das sich objektiv bewerten lässt, wie z.B. dass viele Juden leiden mussten.


      Die Nazis erklärten, dass das Töten von Juden nützlich sei, weil Juden schädlich für die Deutschen, ja für die Menschheit überhaupt wären.
      Das ist die ideologisch/technokratische Nutzenfunktion des Utilitarismus.
      Obama sagt, das Töten von Menschen durch Drohnen sei nützlich, weil diese andere Menschen töten wollten.
      Auch hier die in diesem Fall unüberprüfbare Nutzenfunktion.
      Getötet, weil schädlich.
      Mit diesen Tricks wird eine ganze Menge in den Köpfen außer Kraft gesetzt.
      Die Menschen wurden/werden als Person negiert.
      Wenn wir Sprache und Denken aufgeben, können wir über alles hinausgehen. (Meister Sosan)
      „Langfristig gesehen sind wir alle tot“ (Meister Keynes)
      "Wenn der, der zuhört, nicht weiß, was der, der spricht, meint, und der, der spricht, nicht weiß, was sein Sprechen bedeutet - das ist Philosophie". (Voltaire zugeschrieben)
    • Hancock wrote:

      Trev wrote:

      Hancock wrote:

      juhuhu77 wrote:



      Zum zweiten Punkt mache ich mir häufig Gedanken über Kant bzw. Utilitarismus.
      Kant würde das töten mit Drohnen ja ablehnen, weil der Mensch bzw. das Opfer nur Mittel zum Zweck der Sicherung der eigenen Bevölkerung ist. Auch dürfte man das vorgehen nach dem kategorischen Imperativ auch ablehnen, weil zum einen niemand ein Gesetz haben möchte, mit dem es Staaten erlaubt ist, außerhalb ihres Landes mehr oder weniger "willkürlich" festgelegte Staatsfeinde zu töten. Auch verstöße das Töten ja gegen das Naturgesetz, weshalb es sowieso abgelehnt werden sollte.
      Utilitarismus würde meiner Meinung nach das Töten mit Drohnen erlauben, weil der Vorteil ja der Schutz von Menschenleben bedeuten würde, indem man einen Terroristen ausscheltet. Auch wenn dabei Zivilisten sterben sollten, wäre der Nutzen trotz allem größer als wenn man es unterließe.


      Mit Utilitarismus lässt sich alles legitimieren.
      Utilitarismus verdunkelt die Sache, um die es geht.
      Er entmündigt das Gewissen und ist die Basis für das Handeln der Ideologen (Hitler, Bush) und Technokraten (Obama).
      Sie woll(t)en alle das Beste. Nur das Beste.
      Eigentlich nein. Da der Utilitarismus ein Konsequentialismus ist, können Hitler, Bush und Obama gewollt haben was sie wollen, entscheidend ist nur das Resultat der Handlungen, das sich objektiv bewerten lässt, wie z.B. dass viele Juden leiden mussten.


      Die Nazis erklärten, dass das Töten von Juden nützlich sei, weil Juden schädlich für die Deutschen, ja für die Menschheit überhaupt wären.
      Das ist die ideologisch/technokratische Nutzenfunktion des Utilitarismus.
      Obama sagt, das Töten von Menschen durch Drohnen sei nützlich, weil diese andere Menschen töten wollten.
      Auch hier die in diesem Fall unüberprüfbare Nutzenfunktion.
      Getötet, weil schädlich.
      Mit diesen Tricks wird eine ganze Menge in den Köpfen außer Kraft gesetzt.
      Die Menschen wurden/werden als Person negiert.
      Mit echtem Utilitarismus hat das nichts mehr zu tun. Zum Nutzen des eigenen Volks ist da wohl die wahre Begründung. Die Gesamtmenge an Glück wird ja erheblich geschädigt, wenn man einfach welche umbringt. Ein gewissenhafter Utilitarist, der nicht nur die Bevorteilung des eigenen Regimes zum Ziel hätte, würde das einkalkulieren.
      Solche "Tricks" mit einem Utilitarismus gleichzusetzen tut ihm unrecht. Wert hat der Mensch im Utilitarismus natürlich nur durch seine Glücks-/Leidensfähigkeit.
      "Reine, pure Physiker sind in der Tat nur die Tiere, da diese nicht denken, wohingegen der Mensch, als ein denkendes Wesen, ein geborener Metaphysiker ist." - Hegel
    • Man kann dem Utilitarismus Unrecht tun?
      Wie das?
      Ist der U. ein Wesen?
      Wenn wir Sprache und Denken aufgeben, können wir über alles hinausgehen. (Meister Sosan)
      „Langfristig gesehen sind wir alle tot“ (Meister Keynes)
      "Wenn der, der zuhört, nicht weiß, was der, der spricht, meint, und der, der spricht, nicht weiß, was sein Sprechen bedeutet - das ist Philosophie". (Voltaire zugeschrieben)
    • Trist wrote:

