Ist der Mensch verantwortlich für sein Handeln?

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    • OSchubert schrieb:

      novon schrieb:

      Hmm... Wie ich es nun verstanden habe, geht Alltags Einwurf dahin, einen Formalismus einzuführen, um das Problemfeld schärfer abbilden/eingrenzen zu können.

      ...was mich darüber hinaus darauf schließen lässt, das der Einwurf im Kontext des Threads dahingehend zu interpretieren wäre, dass Alltag zum Ausdruck bringen möchte, dass gewisse Denkbewegungen darin quasi den Kern des Themas um einiges verfehlen... :)
      ...und dieser läge demnach genau in der Untersuchung besagter Blackbox.

      Ob das tatsächlich möglich ist, wage ich zu bezweifeln. Ebenso, ob das so überhaupt zutrifft. Verantwortung würde ich eher anderen Kontexten zuordnen. Neben einer absoluten Determinierthait käme mir z. B. auch noch eine soziale in den Sinn, die der Erwägung eventuell wert wäre.
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von novon ()

    • novon schrieb:

      Neben einer absoluten Determinierthait käme mir z. B. auch noch eine soziale in den Sinn, die der Erwägung eventuell wert wäre.
      Also sozial determinierte Verantwortung meines Handelns? Dann könnte man es als eine Art selbstreferenzielles System betrachten: Weil ich Teil des sozialen Systems bin entsteht Verantwortung für mein Handeln durch das soziale System von dem ich Teil bin und dadurch das meine Handlungen Konsequenzen für mich und jedes andere Teil des Systems nach sich ziehen. ?(

      Ist jetzt irgendwie ein bisschen wie Brainstorming (oder sagt man das heutzutage nicht mehr?). ^^
      Worauf gezeigt wird, ist unabhängig davon was darüber gedacht wird, nicht was darunter verstanden wird.
    • OSchubert schrieb:

      novon schrieb:

      Neben einer absoluten Determinierthait käme mir z. B. auch noch eine soziale in den Sinn, die der Erwägung eventuell wert wäre.
      Also sozial determinierte Verantwortung meines Handelns?

      Eventuell. Du sprachst von einer Determination der Wünsche. Da würde ich soziale Aspekte unbedingt mit einbeziehen wollen.
      Verantwortung kann ich eigentlich auch nur im Kontext des Sozialen denken. Wie siehst du das?

      OSchubert schrieb:

      Dann könnte man es als eine Art selbstreferenzielles System betrachten: Weil ich Teil des sozialen Systems bin entsteht Verantwortung für mein Handeln durch das soziale System von dem ich Teil bin und dadurch das meine Handlungen Konsequenzen für mich und jedes andere Teil des Systems nach sich ziehen. ?(

      Klingt soweit eigentlich ganz gut. Was bezeichnet "Verantwortung" denn sonst?

      OSchubert schrieb:

      Ist jetzt irgendwie ein bisschen wie Brainstorming (oder sagt man das heutzutage nicht mehr?). ^^

      Brainstorm ist gut... ^^
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.
    • novon schrieb:

      Verantwortung kann ich eigentlich auch nur im Kontext des Sozialen denken. Wie siehst du das?
      Ich sehe das ähnlich - wenn man soziales System weit, bzw. eng genug fasst, also z.B. zumindest Lebenspartner, Kinder usw. mit einrechnet wohl schon. Wenn ich mich nun aber nicht als Teil eines sozialen Systems betrachtet und auch keine Bindungen eingehe, dann könnte ich argumentieren, dass ich mich nicht als "Teil" der sozial-determinierten-Verantwortung fühle. Ich müsste, um es auch glaubhaft im Sinne von logisch darlegen zu können, dafür natürlich völlig isoliert und ohne Kontakt zu anderen Menschen leben, dann wäre ich wohl nur mir selbst gegenüber verantwortlich und je nach persönlicher Auffassung von Verantwortung wohl nicht mal das.

      novon schrieb:

