Gedruckt oder nicht gedruckt, das ist die Frage

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    • Gedruckt oder nicht gedruckt, das ist die Frage

      Das Internet bringt wohl für viele seiner Konsumenten auch viel Frustration mit sich, und zwar die Frustration darüber, dass irgend jemand anderes wahrscheinlich schon einmal den Gedanken hatte, den man selbst hatte und den man dann im Nachhinein nur relativ originell findet. Man braucht nur ein paar Stichworte in eine Suchmaschine einzugeben und schon kommt die Antwort: Ja, das, was man für originell hält, wurde schon einmal gedacht, geschrieben oder sogar veröffentlicht.

      Aber selbst ein neuer Gedanke fällt kaum auf, selbst wenn man einen originellen Gedanken hat und ihn im Internet veröffentlicht, interessiert dies kaum jemanden, es sei denn, man hat schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht, z.B. als Buchautor. Der Grund hierfür liegt nah: Internetseiten, Homepages, Internetforen oder Fb-Seiten haben nicht den Status eines Publikationsorgans wie eines Printmediums: eines Buches, einer Zeitschrift oder einer Zeitung.

      Auf der einen Seite schätzen wir das Internet als neues Kommunikationsmittel, auf der anderen Seite stufen wir es herab, indem wir das in ihm publizierte per se für schnelllebig, unausgereift und diskussionswürdig halten. Wenn wir dagegen in die gedruckten Medien schauen, z.B. in den Feuilletonteil einschlägiger Wochen- oder Tageszeitungen, so werden uns dort Printmedien mit ihren Autoren in einer Feierlichkeit vorgestellt, wo auf eine gewisse Art und Weise - zwar nicht explizit, aber dennoch implizit - die Wichtigkeit des Printmediums im Vergleich zum Medium Internet unterstrichen wird. Wenn derselbe Roman eines neuen Buchautors dagegen im Internet auf irgendeiner Literaturseite als Produkt eines Hobbyautors erscheinen würde, so würde ihn niemand beachten. Ist dies jedoch der richtige Weg, wenn man das Medium Internet wirklich ernst nehmen will? Sorgen Leute mit Einfluss dafür, dass es die wahren Neuerscheinungen nach wie vor nur im Bereich der Printmedien gibt? Welche Leute dies sind, kann man sich denken: Buch-, Zeitschriften- und Zeitungsverleger, also Leute, die über die Printmedien ihr Geld verdienen.

      Mir kommt dies irgendwie zweispältig vor: Tagtäglich surft man im Internet und liest viele interessante Dinge von allen möglichen interessanten Leuten: Ihr Geschriebenes, bis hin zu selbst verfassten Romanen. Darunter gibt es vorzügliche Texte. Aber nein, nur in dem etablierten Feuilleton einschlägiger Printmedien erfahren wir, was ein richtiger Text sei, nämlich einer, der gedruckt wurde und als Buch verkauft wird. Insofern ist die Medienwelt de facto gespalten und die Vertreter der alten Medien kommen mir mitunter recht abgehoben vor.

      Das Internet leidet natürlich auch darunter, dass jeder überall mitreden kann und meint, mitreden zu müssen, selbst Leute, die keine Ahnung von der Materie haben. Beispielsweise werden Diskussionen in Internetforen so unlesbar. Wenn man im Internet gezielt eine Information sucht, eine Antwort auf eine Frage, so muss man sich erst einmal durch einen endlosen Wust von Suchmaschinenergebnisseiten quälen, die auch deshalb so lang sind, weil sich etliche Leute in vielen vergangenen Jahren dazu berufen fühlten, ihren Senf dazu zu geben, obwohl sie gar nichts beizutragen hatten.

      Als Experten gelten offenbar nur diejenigen, die schon Bücher über ein Thema geschrieben haben. Ein reines Internetdasein reicht nicht aus. Ist dies nun gut oder schlecht? Es gibt so etwas wie ein Misstrauen gegenüber dem Internet: "Bis jetzt steht es nur im Internet", will sagen, es wurde noch nicht gedruckt. Einerseits ist ein solches Regulativ gut: Informationen werden noch einmal auf ihre Konsistenz geprüft, bevor sie "in Druck" gehen. Andererseits wird das Medium Internet auf diese Art und Weise als unvollständiges und per se provisorisches Medium abgewertet und unterschätzt.

