Platons "Parmenides" als Quelle zu Parmenides' Lehrgedicht

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    • Platons "Parmenides" als Quelle zu Parmenides' Lehrgedicht

      Über Parmenides und aus dem gleichnamigen Werk Platons ist folgendes bekannt: Pythodoros bezeugte die auf eine Zeit um 450 oder 449 v. Chr. zurückgehenden Dialoge zwischen Zenon, Sokrates und Parmenides, und gab sie später seinem Schüler, dem heranwachsenden Antiphon weiter. Dieser prägte sich die Dialoge und die Übung ein. Antiphon beschäftigte sich als Erwachsener zwar mit Pferdezucht, dennoch trug er, so berichtet Platon, das vor Jahren Memorierte vor. Man mag aufgrund des Alters Antiphons für diesen Vortrag an die Zeit um 400 v. Chr. denken oder ? in der Annahme, dass die Protagonisten und Zeitzeugen befragt worden wären, sofern sie noch gelebt hätten ? sogar nach Sokrates? Tod, also nach 399 v. Chr. Platon war da 28 oder 29 jährig und er war während eines Jahres bis zum Tod Sokrates dessen Schüler. [M. Erler, Die Philosophie der Antike, Platon, Schwabe Verlag (2007), Band 2/2, 225.]

      Zeittafel von Fliege:
      ............................ Pythodoros / Antiphon
      .............................. 450 ........... 400
      ............................... | .............. |
      Parmenides: 515 -----------|-> 450 ....... |
      Zenon: .......... 490 -------|-----> 430 ... |
      Sokrates: ........... 469 ---|----------------|-> 399
      Platon: .............................. 427 ----|---------> 348

      (Aristoteles im Dialog = Oligarch Aristoteles, 468-403 =/= Aristoteles, 384-322.)


      Die drei Dialoge zwischen Zenon, Parmenides und dem Jungphilosoph Sokrates unterscheiden sich gänzlich im Stil, weshalb nicht auszuschliessen ist, dass darin die Philosophen in ihren unterschiedlichen Redeweisen zitiert werden. Sokrates war zu jener Zeit etwa 20 Jahre jung, ungestüm und harsch in seinen Bemerkungen, was im Text deutlich zur Geltung kommt. Ebenfalls nicht auszuschliessen ist, dass Platon selbst, gemeinsam mit seinen Brüdern, den Vortag seines Halbbruders Antiphon mithörte und sogar mitschrieb oder ihn später als Protokollführer mit phonographischem Gedächtnis niederschrieb [Gyburg Radke, Das Lächeln des Parmenides, Walter de Gruyter, 2006: Seite 410]. Diese Annahmen legen es dem Leser nahe, die Interpretation auf den Text selbst auszurichten und anzunehmen, dass dieser alles Notwendige beinhalte. Somit wird nicht zwischen dem historischen und dem literarischen Parmenides unterschieden, sondern das Werk Parmenides vorsokratisch und wie ein Theater mit drei Akten gelesen:

      Nach den einleitenden Erörterungen des Berichterstatters, erzählt Antiphon aus dem Gedächtnis, was ihm vor Jahren durch Pythodoros gelehrt wurde. Der erste Akt beginnt im Anschluss an die Vorlesung von Zenon mit dem Dialog zwischen Zenon und dem jugendlichen Sokrates. Der zweite Akt gibt den Dialog zwischen Sokrates und dem bejahrten Parmenides wieder. Im dritten, kurzen Akt doziert Parmenides seine Art und Weise, die Wahrheit gründlich zu durchschauen [136c5]. Die als Stichprobe [136e] bezeichnete Übung wird hier im Essay als ausufernde Zugabe gelesen, die Parmenides im Dialog mit dem Jüngsten der Runde vorträgt.

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    • Wie konnte Antiphon die drei Dialoge und insbesondere die Übung, nach so vielen Jahren korrekt wiedergeben?

      Hier wird m.E. erstmals die Vermutung geäussert, dass eine Gedächtnisstütze im Text eingewoben sei, dank der – in Anlehnung an Zenons Worte [136e] – die Gedanken kreuz und quer nachgezogen werden, um den Vortragenden zu leiten und die eingeweihten Leser durch das ganze Gebiet der Möglichkeiten zu führen, und sie so auf die Wahrheit treffen zu lassen.

      Im Lehrgedicht des Parmenides wird in den Hauptfragmenten der Gegensatz /1/ als solcher analysiert, wobei sich das gegensatzlose Eins ergibt und die Meinung gewürdigt /2/ wird. Vor Parmenides war das Prinzip des Gegensatzes die Antwort auf eine in der Antike bedeutungsvolle Frage, die sich infolge des Lehrgedichts neu /3/ stellen sollte: Wie kann Vieles sein, wenn das gegensatzlose Eins ist? Dass Eins in mindestens einem Fall Vieles begründet, ist gesetzt. Denn die Zahl Eins ist die Begründerin aller Zahlen.
      Gesucht ist somit ein ursprüngliches Prinzip, das widerspruchsfrei vermittelt zwischen dem in der Vielfalt der Natur offenkundigen Mannigfachen und dem gedanklich erschlossenen Eins als Einheit. [Alltag]
      Die so formulierte Aufgabe lässt die Bedeutung des von Platon niedergeschriebenen Textes erahnen, der hier mit Parmenides Methode [136 b6–c4] benannt wird und in der Sekundärliteratur meist unbeachtet bleibt.

