Kurze Problemlösung des Selbstwiderspruchs

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    • Kurze Problemlösung des Selbstwiderspruchs

      Selbstwiderspruch: "Dieser Satz ist falsch."

      Problemlösungen:
      (im Dialog) "Kolumbus entdeckte Indien." - "Dieser Satz ist falsch."

      oder auch:

      (Lehrer an der Tafel) "Dieser Satz ist falsch." (Zeigegeste auf den auf eine Tafel aufgeschriebenen Satz "Kolumbus entdeckte Indien.")

      Anmerkungen?
    • #phritz schrieb:

      Selbstwiderspruch: "Dieser Satz ist falsch."

      Problemlösungen:
      (im Dialog) "Kolumbus entdeckte Indien." - "Dieser Satz ist falsch."

      oder auch:

      (Lehrer an der Tafel) "Dieser Satz ist falsch." (Zeigegeste auf den auf eine Tafel aufgeschriebenen Satz "Kolumbus entdeckte Indien.")

      Anmerkungen?

      In der situativen Einbettung eines Sprechaktes kann der Akteur unterschiedliche Bezugsebenen etablieren, die Tarskis Objekt- und Metasprache entsprechen. Der handelnde Akteur vermeidet, wenn er es geschickt anstellt, ein Lügner-Paradox, das durch Bezugsebenennivellierung entsteht.

      Tarski liefert eine theoretische Darstellung dessen, was ein geschickter Akteur im praktischen Vollzug bewerkstelligen kann. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass der praktische Vollzug versagen kann. Die Praxis ist kein sicherer Hafen (siehe die völlig sprachlosen und doch selbstwidersprüchlichen Grafiken von Escher).
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".
    • Fliege schrieb:

      #phritz schrieb:

      Selbstwiderspruch: "Dieser Satz ist falsch."

      Problemlösungen:
      (im Dialog) "Kolumbus entdeckte Indien." - "Dieser Satz ist falsch."

      oder auch:

      (Lehrer an der Tafel) "Dieser Satz ist falsch." (Zeigegeste auf den auf eine Tafel aufgeschriebenen Satz "Kolumbus entdeckte Indien.")

      Anmerkungen?

      In der situativen Einbettung eines Sprechaktes kann der Akteur unterschiedliche Bezugsebenen etablieren, die Tarskis Objekt- und Metasprache entsprechen. Der handelnde Akteur vermeidet, wenn er es geschickt anstellt, ein Lügner-Paradox, das durch Bezugsebenennivellierung entsteht.

      Tarski liefert eine theoretische Darstellung dessen, was ein geschickter Akteur im praktischen Vollzug bewerkstelligen kann. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass der praktische Vollzug versagen kann. Die Praxis ist kein sicherer Hafen (siehe die völlig sprachlosen und doch selbstwidersprüchlichen Grafiken von Escher).


      Ich habe eben so das Gefühl, dass wenn man die Sprache normal verwendet, es keine solchen Selbstwidersprüche geben kann. Sie sind also künstlich aufgeworfen - vielleicht auch absichtlich provokant.

      Ich denke auch, dass man jeden Satz als merkwürdig oder seltsam darstellen kann, wenn man ihn nur seines Kontextes entkleidet. Ich habe schon öfters gehört "Laß' mich jetzt nicht lügen..." - damit meint man oft soviel wie: "Ich kann irren..." oder "Ich bin unsicher..." Doch wenn man alles und auch wirklich alles wegläßt, was mit diesem Satz und seinem Äußerer zu tun hat, und ihn sozusagen nackt in einer philosophischen Abhandlung präsentiert, muss dieser Satz verwirrend klingen.

      Der Sprache sind gewisse historisch-regional gewachsene Konventionen immanent, und mit diesen Selbstwidersprüchen bricht man diese Konventionen - und zeigt damit, dass diese Konventionen existieren, und dass man sie auch brechen KANN (wie Du eben sagst, die Praxis ist kein sicherer Hafen).

      Und ich glaube, die immanenten Konventionen der Sprache zu zeigen (indem man sie bricht) ist der Sinn dieser Paradoxien.
    • Problemlösung

      #phritz schrieb:

      Ich habe eben so das Gefühl, dass wenn man die Sprache normal verwendet, es keine solchen Selbstwidersprüche geben kann. Sie sind also künstlich aufgeworfen - vielleicht auch absichtlich provokant.


