Rekonstruktion der Lehre des Parmenides

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Das ist mir nicht verständlich, wie vom Nichts die Rede sein soll. Auf was bezieht sich diese Rede denn? Und wenn sich die Rede auf etwas bezieht, dann doch wohl auf etwas Seiendes. Man könnte sich ja auch allein mit dem Wort "Nichts" begnügen und sonst gar nichts mehr darüber sagen (Das Wort "Nichts" sei etwas und nicht nichts). Aber was damit nun gemeint sein soll ist immer noch nicht klar. Ich meine: Nichts.
      Es war spät abend als ich ankam.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Kammerer ()

    • @ Kammerer,

      Nein, wenn dann "nichts" (kleingeschrieben). Ansonsten hast Du mit Deiner Kritik natürlich ganz Recht...

      @ Fliege,

      Der ganzr zweite Teil ist mal wieder nur ein Ablenkungsmanöver. Der erste Teil ist klar. Schön, dass Heidegger es genau so sieht, wie ich. Ich wollte Heidegger ja diskutieren, aber ein gewisser Fliege hat ja den Heideggerthread gelöscht... Gruß Joachim Stiller Münster

      Zitat Fliege:

      "Wenn du sagst, es gebe ein Nicht-Sein, dann machst du genau das, was auch Heidegger tut, nämlich: Seyn (Heidegger schreibt in diesem Fall "Seyn" statt "Sein") umfasst Sein und Nicht-Sein. Oder anders formuliert: wesentliche oder wahre Existenz umfasst Existenz und Nicht-Existenz."

      Das ist Balsam für meine Seele...

      Wer ist Günter? Der neue Scharlatan und Quacksalber? Das ist ganz großer Kese... Einen größeren Kese gibt es nicht. Aber Kese zieht bekanntnoch die Fliegen an... :LtD:

      Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()

    • Fliege schrieb:

      Joachim Stiller schrieb:

      Am Einfachsten ist es, eon mit "Sein" zu übersetzten (being), und dann sagt Parmenides es ganz klar: Das Nicht-Sein gibt es nicht (existiert nicht). Wenn aber ein Nicht-Seiendes nicht ist, dann gibt es das Nicht-Sein sehr wohl, denn ein Nicht-Seinendes "ist" ja "nicht". Und das ist wohl der eigentliche Widerspruch bei Parmenides.

      Zur von mir unterstrichenen Passage:

      Wenn man behauptet: x existiert nicht,
      dann behauptet man nicht: x hat Nicht-Existenz bzw. es gibt ein x und x hat Nicht-Existenz.

      Parmenides meint deswegen zutreffend: es gibt keine (nicht eine) Nicht-Existenz; es ist keine Nicht-Existenz; es existiert keine Nicht-Existenz.
      ....
      In Übersetzung:
      Gemäß jeder Interpretation dürfte Parmenides der Auffassung gewesen sein, dass jede Verneinung (jede negative Aussage) eine Verneinung von Existenz ist. Und es ist einfach einzusehen, weshalb Parmenides die Auffassung vertreten hätte, dass eine Verneinung von Existenz weder bedeutungsvoll, noch wahr sein kann. Denn wenn sie wahr wäre, dann bezöge sich die Verneinung auf etwas, das nicht-existent sein würde. Also würde sie sich nicht auf irgendetwas beziehen. Und wenn sie sich nicht auf irgendetwas bezieht, dann ist die Verneinung auch nicht bedeutungsvoll. Wenn man über etwas nicht sprechen kann, das nicht existiert, dann kann man dessen Existenz auch nicht verneinen. Also sind Verneinungen von Existenz ('negative Existenz-Aussagen') unmöglich.
      [...]
      Hier ist die beste Antwort auf Parmenides, darauf hinzuweisen (wie es Platon tat), dass nicht alle Verneinungen Verneinungen von Existenz sind. Sagt man, dass Kühe nicht fliegen, so bezieht man sich nicht auf fliegende Kühe und sagt von ihnen, dass sie nicht existieren. Man bezieht sich auf Kühe und sagt von ihnen, dass sie nicht fliegen.