      Der Versuch, den Bezug zwischen der Parmenides Methode und den Fragmenten seines Lehrgedichts herauszuarbeiten beginnt damit, im Werk Parmenides die Methode und ihre Verwendung als Gedächtnisstütze zu untersuchen. Die resultierende Auslegung wird hier anhand der Einbettung in die von Antiphon vorgetragenen Dialoge beurteilt.

      L.G. Alltag
      ----------

      /1/ DK 28 B 8 „Sie haben sich nämlich entschieden, zwei Formen zu benennen – von denen nur eine zu benennen nicht erlaubt ist: darin liegt ihr Fehler. [55] Sie haben sie der Gestalt nach als Gegensätze geschieden und voneinander getrennte Merkmale festgelegt: […]“

      /2/ DK 28 B 1 „So gehört es sich, dass du alles erfährst: einerseits das unerschütterliche Herz der wirklich überzeugenden Wahrheit [30], anderseits die Meinungen der Sterblichen […] Gleichwohl wirst Du auch hinsichtlich dieser Meinungen verstehen lernen, dass das Gemeinte gültig sein muss, insofern es allgemein ist.“

      /3/ Dass sich diese Frage stellte, ist durch Sokrates belegt [128b]: „ […] Du [Parmenides] nämlich sagst in deinem Gedicht, das All sei Eins, und bringst dafür schöne und treffende Beweise bei, er [Zenon] aber sagt nun wieder, es sei nicht Vieles, und liefert dafür auch seinerseits gar viele und starke Beweise.“

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    • Weitere Prüfkriterien für die Auslegung sind m. E. auch die am Ende des Dialogs zwischen Sokrates und Zenon, von Sokrates formulierten, philosophischen Ansprüche:

      [erster Anspruch] aber wird er zeigen, was Eins ist, das selbst sei Vieles und wiederum das Viele selbst sei Eins: dies werde ich gewiss bewundern. [129c]

      [zweiter Anspruch] Und ebenso nun in Hinsicht auf alles andere: wenn jemand zeigte, daß den Gattungen und Begriffen selbst diese entgegengesetzten Beschaffenheiten zukommen würd, das wäre wert, es zu bewundern;

      [dritter Anspruch] weit mehr aber, wie gesagt, würde es mich auf diese Art erfreuen, wenn jemand diese nämliche der eben dieselbe Schwierigkeit auch als in die Begriffe selbst auf vielfache Art verflochten, wie ihr an den sichtbaren Dingen sie durchgegangen seid, [130a] ebenso auch an dem, was mit dem Verstande aufgefasst wird, aufzeigen könnte.

      Diese Textstellen werden in der Literatur als Widersprüche taxiert. Dass diese Zitate als Ansprüche und somit als Prüfkriterien aufzufassen sind, ist nachvollziehbar, wenn der nachfolgende Abschnitt [130a] als Augenzeugenbericht gelesen wird:
      [130a] Als Sokrates so gesprochen, erzählte Pythodoros, habe er seinerseits geglaubt, daß Parmenides und Zenon alles, was er vorgebracht, Stück für Stück unwillig aufnehmen würden, allein beide hätten dem Sokrates nicht bloß große Aufmerksamkeit geschenkt, sondern auch häufig beifällig lächelnd einander angeblickt und so ihre Bewunderung desselben zu erkennen gegeben.

      Die Zeitzeugenschaft Pythodoros' ist nicht zu verwerfen, da er das damalige Geschehen dermassen fein und abschliessend kommentierte und an Antiphon in der damals üblichen literarischen Form des Memorierens weitergab.

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    • Mit der Spekulation über die verborgene Gedächtnisstütze ist ein Sprung zur Parmenides Methode angekündigt. Sokrates betört im dritten Akt, d.h. im Übergang zum Übungsgespräch, ungestüm den hochbejahrten, aber rüstigen Parmenides, einen Exkurs darüber vorzutragen, wie die Wahrheit gründlich zu durchschauen sei, wenn in Anlehnung an Zenon [136e] methodisch vorgegangen werde.
      Nach H.-G. Gadamer bedeutet 'Mehtodos' "im Sinne der Antike stets das Ganze der Beschäftigung mit einem Bereich von Fragen und Problemen. In diesem Sinne ist 'die Methode' nicht ein Werkzeug zur Objektivierung und Beherrschung von etwas, sondern ein Anteilnehmen am Umgang mit den Dingen, mit denen wir uns befassen. Diese Bedeutung von 'Methode' als Mitgehen setzt voraus, dass wir uns schon [mittendrin] befinden und keinen neutralen Blickpunkt einnehmen - auch wenn wir uns noch so sehr um Objektivität bemühen und unsere Vorureilte aufs Spiel setzen."

      Parmenides fasst im für Strukturfragen zentralen Übergang [135c-137c] seine Ausführungen so kurz und bündig zusammen, dass seine Zusammenfassung hier, wie bereits erwähnt, als Parmenides Methode bezeichnet wird [136 b6 - c4]:
      "Mit einem Wort, in Bezug auf jeden Gegenstand, in Betreff dessen du immer voraussetzen willst, daß er [code=c] nicht sei oder [a] sei oder [b ] irgend etwas anderes erleidet, mußt du stets in Betracht ziehen, was sich aus der einen wie aus der andern Voraussetzung [a, b, c] ergibt, in Beziehung auf [1] das Vorausgesetzte selbst und in Beziehung auf [3] jedes einzelne andere, was du immer herausheben willst, und auf [2] mehreres von denselben und [4] auf [alle Andern] insgesamt ebenso, und auch was sich für alles andere ergibt sowohl in Beziehung auf [5] sich selber, als auf [6] jenes erstere, was immer du dir dazu gewählt hast, und magst du als seiend eben jenes nämliche, was du der ganzen Voraussetzung zugrunde legtest, vorausgesetzt haben oder als nicht seiend."