      Klingt soweit eigentlich ganz gut. Was bezeichnet "Verantwortung" denn sonst?
      Ja, nette Frage - gibt es eine Verantwortung ohne soziales Umfeld? Ich verstehe Verantwortung immer als "Verantwortung jemanden gegenüber". Wenn es nun kein Gegenüber gibt, dann bliebe nur noch ich. Eine gewisse Art der "Eigenverantwortung" wäre womöglich dafür verantwortlich zu sein am Leben zu bleiben, wobei dann der Spieß praktisch umgedreht wird: normalerweise folgt aus Handlung Verantwortung und umgekehrt, dann aber ist die Handlung meine Verantwortung dem (eigenen) Leben gegenüber ??? - ... näh, da wird wohl kein Schuh draus. Ich nehme an, Verantwortung gibt es nur in sozialen Systemen.
      Worauf gezeigt wird, ist unabhängig davon was darüber gedacht wird, nicht was darunter verstanden wird.
    • OSchubert schrieb:

      novon schrieb:

      Verantwortung kann ich eigentlich auch nur im Kontext des Sozialen denken. Wie siehst du das?
      Ich sehe das ähnlich - wenn man soziales System weit, bzw. eng genug fasst, also z.B. zumindest Lebenspartner, Kinder usw. mit einrechnet wohl schon.

      "Sozial" bezeichnet ganz allgemein die Interaktion von Wesen. Dein "einrechnet...dann wohl schon" kann dem offensichtlich in keiner Weise gerecht werden.

      OSchubert schrieb:

      Wenn ich mich nun aber nicht als Teil eines sozialen Systems betrachtet und auch keine Bindungen eingehe, dann könnte ich argumentieren, dass ich mich nicht als "Teil" der sozial-determinierten-Verantwortung fühle.

      Inwiefern sollte es in irgendeiner Form relevant sein, was du fühlst?
      Du wurdest geboren und wuchst unter den gegebenen sozialen Bedingungen auf, was auch als Sozialisation bezeichnet wird. Das lässt sich doch wohl nicht verleugnen.

      OSchubert schrieb:

      Ich müsste, um es auch glaubhaft im Sinne von logisch darlegen zu können, dafür natürlich völlig isoliert und ohne Kontakt zu anderen Menschen leben, dann wäre ich wohl nur mir selbst gegenüber verantwortlich und je nach persönlicher Auffassung von Verantwortung wohl nicht mal das.

      Letzteres hatte ich quasi in Abrede gestellt. Entweder sozial - und sei es wölfisch - oder verreckt.

      OSchubert schrieb:

      novon schrieb:

      Klingt soweit eigentlich ganz gut. Was bezeichnet "Verantwortung" denn sonst?
      Ja, nette Frage - gibt es eine Verantwortung ohne soziales Umfeld?

      Hmmm... "Nett"?

      OSchubert schrieb:

      Ich verstehe Verantwortung immer als "Verantwortung jemanden gegenüber".

      Klingt soweit plausibel. Besser vielleicht "Jemandem oder etwas gegenüber."

      OSchubert schrieb:

      Wenn es nun kein Gegenüber gibt, dann bliebe nur noch ich. Eine gewisse Art der "Eigenverantwortung" wäre womöglich dafür verantwortlich zu sein am Leben zu bleiben, wobei dann der Spieß praktisch umgedreht wird: normalerweise folgt aus Handlung Verantwortung und umgekehrt, dann aber ist die Handlung meine Verantwortung dem (eigenen) Leben gegenüber ??? - ... näh, da wird wohl kein Schuh draus. Ich nehme an, Verantwortung gibt es nur in sozialen Systemen.

      Ohne "System"... Im Sozialen. Da treffen wir dann wieder aufeinander.

