Der Satz des zu vermeidenden Widerspruchs

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    • Der Satz des zu vermeidenden Widerspruchs

      Hallo,

      kann mir jemand vielleicht kurz und knapp sagen, was der Satz des zu vermeidenden Widerspruchs aussagt, und "wofür" es diesen gibt, bzw welchen Zweck er erfüllen soll?

      Bis jetzt habe ich gelesen, dass er die notwendige Grundlage für Erkenntnis darstellen soll, ich weiß aber nicht wie ich das genau verstehen soll.
    • Erstmal Willkommen im Forum!

      Prinzipiell besagt der Satz vom Widerspruch, dass zwei sich-widersprechende Aussagen bzw. Sätze nicht gleichzeitig und in derselben Hinsicht wahr sein können:

      'Es ist nicht der Fall, dass p und gleichzeitig und in derselben Hinsicht nicht-p'

      Es kann also nicht gleichzeitig und in derselben Hinsicht wahr sein, dass ich in Deutschland bin und nicht in Deutschland bin. Gleichzeitig sagt soviel wie 'zur selben Zeit' und in derselben Hinsicht soviel wie 'die selbe Tatsache betreffend'. Für die meisten Philosophen bestimmt dieser Satz wohl die Grundlage allem logischen Schließens und wird meistens als Axiom vorausgesetzt...
    • Absolut! Das nennt sich auch tertium non datur (der Ontologie) oder Der Satz vom ausgeschlossenen Dritten.

      Für die aristotelische Ontologie bedeutet das, dass zwischen den beiden Zuständen 'Sein' und 'Nichtsein' kein dritter Zustand existiert. Wie sammler aber schon richtig kommentiert hat, kann man eine derartige Vorstellung durch einen 'Übergangszustand' beschreiben... In einigen Logiken spricht man deshalb davon, dass 'p' auch 'möglich' sein kann (neben 'p' und 'nicht-p').

      Ich hoffe das hilft!
    • Schrödingers Katze ist kein Beweis für die Unvollständigkeit der Quantenphysik, sondern für die Unvollständigkeit der Logik... Es gibt Fälle, in denne der Satz vom ausgeschlossenen Dritten nicht gilt. Schrödingers Katze ist ein Beispiel. Fuzzylogik ist ein anderes Beispiel. Selbstbezügliche Paradoxien, wie das Lügnerparadox, sind noch ein Beispiel. Und ein Letztes: Intensionale, zeitenlogische Sätze. Leibnitz gebraucht dieses Beispiel: Morgen in der Schlacht werde ich Dich töten. Ob der Satz wahr oder falsch ist, erweist sich erst morgen in der Schlacht. Der Satz bleibt erst einmal hypothetisch, und ist nicht zu entscheiden. Das gilt, so habe ich einmal postuliert, für generell alle hypothetischen Sätze. Auch für Induktionen. Popper hat sich sehr mit dem Problem der hypothetischen Sätze beschäftigt. Er nimmt an, dass man hypothetische Sätze einfach als wahr voraussetzen kann, bis sie wiederlegt sind, und formulierte daraus das Falsifizierungsprinzip... Meines Erachtens greift das aber zu kurz. Man muss auch berücksichtigen, welche Gründe dafür sprechen. Und dann kann es sich nur um ein Nicht-Falsifizierungprinzip handeln. Der Satz gilt so lange als wahr, wie er "nicht" wiederlegt ist...

      Gruß Joachim Stiller Münster