      Ich finde es gut, dass man seine Meinung im Internet jederzeit kundtun kann, und zur Verbreitung seiner Meinung nicht auf einen mächtigen Verleger angewiesen ist, wie dies in Vorinternetzeiten der Fall war.

      Wenn ich morgens eine Zeitung aufschlage, kenne ich die Thematik in der Regel schon vom Tage zuvor. Nicht nur das: Ich habe u. U. bereits stundenlang mit Leuten über das Internet darüber diskutiert. Nun kann man sich vorstellen, wie altbacken Zeitungen wirken können. Braucht man wirklich noch den Kommentar eines Zeitungsredakteurs auf Seite 2, wenn man sich selbst schon eine Meinung mithilfe des Internet in der Diskussion mit anderen Menschen auf eine kontroverse Art und Weise aktiv gebildet hat? Braucht man abends wirklich noch die Tagesschau um 20.00, wenn man den ganzen Tag über oft im Internet die Nachrichten gelesen hat? Kann man sich da nicht denken, was abends in der Tagesschau kommt? Braucht man wirklich noch die Kommentare eines Tagesthemenmoderators um 22.30, um sich über die Geschehnisse des Tages ein Bild zu machen? Warum macht denn die Tagesschau soviel Werbung für ihr "App"? Es ist doch nichts anderes als der Versuch, das Alte und Bewährte ins Medium Internet zu retten.
    • Das Internet bringt wohl für viele seiner Konsumenten auch viel Frustration mit sich, und zwar die Frustration darüber, dass irgend jemand anderes wahrscheinlich schon einmal den Gedanken hatte, den man selbst hatte und den man dann im Nachhinein nur relativ originell findet. Man braucht nur ein paar Stichworte in eine Suchmaschine einzugeben und schon kommt die Antwort: Ja, das, was man für originell hält, wurde schon einmal gedacht, geschrieben oder sogar veröffentlicht.
      Hat wenig mit dem Internet zu tun. Schonmal von Leibniz und Newton gehört? ;)
      War on the Saints.
    • Nun ja, das hat schon auch was mit dem Netz zu tun... Oder zumindest wird das Phänomen dadurch augenscheinlicher. Sogar JoergMiddendorfs Idee ist eine bereits Geäußerte. Die Philosophin Julia Kristeva plädiert für eine Abschaffung des Urheberrechts, da wir alle Produkte einer bestimmten Kultur sind, deren Chiffren wir lediglich in abgewandelten Formen "covern". Allerdings hat ihr Philosophem die Dame nicht bewogen, auf die Rechte an ihren eigenen Schriften zu verzichten ev-)
      "For it is a knell, that summons thee to Heaven - or to Hell!" W. Shakespeare, MacBeth
    • Schimmermatt schrieb:

      Die Philosophin Julia Kristeva plädiert für eine Abschaffung des Urheberrechts, da wir alle Produkte einer bestimmten Kultur sind, deren Chiffren wir lediglich in abgewandelten Formen "covern". Allerdings hat ihr Philosophem die Dame nicht bewogen, auf die Rechte an ihren eigenen Schriften zu verzichten

      Kulturdeterminismus braucht man speziell nicht ernst zu nehmen.
      Kurt Tucholsky: "Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht". — Werner Weber: "Ihre Sprache dient nicht der Darstellung, sondern der Vorstellung". — Heinrich Heine: "Sie tr(i)nken heimlich Wein und predig()en öffentlich Wasser". — Thomas Bernhard: "Ab und zu hat der Denkende die Pflicht, in das Weltgeschehen einzugreifen".
    • JoergMiddendorf schrieb:

      Der Grund hierfür liegt nah: Internetseiten, Homepages, Internetforen oder Fb-Seiten haben nicht den Status eines Publikationsorgans wie eines Printmediums: eines Buches, einer Zeitschrift oder einer Zeitung.

      Manche Blogger haben heute längst den selben "Status" und gehören zu den berühmten Meinungsbildnern. All die Medien, die Teil des "One to Many" Zeitalters sind, werden vom Web 2.0 und 3.0 (dem sog. "Mitmachweb") langsam aber sicher überholt, wenn das nicht sogar in manchen Bereichen längst geschehen ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von _its_not_me_ ()

    • Braucht man wirklich noch den Kommentar eines Zeitungsredakteurs auf Seite 2, wenn man sich selbst schon eine Meinung mithilfe des Internet in der Diskussion mit anderen Menschen auf eine kontroverse Art und Weise aktiv gebildet hat?


