Judith Butler - Sex ist immer schon gender gewesen

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    • Judith Butler - Sex ist immer schon gender gewesen


      Hallo Ihr Lieben, :sunny:

      ich freue mich sehr, dass es solch ein Philosophie-Forum gibt. Da ich seit kurzem studiere, habe ich auch das Modul Philosophische Anthropologie, daher hoffe ich, dass ich die richtige Rubrik gewält habe für mein Anliegen! ^^

      Es geht konkret um Judith Butlers Gendertheorien, welche eigentlich ein Grenzgebiet zwischen Philosophisch, Psychologie und auch Soziologie darstellen.
      Ich habe die Aufgabe, folgende Aussage unter den Gesichtspunkten des Leibes bzw. der Leiblichkeit, Dualimus und Sartres Ansichten von Freiheit kritisch zu beleuchten (und stehe damit leider ziemlich auf dem Schlauch): "Sex ist immer schon gender gewesen (...)." Es wäre schön,wenn mir dazu jemand Anreize geben könnte! :finger:

      Lieben Dank im Voraus!
    • Meribelle schrieb:

      Es geht konkret um Judith Butlers Gendertheorien, welche eigentlich ein Grenzgebiet zwischen Philosophisch, Psychologie und auch Soziologie darstellen.
      Ich habe die Aufgabe, folgende Aussage unter den Gesichtspunkten des Leibes bzw. der Leiblichkeit, Dualimus und Sartres Ansichten von Freiheit kritisch zu beleuchten (und stehe damit leider ziemlich auf dem Schlauch): "Sex ist immer schon gender gewesen (...)."

      Butler meint (hier referiert; Text-Datei): Der Dreh- und Angelpunkt in Butlers Theorie ist der Zusammenhang von Sexualität und Geschlechtszugehörigkeit, denn die diskursive Normierung von Geschlechtsidentiät entsteht nicht allein durch die Unterscheidung von Frau/Mann. [...] Die Wirklichkeit von Geschlecht wird im Zuge der performativen Wiederholung, im Zitieren dieser Normen erzeugt.

      Sartre (hier referiert): Diese Freiheit wird, wie es auf den ersten Blick scheint, durch die anderen Menschen gefährdet. 'Die Hölle, das sind die Anderen', weil sie den Einzelnen ständig auf etwas festlegen wollen und mit ihren Erwartungen die Freiheit, sich immer wieder neu zu entscheiden, eingrenzen. [...] Ein Mensch kann seine Freiheit nicht gegen die Freiheit der Anderen ausspielen, weil er nur frei sein kann, wenn sie es auch sind.

      Sartres Partnerin de Beauvoir (referiert hier): Frauen werden von den Männern zum 'Anderen Geschlecht' gemacht.

      Ich würde das so zusammenfassen:
      1. Männer üben Macht über Frauen aus und Beschränken deren Freiheit (de Beauvoir).
      2. Nur wenn alle frei sind, sind alle frei (Sartre).
      3. Machtträger sind gesellschaftlich-diskursive Normen, von denen Männer und Frauen abhängig sind (Butler).
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Fliege ()

    • Danke, liebe Fliege, zu den Ausführungen habe ich mir Gedanken gemacht: ^^
      Dass heißt, die Annahme der Freiheit des Menschen nach Sartre ist insofern dann ein Kritikpunkt an dieser Gendertheorie, weil sie letztlich besagt, sei frei, mach was aus dir, aber egal was du aus dir machst, du bist für dich verantwortlich - also fehlt es diesem Freiheitsbegriff letztlich an einer gewissen "Orientierung"?

      Inwiefern kollidiert der Dualismus/Leib & Leiblichkeit mit Butlers Theorie? Weil die Leiblichkeit unter den Tisch fällt??
    • Meribelle schrieb:

      Dass heißt, die Annahme der Freiheit des Menschen nach Sartre ist insofern dann ein Kritikpunkt an dieser Gendertheorie, weil sie letztlich besagt, sei frei, mach was aus dir, aber egal was du aus dir machst, du bist für dich verantwortlich - also fehlt es diesem Freiheitsbegriff letztlich an einer gewissen "Orientierung"?

      Sartre würde ungefähr sagen: Individuen werden frei, sofern sie sich wechselseitig Freiheit lassen, so dass keiner mehr auf Kosten anderer seine jeweilige Freiheit durchzusetzen genötigt ist, was nämlich als Nebenwirkung alle unfrei macht (wenn er sich bürgerliche Konventionen aufzwingen läßt; hier). Normen bilden sich als solche Nebenwirkungen unfreien menschlichen Verhaltens, die alle in Unfreiheit gefangen nehmen. Kurzformel wäre, Freiheit oder Normen.