      Die Übersetzung der im Zitat mit dem Bst. b markierten Voraussetzung , kai otioun allo pathos pasxontos (wie zu sehen ist, ist Alltag des Altgriechisch unkundig), wird in der Sekundärliteratur als problematisch erachtet. Mit den Übertragungsschritten i) oder durch welches Andere auch immer eines, das des Leidens leidet; ii) oder ein durch Anderes Geprägtes; iii) oder irgendetwas erleidet; wird der Übertragung von Franz Susemihl und damit der Formulierung <erleiden> der Vorrang gegeben. Damit umfasst die Methode mindestens zwölf Fragestellungen: drei Voraussetzungen [a, b, c] mal vier Bezugsweisen [1,2,3,4] !

      Parmenides Methode: Struktur des Merkschemas
      ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------|
      ..............................................||......................... Das Eins...........................|
      ............ Bezugsweisen ................||das ist als...| das erleidet als... |das nicht ist als ..|
      ----------------------------------------------||------ a ------|-------- b -----------|-------- c -----------|
      |1|Eins für sich............................||......1a......|.........1b...........|.........1c..........|
      |2|Eins in Bezug zu seinesgleichen.....||......2a......|.........2b...........|.........2c...........|
      |3|In Bezug zu einander.................||......3a...... |.........3b...........|.........3c...........|
      |4|Die Anderen für sich..................||.......4a......|.........4b...........|.........4c..........|
      ----------------------------------------------||---------------------------------------------------------------|
      |5|Ergebnisse für sich....................||................5ab....................|.........5c..........|
      |6|Ergebnisse in Bezug zu Eins..........||............................... 6 .............................|
      |7|Ergebnisse in Bezug zu einander....|| .............................. 7 .............................|
      8 |Ergebnisse für sich; Gesamtergebnis||............................... 8 .............................|
      |---------------------------------------------||---------------------------------------------------------------|

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    • Was bisher geschah: Alltag postuliert, dass Platon am Vortrag seines Halbbruder Antiphon anwesend war und das Geschehen im Vorfeld des Vortrags darlegte sowie den Vortrag selbst wortgetreu protokollierte. Alltag postuliert auch, dass Antiphons Lehrer Pythodoros selbst dabei war, d.h. Pythodoros bezeugt die drei Dialoge und die Vorlesung des Parmenides mit der genuinen Zusammenfassung [parm. 136 b6-c4].

      Wie es weiter gehen soll: Als nächstes wird die Bedeutung der Parmenides Methode textimmanent plausibilisiert, indem in den zweiten Übungsteil gesprungen wird. Dann wird Parmenides Zusammenfassung der Übung aufgenommen, um zu klären, wovon der zweite Übungsteil handelt. Alsdann geht's Alltaglich zum ersten Übungsteil mit dem Ziel, zu verstehen, wovon dieser handelt. Nun also, pack ich's an:

      Gestützt auf die Aussage der Göttin, dass es einerlei sei woher man anfange, da man dorthin zurückkomme [DK 28 B 5], wird mit dem zweiten Teil der Übung begonnen, weil er kürzer und offenkundig strukturiert ist. Parmenides spricht nacheinander vier Fälle an [ungefähr ab 160b bis zum Schluss].
      (Erstens) Wenn nun aber das Eins nicht ist, was dann eintreten muß, was wäre wohl demnächst zu untersuchen
      (Zweitens) Wenn also das Eins nicht ist, dann fragen wir, was muß dann in Bezug auf dasselbe eintreten
      (Drittens) Nun haben wir aber auch noch zu untersuchen, wenn das Eins nicht ist, was dann allem Anderen begegnen muß.
      (Viertens) Noch einmal laß uns nun zurückkehren und untersuchen, wenn Eins nicht ist, wohl aber alles Andere außer dem Eins, was darin folgt

      Es wird ganz offensichtlich die Voraussetzung (c) <Eins, das nicht ist> abgehandelt und zwar in den jeweiligen Bezugsweisen <Eins für sich>, <Eins in Bezug zu seinesgleichen>, <Eins in Bezug zu andern> und <Das Andere für sich>.

      Parmenides fasst das Gesamtergebnis der Übung in den letzten Sätzen wie folgt zusammen:
      Mag Eins nun sein oder nicht sein, so muß dieses [Eins] und auch das Andere, wie es scheint, [....], durchaus sowohl sein als nicht sein und sowohl zu sein scheinen als auch nicht scheinen.