      Die folgende Problemlösung zeigt das auch an:

      (im Dialog) "Dieser Satz ist falsch." - "Dieser Satz ist richtig".
      Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
      Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

      (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)
    • #phritz schrieb:

      Selbstwiderspruch: "Dieser Satz ist falsch."

      Problemlösungen:
      (im Dialog) "Kolumbus entdeckte Indien." - "Dieser Satz ist falsch."

      Im ersten (dem problematischen) Fall bezieht sich "dieser Satz" auf den Satz selbst, im zweiten Fall auf einen anderen Satz. Daher haben wir es (im zweiten unproblematischen Fall) nur mit einem anderen Satz (trotz gleicher Zeichenfolge), aber nicht mit einer Problemlösung zu tun.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von _its_not_me_ ()

    • Jörn schrieb:

      #phritz schrieb:

      Selbstwiderspruch: "Dieser Satz ist falsch."

      Problemlösungen:
      (im Dialog) "Kolumbus entdeckte Indien." - "Dieser Satz ist falsch."

      Im ersten (dem problematischen) Fall bezieht sich "dieser Satz" auf den Satz selbst..


      Woher möchtest Du das wissen (siehe Unterstrichenes)? Es gibt keinen Anhaltspunkt, worauf sich "Dieser Satz..." wirklich bezieht. Die erste Spontanreaktion mag der Bezug auf sich selbst sein: Weil ein Kontext künstlich weggelassen worden ist, fällt der Blick sozusagen zurück auf den Satz selbst als seinem eigenen "Kontext".

      Aber das heißt nicht, dass der Satz auf diese Weise auch richtig verstanden worden ist (denn es geht um ein Verstehen-Problem, nicht um ein logisches Problem); wie er richtig verstanden werden sollte, das ist eben die Frage. Und der Satz kann auch anders richtig verstanden werden - dies war mit den beiden Beispielen zu zeigen.

      Es gilt, die erste Verstehen-Spontanreaktion, die Fixierung auf den Satz selbst, welche durch dessen eigene Formulierung provoziert worden ist, durch Kontextabhängigkeit zu relativieren. Dann nämlich zeigt sich, dass man eigentlich garnicht weiß, welche Bedeutung der Satz hat.
    • #phritz schrieb:

      Woher möchtest Du das wissen (siehe Unterstrichenes)? Es gibt keinen Anhaltspunkt, worauf sich "Dieser Satz..." wirklich bezieht.

      Der Satz kann zwar anders gemeint sein. Aber in diesem Fall bezieht er sich aber auf sich selbst. Das weiß ich, weil es Teil der Problemgeschichte der Selbstbezüglichkeit ist, beginnend mit dem kretischen Lügner. Den Satz einfach anders zu verstehen, als er gemeint ist, kann das Problem natürlich nicht lösen.
    • Jörn schrieb:

      #phritz schrieb:

      Woher möchtest Du das wissen (siehe Unterstrichenes)? Es gibt keinen Anhaltspunkt, worauf sich "Dieser Satz..." wirklich bezieht.

      Der Satz kann zwar anders gemeint sein. Aber in diesem Fall bezieht er sich aber auf sich selbst. Das weiß ich, weil es Teil der Problemgeschichte der Selbstbezüglichkeit ist, beginnend mit dem kretischen Lügner.


      Ja, das kannst Du wissen - aber Du kannst Dich auch irren.

      Problemgeschichte und Tradition sind keine Beweise, und Irrtümer können leicht perpetuiert werden (das geozentrische Ptolemäische Weltbild hat 1500 Jahre überlebt: de.wikipedia.org/wiki/Ptolem%C…olem.C3.A4isches_Weltbild ehe es Kopernikus zunichte machte)

      Im Alltag sehe ich nur, dass die Bedeutung von Sätzen stark vom Kontext aus anderen Sätzen und Zeichen (also auch Symbolen) abhängig ist - ja, ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass sie davon determiniert wird. Und wenn kein solcher Kontext vorgegeben ist - der widersprüchliche Satz ist ja einfach so in die Welt geschmissen worden - dann ist auch nicht final bekannt, was er bedeutet. Und tatsächlich könnte er alles bedeuten. Das finale Verstehen ist auch dann nicht gegeben, wenn eine bestimmte Verstehen-Variante offensichtlich provoziert und über Jahrtausende perpetuiert worden ist, nämlich im vorliegenden Falle dasjenige Verstehen, welches zur Verwirrung führt.