      Verantwortung bezeichnet ein sozial inspiriertes individuelles Moment.
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von novon ()

    • novon schrieb:

      "Sozial" bezeichnet ganz allgemein die Interaktion von Wesen. Dein "einrechnet...dann wohl schon" kann dem offensichtlich in keiner Weise gerecht werden.
      OK, wie gesagt - je nachdem wie weit man es fasst, in diesem Fall sehe ich es wie Du.

      novon schrieb:

      Inwiefern sollte es in irgendeiner Form relevant sein, was du fühlst?
      Na ja - für mich ist es relevant. Es ist ähnlich wie bei dem Begriff Freiheit, den ich durchaus auch eingesperrt im Gefängnis noch "empfinden" kann, auch wenn ich dann unter Freiheitsentzug stehe und die meisten Menschen sich dann auch nicht frei fühlen würden.

      novon schrieb:

      Du wurdest geboren und wuchst unter den gegebenen sozialen Bedingungen auf, was auch als Sozialisation bezeichnet wird. Das lässt sich doch wohl nicht verleugnen.
      Habe ich ja auch gar nicht.

      novon schrieb:

      Letzteres hatte ich quasi in Abrede gestellt. Entweder sozial - und sei es wölfisch - oder verreckt.
      OK, wenn man unter sozial alle Wesen mit einbezieht, dann eben weniger als wölfisch, eher wie ein Tiger ohne Sinn nach Fortpflanzung - eben eine "Überlebensmaschine" wenn man so will.

      novon schrieb:

      Hmmm... "Nett"?
      Falscher Begriff - war ohne Hintergedanken, vergiss es wieder, ok!?

      novon schrieb:

      Klingt soweit plausibel. Besser vielleicht "Jemandem oder etwas gegenüber."
      Na ja, etwas gegenüber empfinde ich eigentlich nie das Gefühl von Verantwortung, denn letztendlich steckt doch immer irgendwie ein Wesen dahinter, z.B. "Ich fühle mich für das ausgeliehene Auto verantwortlich (dem Besitzer gegenüber)"

      novon schrieb:

      Verantwortung bezeichnet ein sozial inspiriertes individuelles Moment.
      Ja, so kann man es definieren.



      Ich habe gerade eben ein Eichhörnchen überfahren, trotz Vollbremsung und geringer Geschwindigkeit - es kam einfach im denkbar ungünstigsten Moment aus den Büschen. Ich dachte für einen Moment: "Oh nein, ich bin verantwortlich für den Tod dieses Tieres!" und fühlte mich schlecht. Allerdings habe ich etwas später für mich erkannt: Ich bin nicht verantwortlich (denn ich hatte so gut wie keine Chance es zu vermeiden), ich fühlte mich schuldig, ich hatte ein schlechtes Gewissen, ich fühlte mich schlecht - letztendlich wohl fühlte ich eher Mitleid. Interessant im Rückblick war für mich die Reihenfolge meiner Emotionen:

      Schrecken
      Leugnung (es hat bestimmt überlebt)
      Schuld (weil ich den Tod verursacht habe)
      Verantwortung (ich habe den Tod verursacht, was hätte ich anders machen können)
      Trauer (weil ich den Tod zwar verursacht habe, aber nichts dagegen tun konnte)
      Mitleid (mit dem Tier)

      So in etwa spielte sich das innerhalb weniger Minuten ab - soweit ich es rekonstruieren kann.

      Was ich damit sagen will ist, dass ich Verantwortung auch der Tier und Pflanzenwelt gegenüber empfinde, ich mich aber streng genommen ihnen gegenüber nicht verantworten muss (es aber dennoch so empfinde), da sie sich mir gegenüber auch nicht verantwortungsvoll zeigen (können). Es ist so ähnlich wie ein Mensch, der mich zur Verantwortung ziehen will, aber ohne zu erkennen, dass er im Umkehrschluss auch mir gegenüber verantwortlich sein muss damit Verantwortung auch "funktioniert".