      Man geht ja im Zweifel doch noch davon aus, dass der Kommentator ein wenig durchdachter argumentiert als viele Blogger, Forendiskutanten und so weiter.
      (Was hörte ich letztens? "Blogger ist ein Euphemismus für arbeitsloser Journalist.") Über den Trend zur wachsenden Personalisierung des Nets kommt der Aspekt des Zufallstreffers stärker als ohnehin schon ins Spiel. Man schnappt auch mal was auf, was man sonst übergangen hätte. Ist doch irgendwie die Höchststrafe, den ganzen Tag nur das präsentiert zu bekommen, was einen vorgeblich interessiert.
      "Das Wissen ist ein schöner Schrein,
      Die Kunst erst legt den Schatz hinein."
      (Carl Spitzweg)
    • Carl Spitzweg schrieb:

      Man geht ja im Zweifel doch noch davon aus, dass der Kommentator ein wenig durchdachter argumentiert als viele Blogger, Forendiskutanten und so weiter.

      Ja, sicher, das erklärt auch den Erfolg der Wikipedia. Das erklärt auch die Bedeutung, die Google Blogs und ähnlichem mittlerweile einräumt, so dass sie in Suchanzeigen wichtig werden ...

      Aktivisten können auf Youtube Weltkonzerne wie VW auf Augenhöhe angreifen...

      Manche Zeitungen unterhalten bei ihrem Internetangebot mittlerweile selbst Blogs...

      Und ein ganzer neuer Firmenzweig, der SEO, Reputationmanagement und ähnliches umfasst ist aufgrund der Macht des Web2.0 entstanden ...
    • ... In den USA hat das große Zeitungssterben flächendeckend bereits begonnen ... Und auch bei uns sieht es nicht rosig aus für die Zukunft des gedruckten Journalismus. ... die Krise der Zeitung ist keine temporäre; hier geht es vielmehr um einen grundlegenden, strukturellen Wandel des Übergangs in die digitale Ära - einen Wandel, dessen Konsequenzen die Presse nur als erste spürt; ... "das Internet verdrängt zweifellos die klassische Zeitung aus Papier." ... (ein paar tendenziös ausgewählte Auszüge aus: Die digitale Öffentlichkeit und die Krise des Journalismus, Stefan Münker)
    • Das Internet ist schnelllebig, was eine Gefahr darstellt.
      Zig Webistes großer Nachrichtenkonzerne konkurrieren um die schnellste Nachricht, was nicht selten aus Kosten der Qualität geht und Boulevardstil annimmt.
      Ich habe mal eine nette Grafik gesehen, in der die reißerischen Begriffe des Boulevardjournalismus von Bild online und Spiegel online verglichen wurden, einfach in quantitaviter Erscheinung. Spiegel online war schlimmer und blutrünstiger.
      Auf n-tv findet man immer mehr Titten, die sich reinmogeln, erst dezent, jetzt immer aufdringlicher.

      Aber noch was anderes, was die Entwicklung begrenzen könnte.
      Ich hatte das kürzlich mal diskutiert, ob man auch eine Zeitschrift braucht, oder eine Website reicht.
      Die Kollegin, mit der ich diskutierte und ich, wir haben beide noch nie einen Online-Artikel weitergelesen, den wir bezahlen mussten.
      Für eine Zeitschrift haben wir aber beide schon öfter Geld ausgegeben. (Ich weiß nicht, wie es anderen da geht, würde mich mal interessieren.)

      Ich habe da Hemmungen, weil ich Online-Banking-Verfahren für immer noch unsicher halte.
      Irgendwie scheine ich von Internet auch nicht immer qualitativ Hochwertiges zu erwarten.
      Bezahlen würde ich vermutlich dann, wenn ich wüsste, dass gute Qualität geliefert wird, aber das wäre dann wieder das Modell des klassischen Journalismus.

      Dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass es mit Zeitungen in der üblichen Form bald vorbei ist.
      Der Trend geht vor allem zu kurzen, schnellen, bildlastigen Informationen, ich habe letztens mal an einer Redakteurssitzung aus der Branche teilgenommen, da war meine Frage, ob man nicht den jungen Lesern (eines Portals für Fachinformationen, in lockerer Form, aber seriös präsentiert) ein gewisses Mindestmaß an Mühe zumuten könne und ich bekam die Antwort, das könne man heute nicht mehr.
      Die Ungeduld der Leser wächst, wer es nicht schafft Aufmerksamkeit zu erregen und diese zu halten, wird sofort weggeklickt.
      "Das Wissen ist ein schöner Schrein,
      Die Kunst erst legt den Schatz hinein."
      (Carl Spitzweg)
    • Antwort auf Carl Spitzweg

      Carl Spitzweg schrieb:

      Ist doch irgendwie die Höchststrafe, den ganzen Tag nur das präsentiert zu bekommen, was einen vorgeblich interessiert.


      Dann gäbe es ja einen Zwang, Kommentare zu lesen, weil in ihnen etwas stehen könnte, was einen zwar nicht interessiert, aber einen dennoch irgendwie erreichen könnte. Ist mir zu stressig. Deshalb bin ich kein regelmäßiger Zeitungleser, eher am Wochenende zu Mußezeiten. Unter der Woche blättere ich durch den Feuilletonteil und bleibe hier und da hängen, aber eher selten.

      Was mich ärgert, ist diese Überrolle, die Feuilletons und Kulturteile von Zeitungen und Zeitschriften spielen, in denen etwa Buchempfehlungen abgegeben werden. Die Redakteure - Menschen mit persönlichen Geschmäckern - tragen doch eigentlich eine Riesenverantwortung hier, ich weiß nicht, ob das jedem so klar ist. Sie entscheiden mit darüber, welche Autoren gepusht werden, was letztlich gedruckt und verkauft wird; das Feuilleton als ein heiliger Ort. Allerdings auch ein Ort, an dem man nicht antworten kann. Gut, man kann einen Leserbrief schreiben, aber der wird eh wahrscheinlich nicht gedruckt. Wenn ich einen Kommentar eines Kulturredakteurs lese, habe ich möglicherweise am Abend zuvor in einem Forum schon einen Kommentar von einem Nobody oder Anonymous gelesen, der dreimal besser ist. Vielleicht war's ja der besagte Kulturredakteur selbst, aber wohl idR nicht. ;)

      Gut, auch diese Zeitungen und Zeitschriften haben inzwischen Onlineauftritte, in denen man kommentieren kann. Bei einer Zeitschrift hatte ich dies auch rege getan, doch irgendwann sagte die Redaktion, dass sie das nicht mehr wolle. Die Beiträge der Autoren sollten fortan wieder unkommentiert bleiben und für sich stehen. Daraufhin schrieb ich der Redaktion, dass ich nun auch das Lesen der Onlinezeitschrift und Onlineartikel einstelle, da ich das Kommentieren für einen wichtigen Bestandteil des ganzen Auftritts hielt und ich die Möglichkeit gut fand, auf die Artikel von Autoren, die ja auch nur persönliche Ansichten haben, zu antworten. Im Printmedium kann ich die persönliche Ansicht eines Redakteurs nur passiv hinnehmen. Dann frage ich mich zuweilen, warum von diesem Redakteur manche Autoren mit ihren Büchern in den Himmel gelobt werden und andere nicht. Und mit der Zeit merke ich dann, dass mir das die Lust am Romanelesen neuer Autoren nimmt und ich eher auf bewährte moderne Autoren oder klassische Literatur setze. Vielleicht ist das Schönste an neuen Romanen inzwischen, dass man sie nicht lesen muss.

      So macht man sich als moderner Beobachter und Teilnehmer des Internet selbst so seine Gedanken, schreibt etwas hier und dort, und findet dies auch irgendwie aktiver als nur passiv ein Printmedium zu konsumieren. Wer ist denn nun der Passivere? Jemand, der sich einen empfohlenen Roman nach dem anderen reinzieht, quasi als braves Schäfchen eines Empfehlungsgebers, oder derjenige, der sich im Internet mit anderen austauscht?

      Eine These wäre nun, dass das Internet ein Ort der wahren Philosophie ist, im klassischen Verständnis der Griechen, bei denen der philosophische Dialog hochgehalten wurde. Insofern erleben wir eine Renaissance.

      Wenn man sich die weitere Entwicklung der Medien vorstellt, so wird das Internet immer mehr gewinnen. Wo ist das Problem, sich eine Zeitung auf dem iPad anzuschauen? Es ist optisch sogar angenehmer, man kann einzelne kleine Artikel auf DINA5-Größe zoomen und separat lesen. Und dann wird es (und muss es, wie ich finde) in Zukunft so sein, dass man jeden Artikel sofort auf dem iPad kommentieren kann.