      Kriege die nur noch vor Flatscreens ablaufen, sind eben deshalb anders weil die Gefahr besteht das solche dann gar nicht mehr auf dem Schirm einer Gesellschaft auftauchen. Nebst das die Hemmschwelle jemanden einfach nur noch als Feind zu markieren und somit auch zu töten, sehr gering seien dürfte wenn es sich nur um relativ abtrakte Darstellung in Pixelform handelt.
      Gerade die Technisierung der Kriegsgeräte ist zumindest eine Möglichkeit den Kriegsverlauf transparenter zu machen(Videoprotokollierung der Einsätze), die natürlich politisch wohl nicht unbedingt genutzt werden wird. Ein Krieg, der entschieden ist, wenn die Kriegsgeräte einer Seite zerstört sind, finde ich zumindest im Verlauf wesentlich humaner als das millionenfache Verpulvern von Infantrieregimenten. Ob dann an der besiegten Seite schwere Kriegsverbrechen ausgeübt werden, ist weniger eine Frage der Mittel sondern eher der Absicht der Machthaber.
    • Zikrunumea wrote:

      Ein Krieg, der entschieden ist, wenn die Kriegsgeräte einer Seite zerstört sind, finde ich zumindest im Verlauf wesentlich humaner als das millionenfache Verpulvern von Infantrieregimenten.


      Heutige Kriege werden mitnichten entschieden, durch die Zerstörung von Kriegsgeräten. Im Irak und auch im Afgahnistankrieg wurde die militärische Infrastruktur innerhalb von Wochen zerstört, die Besatzung dieser Gebiete ist die wesentliche Weiterführung des Krieges. Und da die Amerikaner sich nicht ewig dort aufhalten können, sind die Drohnen ein Teil der Strategie dort weiterhin präsent zu sein. Uns das wird auch "nötig" sein weil die dort soviele amerikanische Waffen sind, das es logistisch nicht möglich ist diese alle wieder mit nach Hause zu nehmen. Die Taliban reiben sich da sicherlich schon die Hände.
      Kurzum wird es da noch für Jahrzehnte zu sehr blutigen Kriegseinsätzen kommen und das lass ich mir nicht als relativ humanen Präzisionskrieg verkaufen.
    • Trist wrote:

      [...] Die Taliban reiben sich da sicherlich schon die Hände.
      Kurzum wird es da noch für Jahrzehnte zu sehr blutigen Kriegseinsätzen kommen und das lass ich mir nicht als relativ humanen Präzisionskrieg verkaufen.
      Wäre es ohne die Drohnen humaner? Wäre es im Resultat humaner den Taliban mit der Motivationskarotte der Tötungsmöglichkeit von mehr Soldaten aus Fleisch und Blut zu winken und so die Konfliktsituation länger aufrecht zu erhalten?
    • Trist wrote:

      Glaubst du das, wenn die Soldaten aus Afgahnisten raus sind, es den Taliban an Motivation fehlt weiter zu töten?

      DIe Soldaten werden so oder so abgezogen, und die Möglichkeit danach weiterhin noch viele Menschen mit Drohnen zu töten ist nicht humaner als es halt nicht zu tun.
      Ich bezweifle mal, dass die Entscheidung des Abzugs unabhängig von der Möglichkeit der Drohneneinsätze war. Und ich behaupte, dass die Taliban durch den Einsatz der Drohnen sich einerseits sehr bedeckt halten müssen und da ihr verbleibender Feind nur noch die irakische Armee ist, fällt andererseits auch der kultur-xenophobe Zulaufsfaktors weg - sich vor Drohnen verstecken zu müssen, hat wenig von einem heldenhaften Dschihad.
    • Zikrunumea wrote:

      Ich bezweifle mal, dass die Entscheidung des Abzugs unabhängig von der Möglichkeit der Drohneneinsätze war


      Das war die Pointe, die Möglichkeit der Drohneneinsätze bedeutet nur noch mehr Tote.

      Zikrunumea wrote:

      Und ich behaupte, dass die Taliban durch den Einsatz der Drohnen sich einerseits sehr bedeckt halten müssen und da ihr verbleibender Feind nur noch die irakische Armee ist, fällt andererseits auch der kultur-xenophobe Zulaufsfaktors weg - sich vor Drohnen verstecken zu müssen, hat wenig von einem heldenhaften Dschihad.



      Genau das Gegenteil ist der Fall, die Freund-Feindkennung ist eines der Hauptprobleme bei diesen Krieg. Die Taliban laufen schließlich nicht in Uniform rum, sondern wie Zivilisten. Und was schon mit Soldaten vor Ort schon schwierig ist, wird sicher nicht einfacher wenn man am anderen Ende der Welt sitzt. Und wenn die Drohnen konstant für Collateralschäden sorgen, werden die Taliban sicher auch keine so großen Probleme mit dem Nachwuchs haben.
    • Trist wrote:

      Das war die Pointe, die Möglichkeit der Drohneneinsätze bedeutet nur noch mehr Tote.
      Das ist eine völlig willkürliche Kausalbetrachtung. Ohne die Drohnen würden sich die USA einfach aus der bürgerkriegsbedrohten Situation einfach raushalten und die Taliban auf den Bürgerkrieg verzichten? Zumal sie jetzt insbesondere wesentliche bessere Versammlungsmöglichkeiten hätten.