      Insofern denke ich nicht, dass ich der Natur gegenüber verantwortlich bin, wenn überhaupt bin ich meinem Gewissen oder der kommenden Generationen Menschen gegenüber verantwortlich dafür, wie ich heute mit der Natur umgehe.
      Worauf gezeigt wird, ist unabhängig davon was darüber gedacht wird, nicht was darunter verstanden wird.
    • OSchubert schrieb:

      novon schrieb:

      "Sozial" bezeichnet ganz allgemein die Interaktion von Wesen. Dein "einrechnet...dann wohl schon" kann dem offensichtlich in keiner Weise gerecht werden.
      OK, wie gesagt - je nachdem wie weit man es fasst, in diesem Fall sehe ich es wie Du.

      Schön. Bescheidene Frage: Von welchem "Fall" sprichst du?

      OSchubert schrieb:

      novon schrieb:

      Inwiefern sollte es in irgendeiner Form relevant sein, was du fühlst?
      Na ja - für mich ist es relevant. Es ist ähnlich wie bei dem Begriff Freiheit, den ich durchaus auch eingesperrt im Gefängnis noch "empfinden" kann, auch wenn ich dann unter Freiheitsentzug stehe und die meisten Menschen sich dann auch nicht frei fühlen würden.

      Du solltest dich (imho) dafür entscheiden, ob du von Begriff oder Gefühl sprechen möchtest. Ein Gefühl von... impliziert noch lange keinen Begriff von...
      Letzterer ginge jeglicher Erörterung notwendig voraus. Alles andere kommt doch sowieso nicht über Wischiwaschi hinaus.

      OSchubert schrieb:

      novon schrieb:

      Du wurdest geboren und wuchst unter den gegebenen sozialen Bedingungen auf, was auch als Sozialisation bezeichnet wird. Das lässt sich doch wohl nicht verleugnen.
      Habe ich ja auch gar nicht.

      Hmm... Nicht? Könnte die Aussage quasi über dich hinausgehend formuliert sein...?

      OSchubert schrieb:

      novon schrieb:

      Letzteres hatte ich quasi in Abrede gestellt. Entweder sozial - und sei es wölfisch - oder verreckt.
      OK, wenn man unter sozial alle Wesen mit einbezieht, dann eben weniger als wölfisch, eher wie ein Tiger ohne Sinn nach Fortpflanzung - eben eine "Überlebensmaschine" wenn man so will.

      Wat?!?
      Schon mal was von "Wolfskindern" gehört?
      Aufwachsen geschieht in einem prägenden, sozialen Kontext. Ist also sozial unterlegt. Ohne diesen findet kein Aufwachsen statt: "verreckt".

      OSchubert schrieb:

      novon schrieb:

      Hmmm... "Nett"?
      Falscher Begriff - war ohne Hintergedanken, vergiss es wieder, ok!?

      Ne. Klappt nicht mehr.

      OSchubert schrieb:

      novon schrieb:

      Klingt soweit plausibel. Besser vielleicht "Jemandem oder etwas gegenüber."
      Na ja, etwas gegenüber empfinde ich eigentlich nie das Gefühl von Verantwortung, denn letztendlich steckt doch immer irgendwie ein Wesen dahinter, z.B. "Ich fühle mich für das ausgeliehene Auto verantwortlich (dem Besitzer gegenüber)"

      "Etwas" subsummiert Dinge wie vielleicht deine Nachbarschaft, deinen Verein oder deinen Staat... Was weiß ich. Wenn du das als "Wesen" sehen willst... Dein Ding. Trifft es aber wohl eher nicht.

      OSchubert schrieb:

      novon schrieb:

      Verantwortung bezeichnet ein sozial inspiriertes individuelles Moment.
      Ja, so kann man es definieren.

      Wooohooo...!!! :D
      Danke, quasi.