      Den Satz einfach anders zu verstehen, als er gemeint ist, kann das Problem natürlich nicht lösen.


      Es ist aufgrund des fehlenden Kontexts nicht bekannt, wie der Satz gemeint ist. Woher möchtest Du wissen, welche Gesten usw. der originäre Satzsteller nebenher gemacht hat? Das Lösungsprinzip besteht deshalb darin, den absichtlich weggelassenen Kontext wieder hinzuzufügen, selbst dann, wenn man sich hier auf Vermutungen verlassen muss.

      Was heißt es übrigens, ein Satz "beziehe" oder "meine" sich selbst? Das ist ja keine Referenz von "Das ist ein Pferd." zu einem bestimmten Tier. Es gibt keine solche Referenzbeziehung von "Dieser Satz ist falsch." zu einem Objekt "Dieser Satz ist falsch." - denn zu einer Referenz gehören immer zwei getrennte Dinge, der Satz und sein referiertes Objekt.

      In einer Menge Sätze wie { "Dieser Satz ist falsch." ; "Dieser Satz sehe ich als unwahr an." ; "Dieser Satz empfinde ich als falsch." ...} kann man sagen: Das, was diese Sätze gemeinsam haben, ist ihre Bedeutung, oder auch: Alle Sätze dieser Menge haben dieselbe Bedeutung.
      Und wenn man sagt: "Dieser Satz ist falsch." bedeutet soviel wie z.B. "Dieser Satz finde ich unwahr.", scheint sich das Problem verflüchtigt zu haben: Jetzt ist bekannt, was der Satz bedeutet, und fertig. Alles andere ist Phantasie.

      Und manchmal denke ich auch: Hier wird künstlich ein Problem aufrechterhalten.
    • #phritz schrieb:

      Es ist aufgrund des fehlenden Kontexts nicht bekannt, wie der Satz gemeint ist.

      Der Kontext fehlt ja gar nicht. Die Geschichte der Philosophie und insbesondere der lügende Kreter, sowie eine daran anschließende zweieinhalbtausendjährige Diskussion sind nur schwerlich zu übersehen. Das ist der Kontext. Und daher wissen wir, dass sich der Satz auf sich selbst bezieht und nicht wie die Sätze deiner "Gegenbeispiele" auf andere Sätze.
    • Jörn schrieb:

      #phritz schrieb:

      Es ist aufgrund des fehlenden Kontexts nicht bekannt, wie der Satz gemeint ist.

      Der Kontext fehlt ja gar nicht. Die Geschichte der Philosophie und insbesondere der lügende Kreter, sowie eine daran anschließende zweieinhalbtausendjährige Diskussion sind nur schwerlich zu übersehen.
      Das ist der Kontext. Und daher wissen wir, dass sich der Satz auf sich selbst bezieht und nicht wie die Sätze deiner "Gegenbeispiele" auf andere Sätze.


      Das ist eine andere Art von Kontext als ich meinte; das ist das Meta-Thema, innerhalb dem der Satz problematisiert wird.

      Ich dachte an einen physischen Zeichenkontext, und es ist schlechterdings unmöglich, dass ein einziges Zeichen ohne andere Zeichen geäußert wird. Man muss diese anderen Zeichen wissen, wenn man wissen möchte, was dieser Satz heißt. Nach wie vor ist nicht final klar, was der Satz meint, Philosophie hin oder her.

      Die Paradoxie liegt nicht in dem Satz selbst, sondern es wird gemacht, nämlich wenn jemand glaubt, aus dem genannten Satz bestimmte Folgerungen ziehen zu müssen ("Wenn der Satz 'Dieser Satz ist falsch.' wahr ist, ist er falsch; ist er falsch, ist er wahr.") - aber niemand kann zu diesen Folgerungen gezwungen werden, man kann auch was ganz anderes folgern. Tatsächlich lädt der Satz garnicht zu Folgerungen ein, es ist ein Mißverständnis, etwas daraus folgern zu müssen.

      Man könnte sich jemanden philosophisch völlig Unbefleckten vorstellen, der auf den Satz "Dieser Satz ist falsch." fragt: "Gut, und welcher Satz soll falsch sein?" Er sieht kein Problem. Das sehen nur die, die zuviel denken.
    • Woodshape schrieb:

      Das Referenzproblem entsteht ja in seiner eigentlichen Form überhaupt erst, wenn wir es komplexer verstehen:

      "Der nächste Satz ist falsch. Der vorherige Satz ist wahr." (natürlich müssen beide Sätze in der Reihenfolge und unmittelbar geäußert werden)


      Verstehe ich nicht - eine Referenz ist für mich was anderes: Satz und Tatsache. Sätze sind keine Tatsachen.
    • #phritz schrieb:

      Er sieht kein Problem.