      Parmenides redet im Gesamtergebnis unter anderem auch von scheinen und nicht scheinen. Daher ist zu vermuten, dass es im letzten Übungsteil um den "Schein" geht. Für diese Fälle ergeben sich nach Parmenides Methode folgende Wirkungszusammenhänge. Im ersten Fall ist etwas angesprochen, das eigentlich gar nicht sei, also ein Hirngespinst [1c]. Im zweiten Fall wird der Bezug zwischen Hirngespinsten, d.h. - neutral formuliert - der Traum thematisiert [2c]. Im dritten Fall wird nach etwas gefragt, das eigentlich unter der getroffenen Voraussetzung nicht sein kann und trotzdem gegenseitig mitgeteilt wird, also geht es ums Gerede [3c]. Im letzten Fall werden Folgen von etwas, das eigentlich wiederum nicht ist, thematisiert. Es geht also um die Wirkung des Sirenengesangs, d.h. Betörung [4c].

      Merkschemas zum zweiten Übungsteil bei Platon
      ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------|
      |.............................................||......................... Das Eins...........................|
      |.......... Bezugsweisen .................||..das ist als..|..das erleidet als..|..das nicht ist als..|
      |---------------------------------------------||------ a ------|--------- b -----------|-------- c -----------|
      |1|Eins für sich............................||.......1a......|.........1b...........|.. Hirngespinst ....|
      |2|Eins in Bezug zu seinesgleichen.....||.......2a......|.........2b...........|...... Traum .......|
      |3|In Bezug zu einander.................||.......3a...... |.........3b...........|..... Gerede ......|
      |4|Die Anderen für sich..................||.......4a......|.........4b...........|... Betörung ......|
      |---------------------------------------------||---------------------------------------------------------------|
      |5|Ergebnisse für sich....................||................ 5ab ..................|..... Schein ......|
      |6|Ergebnisse in Bezug zu Eins..........||............................... 6 .............................|
      |7|Ergebnisse in Bezug zu einander....|| .............................. 7 .............................|
      8 |Ergebnisse für sich; Gesamtergebnis||............................... 8 .............................|
      |---------------------------------------------------------------------------------------------------------------|


      Der zweite Übungsteil ist der Voraussetzung <Eins, das nicht ist> gewidmet und zeigt als Zwischenergebnis, dass in diesen Fällen eigentlich statt von dem noch zu enträtselnden Einen, von Schein die Rede ist, wie Hirngespinste, Träume, Phantasien und Betörungen. Parmenides scheut ebensowenig davon zu Reden, wie er im Dialog mit JungSokrates betreffs der Haare, Lehm und Schmutz [130c] nachfrägt, was er dazu meine.

      Darüber hinaus wird klar, dass die in Serie folgenden Verneinungen entgegen der üblichen Erwartung, weder ins Leere noch in den unendlichen Regress führen. Denn unter der hier analysierten Voraussetzung [code=c] erweisen sich die Verneinungen nicht als doppelte Verneinungen, weil das Untersuchte eigentlich nur als das noch zu enträtselnde Eine erscheint.

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    • P.S.
      Parmenides Methode orientiert sich am Allereinfachsten: Irgendeins ist das Mindeste, ebenso die Beziehung zu sich selbst. Dass sich daraus auch noch das Andere und der Bezug zu einander sowie der Bezug des Andern für sich ergeben, liegt unausweichlich in der Sache selbst. Darüber hinaus fordert Parmenides, dass auch noch die Frage zu klären ist, was denn sei, wenn das Eins nicht ist. Dadurch gehen Subjekt, Objekt und Mitwelt gleichwertig in die Untersuchung ein!

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    • Der erste Übungsteil

      Die Übung des Parmenides, im gleichnamigen, von Platon niedergeschriebenen Werk, beginnt mit Parmenides Zustimmung, die von allen erbetene Übung selber vorzutragen:
      Oder ist es euch recht, wenn ich denn doch dies mühevolle Spiel durchführen soll, daß ich mit mir selbst und mit meiner eigenen Voraussetzung beginne, indem ich das Eins selbst zugrunde lege und so untersuche, wenn das Eins ist und wenn das Eins nicht ist, was ergibt sich notwendig daraus? [137b1-5]

      Im Dialog mit dem Jüngsten (der zufällig gleich heisst, wie der uns bekannte Philosoph Aristoteles) beginnt Parmenides die Übung mit: Wohlan, wenn Eins ist, so kann doch wohl das Eins nicht Vieles sein? Obwohl Parmenides sagt, dass er das Eins selbst zugrunde lege, und die beiden genannten Voraussetzungen diskutiere, bleibt m.E. der Leser im Ungewissen gelassen, worüber hier letztlich debattiert und exerziert wird. Diese Feststellung, mehr noch ein solches Eingesgändnis, bringt m. E. den Leser weiter, denn die im Text der Parmenides Methode eingebetteten Fragen nach dem, was er herausheben wolle, sind vielfältig beantwortet. Parmenides diskutiert die Wirkungszusammenhänge [133c-d] wie sie in seiner Methode durch die Voraussetzungen [a, b, c] und Bezugsweisen [1, 2, 3, 4] thematisiert sind. Er spricht mit der von Zenon angekündigten Pedanterie im ersten Übungsteil von:
      -- Teil und Ganzem;
      -- von Arten der Gestalt und Arten der Bewegung;
      -- von Veränderungen in Raum und Zeit;
      -- von Vergleichen mit dem Ergebnis: verschieden, ähnlich, gleich und einerlei ;
      -- von Teilen mit dem Ergebnis: Berührung und Grenze.
      Parmenides erörtert aber auch Gegensätze, wie
      -- das Einerlei an sich (d.h. mE. das Ununterscheidbare an sich) und das Verschiedene an sich;
      -- das Ähnliche und das Unähnliche;
      -- Grösse und Kleinheit.
      Thematisiert wird auch die Relation.
      Von all diesen im ersten Teil der Übung hinterfragten Merkmalen wird gezeigt, dass sie sowohl zutreffen als auch nicht. Daraus folgt m. E. logischerweise: Im untersuchten Zusammenhang erweisen sich diese Merkmale als ganz und gar bedeutungslos!