      Deine Story mit dem Eichhörnchen kann ich nachvollziehen. Bei mir war's ein Schwarzspecht, dem ich in dem Moment, als er auf meine Windschutzscheibe prallte direkt in die Augen sah. Das hat mich wochenlang nicht losgelassen. Und, da ich mit dem Auto fahre, schreibe ich mir da auch eine gewisse Verantwortung für den Tod des Tieres zu. Inwieweit das allerding nun mit dem Thema zu tun hat, blicke ich so ohne Weiteres nicht.
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.
    • novon schrieb:

      Schön. Bescheidene Frage: Von welchem "Fall" sprichst du?
      Von Wesen die eben sozial sein können - also z.B. nicht auf Menschen allein bezogen, den Fall meinte ich. Ich denke aber es gibt auch Wesen die eben nach meinem Verständnis nichts mit "sozial" am Hut haben, z.B. Korallen, Bakterien usw.

      novon schrieb:

      Du solltest dich (imho) dafür entscheiden, ob du von Begriff oder Gefühl sprechen möchtest. Ein Gefühl von... impliziert noch lange keinen Begriff von...
      Letzterer ginge jeglicher Erörterung notwendig voraus. Alles andere kommt doch sowieso nicht über Wischiwaschi hinaus.
      Nun ja, ich betrachte Gefühle ebenfalls als Konstrukte wie alle Begriffe eben auch Konstrukte sind. Ich nahm auch an, dass in Deiner Definition Gefühle eine Rolle spielen:

      "Verantwortung bezeichnet ein sozial inspiriertes individuelles Moment."

      Insofern, als das ich "inspiriertes individuelles Moment" als eine Art Gefühl betrachte, z.B. : "Ich fühle mich vom Sonnenaufgang inspiriert ein schönes Gemälde zu malen."

      Ich habe ja auch aufgezeigt wie meiner Meinung nach Verantwortung im Prinzip mehr oder weniger nur eine Folge eines Systems sein könnte:

      "Weil ich Teil des sozialen Systems bin entsteht Verantwortung für mein Handeln durch das soziale System von dem ich Teil bin und dadurch das meine Handlungen Konsequenzen für mich und jedes andere Teil des Systems nach sich ziehen."

      Hierbei habe ich keine Gefühle benutzt um das Entstehen von Verantwortung in einem sozialem System zu erklären.

      Wir können aber gerne sämtliche denkbaren Arten von Emotionen hier raus lassen und es quasi rein System bedingt betrachten.

      novon schrieb:

      Hmm... Nicht? Könnte die Aussage quasi über dich hinausgehend formuliert sein...?
      Ja, könnte sein ... Schwamm drüber...

      novon schrieb:

      Wat?!?
      Schon mal was von "Wolfskindern" gehört?
      Aufwachsen geschieht in einem prägenden, sozialen Kontext. Ist also sozial unterlegt. Ohne diesen findet kein Aufwachsen statt: "verreckt".
      Jetzt sind wir wieder beim Menschen und nicht mehr bei Wesen im allgemeinen, richtig?

      novon schrieb:

      Deine Story mit dem Eichhörnchen kann ich nachvollziehen. Bei mir war's ein Schwarzspecht, dem ich in dem Moment, als er auf meine Windschutzscheibe prallte direkt in die Augen sah. Das hat mich wochenlang nicht losgelassen. Und, da ich mit dem Auto fahre, schreibe ich mir da auch eine gewisse Verantwortung für den Tod des Tieres zu. Inwieweit das allerding nun mit dem Thema zu tun hat, blicke ich so ohne Weiteres nicht.
      Äh - "Ist der Mensch verantwortlich für sein Handeln?" ist das Thema, oder nicht!? Du stellst Dir ja selbst die Frage inwieweit Du für den Tod des Tieres durch Deine Handlung "Auto fahren" verantwortlich bist. Aber wie gesagt: man kann das ganze auch rein "System betrachtend" angehen und dabei Emotionen aussen vor lasse - da fühle ich mich eigentlich sogar viel wohler, ehrlich gesagt.
      Worauf gezeigt wird, ist unabhängig davon was darüber gedacht wird, nicht was darunter verstanden wird.
    • OSchubert schrieb:

      "Verantwortung bezeichnet ein sozial inspiriertes individuelles Moment."
      Insofern, als das ich "inspiriertes individuelles Moment" als eine Art Gefühl betrachte, z.B. : "Ich fühle mich vom Sonnenaufgang inspiriert ein schönes Gemälde zu malen."

