Hegels Dialektik der Anerkennung

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    • Hegels Dialektik der Anerkennung

      Hallo,



      ich muss für die Uni ein Referat zu Hegels Dialektik der Anerkennung
      halten. Leider stellt mich der Text vor gerade unüberbrückbare,
      kognitive Hürden.



      Kann vielleicht ein fachkundiger Forist meinen Gehirnmotor ein wenig Anschubhilfe geben und so vielleicht zum Laufen bringen?



      LG, K.
    • ... dialektisches ...

      Hi Katharina,

      Wir wären natürlich vor allem auch an einer Dialektik mit Dir interessiert, deshalb versuch mal uns zu animieren. :)

      Gemäß der Herr-Knecht-Dialektik, die Hegel entwarf, lag der Schlüssel für die Emanzipation in der Selbstorganisation der knechtischen Arbeit, mittels derer man sich den Dingen näher wähnen konnte als der Herr, der nicht wagte zu wägen, was geschah: Der bäuerliche Knecht erlangte sein Selbstbewußtsein aus der Verinnerlichung der Herrschaft, die ihn an die Dinge fesselte und die Bearbeitung der Dinge: die Arbeit aufzwang.

      Die Selbständigkeit des Knechts resultierte aus dem Wissen über die Dinge, das nur der erhielt, der die Dinge auch bearbeitete. Der Grundherr erstarrte indes zu einem Befehlsgeber, der mit Gewalt über das Wissen herrschte, aber nichts von den Dingen verstand, und verarmte geistig. Er verfügte zwar über Genuß und Kommando, aber er bildete nichts, denn Bildung war die gegenständliche Seite der Arbeit. Der Herr aber arbeitete nicht: er ließ arbeiten. - Und der Knecht arbeitete sich frei. Er vollbrachte dies durch die Verinnerlichung der Herrschaft und probte den Aufstand, bis er allmählich eine Verrechtlichung, d.h. Verbürgerlichung der menschlichen Beziehungen erreichte.

      Hegels Herr-Knecht-Dialektik kann als das Herzstück seiner Philosophie begriffen werden. Die emanzipative Dimension, die sich aus ihr ergibt, basiert auf dem Wesen der geteilten Arbeit; sie sollte allerdings, immanent betrachtet, nur sekundär auf die realen Verhältnisse bezogen werden. Man mißachtete Hegels Idealismus, hypostasierte man von vornherein den Geist als Gesellschaft. Dann käme Hegels intendierte Reihenfolge durcheinander: Denn Befreiung vollzog sich zunächst nur im Begriff, und die Sache selbst, die Realität mußte nach ihrem Begriffe streben. Marxens Kritik an der Hegelschen Dialektik, die noch vom Kopf auf die Füße gestellt werden mußte, setzte bekanntlich genau dort an.

      Diese Dialektik ist seitdem nicht außer Kraft gesetzt, wenn auch die allermeisten Prozesse in unserer Gesellschaft institutionalisiert, verrechtlicht und bürokratisiert ablaufen, und deshalb der Kampf um Anerkennung nicht mehr in dieser Schärfe von jedem Einzelnen zu führen ist. Die Gesellschaft ist dennoch für den Einzelnen eine Arena, in der sich persönliches wie kollektives Fortkommen - auch gesellschaftlicher Fortschritt - nach der Dialektik von Herr und Knecht vollzieht.


      Quelle


      Man kann dies auch als Dialektik von Konkurrenz und Kooperation betrachten, bzw. es enthält überschneidende Teilmengen.


      mag Philzer


      ( die Dialektik mit meiner Frau bspw. ergab vor wenigen Minuten den Hinweis, ich sollte doch mag durch mwg (mit weltfremden Grüßen) ersetzen :) )
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Hallo,

      danke für die rasche und umfangreiche Antwort.

      Der Textauszug liest sich, obwohl am Ende darauf hingewiesen, wie das Manuskript zum Kommunistischen Manifest. Zum mindestens um diese Erkenntnis bin ich jetzt reicher; ein kleines Stück wenigestens: Was es mit dem Berühmten "Vom Kopf auf die Füße stellen" auf sich hat.

      Wenngleich im letzten Abschnitt explizit auf die Anerkennung verwiesen wird, ist mir immer noch nicht klar, was das alles mit Dialektik und dazu noch mit einer Dialektik der Anerkennung zu tun hat.