      Durch den ersten Block der untersuchten Merkmale wird Natur ausgezeichnet, durch den zweiten Block (allerdings etwas unklar) wird "Sein" ausgezeichnet, sodass es Parmenides in der Übung m.E. um das geht, was weder Natur noch Sein ist. Daher ist im Stil der Parmenides Methode zu fragen: Was ist Eins, das weder Natur noch Sein ist? Parmenides spricht im Dialog mit Sokrates sinngemäss dieselbe Frage an:

      Unerkennbar ist also für uns das Schöne selbst, was es ist, das Gute [134c] und alles, was wir als Ideen an sich annehmen.

      Zu früh eben, habe Parmenides gesagt, bevor du geübt bist, gehst du daran, zu bestimmen, Sokrates, was schön ist, gerecht, gut und eine jede der Ideen. [135d]

      In den Zitaten ist das angesprochen, was weder Natur noch Sein ist, sondern allgemein gültig. Oder kurz: Was gilt eigentlich? Was ist das zutreffende? Die Leitfrage der Parmenides Übung bei Platon konkretisiert sich daher wie folgt: Unter welchen Voraussetzungen und Bezugsweisen wird für uns das Schöne selbst, was es ist, das Gute [134c] und alles, was wir als Ideen an sich annehmen erkennbar?

      Oder kurz: Was ist das Richtungsgebende?

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    • Wie kann ein Schriftstück sowohl von einem bestimmten Autor stammen, als auch nicht?

      Insofern, dass bei einem Protokoll die Schrift und der Stil des Protokollführers nicht verkannt werden soll, jedoch der Inhalt eines wirklich guten Protokolls von den Sitzungsteilnehmern stammen muss, kann ein Schriftstück sehr wohl von einem bestimmten Autor stammen, als auch nicht. Daher ist der von Alltag vorgebrachten Hypothese <Platon hat die mit "Parmenides" betitelten Dialoge von seinem Halbbruder Antiphon vorgetragen bekommen und dann protokolliert> nach der Okarsham Regel der Vorzug zu geben!

      P.S.: All die Gespräche die Sokrates in Anwesenheit seines Schülers mit Dritten geführt hat, wären demgemäss auch von seinem über ein phonographisches Gedächtnis verfügenden Schüler Platon protokolliert worden. Platon war während einem Jahr Schüler des Sokrates. Platon erlebte Sokrates Tod als dessen Schüler. Platon protokollierte Sokrates Reden vor dem Gericht.

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    • Platons "Parmenides" als Quelle zu Parmenides

      Obige Texte sind teils schon besprochen worden im Thread "Platon 20: Parmenides" im "Projekt Platon".
      Kanye West (US-amerikanischer Rapper): "Ich liebe die Art, wie Candace Owens denkt." — Candace Owens: "Die Linken denken, Schwarze sind dumm."

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    • Alltag schrieb:

      Von all diesen im ersten Teil der Übung[parm. [137c - 160b] hinterfragten Merkmalen wird gezeigt, dass sie sowohl zutreffen als auch nicht. Daraus folgt m. E. logischerweise: Im untersuchten Zusammenhang erweisen sich diese Merkmale als ganz und gar bedeutungslos!

      Mit diesem Ergebnis ist der erste Teil der Übung im Hinblick auf die Leitfrage auf das reduziert, was richtungsgebend nicht ist. D.h. All die aufgezählten Merkmale sind für das Schöne selbst, das Gute [134c] und all die Ideen an sich nicht anzunehmen. Hmm! Das ist nun wirklich eine magere Ausbeute: hinsichtlich der gehegten Erwartungen scheint dies ein enttäuschendes Ergebnis zu sein. Ausser, wir werden uns bewusst, dass erst jetzt, also nach diesem Durchgang durch den ersten Übungsteil der Nachweis vorliegt, dass die schon bespochenen Leitthemen, wie <Natur>, <Bleibendes; Sein; Wahrheit>, <Methode; Bewusstsein; Mensch>, nicht durch die Frage, was das Schöne und Gute an sich sei, zu ergänzen ist, sondern durch die neue Leitfrage: Was gibt die Richtung zu all den Ideen an sich?

      Oh Schreck! Muss der Leser diese Leitfrage selbst methodisch erarbeiten? Klar, sonst wäre es keine Übung.
    • Eins, das ist als Richtungsgebend (Allgemeingut)

