Wir handeln immer nur auf Grund eines Mangels

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    • Joachim Stiller schrieb:

      Ja und nein. Mangel - Bedürftigkeit - Bedürfnis... Diese Reihe hatte ich ja schon aufgestellt. Trotzdem ist der Begriff Mangel weiter zu fassen, als nur in dem Sinn von "es fehlt etwas". Es könnte beispielsweise auch ein Zuviel von etwas sein, das weggeschafft werden muss. Ein Mangel von weniger sozusagen. Mangel ist für mich ein mataphysischer Begriff, den ich versuche, hier in die Handlungstheorie einzuführen. Er aht eine etwas andere Bedeutung, als im heutigen Sinn. Es ist wie bei Kant, wie bei dem Begriff der Ästhetik. Als ästhetische Urteilskraft meint der Begriff tatsächlich das Schöne, als transzendentale Ästhetik meint er nicht das Schöne, sondern das Sinnliche... Bei Kant machen wir diese Umdeutungen der Begriffe ja auch mit, ohne ihm das zu verübeln. Ich versuche es eben ganz ähnlich mit dem Begriff des Mangles. "Disposition" passt noch ganz gut darauf... Gruß Joachim Stiller Münster


      Der dem Mangel vorgelagerte metaphysische Begriff ist dann der der Perfektion. So wie man in einem Zustand sein kann, der aufgrund eines Zuwenig, Zufrüh oder dergleichen noch nicht an diese Perfektion herankommt, lässt sich dann auch ein Zuviel denken - ähnlich dem Curling, bei dem man auch über das Ziel hinaus geraten kann.
      Mangel findet dann also in der Peripherie statt, die Perfektion bildet den Fix- und Mittelpunkt. Den Mangel als das Zentrale oder Primäre zu verstehen, ergibt für mich keinen Sinn. Er steht für die Unvollständigkeit hinsichtlich eines anderen.
    • Ich möchte aber gerade den "Mangel" an den Ausgangspunkt stellen. Also die Disposition. Disposition deutet ja soch auf eine Abweichung vom Normalen, oder von dem, was für mich der normzustand ist... Von Perfektion würde ich da nicht sprechen wollen. Das ist ein fürchterlich besetzter Begriff... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Disposition bedeutet zumeist (innere und äußere) Verfassung, Anlage (i.S.v. Veranlagung) oder Anordnung. Perfektion ist in diesem Sinne ebenso Disposition. Aber gut: Mag sein, dass Perfektion zu überladen ist. Dann eben die Norm bzw. das Normale. Nehmen wir an, die Norm ist ein Mensch, der mit Philosophie wenig am Hut hat: Du interessierst dich für Philosophie. Das wäre dann ein Mangel, aus dem du dann handelst. Aber naheliegend wäre doch dann, dass du dich von der Philosophie distanzierst, oder?
    • Ja, richtig. Es geht nicht um eine allgemeine Norm, sondern um Deine persönliche Norm. Wenn Du Dich für Philosophie interessierst, dann ist das Deine persönliche Norm. Es ist ganz und gar individualisiert. Ein persönliches Interesse etwa an Kant ist Deine individuelle Diposition. Also fährst Du zur Stadbücherei und besorgst Dir eine Einführung... Oder Du lässt es. Denn Du bist ja frei. Ich muss nicht handeln, egal ob ich ein Bedürfnis habe, oder nicht. Es hängt davon ab, wei stark das Motiv ist, also wie stark der Magel bzw. das sich daraus ergebende Bedürfnis ist. Und natürlich die Frage, wie groß die Überwindung ist, denn es gibt ja auch immer hemmende Kräfte, etwas, das bisher noch gar nicht zur Sprache kam... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Das mit dem Überfluss ist ein interessanter Punkt. Bei mir ist es auch nur ein Mangel, etwa an Miteilung, an Kommunikation, an Freigiebigkeit, an Großzügigkeit, oder auch an Geltung und Anerkennung... So könnte eben ein Millionär, einfach weil er meint, zu viel Geld zu haben, einen Teil spenden. Er wird das sicherlich aus einem der oben genannten Gründe tun... Letztendlich hilft auch er nur einem Mangel ab. Jetzt nicht dem Bedarf andreer, sondern ich meine schon, seinem eigenen Mangel... Du darst - darauf will ich ja hinaus - den Begriff Mangle nicht zu eng sehen... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Mangel (Plural: Mängel) versteht sich etwa im Sinne des Menschen als "Mangel- oder Mänglewesen" (Scheler) Dieser Schelersche Begirff ist metaphysisch absolut tragfähig. Mangel heißt hier ebenfalls nicht nur, "es fehlt etwas" sondern "mit einem Fehler (mit Fehlern) behaftet". Es sind die Makel, die uns auffordern, zu handeln.

