Tappt die Philosophie im Dunkeln nach dem Elefanten Parmenides?

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    • iselilja schrieb:

      Alltag schrieb:

      Wie kommt es, dass wir beide uns bei so vielen Begriffen, wie z.B. "Wasserglas", verstehen können? Was braucht es, damit dies möglich ist? Letztlich braucht es eine gemeinsame Basis, d.h. es geht nur, wenn "Seinesgleichen" erkannt wird: das in der Basis zu erkennende muss schon bekannt sein!
      Es muss als Idee bekannt sein, richtig. Falsch wäre aber, anzunehmen, dass die Ideen eine Art apriori-Existenz pflegen. Denn die Ideen selbst müssen ja auch erst in abstracta erlernt werden. Der gesamte kognitive Prozeß, der dafür nötig ist, ist aber eher Sache der Psychologen und Neurologen. Für mich als Philosoph reicht primär die Erkenntnis, dass es etwas bedarf, um kommunizieren zu können. Daraus kann man nun (wohlgemerkt aufbauend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen) Thesen erarbeiten - z.B. die These, dass dieses Etwas (Idee) nur unter "Gleichen" funktionieren kann. Da könnte durchaus was dran sein.

      Alltag schrieb:

      Frösche erkennen Frösche, weil sie "seinesgleichen" sind. Ebenso ist es mit den Menschen und seit man das verstanden hat, müssen die Priesterschaften den Göttern Menschähnlichkeit zubilligen; sei dies nun Gottvater oder der geborene Sohn Gottes. Damit ist aber der "Geist" nicht mehr das, was er einmal war.

      Siehst Du diese Differenz? Ist diese Differenz von Bedeutung?
      Ich verstehe zwar, was Du mit "seinesgleichen" meinst, ich verstehe aber nicht "was er (der Geist) einmal war."
      Archäologische Funde werden nicht selten als Opferstätten an gute oder schlechten Dämonen gedeutet. Haus- und Naturgeister usw. zeichnen für Kult und Kultur, die ihrerseits Ausdruck sind für die Demut der Menschen vor Geistern, Göttern, oder eben heutzutage vor Gott, vor Geist. Von dieser Entwicklung handelt Parmenides Lehrgedicht. Darin ist nicht nur vom richtigen Weg und vom unter allen umständen zu meidenden Wege die Rede, sondern auch von zwei Pfaden, auf denen die Doppelzüngigen herum irren, weil sie hie und da das Gegenteil mit meinen.

      Parmenides redet von "Seinesgleichen" und ich meine er sagt damit ganz präzise das, was wir unter A=A symbolisieren.

      Gruss, Alltag
    • Alltag schrieb:

      Parmenides redet von "Seinesgleichen" und ich meine er sagt damit ganz präzise das, was wir unter A=A symbolisieren.
      Hm, hast Du mal eine Textstelle? Ich finde das im Moment bei Parmenides nicht.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • Alles in den eckigen Klammern ist von mir ergänzt.


      Wohlan, ich werde also vortragen, welche Wege der Untersuchung einzig zu erkennen sind:
      [ In Bezug für sich gilt ], dass es ist und dass nicht ist, dass es nicht ist, ist die Bahn der Überzeugung, denn sie richtet sich nach der Wahrheit [5].
      [ In Bezug für seinesgleichen gilt, weil es für Eins als Sein keine Seinesgleichen gibt ], dass es nicht ist und dass es sich gehört, dass es nicht ist.
      Dies jedoch ist, wie ich dir zeige, ein völlig unerfahrbarer Pfad: denn es ist ausgeschlossen, daß du etwas erkennst, was nicht ist, oder etwas darüber aussagst: denn solches lässt sich nicht durchführen; [DK 28 B2]

      Man soll es aussagen und erkennen, dass es Seiendes ist; denn es ist [der Fall], dass es ist, nicht aber, dass Nichts [ist]; ich fordere dich auf, dies gelten zu lassen. Denn von jenem Untersuchungspfad [, dass Nichts sei,] halte ich dich in jedem Fall ab. Ich halte dich aber auch zurück von dem [Pfad], über den die nichts wissenden Menschen [5] irren, die Doppelköpfigen. Denn Machtlosigkeit lenkt in ihrer Brust den irrenden Verstand; sie treiben dahin, gleichermaßen taub wie blind, verblüfft, Völkerschaften, die nicht zu urteilen verstehen, denen das Sein und Nichtsein als dasselbe und auch wieder nicht als dasselbe gilt und für die es von allem eine sich verkehrende Bahn gibt. [DK 28 B6]
    • "Seinesgleichen" kommt meines Erachtens im Platonschen Dialog Parmenides an den nachfolgend unterstrichenen Textstellen vor.