      Der erste Übungsteil ist in gleicher Weise strukturiert wie der vorangehend besprochene zweite Übungsteil. Da wie hier vorgeschlagen Eins als Allgemeingut analysiert wird, ergibt sich fallweise und wiederum willkürlich in umgekehrter Reihe folgendes:
      4a: Im vierten Fall wird die Folge oder Wirkung all des Andern – ausser dem Eins als Allgemeingut – thematisiert. Wie und was auch immer das Eins ist oder nicht ist, die Folge oder Wirkung ist immer so, dass das Andere bleibt, was es ist. Genau so ist es mit der Struktur als Inhalt- und Formhalter. Die Struktur bleibt was sie ist, egal was die Form, was der Inhalt ist. 3a: Im dritten Fall wird nach Allgemeingut gefragt, welches den Bezug zu anderem Allgemeingut markiert: Parmenides nennt den Augenblick und die Vorkommenheit. Selbstredend ist damit gesagt, was gemeint ist. Parmenides nennt die beiden als notwendige Bedingung für das in Bezug kommen und für das gründliche Durchschauen der Wahrheit. In heutigen Worten ist hier von "zugleich" die Rede. Die Vorkommenheit darf und soll an Vorkommen, Lagerstätten, Getreidespeicher und Datenspeicher erinnern, denn nur dank diesen ist die Voraussetzung für jeglichen Vergleich und damit den Nachweis von Wahrheit gegeben. 2a: Im zweiten Fall wird Eins in Bezug zu seinesgleichen thematisiert. Parmenides nennt die Zahl. Da die beiden zueinander in Beziehung stehenden ununterscheidbar oder einerlei sind, zeigt sich Eins als Vieles: Einerlei mehrfach genommen, geht über das hinaus, was nur dem Einerlei zusteht. Eins als Begründer der Zahlen: der genuine Operator „und Eins“. 1a: Im noch verbleibenden ersten Fall ist weder Teil noch Ganzes, aber Eins; weder in Raum noch in Zeit, daher unveränderlich, etc.: damit verträglich ist Idee für sich.
    • Eins, das erleidet als Richtungsgebend (Allgemeingut) [Parmenides Hausarbeit]:

      Die dritte Voraussetzung, d.h. [b'] Eins, das erleidet, bleibt in der Übung des Parmenides bei Platon unbeachtet liegen. Diese Differenz zur Parmenides Methode ist offenkundig und wird, weil die Übung als (Stich)Probe angekündigt ist [136e], nicht als Lücke oder Mangel interpretiert, sondern als stillschweigend beauftragte Hausaufgabe:
      Legt also das Eins selbst zugrunde und untersucht, was sich, wenn das Eins erleidet, notwendig daraus ergibt.

      In der Anwendung der Parmenides Methode wird in der Voraussetzung [b' ], des Erleidens das ermittelt, was sich ohne das Hinzutun des Eins ergibt. Thematisiert wird also weder das in den Voraussetzungen [a], <Eins, das ist>, noch in [code=c], <Eins, das nicht ist> Ermittelte. Das Eins, das erleidet als Allgemeingut wird arbeitsmethodisch mit Begriff benannt, in der Meinung, den Nachweis dafür nachliefern zu können. Daher ergibt sich: Insofern im Bezugsmodus <Eins für sich> Eins als Allgemeingut erleiden kann, ist das angesprochen, was begrifflich mit 'Einzelwesen' aufgefasst wird [1b]. Zu untersuchen ist der Bezug zu seinesgleichen: Einerlei, ob die zu Untersuchenden gleich oder ähnlich sind, als Erleidende ändern sie sich oder werden oder vergehen. Einerlei, ob der Bezug bereichernd, (be)gründend oder leidend ist, die in Bezug Stehenden werden in der Beziehung wesensbestimmt, obwohl sie Einzelwesen sind. Die in Bezug zu ihresgleichen Stehenden nehmen sich gegenseitig wahr und begreifen sich gegenseitig, wie beispielsweise in der Mutter-Kind Beziehung. Daher wird der arbeitshypothetisch eingeführte Begriff hier als Bipolarwesen /1/ konkretisiert [2b]. Zu thematisiert ist der Bezug zu einander: Eins, das erleidet, wird vom Anderen beansprucht. Ein derartiger Bezug zu einander ist in der Mitteilung, Teilhabe, Anteilnahme fundiert. Daher wird der arbeitshypothetisch eingeführte Begriff mit Sozialwesen konkretisiert [3b]. Zu thematisiert ist das Andere in Bezug zu sich, wobei das Andere ganz anders zu konkretisiert ist, als unter den in 1b, 2b oder 3b ermittelten Begriffen: Das Andere macht Eins derartig leiden, dass sich Eins weder dagegen wehren kann, noch Eins das Andere verändert. Das Andere ist daher Stoff, aber nicht Inhalt- und Formhalter, sondern das, was die wesensbestimmende Beziehung, d.h. das sich gegenseitig wahrnehmen und begreifen, ermöglicht. Daher wird der arbeitshypothetisch eingeführte Begriff hier mit Materie als Stoff konkretisiert [4b]. Das Wesen des Allgemeinguts wird im Modus <erleiden> durch die Materie mitbestimmt.

      Nachträglich geändert
      /1/
      Peter Sloterdijk, Sphären Trilogie, Band 1 Blasen, und Buchrücken des Band 2 „… daß der Einzelne, von seinem Fötus-Stadium bis in die Kindheit, nie allein ist, sondern stets den anderen in sich einbezieht …“ Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1999, erste Auflage

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    • Ergebnisse zu Eins als Richtungsgebend (Allgemeingut)

      Der Nachweis, dass die eingangs als Prüfkriterien aufgeführten Ansprüche des Sokrates philosophisch relevant und zutreffend sind, ist nun sehr fordernd. Hat jemand überhaupt dafür die Ausdauer? Wie dem auch sei:

      In [5ab] ist eine Besonderheit bei [1a] und [4a] zu vermerken: Das Eins als Idee für sich ist im Inhalt- und Formhalter verankert, sodass das in Untersuchung stehende Eins (Allgemeingut oder Richtungsgebendes) eine strukturelle Vereinfachung erleidet, die sich – den unendlichen Regress meidend – als Selbsteinschluss oder Ganzheitlichkeit erweist. Eins, das ist als Allgemeingut, charakterisiert das mit Vernunft ermittelbar Wahre als Urprinzip. Das in der Hausarbeit untersuchte Eins, das erleidet als Allgemeingut, charakterisiert das Wesen des wahrnehmbar Wahren und wird – weil es nicht im Inhalt- und Formhalter stofflich verankert ist, sondern in der Materie – immer schon separat benannt und zwar mit Begriff.