      "Mit Fehlern behaftet" scheint es mir noch am Besten zu treffen...

      Mangel = mit einem Fehler behaftet, mit einem Makel behaftet

      Wäre alles makellos, gäbe es keine Dispositionen im Sinne von Mängeln, würden wir niemals auf die Idee kommen, zu handeln.

      Literaturhinweis:
      - Philipp Roth: Der menschliche Makel

      Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()

    • "Fehler" kommt von "Fehlen", das dürfte klar sein.
      Die Makel fordern uns nicht nur auf, zu handeln, sie sind mitunter auch Ergebnis des Handelns. Und im Falle von Roths "menschlichem Makel" (siehe Wikipedia - Ich habe das Buch nicht gelesen) verläuft das Handeln trotz des oder gegen den Makel(s). Im Original steht an der Stelle von "Makel" das Wort "stain", das heißt auch "Schandfleck". Dieser Sinn lässt sich schwer mit deiner Überlegung, was zum Handeln bewege, in Einklang bringen.
      Von einem metaphysischen Begriff des Mangels würde ich ebensfalls nicht sprechen. Mit dem Verweis auf Gehlers "Mängelwesen" sollte klar sein, dass es ihm um philosophische Anthropologie ging.
    • Joachim Stiller schrieb:

      Es sind die Makel, die uns auffordern, zu handeln.

      Nehmen wir an, es verhalte sich so mit Mängeln oder Makeln.
      Wann liegt denn deiner Meinung nach ein Mangel vor?
      Also: Ein Mangel liegt vor, wenn ...?
      "Die rechtsstaatliche Ordnung in der Bundesrepublik ist in diesem Bereich jedoch seit rund eineinhalb Jahren außer Kraft gesetzt und die illegale Einreise ins Bundesgebiet wird momentan de facto nicht mehr strafrechtlich verfolgt" (Rheinland-Pfalz, Landesrecht online, Oberlandesgericht Koblenz, Aktenzeichen 13 UF 32/17, Urteil vom 14. Februar 2017). — Will es nun wieder niemand gewesen sein? — Boris Palmer for Merkel!
    • Ein MAngel liegt vor, wenn ein menschenwürdiges Dasein durch Unterschreiten der minimalen Existenzgrundlagen nicht gewährleistet ist (wie bei Hartz-IV).

      Zu den Minimalen Existenzgrundlagen gehört die Teilhabe an der Gesellschaft.
    • Joachim Stiller schrieb:

      Ein Mangel liegt vor, wenn eine Disposition vorlieg, die mich zu einem Handeln motivieren kann.

      Ich befürchte, dass das nur eine Kombination von Begriffen ist und mit einer Theorie nichts zu tun hat. Eine Argumentionsstruktur kann ich nicht entdecken.
      "Die rechtsstaatliche Ordnung in der Bundesrepublik ist in diesem Bereich jedoch seit rund eineinhalb Jahren außer Kraft gesetzt und die illegale Einreise ins Bundesgebiet wird momentan de facto nicht mehr strafrechtlich verfolgt" (Rheinland-Pfalz, Landesrecht online, Oberlandesgericht Koblenz, Aktenzeichen 13 UF 32/17, Urteil vom 14. Februar 2017). — Will es nun wieder niemand gewesen sein? — Boris Palmer for Merkel!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Fliege ()

    • Der Gedanke, dass der Mensch immer auf Grund eines Mangels handelt, findet sich im Grunde schon bei Plotin. Nach Plotin ist die ganze Welt mit Mängeln behaftet, und eben diese Mängel treiben uns an, weiterzuschreiten. Diese Mängel begründen unser Tätigsein...

      Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()