      (Anmerkung: Mit der angeblich besten Antwort auf Parmenides bin ich allerdings nicht einverstanden. Man kann sich nämlich auf eine Vorstellung 'Pegasus' beziehen und sagen, dass sich der Ausdruck "Pegasus" auf diese existierende Vorstellung 'Pegasus' ('fliegendes Pferd') bezieht, allerdings kein Pegasus außerhalb dieser Vorstellung existiert, auf den sich die Vorstellung 'Pegasus' und damit der Ausdruck "Pegasus" beziehen könnte. Wenn ich sage, Pegasus existiert nicht, dann beziehe ich mich nicht auf ein Pferd, um von ihm zu sagen, dass es nicht fliegt.)

      In Platons "Sophistes" werden diese Schwierigkeit dargelegt und auseinandergebeint. Nachfolgend die vom Übersetzer, Friedrich Schleiermacher ..., eingefügten, Zwischentitel zur groben Orientierung:
      22. Schwierigkeit der Bestimmung des Scheins und des Falschen. Zusammenhang mit dem Satz des Parmenides vom Nichtsein des Nichtseienden. [236 d]
      ....
      23. Das in keiner Weise Seinde bezeichnet nicht irgend etwas
      .....
      24. Das in keiner Weise Seinede ist ohne Widerspruch nicht denkbar
      ....
      etc
      L.G. --- Alltag
    • die Fragmente entstammen einem Lehrgedicht,
      wurden also mündlich überliefert

      ein paar hundert Jahre später hat dann jemand das Mittelmeer abgeklappert
      die kursierenden Versionen gesammelt,
      übersetzt
      und als Collage erstmalig niedergeschrieben

      ob diese Textfassung vollständig oder zerstückelt die Gegenwart erreicht hat,
      weiss ich nicht

      jedenfalls sollte man sich darüber im Klaren sein,
      daß die heute bekannten Fragmente keinen durchkomponierten Text darstellen

      um was geht es in den Fragmenten?

      ein Mensch begibt sich auf eine spirituelle Reise (Drogen?)
      und trifft auf die Göttin der Wahrheit,
      die sich über seine Anwesenheit freut (mit ihm schläft?)
      und dem Gast zur Belohnung die volle Wahrheit verrät
      und denjenigen Quatsch, den die Menschen für wahr halten

      die Scheidung von Licht und Dunkelheit gehört zum Quatsch (Frg. 7/8 - 55)
      der Äther und die Himmelsgesetze gehören nicht zum Quatsch (Fr. 10)
      die Höherentwicklung des Universums gehört nicht zum Quatsch (Fr. 11)

      Parmenides möchte wahrscheinlich
      ~ Perioden erforschen (ein Phänologe erkennt an der Verwandlung des Waldkörpers die Jahreszeit)
      ~ Substanzen erforschen (Prozesse sind am Wirken)
      ~ Etappen erforschen (so hat sich die Materie höherentwickelt)

      Parmenides argumentiert wie das Johannesevangelium gegen den Dualismus

      Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.
      Dasselbe war im Anfang bei Gott.
      Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. (
      In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
      Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht begriffen.

      die Ablehnung des Dualismus wird in Fragment 6 formuliert

      Es ist dies nämlich der erste Weg der Forschung, vor dem ich Dich warne.
      Sodann aber auch vor jenem, auf dem da einherschwanken nichts wissende Sterbliche, Doppelköpfe.

      anstelle des Dualismus tritt das SEIN

      der Rest ist allgemein bekannt

      interessant ist noch die Aussage
      Denn [das Seiende] denken und sein ist dasselbe.


      denn 'denken' müsste eigentlich 'fühlen, denken, handeln' (in dieser Reihenfolge) heißen