Unbehagen beim Gedanken an die Unendlichkeit des Kosmos

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    • Offensichtlich gibt es einen Unterschied, sich etwas vorstellen zukönnen, oder nur abstrakt die Worte der Vorstellbarkeit zu verwenden. Natürlich kann ich behaupten (also laut aussprechen), ich könne mir eine Farbe vorstellen, die ich nie zuvor gesehen haben. Jeder kann das. Nur kann man sich das auch tatsächlich vorstellen? Ich denke nicht, oder? ;) Ebenso ist es mit der Unendlichkeit.. Dinge, die man nicht überprüfen kann (wegen fehlender Empirie), kann man sich auch nicht vorstellen. Wie auch. Daher dein Unbehagen. Aber das ist völlig normal.
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • Hallo iselilja!
      Natürlich hast Du recht: Man kann sich keine Farbe vorstellen, die man noch nie vorher gesehen hat. (Solange sie auch nicht aus den Grundfarben besteht, rot, blau, und gelb) Aber ich denke, dass es bei der Unendlichkeit etwas anderes ist. Es gibt eben keine Grund-Unendlichkeit.
      Von daher meine ich schon, dass Unendlichkeit sehr gut vorstellbar ist. Es ist einfach ein Maßband mit nem Anfang aber ohne Ende. Oder von mir aus auch eine Zahlenreihe - z. B. alle graden Zahlen. Wo ist dabei das Ende: es gibt einfach keins.

      Viele Grüße,
      Christof
    • Christof schrieb:

      Hallo iselilja!
      Natürlich hast Du recht: Man kann sich keine Farbe vorstellen, die man noch nie vorher gesehen hat. (Solange sie auch nicht aus den Grundfarben besteht, rot, blau, und gelb) Aber ich denke, dass es bei der Unendlichkeit etwas anderes ist. Es gibt eben keine Grund-Unendlichkeit.
      Von daher meine ich schon, dass Unendlichkeit sehr gut vorstellbar ist. Es ist einfach ein Maßband mit nem Anfang aber ohne Ende. Oder von mir aus auch eine Zahlenreihe - z. B. alle graden Zahlen. Wo ist dabei das Ende: es gibt einfach keins.

      Viele Grüße,
      Christof

      Hallo...

      Ich denke, dass man es nicht kann. Man denkt nur, dass man es könnte. Und diesen Konjunktiv sublimieren wir gern für das Wort Vorstellung. Also wenn ich mir etwas vorstelle, z.B. ein Gesicht, dann habe ich ein mehr oder weniger klares Bild vor mir. Wenn ich nun versuche, mir eine unendliche Menge an Gesichtern vorzustellen, werde ich merken, dass mein Gehirn dafür garnicht ausreicht. Das heißt, ich werde diese Vorstellung abbrechen und annehmen, dass ich sie unendlich fortführen könnte. Eine tatsächliche Vorstellung ist jedoch nicht möglich. Wie sollte sich auch etwas, was endlich ist, einer Unendlichkeit gewiss werden können?

      LG
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • das Praktische vermag zu korrigieren

      iselilja schrieb:

      Wenn ich nun versuche, mir eine unendliche Menge an Gesichtern vorzustellen, werde ich merken, dass mein Gehirn dafür garnicht ausreicht. Das heißt, ich werde diese Vorstellung abbrechen und annehmen, dass ich sie unendlich fortführen könnte. Eine tatsächliche Vorstellung ist jedoch nicht möglich. Wie sollte sich auch etwas, was endlich ist, einer Unendlichkeit gewiss werden können?

      ich verstehe das so:

      1) ich nehme an, dass ich Etwas (Zahlenreihe, Vorstellung von Gesichtern) unendlich fortführen könnte,
      2) als tatsächliche Vorstellung sei das nicht möglich,
      3) als Endliches kann ich mich der Unendlichkeit nicht vergewissern.
      (zusammengefasst: ich nehme etwas an, worüber mir eine tatsächliche Vergewisserung verwehrt ist)

      Spontan hätte ich gesagt, ich habe dazu keine (dem Gegenstand angemessene) ZEIT, d.h.
      ich habe nicht unendlich Zeit und zu diesem Projekt innerhalb des Threads habe ich
      eine -wiederholt- immer nur kurz bemessene Zeit...

      Und da hätte ich mich -spontan- auch geirrt, denn: HÄTTE ich unendlich viel Zeit zur Verfügung,
      würde ich sie - um mich vergewissern zu können - damit verbringen wollen, zu der
      Zahlenreihe immer 1 (eins) hinzu addieren?
      Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
      Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

      (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)
    • byLaszlo schrieb:

      Spontan hätte ich gesagt, ich habe dazu keine (dem Gegenstand angemessene) ZEIT, d.h.
      ich habe nicht unendlich Zeit und zu diesem Projekt innerhalb des Threads habe ich
      eine -wiederholt- immer nur kurz bemessene Zeit...

      Und da hätte ich mich -spontan- auch geirrt, denn: HÄTTE ich unendlich viel Zeit zur Verfügung,
      würde ich sie - um mich vergewissern zu können - damit verbringen wollen, zu der
      Zahlenreihe immer 1 (eins) hinzu addieren?