      Die Einzigen, die gegen eine solche Entwicklung sind, sind die Redakteure der Printmedien in ihren heiligen Stühlen, die Bestsellerlistengeneratoren. Und der klassische passive Medienkonsument, der jeden Tag seine Zeitung von vorne bis hinten liest, und diesen Ritus offenbar für sein Ego braucht. Hinter einem iPad kann er sich weniger verstecken und es kommt vielleicht auch mal ein Dialog mit dem Gegenüber am Frühstückstisch zustande. Warum sind Zeitungen eigentlich in ihren physischen Abmessungen immer noch so überdimensioniert und vierseitig chaotisch unterteilt? Dieses Gefummel geht mir nach wie vor auf die Nerven und hält mich vom Zeitunglesen ab.

      Warum haben denn lokale und regionale Zeitungen immer mehr Probleme? Der anspruchsvolle Leser findet dort keinen vernünftigen Kulturteil, die Kommentare auf Seite 2 sind für das breite Publikum, der Sportteil ist überdimensioniert, natürlich auch der Anzeigenteil, weil die Zeitung damit nun einmal auf klassischem Wege Geld verdienen will.

      Warum gewinnen denn anspruchsvolle überregionale Zeitungen wie die SZ? Weil die die Zeichen der Zeit erkannt haben und den anspruchsvollen Leser als Zielgruppe haben. Deshalb wird diese Zeitung in ganz Dtld gelesen. Aber wenn ich mir täglich den Feuilleton der SZ reintue, brauche ich dann noch einmal in der Woche die Zeit oder den Spiegel, um mir eine Elite der Kulturredakteure anzutun, die dann aus einer gemächlichen Wochenperspektive wochenwohlverdaute Kommentare abgeben?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von JoergMiddendorf ()

    • Carl Spitzweg schrieb:

      Aber noch was anderes, was die Entwicklung begrenzen könnte.
      Ich hatte das kürzlich mal diskutiert, ob man auch eine Zeitschrift braucht, oder eine Website reicht.
      Die Kollegin, mit der ich diskutierte und ich, wir haben beide noch nie einen Online-Artikel weitergelesen, den wir bezahlen mussten.
      Für eine Zeitschrift haben wir aber beide schon öfter Geld ausgegeben. (Ich weiß nicht, wie es anderen da geht, würde mich mal interessieren.)


      Es ist ein Unterschied, ob ich eine Zeitung oder Zeitschrift einmalig am Kiosk oder an der Tankstelle kaufe oder ob ich ein Abonnement, und sei es nur ein Probeabonnement, abschließe. Bei Probeabos vergisst man uU die Kündigung und das Ganze läuft als richtiges Abo weiter. Ich wäre dazu bereit, einen Onlineartikel zu kaufen, zB über iTunes. Weniger bereit wäre ich dazu, wenn ich erst noch bei der Zeitschrift alle meine Daten hinterlegen muss und dann hinterher ein Printabonnementangebot in der Post ist, das sofort gekündigt werden muss, da ich das Kleingedruckte nicht gelesen habe. Bei Printmedien habe ich immer Hinterkopf, dass sie mir ein Abonnement andrehen wollen. Schau Dir mal die Verhältnisse vor Ort an, wie lokale und regionale Zeitungen an allen Orten um Abonnementen betteln.

      Die Idee mit bestimmten Onlineartikeln finde ich insofern gut, da mich 90% der Zeitung (u.a. der Sportteil oder Anzeigenteil) sowieso nicht interessiert. D.h. beim Printmedium Zeitung kaufe ich etwas mit, was ich gar nicht brauche, was mich definitiv nicht interessiert.
      Aus demselben Grund würde ich dann auch keine ganze Internetzeitschrift abonnieren.
      Einzelne Onlineartikel sind die Zukunft. Langfristig wäre es auch denkbar, dass Zeitungen überhaupt nichts mehr kosten und sie über große Bannerwerbung ihr Geld verdienen.

