Alex Grey

    • Watt schrieb:

      Wer Kitsch bloß widerlich findet, der kann dessen gesellschaftliche Dimension nur über den Rejektionswert "Borniertheit" erfassen und erhält dabei ausschließlich die "soziale Begrenzung der eigenen Präferenzen" (Krause).

      So gesehen scheinst du also tatsächlich mit Jörn im selben Boot zu sitzen.

      Ich bin immer froh, wenn ich mehr als nur eine Zeile von dir zu lesen und
      zu verstehen/lernen bekomme, nur der Umstand, jetzt bloss als Stellvertreter wahrgenommen
      zu werden hemmt mich etwas. Dennoch: es macht Sinn bei sich einen Pegel oder eine Marge
      zu setzen und diesen/diese anderen gegenüber kenntlich zu machen: bis hierher und darunter
      nicht mehr, weil (in meiner Interpretation) darunter beginnt das kokettierende, sich für verführerisch
      haltende, als provokant versüßte, selbstverliebte, doch-sich-selbst-nicht-riechen-könnende,
      erbärmiche menschliche Elend. Das Elend verspottende Elend. Und selbst, wenn ich auch von dort herkomme
      und dorthin gelegentlich wieder zurückfalle, bietet mir meine Marge Halt für die Reflexion und ein Versprechen
      für den Gegenüber: ja, sprich mit mir, ich biete Verlass.

      Dass ich meinte, es sei abwegig sich mit solchen finsteren Kammern der Gesellschaft zu befassen
      oder ich mich mit der Berufung auf die Höhen der Kunst selbst zu erhöhen und mich immer über meine
      Marge halten zu können glaube, als zerstreuten doch glücklich arrivierten Bewohner des Erhabenen...
      ...halt!...bevor ich anfange Alex Grey überbieten zu wollen.

      Watt schrieb:

      Was ich noch hinzufügen will: Die Bilder von Grey gefallen unserem Mit-User Joachim Stiller nicht nur, sie haben ihm und vmtl. vielen Anderen etwas zu sagen. Soll dieser Personenkreis dann etwa auch bloß "widerlich" gefunden werden...?


      Von dem Gegenstand der Rezeption auf die Rezipienten zu schliessen hat durchaus etwas
      verführerisches. Als Arbeitsansatz (aber nicht schon als Ergebnis) würde ich es empfehlen.
      Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
      Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

      (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)