      Ich bin mir nicht sicher, ob ich den zweiten Absatz richtig verstehe.

      Ich würde jedenfalls annehmen, dass man bei so einfachen Sachen wie Zahlenreihen eine Induktion (+1) durchaus kurzzeitig wiederholen kann. Und bei dieser Wiederholung stellt man auch fest, dass sie sich immer wieder ähnelt oder sogar von der Sache her gleich bleibt. Das ist mE der Grund, warum wir so leicht von Unendlichkeit sprechen können. Ab einem gewissen Punkt dieser Induktion würden wir auch feststellen müssen, dass jene Zahl, bei der wir gelandet sind, nicht mehr ausdrückbar ist. Sie selbst hätte schon zu viele Ziffern, als dass man sie gedanklich erfassen könnte. Deshalb ist es nur eine scheinbare Unendlichkeit in unserer Vorstellung.

      Die Zeit ist dabei aber nur EIN Punkt, der deutlich werden lässt, dass es mit der Unendlichkeit des Kosmos schon ganz anders aussieht. Denn da greifen derartige Sublimationen nicht. Ich kann nicht einfach Meter für Meter gedanklich aneinanderreihen, ohne dabei die entgegengesetzte Richtung wegfallen lassen zu müssen. Wenn man nun noch bedenkt, dass es "unendlich" :) viele Richtungen im Kosmos gäbe, gehen wir gedanklich der Ohnmacht nahe. Ich denke das läßt sich einfach nicht vorstellen. Und zwar nicht vorstellen als Ganzes. Wir können immer nur partiell eine Unendlichkeit annehmen.

      Das heißt aber keineswegs, dass wir von Unendlichkeit nicht reden können. Denn es ist ja, wenn man drüber nachdenkt, nur das Eingeständnis der Unfähigkeit, die Ganzheit einer Sache erfassen zu können. Sozusagen die Negation der Endlichkeit. Allein der Umstand, dass wir keinen positiven Begriff dieser Sache haben, sollte uns doch schon stutzig werden lassen, oder? ;)

      LG
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von iselilja ()

    • das gleich-gültig Unendliche

      iselilja schrieb:

      Ich bin mir nicht sicher, ob ich den zweiten Absatz richtig verstehe.

      ...

      Ich kann nicht einfach Meter für Meter gedanklich aneinanderreihen, ohne dabei die entgegengesetzte Richtung wegfallen lassen zu müssen. Wenn man nun noch bedenkt, dass es "unendlich" :) viele Richtungen im Kosmos gäbe, gehen wir gedanklich der Ohnmacht nahe. Ich denke das läßt sich einfach nicht vorstellen. Und zwar nicht vorstellen als Ganzes. Wir können immer nur partiell eine Unendlichkeit annehmen.

      Das heißt aber keineswegs, dass wir von Unendlichkeit nicht reden können. Denn es ist ja, wenn man drüber nachdenkt, nur das Eingeständnis der Unfähigkeit, die Ganzheit einer Sache erfassen zu können. Sozusagen die Negation der Endlichkeit. Allein der Umstand, dass wir keinen positiven Begriff dieser Sache haben, sollte uns doch schon stutzig werden lassen, oder? ;)
      Ich wollte illustrieren, dass beim Reden von Unendlichkeit die mehrfache
      Begrenztheit unsrer jeweiligen Situation mitargumentiert. Du sprichst dann von
      "Ganzheit" von "dieser Sache" also vergegenständlichend, verendlichend. Schon ganz
      früh hat man von "Wesen einer Sache" gesprochen, ich denke, um die Gegenstände
      des Denkens -in der Zeit auch - handhabbar zu machen. Ausgerechnet Unendliches wird
      dann zum Endlichen. Was nichts anderes heißt: der Gegensatz, wovon die Reflexion ihren
      Anstoss nahm, wird aufgehoben. "Ich habe nicht der Unendlichkeit angemessene Zeit" - wollte
      wiederum die praktische Unmöglichkeit zeigen,d.h. dass ich ausweiche. (dass wir metaphysische
      Fragen "weder beantworten noch abweisen" können)

      Ich wollte so zeigen, warum mein Ausweichen falsch ist. Hinzu kommt: wenn du bedenkst, dass
      wir in vielen Hinsichten partielle Unendlichkeiten annehmen und dass schon diese Ungenauigkeit oder
      Nachlässigkeit dazu führen kann, dass uns z.B. Luft, Wasser, Fischbestände als in "unendlichen"
      Mengen vorkommen (in Bezug auf die Möglichkeiten unsrer Reflexion) und sie dadurch über die
      undeutliche Grenze des Partiellen, Noch-Handhabbaren hinaus geraten, ins Gleichgültig-Unendliche.

      Aber nicht selten denke ich: das ist unsere Rache dafür, dass sich uns das Unendliche verweigert.
      Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt---meins nicht.
      Zumindest weiß ich nicht, wie ich ins Leben gekommen bin.

      (W.Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Kapitel 1.: Mein Leben als Zwergpirat, 1. Satz)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von byLaszlo ()