      Es scheint mir, als ob ich ein besonders begriffsstutziges Exemplar der menschlichen Gattung bin ;(
    • Watt schrieb:

      Wir könnten versuchen, diesen Text zu diskutieren:

      google.de/url?sa=t&rct=j&q=heg…thIOnJUwfWMTWhFPK8-X2dlQg

      Sehr guter Textvorschlag:
      Wibke Rogge, TU Berlin, Institut für Philosophie

      Exposé zur Promotion

      Arbeitstitel:
      Hegels Begriff der Anerkennung als Modell für eine Gesellschaftstheorie der Gegenwart

      Damit sollte die Anfragerin prima bedient sein (sind acht Seiten).
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Fliege schrieb:

      Watt schrieb:

      Wir könnten versuchen, diesen Text zu diskutieren:

      google.de/url?sa=t&rct=j&q=heg…thIOnJUwfWMTWhFPK8-X2dlQg

      Sehr guter Textvorschlag:
      Wibke Rogge, TU Berlin, Institut für Philosophie

      Exposé zur Promotion

      Arbeitstitel:
      Hegels Begriff der Anerkennung als Modell für eine Gesellschaftstheorie der Gegenwart

      Damit sollte die Anfragerin prima bedient sein (sind acht Seiten).


      War ein Fehlgriff. Sorry.
    • Watt schrieb:

      War ein Fehlgriff. Sorry.

      Weshalb? Auf Ideen kommt die Anfragerin bestimmt anhand des Textes.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Leute, es soll eine Dialektik der Anerkennung geben... Entwder Ihr sagt speziell etwas dazu, oder Ihr lasst es. Mir jedenfalls sind bei Hegel eine ganze Reihe von dialektischen Denkfiguren bekannt, aber eine dialektische Denkfugur der Anerkennung? Noch nie gehört... Gruß Joachim Stiller Münster

      Wenn ich jetzt reden sollte, wie mir der Schnabel gewachsen ist, würde das jetzt zu Mord und Totschlag führen... Für mich zeigt das Beispiel der Fragestellerin mal wieder das ganze Ausmaß des 'Desasters des deutschen Bildungswesens, vor allem im Sinne der leider vorherrschenden, und staatlich verortneten Gehrinwächepolitik....

      Dialektik der Anerkennung: Da muss man natürlich wissen, wass die Komponenten sind, also was These, was Antithese und was Synthese ist... Ich habe keine Ahnung. Hat denn der Herr Professor Gehirnwäscheakademiker auch gesagt, in welchem Werk von Hegel man die dialektische Denkfigur des Anerkennung findet? Wenn ja, bräuchte die Fragestellerin das Werk ja nur noch lesen... Gruß Joachim Stiller Münster

      Mein Problem bleibt allerdings bestehen: Anerkennung ist kein Philosophischer Begriff... Gruß Joachim STiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()

    • ein schwerer Text

      Fliege schrieb:





      Zitat von »Watt«



      War ein Fehlgriff. Sorry.

      Weshalb? Auf Ideen kommt die Anfragerin bestimmt anhand des Textes.

      Ein Fehlgriff war es sowieso nicht, man muss nur den Text, also den Text von Wibke Rogge, verstehen.
      Wenn er sich der Anfragerin erschliesst, ist alles gut und der Thread hätte sich für sie gelohnt.

      Allein, ich habe den Text nicht verstanden, genausowenig, wie ich schon das Vorwort zum
      Axel Honneths Buch "Kampf um Anerkennung" verstanden habe. Wie ein solches
      Expertengespräch mit schwer enträtselbaren Intentionen und Voraussetzungen
      zu einer "normativ gehaltvollen Gesellschaftstheorie" der Gegenwart führen soll, ist mir daher nicht klar.
      Für ein Exposee zur Promotion wird es wahrscheinlich reichen.

      Der Text hat mich deshalb neugierig gemacht, weil sich die Autorin (Wibke Rogge) am Ende ihrer
      Ausführungen von der Aufarbeitung der Hegelschen Anerkennungstheorie ziemlich viel verspricht:

      - ein Mehr an individuellen Entwicklung für die im reziproken Prozess der Vermittlung befindlichen Subjekte,

      - ein Mehr an Identifikation mit der Gemeinschaft ohne dabei Selbstverluste zu erleiden,

      - einen gehaltvollen Freiheitsbegriff, der der Subjektivität als Form von sozialer Existenz Rechnung trägt.

      (Na gut, wenn hier im Thread nur "rein auf Individualisierung bedachten Subjekte" zusammen gekommen sind,
      werde ich auf Lesehilfe wahrscheinlich lange warten müssen.)
      Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
      Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

      (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)
    • Joachim Stiller schrieb:

      Also ist das Ganze nur Studentenverarschung??? Ich studeriere die Philosophie jetzt praktisch im 20. Jahr, und ich habe nicht den Schimmer einer Ahnung, worum es hier geht. Ich jedenfalls würde mir in jeder Hinsicht verarscht vorkommen... Gruß Joachim Stiller Münster

      Stiller: shut up ...
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • byLaszlo schrieb:

      (Na gut, wenn hier im Thread nur "rein auf Individualisierung bedachten Subjekte" zusammen gekommen sind,
      werde ich auf Lesehilfe wahrscheinlich lange warten müssen.)