      Platon, Parmenides [parm. 136 b6 - c4]: Mit einem Wort, in Bezug auf jeden Gegenstand, in Betreff dessen du immer voraussetzen willst, daß er nicht sei oder sei oder irgend etwas anderes erleidet, mußt du stets in Betracht ziehen, was sich aus der einen wie aus der andern Voraussetzung ergibt, in Beziehung auf das Vorausgesetzte selbst und in Beziehung auf jedes einzelne andere, was du immer herausheben willst, und auf mehreres von denselben und auf [alle Andern] insgesamt ebenso, und auch was sich für alles andere ergibt sowohl in Beziehung auf sich selber, als auf jenes erstere, was immer du dir dazu gewählt hast, und magst du als seiend eben jenes nämliche, was du der ganzen Voraussetzung zugrunde legtest, vorausgesetzt haben oder als nicht seiend.

      Ich habe versucht dieses Schema auf das Lehrgedicht des Parmenides anzuwenden. Dies gelang meines Erachtens recht gut. Ich musste zwar die Reihenfolge der Fragmente teils ändern. Aber es zeigte sich, dass der "Logikteil" des Lehrgedichts in den bekannten Fragmenten ohne wesentliche Lücken erhalten geblieben sind.

      Gruss, Alltag
    • Alltag schrieb:

      "Seinesgleichen" kommt meines Erachtens im Platonschen Dialog Parmenides an den nachfolgend unterstrichenen Textstellen vor.

      Platon, Parmenides [parm. 136 b6 - c4]: Mit einem Wort, in Bezug auf jeden Gegenstand, in Betreff dessen du immer voraussetzen willst, daß er nicht sei oder sei oder irgend etwas anderes erleidet, mußt du stets in Betracht ziehen, was sich aus der einen wie aus der andern Voraussetzung ergibt, in Beziehung auf das Vorausgesetzte selbst und in Beziehung auf jedes einzelne andere, was du immer herausheben willst, und auf mehreres von denselben und auf [alle Andern] insgesamt ebenso, und auch was sich für alles andere ergibt sowohl in Beziehung auf sich selber, als auf jenes erstere, was immer du dir dazu gewählt hast, und magst du als seiend eben jenes nämliche, was du der ganzen Voraussetzung zugrunde legtest, vorausgesetzt haben oder als nicht seiend.

      Ich habe versucht dieses Schema auf das Lehrgedicht des Parmenides anzuwenden. Dies gelang meines Erachtens recht gut. Ich musste zwar die Reihenfolge der Fragmente teils ändern. Aber es zeigte sich, dass der "Logikteil" des Lehrgedichts in den bekannten Fragmenten ohne wesentliche Lücken erhalten geblieben sind.

      Gruss, Alltag
      Ah, ich glaube jetzt Deinen Gedankengang nachvollziehen zu können. Ich habe nur heute keine Muße mehr.. morgen vielleicht mehr dazu.

      lieben Gruß
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • iselilja schrieb:

      Alltag schrieb:

      "Seinesgleichen" kommt meines Erachtens im Platonschen Dialog Parmenides an den nachfolgend unterstrichenen Textstellen vor.

      Platon, Parmenides [parm. 136 b6 - c4]: Mit einem Wort, in Bezug auf jeden Gegenstand, in Betreff dessen du immer voraussetzen willst, daß er nicht sei oder sei oder irgend etwas anderes erleidet, mußt du stets in Betracht ziehen, was sich aus der einen wie aus der andern Voraussetzung ergibt, in Beziehung auf das Vorausgesetzte selbst und in Beziehung auf jedes einzelne andere, was du immer herausheben willst, und auf mehreres von denselben und auf [alle Andern] insgesamt ebenso, und auch was sich für alles andere ergibt sowohl in Beziehung auf sich selber, als auf jenes erstere, was immer du dir dazu gewählt hast, und magst du als seiend eben jenes nämliche, was du der ganzen Voraussetzung zugrunde legtest, vorausgesetzt haben oder als nicht seiend.