      Sicher, wenn der Satz sich auf andere Sätze bezieht, dann gibt es kein Problem. Bezieht er sich aber auf sich selbst, entsteht das nämliche Problem. Man kann versuchen, das à Russel durch ein Verbot zu lösen. Oder indem man das Problem - so wie du - einfach ignoriert. Beides finde ich nicht besonders überzeugend. Zumindest ist beides keine Lösung, sondern bloß ein Beiseiteschieben.
    • #phritz schrieb:

      Verstehe ich nicht - eine Referenz ist für mich was anderes: Satz und Tatsache. Sätze sind keine Tatsachen.
      Richtig. Darin besteht eine Form des Referenzproblems, sprich: was passiert mit dem Wahrheitswert, wenn einem Satz keine Tatsache (kein Objekt) zugeordnet werden kann?

      Ein besonderer Fall dieses Problems ist die bereits angesprochene Selbstreferenz. Die lässt sich z.B. formulieren als 'Dieser Satz ist falsch' oder aber, wie ich oben geschrieben habe, komplexer als Verbindung von zwei referenziellen Sätzen...
    • Jörn schrieb:

      #phritz schrieb:

      Er sieht kein Problem.

      Sicher, wenn der Satz sich auf andere Sätze bezieht, dann gibt es kein Problem. Bezieht er sich aber auf sich selbst, entsteht das nämliche Problem. Man kann versuchen, das à Russel durch ein Verbot zu lösen. Oder indem man das Problem - so wie du - einfach ignoriert. Beides finde ich nicht besonders überzeugend. Zumindest ist beides keine Lösung, sondern bloß ein Beiseiteschieben.


      Worin bestünde für dich eine "Lösung"? Was meinst Du damit in diesem Zusammenhang? Ich glaube nämlich, der Selbst-Widerspruch fordert garkeine Lösung, und er stellt auch keine logische Aufgabe, die zu lösen wäre.

      Eine Lösung in meinem Sinne ist, dass man den Satz im allgemeinen Sprachgebrauch sinnvoll verstehen kann. Wozu man eben andere Zeichen braucht. Sinn ist immer holistisch.
    • Woodshape schrieb:

      #phritz schrieb:

      Verstehe ich nicht - eine Referenz ist für mich was anderes: Satz und Tatsache. Sätze sind keine Tatsachen.
      Richtig. Darin besteht eine Form des Referenzproblems, sprich: was passiert mit dem Wahrheitswert, wenn einem Satz keine Tatsache (kein Objekt) zugeordnet werden kann?


      Was passiert mit dem Wahrheitswert des Satzes "Der König von Frankreich ist kahl.", meinst Du sowas ähnliches? Jeder Alltagssprachler würde natürlich sagen, dass es diesen König nicht gibt, und der Satz deshalb Unfug ist.
      Bei genauerem Hinsehen würde ich sagen: Bereits die Bedingungen für den Wahr/Falsch-Entscheid der Behauptung treffen nicht zu (da es keinen König von Frankreich gibt). Folglich kann der Satz keine Referenz haben, und es kann ferner kein Wahr/Falsch Entscheid gefällt werden. Man kann ihn unbeachtet lassen.


      Ein besonderer Fall dieses Problems ist die bereits angesprochene Selbstreferenz. Die lässt sich z.B. formulieren als 'Dieser Satz ist falsch' oder aber, wie ich oben geschrieben habe, komplexer als Verbindung von zwei referenziellen Sätzen...


      Ich meinte, dass ein Satz KEIN Ziel einer Referenz sein kann. Die Pixel, Tintenkleckse usw. aus denen ein Satz besteht, können Ziel einer Referenz sein, aber nicht ein Satz. Ein Satz wird durch das lesen erst generiert und ist somit virtuell, keine empirische Tatsache.

      Man muss glaube ich zwei Modi unterscheiden: Satzmodus und Ding-Modus (die Pixel usw. aus denen man einen Satz macht), letzterer Modus angezeigt mit eckigen Klammern. Und nun: Der Satz "Dieser Satz ist falsch." referenziert [Dieser Satz ist falsch]. Und damit wäre ich wohl einverstanden.