      Bei Lokal- und Regionalzeitungen sieht man jedoch keine vernünftigen Internetauftritte, die dem jeweiligen Printmedium einigermaßen inhaltsadäquat sind. Warum wohl? - sie würden sich selbst damit kaputt machen. Bei Zeitungsgruppen ist es inzwischen sowieso so, dass die Redaktionen einzelner Lokalzeitungen der Gruppe zusammengelegt wurden. Wenn eine Zeitungsgruppe in einer Region 5 Lokalzeitungen hat, warum soll man sich dann für jede Zeitung eine eigene Kultur- oder Sportredaktion leisten? Die Zeitungen werden sich im wesentlichen im Lokalteil unterscheiden. Selbst der Anzeigenteil wird verkaufstechnisch-strategisch gemeinsam vermarktet. Bsp: WAZ-Medienkonzern im Ruhrgebiet: Ob Du da die WAZ, die NRZ oder die Westfälische Rundschau liest, ist ziemlich wurscht, sie gehören alle zum WAZ-Konzern. Aber warum soll ich mir dann als anspruchsvoller Leser einen Kultureinheitsbrei eines fast-geoutsourcten und gestressten Redakteurs antun, wenn ich bei der SZ für das gleiche Geld von guten festen oder freien und ungestressten Autoren, die es gar nicht nötig haben, sondern mit Leidenschaft und nicht des Geldes wegen schreiben, etwas Anspruchsvolleres bekomme?

      Brauche ich dann noch die lokale Tageszeitung, um zu erfahren, welchen Verkehrsunfall es gestern um die Ecke gab, oder welcher Kreisklassenfußballverein am Wochenende gewonnen hat?
    • "Es ist doch nichts anderes als der Versuch, das Alte und Bewährte ins Medium Internet zu retten. "

      Das würde ich einmal weiter überdenken.

      Ich halte es nicht für einen Versuch der "Rettung". Dazu gehört ein anderes Bewußtsein.
      Die guten Traditionen müssen auch gelebt werden. Vieles entzieht sich der Sprachlichkeit und Konservierung.
      Man denke an Platons ungeschriebene Lehre,

      Das Internet ist virtuelles Medium , mehr nicht.
    • @ JoergMiddendorf:

      Dann gäbe es ja einen Zwang, Kommentare zu lesen, weil in ihnen etwas stehen könnte, was einen zwar nicht interessiert, aber einen dennoch irgendwie erreichen könnte.


      Gibt ja nicht nur schwarz und weiß.
      Einen Kommentar über Importzölle auf Erdnussbutter zwischen zwei südamerikanischen Staaten, wird mich auf fast allen Wegen nicht erreichen.

      Ist mir zu stressig. Deshalb bin ich kein regelmäßiger Zeitungleser, eher am Wochenende zu Mußezeiten. Unter der Woche blättere ich durch den Feuilletonteil und bleibe hier und da hängen, aber eher selten.


      Ich lese was mir so in die Finger kommt, Fehlabos von anderen, ausgelesene Magazine, mal was beim Espresso Trinken oder wo man gerade so auf Zeitschriften stößt.

      Was mich ärgert, ist diese Überrolle, die Feuilletons und Kulturteile von Zeitungen und Zeitschriften spielen, in denen etwa Buchempfehlungen abgegeben werden. Die Redakteure - Menschen mit persönlichen Geschmäckern - tragen doch eigentlich eine Riesenverantwortung hier, ich weiß nicht, ob das jedem so klar ist. Sie entscheiden mit darüber, welche Autoren gepusht werden, was letztlich gedruckt und verkauft wird; das Feuilleton als ein heiliger Ort.


      Natürlich ist denen das klar, die kriegen doch Geld dafür.
      Meinst Du Bücher stehen zufällig in den Bestsellerlisten oder werden besprochen.
      Da fließt Geld, da kennt dieser jenen.

      Allerdings auch ein Ort, an dem man nicht antworten kann. Gut, man kann einen Leserbrief schreiben, aber der wird eh wahrscheinlich nicht gedruckt.