      Ich habe versucht dieses Schema auf das Lehrgedicht des Parmenides anzuwenden. Dies gelang meines Erachtens recht gut. Ich musste zwar die Reihenfolge der Fragmente teils ändern. Aber es zeigte sich, dass der "Logikteil" des Lehrgedichts in den bekannten Fragmenten ohne wesentliche Lücken erhalten geblieben sind.

      Gruss, Alltag
      Ah, ich glaube jetzt Deinen Gedankengang nachvollziehen zu können. Ich habe nur heute keine Muße mehr.. morgen vielleicht mehr dazu.
      lieben Gruß
      So...

      .. ich glaube, ich Du verstehst schon, dass Du hier mehr in Parmenides hinein legst, als eigentlich da steht. Oder besser gesagt weniger. :)

      Platon lässt Parmenides hier eine Aufzählung der Vollständigkeit halber sprechen. Dieser Typus des Erklärens findet sich aber auch in anderen Dialogen Platons, hat also mit Parmenides' Lehre nicht unbedingt etwas zu tun.

      Wegen Deiner Interpretation, dass es nur unter "seinesgleichen" möglich sei Ideen zu gewinnen.. ich denke das markierte allein widerlegt diese Interpretation. Zumal sich hier "denselben" auch auf einen ganz anderen Kontext bezieht.

      lieben Gruß
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • Tag Iselilja

      die Erwähnung des Lehrgedichts in Platons Parmenides [128a/b] ist mir Nachweis genug, dass das Lehrgedicht sehr wohl etwas mit dem Dialog zu tun hat. Und zwar gerade weil Platon in weiteren Dialogen positiv von Parmenides redet, ohne weiter Werke Parmenides zu nennen. Dies begründet mein Vorhaben, die beiden Werke im Hinblick auf ihre möglichen Gemeinsamkeiten auszulegen. Der Einfachheit halber und entgegen der üblichen Lehre nehme ich Platon beim Wort. Die philosophischen Jungspunds besuchen einen Zeitgenossen und lassen sich von diesem den Dialog zwischen Zenon, Parmenides und dem Jung-Sokrates vortragen. Dass Platon nachträglich darüber Protokoll führte, wie er es schon vorher bei Sokrates Dialogen übte und ausübte, ist wahrscheinlich. Denn es muss den philosophischen Jungspunds auch zugetraut werden, dass jeder einzelne Parmenides Lehrgedicht fehlerfrei rezitieren konnte. Wie sonst hätten sie sich an einem grossen Fest ausgerechnet für den Parmenides Dialog interessieren sollen.

      Meiner Meinung nach ist es mehr als "eine Aufzählung der Vollständigkeit halber": Es ist die Zusammenfassung und Anleitung, wie der Dialog zwischen Parmenides, Zenon und dem Jung-Sokrates zu verstehen ist.

      Lieben Gruss
      Alltag
    • Alltag schrieb:

      Tag Iselilja

      die Erwähnung des Lehrgedichts in Platons Parmenides [128a/b] ist mir Nachweis genug, dass das Lehrgedicht sehr wohl etwas mit dem Dialog zu tun hat. Und zwar gerade weil Platon in weiteren Dialogen positiv von Parmenides redet, ohne weiter Werke Parmenides zu nennen. Dies begründet mein Vorhaben, die beiden Werke im Hinblick auf ihre möglichen Gemeinsamkeiten auszulegen. Der Einfachheit halber und entgegen der üblichen Lehre nehme ich Platon beim Wort. Die philosophischen Jungspunds besuchen einen Zeitgenossen und lassen sich von diesem den Dialog zwischen Zenon, Parmenides und dem Jung-Sokrates vortragen. Dass Platon nachträglich darüber Protokoll führte, wie er es schon vorher bei Sokrates Dialogen übte und ausübte, ist wahrscheinlich. Denn es muss den philosophischen Jungspunds auch zugetraut werden, dass jeder einzelne Parmenides Lehrgedicht fehlerfrei rezitieren konnte. Wie sonst hätten sie sich an einem grossen Fest ausgerechnet für den Parmenides Dialog interessieren sollen.

      Meiner Meinung nach ist es mehr als "eine Aufzählung der Vollständigkeit halber": Es ist die Zusammenfassung und Anleitung, wie der Dialog zwischen Parmenides, Zenon und dem Jung-Sokrates zu verstehen ist.