      Der Schein erscheint unter der Voraussetzung [code=c] <Eins, das nicht ist> zwar allgemein, aber seinem Wesen nach nicht allgemein gültig [5c]

      Merkschema für Eins als Allgemeingut
      |----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------|
      |............................................|| ......................... Das Eins ...............................................|
      |.......... Bezugsweisen ...............|| ..... das ist als ........ | .. das erleidet als ... |...das nicht ist als...|
      |--------------------------------------------||----------- a ---------------|---------- b---------------|---------- c ------------|
      |1|Eins für sich .........................||....... Idee für sich ......| .... Einzelwesen .....| .....Hirngespinste .....|
      |2|Eins in Bezug zu seinesgleichen...||.Begründer von Vielheit.| ... Bipolarwesen .... | ......Träume ...........|
      |3|In Bezug zu einander ...............||.... Vorkommenheit .... | ..... Sozialwesen .....| ........ Gerede ........|
      |4|Die Anderen für sich ...............||.. Inhalt-, Formhalter ... | ........ Materie .......| ..... Stofflosigkeit ....|
      |--------------------------------------------||------------------------------|---------------------------|--------------------------|
      |5|Ergebnisse für sich ...................|| .... Urprinzip ............| .......Begriff ..........| ........ Schein ........|
      |6|Ergebnisse in Bezug zu Eins .........|| .........sind zu unterscheiden, aber nicht zu trennen ......................|
      |7|Ergebnisse in Bezug zu einander ...|| ......... wahrnehmbare und denkbaren Wahrheit jedoch schon ..........|
      8 |Ergebnisse für sich; Gesamtergebnis||......................................................................................|
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    • Nachweis der philosophischen Ansprüche des Sokrates als Prüfkriterien

      Parmenides warnt Sokrates [135c] sinngemäss: „All zu früh, ehe du dich gehörig geübt hast, unternimmst du zu bestimmen, was man sich unter jedem Einzelnen zu denken habe.“ Die Schwierigkeiten bei der Deutung von Urprinzip, Begriff und Schein sind in den vorangehenden Untersuchung mit Hilfe der Parmenides Methode prinzipiell erhellt worden. Da nun dank solcher „Kreuz- und Querzüge durch das ganze Gebiet der Möglichkeiten zu begreifen ist, daß es möglich ist die Wahrheit zu treffen und zur richtigen Einsicht zu gelangen“ [136e], bleibt nichts anderes als zusammenfassend zum Anfang zurückkommen:

      Der in der Einleitung zitierte erste Anspruch Sokrates „was Eins ist, das selbst sei Vieles und wiederum das Viele selbst sei Eins“ ist als Prüfkriterium erfüllt, weil die verschiedenen Hinsichten der Voraussetzungen zu unterscheiden sind: i) Eins als Allgemeingut ist Vieles, insbesondere Begriff und Urprinzip. ii) Eins als Allgemeingut ist genau eines: Gültig.
      In Verknüpfung der Ergebnisse aus der Übung und aus der Hausarbeit und in Anlehnung an die Erörterungen des Zenon mit Sokrates [129b bis 130a] gehört der Begriff für sich zum Wahrgenommenen und Begriffenen. Die mannigfache Verflechtung mit dem Wahrnehmbaren wird durch die Materie als Stoff ermöglicht und strukturiert. Somit ist in den Dialogen vor der Übung das Eins so analysiert, dass das Wesen der mit den Sinnen wahrnehmbaren Wahrheit durchschaut und die Materie gewürdigt werden.

      Stoff des Urprinzips ist der Inhalt- und Formhalter, wie dargelegt. Der dem Begriff zugehörige Stoff ist jedoch die Materie. Begriff und Urprinzip sind entsprechend der ihnen eigenen Stoffe unähnlich. Damit ist dargelegt, „daß die Gattungs- und Artbegriffe selbst die ihnen geradeswegs entgegen gesetzten Beschaffenheiten und Zustände in sich aufnehmen und an sich tragen“, d.h. der zweite Anspruch des Sokrates ist somit erfüllt. Des Weiteren ist gemäss seinem dritten Anspruch zu bewundern, dass infolge der geeigneten Stoffzuweisung „die Schwierigkeiten im auf mannigfache Weise mit dem mit den Sinnen Wahrnehmbaren verflochtenen Gedachten, als auch in dem nur mit der Vernunft Erfaßbaren“ als eben dieselbe Schwierigkeit aufgedeckt ist.
    • Die Vorgehensweise von Alltag ist unwissenschaftlich

      @ Alltag,

      deine Vorgehensweise ist in jeder Hinsicht unwissenschaftlich, und daher wohl kaum aufrechtzuerhalten. Du machst einfach den Fehler, von Platon auszugehen, und dir von da aus den Parmenides zu erschließen. So kann man aber hermeneutisch nicht vorgehen. Richtig wäre die folgende Vorgehensweise: Sich den Parmenides an sich zu erschließen, und von da aus den Platon in Angriff zu nehmen. Du zäumst praktisch das Pferd von hinten auf...