      "Inspiriert" eher im Sinne von angeregt. "Individuelles Moment" im Sinne von Motivation. Vielleicht gehen mir da ja irgendwie die Worte durch...
      Ich probiers einfach noch mal, quasi sinngemäß: Die Motivation für Verantwortung gründet im Sozialen.

      OSchubert schrieb:

      Ich habe ja auch aufgezeigt wie meiner Meinung nach Verantwortung im Prinzip mehr oder weniger nur eine Folge eines Systems sein könnte:
      "Weil ich Teil des sozialen Systems bin entsteht Verantwortung für mein Handeln durch das soziale System von dem ich Teil bin und dadurch das meine Handlungen Konsequenzen für mich und jedes andere Teil des Systems nach sich ziehen."

      Ich würde das so wohl eher nicht schreiben.
      1) Bin ich nicht "Teil" eines System, sondern eher vieler: Familie, Arbeit, Straßenverkehr, Verein, Kneipe, Veranstaltung... Die stehen zwar auch in gewisser Unabhängigkeit zueinander, aber als ein System fassen wollte ich die auch nicht.
      2) Kommt wohl drauf an, wie du "Teil des Systems" meinst. Im Sinne eines übergeordneten, normativen Kontext?
      3) Es gibt Handlungen und Handlungen. Nicht jede, viel eher wohl sogar die wenigsten, ziehen Konsequenzen "für jedes andere Teil des Systems" nach sich. Deine Formulierung finde ich übertrieben.
      4) Würde ich zwischen "entsteht" und "Verantwortung" noch etwas einfügen wollen, dass das individuelle Verhältnis zu Verantwortung ein wenig näher als nicht zwangsläufig charakterisiert (vielleicht trifft es "Motivation" oben ja nachvollziehbarer).

      OSchubert schrieb:

      Jetzt sind wir wieder beim Menschen und nicht mehr bei Wesen im allgemeinen, richtig?

      Stimmt. Schließlich hattest du in dem, worauf ich Bezug nahm, konkret von "Menschen" geschrieben. Genau darauf bin ich eingegangen. Der andere Bezug war "sozial" bzw. "Soziales" da reicht Mensch als Kontext imo nicht hin. Und wenn "Wesen" sozial interagieren, werde ich wohl notwendig "soziale Wesen" voraussetzen. Aber vielleicht sollte ich auch noch expliziter formulieren, als ich mich bereits bemühe, es zu tun.

      OSchubert schrieb:

      novon schrieb:

      Und, da ich mit dem Auto fahre, schreibe ich mir da auch eine gewisse Verantwortung für den Tod des Tieres zu. Inwieweit das allerding nun mit dem Thema zu tun hat, blicke ich so ohne Weiteres nicht.
      Äh - "Ist der Mensch verantwortlich für sein Handeln?" ist das Thema, oder nicht!? Du stellst Dir ja selbst die Frage inwieweit Du für den Tod des Tieres durch Deine Handlung "Auto fahren" verantwortlich bist.

      Letztlich stellt auch Autofahren nicht notwendig die eigentliche Handlung dar. Und sich verantwortlich fühlen und verantwortlich sein sind auch wieder zwei Paar Schuhe. Darum war meinerseits die Rede davon, mir eine gewisse (eingeschränkt) Verantwortung zuzuschreiben. Und da das Thema ja nicht "Fühlt der Mensch sich verantwortlich für sein Handeln" lautet... Soweit nachvollziehbar?

      novon schrieb:

      Aber wie gesagt: man kann das ganze auch rein "System betrachtend" angehen und dabei Emotionen aussen vor lasse - da fühle ich mich eigentlich sogar viel wohler, ehrlich gesagt.