      Auch eine Lösung - eine extensionale, während meine im Startbeitrag genannten an der Intension des Selbst-Widerspruchs angesetzt hatten.
    • #phritz schrieb:

      Eine Lösung in meinem Sinne ist, dass man den Satz im allgemeinen Sprachgebrauch sinnvoll verstehen kann.

      Das meine ich mit: Das Problem zur Seite schieben. Im Grunde heißt das einfach, dass man einen anderen (unproblematischen) Satz analysiert, statt den zur Frage stehenden. Das kann natürlich keine Lösung sein. Und damit ist die Sache für mich abgeschlossen. Vielen Dank für das Gespräch!
    • Vielleicht kann man an dieser Stelle nochmal Tarskis Problemlösungsstrategie anschauen, die Fliege in Beitrag 2 bereits angeschnitten hat.

      'Dieser Satz ist falsch'

      Der vorliegende Satz scheint bei genauerem Hinsehen aus zwei unterschiedlichen Teilen zu bestehen:

      1. Dies ist ein Satz (das Objekt der Betrachtung ist etwas, was wir 'Satz' nennen)
      2. Er ist wahr (wir schreiben ihm eine positive Qualität zu, die wir 'wahr' nennen)

      Tarski unterscheidet nun Objekt- und Metasprache. Die Krux ist hier, dass der vorliegende Satz 'ist wahr' (Punkt 2) als Teil von 'Dieser Satz' (Punkt 1) versteht - und das ist nicht zulässig. Punkt 1 ist Bereich der Objektsprache, Punkt 2 hingegen Teil der Metasprache. 'Wahr' und 'Falsch' sind also Teil der Metasprache - für Tarski ist es unzulässig, dass Sätze vom selben Typus objekt- und metasprachlich operieren.

      Kurz: 'ist wahr' ist nicht Teil der Objektsprache (sondern Prädikate der Metasprache) und darf entsprechend nicht mit dieser zusammen gesprochen werden...
    • #phritz schrieb:

      Woodshape schrieb:

      #phritz schrieb:

      Verstehe ich nicht - eine Referenz ist für mich was anderes: Satz und Tatsache. Sätze sind keine Tatsachen.
      Richtig. Darin besteht eine Form des Referenzproblems, sprich: was passiert mit dem Wahrheitswert, wenn einem Satz keine Tatsache (kein Objekt) zugeordnet werden kann?


      Was passiert mit dem Wahrheitswert des Satzes "Der König von Frankreich ist kahl.", meinst Du sowas ähnliches? Jeder Alltagssprachler würde natürlich sagen, dass es diesen König nicht gibt, und der Satz deshalb Unfug ist.
      Bei genauerem Hinsehen würde ich sagen: Bereits die Bedingungen für den Wahr/Falsch-Entscheid der Behauptung treffen nicht zu (da es keinen König von Frankreich gibt). Folglich kann der Satz keine Referenz haben, und es kann ferner kein Wahr/Falsch Entscheid gefällt werden. Man kann ihn unbeachtet lassen.


      Ein besonderer Fall dieses Problems ist die bereits angesprochene Selbstreferenz. Die lässt sich z.B. formulieren als 'Dieser Satz ist falsch' oder aber, wie ich oben geschrieben habe, komplexer als Verbindung von zwei referenziellen Sätzen...


      Ich meinte, dass ein Satz KEIN Ziel einer Referenz sein kann. Die Pixel, Tintenkleckse usw. aus denen ein Satz besteht, können Ziel einer Referenz sein, aber nicht ein Satz. Ein Satz wird durch das lesen erst generiert und ist somit virtuell, keine empirische Tatsache.

      Man muss glaube ich zwei Modi unterscheiden: Satzmodus und Ding-Modus (die Pixel usw. aus denen man einen Satz macht), letzterer Modus angezeigt mit eckigen Klammern. Und nun: Der Satz "Dieser Satz ist falsch." referenziert [Dieser Satz ist falsch]. Und damit wäre ich wohl einverstanden.

      Auch eine Lösung - eine extensionale, während meine im Startbeitrag genannten an der Intension des Selbst-Widerspruchs angesetzt hatten.


      Hier hatte ich die Schlußfolgerung vergessen:

      Den Satz "Dieser Satz ist falsch." kann man umformulieren zu: "Dieser Satz ist falsch: [Dieser Satz ist falsch]" Das ist die Auflösung der Selbst-Referenz.