      Dafür hast DU ja das philosophische Radio. :)

      Wenn ich einen Kommentar eines Kulturredakteurs lese, habe ich möglicherweise am Abend zuvor in einem Forum schon einen Kommentar von einem Nobody oder Anonymous gelesen, der dreimal besser ist. Vielleicht war's ja der besagte Kulturredakteur selbst, aber wohl idR nicht. ;)


      Woher willst Du wissen, dass der besser ist, dazu müsstest Du Film/Buch… ja schon kennen.
      Mir ist schon klar, dass das nur Meinungen sind, keine gottgleichen Urteile, so mit den Jahren verliert man seinen Glauben an die meisten Autoritäten, aber vielleicht schreibe ich ja in den falschen Foren, doch ich erlebe in vielen einen eklatanten Niveaurutsch.
      Immer der gleiche eindimensionale, vorhersehbare Quatsch, von immer den gleichen Blitzbirnen, da bin ich direkt froh, dass der eine oder andere Redakteur noch die Grundregeln der deutschen Sprache beherrscht (im Gegensatz zu mir) und mir die Kommentare der Leser erspart bleiben.

      Gut, auch diese Zeitungen und Zeitschriften haben inzwischen Onlineauftritte, in denen man kommentieren kann.


      Ja, der geht der Stuss dann weiter: „Bitte bleiben Sie sachlich. Die Red.“

      Bei einer Zeitschrift hatte ich dies auch rege getan, doch irgendwann sagte die Redaktion, dass sie das nicht mehr wolle.


      Du hast ja auch einen mordsmäßigen Auswurf, eigentlich bin ich ja schon als Vielschreiber gefürchtet…

      Die Beiträge der Autoren sollten fortan wieder unkommentiert bleiben und für sich stehen. Daraufhin schrieb ich der Redaktion, dass ich nun auch das Lesen der Onlinezeitschrift und Onlineartikel einstelle, da ich das Kommentieren für einen wichtigen Bestandteil des ganzen Auftritts hielt und ich die Möglichkeit gut fand, auf die Artikel von Autoren, die ja auch nur persönliche Ansichten haben, zu antworten.


      Wie Du siehst, kann man da geteilter Meinung sein.
      Ich überfliege den einen oder anderen Kommentar, aber wenn ich meine das zu brauchen und diskutieren zu wollen, gehe ich halt in ein Forum, aber ich brauche nicht bei jedem Artikel das ganze Dutzend Weltverschwörungstheorien, mal von der einen, mal von der anderen Seite.
      Das ist doch so stereotyp und am Ende ist man auch nicht schlauer.
      Ob drohender Krieg im Iran, oder das Buch von Nádas, welche Meinung dazu würde Dich denn nach vorne bringen.

      Versteh‘ mich nicht falsch, ich finde es gut, dass jeder seine Meinung äußern kann, aber ich finde es ebenso gut, dass ich 99,9% davon nicht lesen muss und ich bin da schon statistisch eher kulturell kreativ.

      Im Printmedium kann ich die persönliche Ansicht eines Redakteurs nur passiv hinnehmen.


      Und online beißt Du Dich an irgendwelchen Spinnern fest, in der Zeit hättest Du auf der Terrasse einen schönen Kaffee trinken können.

      Dann frage ich mich zuweilen, warum von diesem Redakteur manche Autoren mit ihren Büchern in den Himmel gelobt werden und andere nicht.


      Ich nehme an, die werden geschmiert, habe persönliche Vorlieben/Abneigungen – aktuell: Walser vs. Reinch-Ranicki, sind ein wenig eitel, manchmal etwas größenwahnsinnig. Wie Du und ich halt, nichts besonderes, nur besser bezahlt.

      Und mit der Zeit merke ich dann, dass mir das die Lust am Romanelesen neuer Autoren nimmt und ich eher auf bewährte moderne Autoren oder klassische Literatur setze. Vielleicht ist das Schönste an neuen Romanen inzwischen, dass man sie nicht lesen muss.


      Hm, der war nur mal so rausgehauen, oder?
      "Das Wissen ist ein schöner Schrein,
      Die Kunst erst legt den Schatz hinein."
      (Carl Spitzweg)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Carl Spitzweg ()

    • So macht man sich als moderner Beobachter und Teilnehmer des Internet selbst so seine Gedanken, schreibt etwas hier und dort, und findet dies auch irgendwie aktiver als nur passiv ein Printmedium zu konsumieren. Wer ist denn nun der Passivere? Jemand, der sich einen empfohlenen Roman nach dem anderen reinzieht, quasi als braves Schäfchen eines Empfehlungsgebers, oder derjenige, der sich im Internet mit anderen austauscht?