      Butler hingegen schätzt Normen anders ein, nämlich nicht als Nebenwirkungen menschlichen Handelns, sondern als konstituierende Bedingungen menschlichen Handelns (performative Produktion des Subjekts innerhalb öffentlicher Konventionen; hier). Kurzformel wäre, durch Normen (durch bestimmte Normen) entsteht überhaupt erst Freiheit.

      Ein dritter Weg könnte so aussehen, dass Normen als Nebenwirkungen menschlichen Handelns aufgefasst werden (was näher bei Sartre ist). Demnach wären weder Normlosigkeit (gegen Sartre), noch Normgeltung (gegen Butler) notwendige Bedingung von Freiheit. Normen könnten als Mittel eingesetzt werden (was wiederum näher bei Butler ist, die Normen allerdings nicht als Mittel sieht) zur Gestaltung von Freiheit im Verbund mehrerer Individuen.
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".
    • Meribelle schrieb:

      Inwiefern kollidiert der Dualismus/Leib & Leiblichkeit mit Butlers Theorie? Weil die Leiblichkeit unter den Tisch fällt??

      Butler ist Sozialkonstruktivistin (hier), wobei nicht das Soziale konstruiert wird, sondern das Soziale konstruiert: nämlich unter anderem Subjekte, Leiber, Geschlechter, Geister, Handlungen, Beziehungen, Freiheit, die ganze Welt: Für sie ist alles Sozialität.

      Sartre hingegen sieht sich genötigt, sich gegen den Vorwurf zu verteidigen, Sozialität konzeptionell nicht zu berücksichtigen (Sartre, Ist der Existentialimus ein Humanismus?, 1942; Text-Datei):

      Sartre schrieb:

      Die einen wie die andern werfen uns vor, uns an der menschlichen Solidarität verfehlt zu haben, die Vereinzelung des Menschen in den Blickpunkt zu stellen - zum großen Teil übrigens, weil wir, wie die Kommunisten sagen, von der reinen Subjektivität ausgehen, das heißt von dem cartesianischen "Ich denke" - und das bedeutet nochmals: von dem Moment, wo der Mensch in seiner Einsamkeit zu sich kommt - was uns in der Folge unfähig mache, in die Gemeinbürgschaft mit den Menschen, die außerhalb des Ich sind und die ich in dem "Cogito" nicht erreichen kann, zurückzukehren.
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".
    • Gern geschehen - es würde mich freuen, wenn dir das Forum interessant genug erscheint, um es gelegentlich erneut zu besuchen.
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".
    • Zum Eingangsposting...

      Sex ist niemals gender. Zumindest dann, wenn er natürlich ist. Aber das gesellschaftliche Rollenverhalten (Gender) ist sexistisch. Und das ist etwas völlig anderes. Hier werden einfach die Tatsachen verdreht...Es geht einfach darum, a) einen natürlichen Umgang mit der eigenen Sexualität zu entwickelne, und b) ein gesellschaftliches Rollenverhaltne einzuüben, dass in so fern natürlich ist, als dass es nicht auf Überordnung und Unterwerfung ausgerichtet ist. Es geht um eine gleichberechtigtes nebeneinander von Mann und Frau. Und dann können Männer und Frauen auch ohne Weiteres ihre eigentliche Geschlechteridentität ausleben, ohne von irgendjemandem etwas befürchten zu müssen... Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()

    • Schon merkwürdig, wenn Normen als Bedingung für Freiheit definiert werden.
      Das Ganze ist eben gerade nicht (nur) ein historisch-soziologisch-politisches Thema, sondern eine Frage der Identifikation mit den Normen - also eine Frage der Innenwelt.
      Und sowohl eine Ablehnung wie auch eine Befürwortung der Normen ist Identifikation.
      Wer Freiheit liebt, wird einen anderen Ansatz finden.
    • Ich möchte noch einmal an diesen Thread anknüpfen...

      Judith Buttler sagt, das Geschlecht sei gender. Ich bin nun der Meinung, dass das Geschlecht keineswegs gender ist. Ja, ich möchte sogar noch einen Schritt weiter gehen, indem ich behaupte, auch die Geschlechtsidentität ist nicht gender... Würdet Ihr mir zustimmen... (bitte nur ernstgemeinte Antworten)... Gruß Joachim Stiller Müntser

      Damit will ich auch sagen, dass die "Geschlechtsidentität" grundsätzlich angeboren ist. Da kann es überhaupt kein Vertun geben... Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()