      Lieben Gruss
      Alltag
      Hallo Alltag,

      ich will Dich natürlich nicht in Deiner Interpretationsfreiheit einschränken.. aber ich denke schon, dass das was Platon niedergeschrieben hat recht eindeutig zu verstehen ist. :)

      lieben Gruß
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • Ja und was hat Platon niedergeschrieben? Ich mein den oben zitierten Text, der beginnt mit: In einem Wort ......

      In einer (philosophischen) Untersuchung ist das zu Untersuchende in vier Bezügen sowie jeweils in vier "Seins"-Weisen zu untersuchen:
      • in Bezug auf sich selbst,
      • in Bezug auf seinesgleichen
      • aber auch in Bezug auf das zu ihm Anderen,
      • sowie diese Anderen in Bezug zueinander;
      Und zwar was das zu Untersuchende in diesem Bezügen jeweils
      • ist
      • und erleidet
      • aber auch was es nicht ist
      • sowie was es dennoch erleidet;
      alsdann sind die Teilergebnisse bezugs-weise sowie seins-weise zusammenzuziehen und zu einem ganzen zusammenzufassen. Und nur so ist das "zu Untersuchende" in seiner Gesamtheit zu fassen._____________________________________

      In Anbetracht dieser Systematik stehen den geschulten Philosophen möglicherweise die Haare zu Berge, weil dies "engstirnige" Wissenschaft sei. Daher frage ich:
      • Habe ich den Text so geordnet, dass er nicht mehr zu erkennen ist?
      • Zitiert Platon den Parmenides oder ist der Text von Platon?
      Liebe GrüsseAlltag
    • Alltag schrieb:

      Habe ich den Text so geordnet, dass er nicht mehr zu erkennen ist?
      Den Ansatz das Lehrgedicht, mit dem Dialog Parmenides abzugleichen, halte ich für ausgesprochen interessant. Da kann wirklich neue Erkenntnis möglich sein.

      Alltag schrieb:

      Zitiert Platon den Parmenides oder ist der Text von Platon?
      Die Personen in Platons Dialogen dürften größtenteil imaginär sein. Ganz sicher kann Platon nicht ein Gespräch zwischen Parmenides und dem jungen Sokrates protokolliert haben, da er erst lange nach Parmenides Tod geboren wurde. Auch ist es eher unwahrscheinlich, dass Parmenides mit einem Kind (Sokrates) ernsthaft über Philosophie diskutiert hätte. Das passt nicht wirklich in das antike Sozialgefüge.

      Platon liefert im Parmenides eine Darstellung von dessen Philosophie und befragt damit seine eigenen Thesen. Da er wesentlich näher dran war, wusste er über Parmenides mit Sicherheit viel mehr als wir alle zusammen.
    • Tag Segler

      Danke für die aufmunternden Worte.

      Ich weiss, die geschulten Philosophen erachten Platons Parmenides-Dialog als imaginär. Aber was ist damit gewonnen, ausser dass Platon als grosser Schriftsteller geehrt wird? Platon beim Wort genommen [126c - 127a] protokolliert das was Antiphon den philosophischen Jungspunds erzählt. Antiphon weiss bescheid, weil ihm in jungen Jahren der Inhalt des Dialogs durch den damaligen Zuhörer Pythodoros, der sein Lehrer war, eingetrichtert wurde! Ich mache es mir leicht und ehre Platon als genialen Protokollführen.

      Vergleicht man meine oben angegebene Systematik mit dem entsprechenden Schema in Wikipedia-Platon-Parmendides, so fällt auf dass bei Wiki das Thema "erleiden" nicht abgebildet ist! Der Wiki-Eintrag ist als "sehr empfehlenswert" eingestuft, sodass offensichtlich das gros der Fachliteratur das erleiden nicht thematisiert, obwohl im altgriechisch Text [136b-c] von "pathos paschein" die Rede ist. Einzig <Franz Susemihl: Parmenides> übersetzt: Mit[i] einem Wort, in bezug auf jeden Gegenstand, in betreff dessen du immer voraussetzen willst, daß er sei oder nicht sei oder irgend etwas anderes erleide, mußt du stets in Betracht ziehen, ....[/i]

      Liebe Grüsse
      Alltag
    • Alltag schrieb:

      Der Wiki-Eintrag ist als "sehr empfehlenswert" eingestuft, sodass offensichtlich das gros der Fachliteratur das erleiden nicht thematisiert, obwohl im altgriechisch Text [136b-c] von "pathos paschein" die Rede ist. Einzig <Franz Susemihl: Parmenides> übersetzt: Mit einem Wort, in bezug auf jeden Gegenstand, in betreff dessen du immer voraussetzen willst, daß er sei oder nicht sei oder irgend etwas anderes erleide, mußt du stets in Betracht ziehen, ....
      Hallo Alltag.. ich verstehe immer noch nicht so ganz Deine Assoziationen des Geschriebenen. Wie interpretierst Du "mit einem Wort, in Bezug auf jeden Gegenstand"? Normalerweise würde man ja darunter verstehen, dass es für jeden Gegenstand ein eigenes Wort (Begriff, Idee) gibt. Nur wie passt dann der Rest des Satzes? Denn mit einem konkreten Wort lässt nicht ausdrücken, dass etwa sei oder nicht sei, denn wie wohl jeder merkt benötigt man dafür eine Unterscheidung; entweder verschiedene Wörter oder zwei Wörter: sein (ein Wort) vs. nicht sein (zwei Wörter) - Sonne vs. Vakuum (verschiedene Wörter).

      Also was meinst Du, wie Parmenides (aka Platon) das wohl meinen könnte? :)
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • Guten Abend Iselilja,

      ob man Gegenstand sagt, oder das zu Untersuchende, macht keine entscheidende Differenz. Friederich Schleiermacher übersetzt: Und mit einem Wort, was du auch zugrunde legst, es als seiend und nicht seiend oder was sonst davon annehmend, ....

      Klar sind Unterscheidungen nötig! Nebst den schon besprochenen Bezugsweisen und Sein-weisen scheidet Parmenides:
      (a) das zum Untersuchende Andere;
      (b) das Nicht-zu-Untersuchende;
      --------------------------------------------------

      Warum ist mir das erleiden so von Bedeutung? Ich mache Beispiele und lasse damit die Katze aus dem Sack:

      (1) Über Nicht-Seiendes lässt sich nichts aussagen, ausser es ist ein Erleiden im Spiel. So sind Hirngespinste, Träume, Phantasien und Betörungen Nicht-Seiende die durch erleiden seiend scheinen.

      (2) Seiendes erleidet Sein!

      Liebe Grüsse
      Alltag
    • Guten Morgen Alltag..

      Platons Dialoge sind ja so angelegt, dass zwei oder mehr in der Antike viel diskutierte Theorien/Auffassungen gegeneinander dialektisch antreten. Will Platon dabei die eine Position etwas näher beleuchten, lässt er den Vertreter der Gegenposition oft recht passiv erscheinen, oder auch durchgängig als den Jüngeren antreten. Offenbar hat man auch schon in der Antike Alter mit Weisheit assoziiert. Aber das nur am Rande zum didaktischen Stil Platons - Segler hat das ja schon recht treffend erklärt.



      Alltag schrieb:

      In einer (philosophischen) Untersuchung ist das zu Untersuchende in vier Bezügen sowie jeweils in vier "Seins"-Weisen zu untersuchen:


      in Bezug auf sich selbst,

      in Bezug auf seinesgleichen

      aber auch in Bezug auf das zu ihm Anderen,

      sowie diese Anderen in Bezug zueinander;
      Und zwar was das zu Untersuchende in diesem Bezügen jeweils


      ist

      und erleidet

      aber auch was es nicht ist

      sowie was es dennoch erleidet;
      alsdann sind die Teilergebnisse bezugs-weise sowie seins-weise zusammenzuziehen und zu einem ganzen zusammenzufassen. Und nur so ist das "zu Untersuchende" in seiner Gesamtheit zu fassen.
      Das sehe ich soweit genauso. Ich hatte vor ein paar Tagen eine Arbeit dazu am Wickel, die diese Passage im Parmenides sehr tiefgründig erläutert.. vielleicht finde ich sie ja heute abend nochmal und verlinke sie dann. Denn aus der Gesamtheit nun entsteht die Frage des Einen, des Ganzen, der Vielen und der Teile - und wie sich das Sein dazu verhält. Dort werden dann auch alle anderen Kategorien in diese vier Bezüge hinein gesetzt und erörtert, wie das zu verstehen sein könnte.

      Aber was ich nochmal betonen will ist, dass Platon dies alles schreibt. Nicht Parmenides.
      lieben Gruß
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • Guten Abend Iselilja,

      freut mich dass Du die Systematik der (philosophischen) Untersuchung genauso siehst.