      Meinerseits war nicht von "System" die Rede, sondern von individuellen Momenten, Motivationen und deren Gründung.
      Gruß,
      n0\/0n

      deutsch.
      think, tank.
    • Determinismus - Fehlertoleranz - Kontingenz

      Im Streitgespräch „Determinismus versus Kontingenz“ ist die Frage „Sind Fehler möglich?“ eine Nagelprobe. Durch sie ist leicht zu erkennen, dass Determinismus und Kontingenz keine echten Gegensätze sind. Denn die Welt der Kontingenz lässt nebst Fehlern auch das Makellose als Möglichkeit zu. In der Welt des Determinismus gibt es jedoch keinen Freiraum für Fehler, sodass man auch nicht sagen kann, sie sei makellos oder fehlerfrei. In der Welt der Kontingenz gibt es Freiraum für den Determinismus. Das Umgekehrte ist jedoch nicht möglich, d.h. Im Determinismus gibt es kein Platz für Kontingenz. In einer axiomatischen Welt zeigt der innere/logische Widerspruch Fehler an. In einer sozialen Welt bleiben solche Widersprüche als Möglichkeit, insbesondere bei ethischen Fragen.
    • Eberhard schrieb:

      Ich bin mit meinen Thesen und Fragen in den Bereich "wissenschaftliche Philosophie" geflüchtet.

      Hier sind die Beiträge, die ich gern einer nachvollziehbaren Kritik aussetzen möchte.

      Der Kern der deterministischen Position besteht in der Aussage, dass das Weltgeschehen gesetzmäßig ist und nur so verlaufen kann, wie es tatsächlich verläuft. Folglich kann der Mensch als Teil der Welt auch nur so handeln, wie er dann tatsächlich handelt. Anders ausgedrückt: Er muss so handeln.

      Damit befindet sich der Mensch in einer Situation grundsätzlicher Unfreiheit. Wer jedoch unfrei handelt, kann für sein Handeln nicht verantwortlich gemacht werden. Er trägt keine Schuld und man darf ihn für sein Handeln auch nicht bestrafen.


      Der Fehler in dieser Argumentation liegt in dem Übergang von:
      „Das Weltgeschehen verläuft soundso“ zu „Das Weltgeschehen muss soundso verlaufen“.


      Dazu ein Beispiel:
      A überfällt eine Bank. Maskiert und mit eine Pistole in der Hand ruft er: „Hände hoch oder ich schieße!“ Als die Filialleiterin trotzdem noch unauffällig einen Alarmknopf betätigen will, drückt A ab und schießt ihr in die Schulter.

      Hätte A anders handeln können? Hätte er den Schuss auch unterlassen können?

      Damit hätte das Geschehen in der Bank einen anderen Verlauf genommen.
      Dies ist jedoch nicht möglich, denn ein identischer Verlauf des Geschehens kann nicht das eine Mal zum Schuss führen und das andere Mal nicht. Es gibt nur eine Welt. In dieser hat A geschossen.

      Bedeutet dies,
      dass A nicht anders handeln konnte, als er tatsächlich gehandelt hat,
      dass A so handeln musste, wie er gehandelt hat,
      dass A nicht frei war, den Schuss zu unterlassen,
      dass A nicht zwischen Schießen und nicht-Schießen wählen konnte ?

      A hat geschossen und man kann dies erklären. Man kann die Ursachen für das Handeln von A finden. Diese Ursachen kann man nicht als nicht-existent betrachten. Also musste es offenbar so kommen, wie es gekommen ist. Oder?

      Gegen diese Position kann man einwenden, dass A den Schuss hätte unterlassen können, wenn er es nur gewollt hätte. Offensichtlich wollte er schießen, oder er war zumindest bereit zu schießen.

      Gegen dieses Argument greift die obige Argumentatio nicht. Denn nun handelt es sich nicht mehr um einen identischen Verlauf sondern um einen Verlauf mit dem Willen zu schießen und um einen Verlauf ohne den Willen zu schießen.

      Wenn A den Willen gehabt hätte, nicht zu schießen, dann wäre ihm das möglich gewesen: er hätte nur den Zeigefinger seiner rechten Hand still halten müssen.

      A hätte folglich auch anders handeln können, als er es getan hat.

      Detto