      Du kannst ja einmal eine größere Textstelle herausstellen, die dich interessiert oder die du nicht verstehst, vielleicht wird sich eine Diskussion daraus entspinnen.
    • Joachim Stiller schrieb:

      @ Fliege [...]

      Sorry für den Fall, dass ich mal zu drastisch formuliere. Allerdings ist da heute wieder etwas aufgetreten, nämlich deine Spam-Orgie im Wi-Phi-Thread "Davidson" (von hier aufwärts). Es ist ein Leid und eine Plage ...
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Watt schrieb:

      byLaszlo schrieb:

      (Na gut, wenn hier im Thread nur "rein auf Individualisierung bedachten Subjekte" zusammen gekommen sind,
      werde ich auf Lesehilfe wahrscheinlich lange warten müssen.)

      Du kannst ja einmal eine größere Textstelle herausstellen, die dich interessiert oder die du nicht verstehst, vielleicht wird sich eine Diskussion daraus entspinnen.

      Wibke Rogge


      1 Projektbeschreibung


      Hegels Theorie der Anerkennung soll hinsichtlich ihrer Bezüge zu ihren Ursprüngen in der Philosophie Fichtes untersucht werden, umsie in einer subjektphilosophischen Perspektive betrachten zu können. So gedeutet bietet sie das Potential, um gegenwärtige Handlungstheorien zu modifizieren und die Situation des Individuums in seiner Gesellschaft neu zu positionieren. Entgegen einer fortschrittshistorischen Lesart, soll eine derart begründete Interpretationder Anerkennung die Frage nach einer Begegnung der Subjekte, welchen Intentionalität im Handeln zugeschrieben wird, behandeln. Die schwierige Lage, der gegenwärtigen Diskussion um Anerkennung als einer Forderung nach Gleichberechtigung bei gleichzeitiger indivi-dueller Pluralität kann so in einem neuen Licht betrachtet werden.





      ich denke, dass für mich schon die Projektbeschreibung genug Unklarheiten enthält:

      - was bleibt aus der Hegelschen Anerkennungstheorie, wenn sie in subjektphilosopische Perspektive
      betrachtet wird ? Nur in solcher Deutung sei sie (die Anerkennungstheorie) geeignet die
      gegenwärtige Handlungstheorien zu modifizieren.

      - was fehlt den letzteren so, dass sie eine Modifikation bedürfen ?

      - was heißt hier "fortschritthistorische Lesart" ? Sollten die Fortschritte, die Hegels Anerkennungstheorie
      nach seiner Auseinandersetzung mit Fichte macht - etwa im Kapitel "Selbstständigkeit und Unselbstständigkeit
      des Selbstbewusstseins" (Phänomenologie des Geistes) - augeblendet bleiben ? (meine Erklärung ist dafür:
      Handlungstheorie will eben keine Gesellschaftstheorie sein)

      - wie man (gegenseitige) Anerkennung "als einer Forderung nach Gleichberechtigung bei gleichzeitiger
      indivi-dueller Pluralität" in einer Handlungstheorie unterbringen will, ist mir nicht klar (oder habe falsche
      Vorstellungen von Handlungstheorien).

      Ich weiß nicht, wie daraus eine Diskussion entstehen soll aber ich meine, dass derartige "Schnittstellensuche"
      zwischen theoretische und praktische Philosopie nicht mehr erwähnt, dass sie "eine Uminterpretation des Modells
      eines ursprünglichen Kampfes" sein will "mit dem Thomas Hobbes im Anschluss an Machiavelli die Geschichte der
      neuzeitlichen Sozialphilosophie eröffnet hatte" ( Axel Honneth)
      Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
      Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

      (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)
    • byLaszlo zitiert Wibke Rogge schrieb:

      Hegels Theorie der Anerkennung soll hinsichtlich ihrer Bezüge zu ihren Ursprüngen in der Philosophie Fichtes untersucht werden

      Da müsste man also zunächst einmal den Ursprüngen bei Fichte nachspüren. Das wäre mit Arbeit verbunden. Aber vielleicht könnte diese Tätigkeit ja die Thread-Starterin übernehmen und wir könnten ihr etwa beim Durchforsten der Wissenschaftslehre behilflich sein (falls man dort fündig werden kann).