Was können Philosophen von der FDP lernen?

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    • Mein Problem mit liberalen Parteien ist nicht der Gedanke der Freiheit des Einzelnen. Die Grundidee ist gut und wichtig und sollte auch in der Bevölkerung einen hohen Konsens finden, allerdings weicht meine Vorstellung von dem was man so alles dem Wettbewerb überlassen sollte, stark von dem ab, was die Liberalen im allgemeinen so glauben mögen. Fakt ist, überlässt man dem Markt sich selbst, droht die Gesellschaft in vielen Bereichen zu verwahrlosen. Die freie Marktwirtschaft ist daher ebenso undurchführbar und zum scheitern verurteilt, wie der bislang geübte Kommuismus. Eine vollständige Übereinstimmung darüber was richtig ist, wird es wohl nie geben, da dies auch sehr stark eine Frage der eigenen Einstellung und Lebenssituation ist. Wer nie Geldsorgen hatte, ist oft Betriebslind für die Belange der Armen. Für manche Menschen ist also der Liberalismus attraktiver als für andere, wer nichts hat kann im Sozialismus nur gewinnen. Nicht verschweigen darf man, dass es aber auch im Liberalismus diverse Glaubensrichtungen gibt, die sich mal mehr mal weniger stark an der Kraft des Marktes und seiner "unsichtbaren" Hand orientieren. Die Frage die sich jeder ernsthaft stellen sollte ist: In was für einer Welt will ich eigentlich leben? Sicher ist z. B. der Gedanke nicht grundsätzlich verkehrt, dass ja jeder selbst für seine Gesundheit und sein Alter vorsorgen könnte, aber wer glaubt, dass dieses System wirklich funktioniert und zum Wohle aller führt, braucht sich doch nur einmal das Paradebeispiel der Vereinigten Staaten anzuschauen.

      Fraglich ist auch ob sich ein kapitalistisches Wirtschaftssystem auf lange Sicht durchsetzen kann. Die letzten Jahre lassen vielmehr die Befürchtung zu, als ob hier ein führerloser Zug auf einen Abgrund zurollt und alle schaufeln gemeinsam die Kohlen in den Kessel.

      Die FDP hat hierzulande zum einen das große "Problem", dass es in Deutschland keine liberale Tradition gibt. Hier ist diese Ideologie nie wirklich heimisch geworden. Viel gewonnen wäre für die FDP, wenn die Partei ihre Glaubwürdigkeit wiedererlangen würde. Offensichtliche Klientelpolitik und Ohnmacht während der letzten Regierungszeit führte zwangsläufig zu einem Verlust der Wählergunst. Die öffentliche Selbstdemontage der Führungsriege trug ihr übriges zum Verfall der einstmals relevanten Partei bei. Ob sich die FDP davon erholen kann bleibt abzuwarten. Mit Christian Lindner hat man immerhin einen Kandidaten zum Partei-Gesicht gekürt, der als neoliberlaer im fast altmodischem Sinne, doch sehr gemäßigt ist und auch für einen Sozialdemokraten nicht als Dämon gelten müsste. Auch von einem Versagen der großen Koaltion in den nächsten Jahren würde die FDP enorm profitieren, wenn man nicht alle Fehler der letzten Jahre wiederholt. Ich persönlich mache aber keinen Hehl daraus, dass ich der Partei im Falle des vollkommenen Untergangs, keine Träne nachweinen würde. Höchstens vielleicht, weil das politische Kabarett ein kleines bisschen ärmer würde.
      „In three words I can sum up everything I've learned about life: 'It goes on.'“ (Robert Frost)