      Trist wrote:

      Genau das Gegenteil ist der Fall, die Freund-Feindkennung ist eines der Hauptprobleme bei diesen Krieg. Die Taliban laufen schließlich nicht in Uniform rum, sondern wie Zivilisten. Und was schon mit Soldaten vor Ort schon schwierig ist, wird sicher nicht einfacher wenn man am anderen Ende der Welt sitzt. Und wenn die Drohnen konstant für Collateralschäden sorgen, werden die Taliban sicher auch keine so großen Probleme mit dem Nachwuchs haben.
      Meinst du, dass ein Kampfjetpilot eine bessere Feinderkennung habe, als ein Mann in einer sicheren Steuerzentrale, dem inzwischen die ein oder andere biometrische Hilfssoftware zur Verfügung steht? Es ist ein standardmäßiges Vorgehen jeder radikal-islamistischen Guerilla den Feind zu Kollateralschäden zu zwingen, ob sie durch Drohnen mit Feinderkennung in einer kontrollierten Steuerzentrale oder von Adrenalin-gepushten Soldaten vor Ort passiert. Desweiteren ist längst nicht jeder Zulaufende ein Kriegsgeschädigter, sondern wie man es rückblickend noch vom sowjetischen Einmarsch kennt, sind viele Söldner und 'Dschihadtouristen' aus dem gesamten arabischen Raum. Genau diese Leute waren und sind die problematischste Teilgruppe der Taliban und gerade sie würde man so eher abschrecken.
    • Zikrunumea wrote:

      Es ist ein standardmäßiges Vorgehen jeder radikal-islamistischen Guerilla den Feind zu Kollateralschäden zu zwingen, ob sie durch Drohnen mit Feinderkennung in einer kontrollierten Steuerzentrale oder von Adrenalin-gepushten Soldaten vor Ort passiert.



      Ich will nicht behaupten das in Afgahnistan sehr viel Wert darauf gelegt wird Ziviltote zu vermeiden. Aber wenn man es denn vorhätte dann würde eine Freund-Feindkennung in Zusammenarbeit mit den Einheimischen bestehen. Und der Einsatz von Drohnen zielt tendenziell eben in eine andere Richtung. Ich sehe zumindest nicht wie unbemannte Maschinen einen Krieg humaner machen sollen.
    • Trist wrote:

      Ich will nicht behaupten das in Afgahnistan sehr viel Wert darauf gelegt wird Ziviltote zu vermeiden.
      Die Sowjets waren eine ganz normale Supermacht, die sich auch im Rahmen ihrer Mittel um die Zusammenarbeit der Zivilbevölkerung bemühte(überhaupt hat die SSSR sich nur widerwillig auf Drängen der Spitze der "demokratischen Republik Afghanistan" eingemischt) und schon damals - wie die USA heute - einsehen müssen, dass die kulturell-ideologische Kluft zu groß war, für jede Art von verbindlicher Allianz.

      Trist wrote:

      Ich sehe zumindest nicht wie unbemannte Maschinen einen Krieg humaner machen sollen.
      - Wenn eine Drohne abgeschossen wird, stirbt ein Menschen weniger als bei einem Kampfjet.
      - Wenn beide Seiten fast ausschließlich mit Maschinen in den Krieg ziehen, sterben sehr viel weniger Menschen im Rahmen der Kampfhandlungen.
      (Ausgehend davon, dass irgendwann die unbemannten Kriegsgeräte eine derart leistungsfähige Zielerkennungs-/-fixierungssoftware/Sensoren haben werden, dass kein Normalsoldat mithalten könnte, ist es nur folgerichtig, dass die Büchse der Pandora so oder so irgendwann geöffnet werde.)

      The post was edited 1 time, last by Zikrunumea ().

    • Zikrunumea wrote:

      - Wenn beide Seiten fast ausschließlich mit Maschinen in den Krieg ziehen, sterben sehr viel weniger Menschen im Rahmen der Kampfhandlungen.


      Also wenn zwei Nationen (z.B. Russland und Amerika) die technisch in der Lage sind sich gegenseitig mit Drohnen zu attakieren, einen Krieg führen, da sollen dann weniger Menschen sterben? wtf?

      Ich habs zwar schon erwähnt, aber gerne nochmal. Drohnen verhindern zwar das die Piloten sterben, aber im allg. vereinfachen sie das Töten und mir ist schleierhaft warum man sich das schön reden will.