      Gruß Joachim Stiller Münster

    • Weltweit wurden über den als Richtig bezeichnete Pfad Regal um Regal mit Sekundärliteratur gefüllt

      @Joachim,

      Parmenides Lehrgedicht über die Natur und über das Sein liegt uns nur fragmentiert vor. Da es offenkundig uns auch unvollständig vorliegt, macht es wenig Sinn, dieses wie ein Puzzle lösen zu wollen. Es ist nichmal klar, ob irgendein Fragment ein Rand- oder Eckstein beinhaltet. Daher konzentrierte ich mich darauf irgendein Bild schemenhaft zu erraten: erfolglos!

      Der von Platon protokollierte Parmenides Dialog berechtigt, wegen der Erwähnung des Lehrgedichts ...

      [128a] Willst du das sagen, oder habe ich es nicht richtig verstanden?

      Keineswegs, habe Zenon geantwortet, sondern du hast die Absicht der ganzen Schrift gut begriffen.

      Ich verstehe, habe Sokrates gesagt. Zenon hier will mit dir, Parmenides, nicht nur sonst freundschaftlich verbunden sein, sondern auch durch diese Schrift. Denn er hat in gewisser Weise dasselbe wie du geschrieben, indem er es aber andersherum sagt, versucht er uns vor zumachen, als ob er etwas anderes meint. Du [Parmenides] sagst nämlich in deinem Gedicht [DK 28 B 8, Zeile 5ff], das Ganze sei eins, und hierfür bringst du gute und vortreffliche Beweise.

      ... die beiden Weltliteraturstücke gegenseitig als Schlüssel zum besseren Verständnis in Betracht zu ziehen. Noch wissenschaftlicher ginge es nur in den Naturwissenschaften! Nee, nee, Joachim da bist Du auf dem Holzweg, "Komm zurück, Holzwege werden zu Pfade und enden im Dickicht!" Einerlei ist, welches der beiden Weltliteraturstücke Zaumzeug beziehungsweise Pferd. --- L.G. --- Alltag
    • O.k. ich bin, zumindest ein kleines bischen überzeugt. Nehmen wir einmal an, man könne beide Texte "gegenseitig" als Schlüssl zum Verständnis des Parmenides heranziehen. Zu Recht weist Du darauf hin, dass Platon sich in dem Dialog ausdrücklich zu dem Lehrgedicht bekennt. (Kurze Anmerkung: Es gibt zwei Parmenides-Fragmente, das Lehrgedicht, und das Diels-Fragment "Über die Natur"). Nun stellt sich aber die Frage, was will ich denn jetzt eigentlich: Dein Anliegen, Alltag, ist es, den Parmenides aufzuschlüsseln. Mein Anliegen wäre ein ganz anderes, nämlich den Platon aufzuschlüsseln. So gesehn gehen hier unsere Interessen diametral auseinander. Denn Parmenides brauche ich nicht aufschlüsseln. Den verstehe ich auch so, allein aus den beiden Fragmenten heraus. Das habe ich - denke ich - zu Genüge gezeigt. Was mir hingegen nicht recht klar ist, ist, warum der späte Platon die Ideenlehre über Bord wirft, und sich stattdessen der Lehre des Parmenides zuwendent. Und da ist ja auch noch der Dialog Sophistes (der Sophist) in dem es um genau dieselbe Problematik geht, wie im Parmenides... Ich werde aus dem Platon nicht schlau... Du sagtest mal, der Parmenides sei ein Schüsselwerk. Ja, ist es. Allerdings meintest Du wohl, in Bezug auf Parmenides. Für mich ist es ein Schlüsselwerk in Bezug auf Platon, denn es leitet die Eleatische Schlussphase im Werk von Platon ein...

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Unterschiedliche Interessenslage

      @ alltag,

      das Problem ist einfach, dass unsere interessenslage in diametralem Gegensatz steht. Du bist an Parmenides interessiert, aber mich interessiert Parmenides nicht im Geringsten. Ich hingegen bin an Platon interessiert, aber Platon iteressiert Dich wiederum nicht. Unsere untershciedlichen Interessen scheinen sich nicht einmal zu tangieren. Was kann man da machen?

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Wollen wir uns Sophistes zuwenden, aber im Projekt Palton?

      Ich habe sowieso schon bei Sophistes angefangen und bin bis zur Nummer 234 gekommen.

      Also auf Wiedersehen im Proekt Platon unter Sophistes. Auf Bald, --- L.G. --- Alltag

      Joachim Stiller schrieb:

      Hier einmal der Volltext zum Sophistes (Über das Nichtseiende und das "Andere"):
      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Hmmm, das geht mir etwas zu schnell... Ich habe ja den Parmenides noch nicht einmal gelesen, geschweige denn, bearbeitet... Außerdem müsste ich mir den gegliederten Text erst in der ULB kopieren. Und das gige frühestesn im Januar... Können wir den Sophistes nicht vielleicht etwas zurückstelllen?

      Gruß Joachim Stiller Münster

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