      Ich drück dir die Daumen zum wiederfinden der Arbeit, die diese Passage im Parmenides sehr tiefgründig erläutert ... Und Du tönst gar vielversprechend: Denn aus der Gesamtheit nun entsteht die Frage des Einen, des Ganzen, der Vielen und der Teile - und wie sich das Sein dazu verhält. Dort werden dann auch alle anderen Kategorien in diese vier Bezüge hinein gesetzt und erörtert, wie das zu verstehen sein könnte.

      Mir ist schon klar, dass die uns überlieferten Texte nicht von Parmenides, sondern von Planton geschrieben worden sind. Letztlich ändert es am Text ja nichts, ob Platon diesen, wie ich sage, protokolliert hat, oder ob er ihn sich ausgedacht hat. Allerdings verstehe ich nicht, weshalb die Schulphilosophie auf letzterem zu insistieren scheint.

      lieben Gruß
      Alltag
    • Vielleicht kennst Du ja diese Dissertation bereits. Ab S. 57 geht es hauptsächlich um die 4 Perspektiven. Aber es dürfte sich wohl auch lohnen, das Ganze von Anfang an zu lesen.

      lieben Gruß
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • Guten Abend Iselilja

      herzlichen Dank für den Literaturhinweis mit link. Die Dissertation von Arne Malmsheimer ist bereits in der Einleitung ein Aufsteller, weil meine Spekulation im Titel meines Betreffs <Tappt die Philosophie im Dunkeln nach dem Elefanten Parmenides> einen unerwarteten Rückhalt findet:

      "... wobei vor allem die dem Parmenides vorausgehenden Dialoge, also der Theaitetos, der Sophistet und der Politikos, für seine Deutung wegweisend sein werden. ... ... ... ... Platon stellt nämlich in seinem wohl letzten philosophisch bedeutsamen Dialog eine Theorie (...) vor, die in der antiken Philosophier einzigartig sein dürfte und selbst von seinem Schüler Aristoteles (...) nicht mehr rezipiert wurde."

      Aristoteles fasst den Elefanten nicht als Ganzes! Und ob es Platon geschafft hat, bleibt offen, weil er nach seinem Dialog Parmenides nichts ebenso hochwertiges bringt.

      Gruss, Alltag
    • Ein weiterer Aufsteller ist auch folgendes in der Einleitung:

      "Die Einheit des Parmenides wird vorausgesetzt, da erwiesen werden kann, dass die im ersten Teil aufgeworfenen Aporien vermittels der sog. dialektischen Übung, die den zweiten Dialogteil bildet, sämtlich gelöst werden können. Diese Aporie werden darum in der vorliegenden Interpretation grundsätzlich ernst genommen, so dass ihre Lösung wiederum einer Widerlegung der klassischen Ideenlehre des mittleren Platon gleichgesetzt wird. "
    • Segler schrieb:

      Die Personen in Platons Dialogen dürften größtenteil imaginär sein. Ganz sicher kann Platon nicht ein Gespräch zwischen Parmenides und dem jungen Sokrates protokolliert haben, da er erst lange nach Parmenides Tod geboren wurde. Auch ist es eher unwahrscheinlich, dass Parmenides mit einem Kind (Sokrates) ernsthaft über Philosophie diskutiert hätte. Das passt nicht wirklich in das antike Sozialgefüge.

      Die Personen in Platons Dialogen sind größtenteils eben nicht imaginär, sondern historisch verbürgt. Der einzige, den man als Person nicht fassen kann, ist Kallikles im "Gorgias". Aber auch er wird eine historische Person gewesen sein. Wenn Platon eine Person erfindet, läßt er sie im allgemeinen anonym, wie der Athener in den "Gesetzen" oder der fremde Eleat im "Sophistes". Das vermeintliche Gespräch im "Parmenides" soll ca. 450 vor Christus stattgefunden haben, da war Sokrates 20 (also kein Kind mehr), Parmenides etwa 70 und Zenon 45 Jahre alt. Das Gespräch könnte also tatsächlich stattgefunden haben (natürlich nicht mit genau dem überlieferten Inhalt). Protokolliert haben es andere und nicht etwa Platon. Platon nutzte nur die Mitschriften anderer und baute sie im "Parmenides", der ja ein Spätwerk Platons ist, weiter aus.