      Da es sich bei [Dieser Satz ist falsch] jedoch nicht um einen Satz handelt, sondern nur um eine strukturierte Pixel-Reihe, gilt, dass schon die Bedingungen für die Wahrheit (=Bestehen einer Referenz) oder Falschheit (=Nicht-Bestehen einer Referenz) des Satzes "Dieser Satz ist falsch." nicht gegeben sind - denn dieser geht von einem Satz aus, der als falsch beurteilt wird, während aber nur eine strukturierte Pixel-Reihe vorliegt, welche nur die Gestalt eines Satzes hat. Deshalb bleibt ein Entscheid über den Satz "Dieser Satz ist falsch." aus, und man kann ihn damit außer acht lassen (genau wie Russells Satz vom kahlen König Frankreichs).

      Solange also "Dieser Satz ist falsch." nicht anders als auf sich selbst bezogen wird, kann man ihn außer acht lassen. Damit will ich nicht sagen, dass er sinnlos ist - nur unentscheidbar. Das meinte ich mit einer "extensionalen Lösung" des Problems.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von #phritz ()

    • Woodshape schrieb:

      Vielleicht kann man an dieser Stelle nochmal Tarskis Problemlösungsstrategie anschauen, die Fliege in Beitrag 2 bereits angeschnitten hat.

      'Dieser Satz ist falsch'

      Der vorliegende Satz scheint bei genauerem Hinsehen aus zwei unterschiedlichen Teilen zu bestehen:

      1. Dies ist ein Satz (das Objekt der Betrachtung ist etwas, was wir 'Satz' nennen)
      2. Er ist wahr (wir schreiben ihm eine positive Qualität zu, die wir 'wahr' nennen)

      Tarski unterscheidet nun Objekt- und Metasprache. Die Krux ist hier, dass der vorliegende Satz 'ist wahr' (Punkt 2) als Teil von 'Dieser Satz' (Punkt 1) versteht - und das ist nicht zulässig.
      Punkt 1 ist Bereich der Objektsprache, Punkt 2 hingegen Teil der Metasprache. 'Wahr' und 'Falsch' sind also Teil der Metasprache - für Tarski ist es unzulässig, dass Sätze vom selben Typus objekt- und metasprachlich operieren.

      Kurz: 'ist wahr' ist nicht Teil der Objektsprache (sondern Prädikate der Metasprache) und darf entsprechend nicht mit dieser zusammen gesprochen werden...


      Möglicherweise habe ich es nicht verstanden - aber was sagst Du mehr als dass es nach Tarskis Meinung einfach verboten oder nicht zulässig ist, einen solchen widersprüchlichen Satz zu sagen? Weshalb hat Tarski dieses Verbot ausgesprochen? Weil das seine Theorie ad absurdum führen würde.
      Wenn jemand mit Tarskis Theorie nicht einverstanden wäre, dann bleibt es eben weiter "zulässig", den Satz zu behaupten.

      Ich denke, wir können uns einig sein, dass dann, wenn ein solch widersprüchlicher Satz im Alltag vorkommt, er immer ohne Probleme richtig verstanden wird - eben weil der Kontext alles klar macht, oder genauer: Weil "Dieser Satz..." - also: ein anderer gemeinter Satz - immer im Kontext zu finden ist (siehe dazu meinen Startbeitrag oben)

      Das "Dieser..." ist einfach ein Verweis wie "Siehe oben..." oder "Siehe letztes Kapitel..." oder auch "Siehe dritter Satz auf Seite neun..." usw. Und ein Selbstwiderspruch ist ein Mißbrauch eines solchen Verweises, weil das Ziel eines Verweises nicht der Verweis selbst sein kann. Genauso wie Tarski könnte ich sagen: "Ein Verweis muss immer ein externes Verweisziel haben, sonst ist es nur ein Scheinverweis und damit verboten."

      Und jemand, der absichtlich diesen Kontext wegläßt, muss halt damit rechnen, dass man einen Kontext hinzufügt, den er selbst nicht intendiert hat. Er kann sich dann nicht mehr darauf berufen, man würde ihn mißverstehen - weil er dieses Mißverstehen durch diese Kontextlosigkeit selbst verschuldet hat.

      Und irgendwie finde ich diese Argumentation einfach intuitiv einleuchtender als auf Basis eines Formalismus zu sagen, es wäre verboten, selbstwidersprüchliche Sätze zu bilden (weil das dem Formalismus widerspricht)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von #phritz ()