      Das kommt drauf an. Wenn Du ne ernsthafte Antwort willst, kann sich in exzessiver Verbreitung der eigenen Meinung und ihrer damit implizit unterstellten Bedeutung auch jede Menge Narzissmus verbergen, vielleicht nicht gleich ganz hart pathologisch, aber so tendenziell dann schon.
      Da ist doch der, der es ohne Druck erträgt seine Morgenpostille oder sein empfohlenes Büchlein zu lesen, sich zu freuen und zur Arbeit zu fahren, durchaus nicht unfreier, da weniger getrieben.

      Mir ist der abreagierende Charakter der Verkündung der einigen Meinung durchaus bewusst und ich schätze und benutze diesen Weg auch, aber ich musste dann auch mal einsehen, dass ich nicht zu jedem Thema etwas gehaltvolles beizutragen hat, was die Welt unbedingt lesen muss.

      Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass die meisten Menschen, zu den meisten Themen kein bisschen davon profitieren, wenn sie meine unmaßgebliche Meinung dazu hören. Ganz in echt.

      Eine These wäre nun, dass das Internet ein Ort der wahren Philosophie ist, im klassischen Verständnis der Griechen, bei denen der philosophische Dialog hochgehalten wurde. Insofern erleben wir eine Renaissance.


      *Hüstel*

      Wenn man sich die weitere Entwicklung der Medien vorstellt, so wird das Internet immer mehr gewinnen. Wo ist das Problem, sich eine Zeitung auf dem iPad anzuschauen? Es ist optisch sogar angenehmer, man kann einzelne kleine Artikel auf DINA5-Größe zoomen und separat lesen. Und dann wird es (und muss es, wie ich finde) in Zukunft so sein, dass man jeden Artikel sofort auf dem iPad kommentieren kann.


      Nein, in Zukunft hältst Du Dir eine Kamera vor den Rüssel und sagst direkt, was Dich gerade an der Konsistenz Deines Frühstrückseis gestört hat. Dann zeigst Du noch die neueste Errungenschaft, die gerade in Deinem Wohnzimmer steht und stellst alles bei you tube oder facebook oder sonst wo rein.
      Leider hat dann vor lauter Selbstpräsentation – bei abnehmender Selbstrepräsentation (psychologisch) – keiner mehr Zeit das zu gucken, weil jeder so eine Kamera vor dem Rüssel hat.
      Hm… man sollte Helme konstruieren, die…

      Die Einzigen, die gegen eine solche Entwicklung sind, sind die Redakteure der Printmedien in ihren heiligen Stühlen, die Bestsellerlistengeneratoren.


      Klar, facebook und google dulden auch keine Konkurrenz und das Orakel von Delphi hat mir geweissagt, dass dahinter wirtschaftliche Interessen stehen.

      Und der klassische passive Medienkonsument, der jeden Tag seine Zeit von vorne bis hinten liest, und diesen Ritus offenbar für sein Ego braucht.


      Gewohnheit heißt auch Strukturierung. Besser Zeitung lesen, als so manches andere Ritual.

      Hinter dem iPad kann er sich weniger verstecken und es kommt vielleicht auch mal ein Dialog mit dem Gegenüber am Frühstückstisch zustande.


      Sieht man ja überall. Kiddies stehen zusammen und jeder glotzt in frohen Monolog auf sein i-pad. Selbst in den Restaurants sitzten sich zwei gegenüber, er ist paarunsgwillig, naja, vielleicht will er auch nur reden, sie quatscht über Handy mit ihrer Freundin. Wer’s mag.

      Warum sind Zeitungen eigentlich in ihren physischen Abmessungen immer noch so überdimensioniert und vierseitig chaotisch unterteilt? Dieses Gefummel geht mir nach wie vor auf die Nerven und hält mich vom Zeitunglesen ab.


      Dafür kannst Du das Ding gut falten und einen Teller draufstellen.

      Warum haben denn lokale und regionale Zeitungen immer mehr Probleme?


      Weil sie scheiße sind und schlechte Schreiberlinge haben.

      Der anspruchsvolle Leser findet dort keinen vernünftigen Kulturteil, die Kommentare auf Seite 2 sind für das breite Publikum, der Sportteil ist überdimensioniert, natürlich auch der Anzeigenteil, weil die Zeitung damit nun einmal auf klassischem Wege Geld verdienen will.


      Also ich habe nie bei einer Zeitung alles gelesen und verspüre auch gar keinen Druck das zu tun.

      Warum gewinnen denn anspruchsvolle überregionale Zeitungen wie die SZ? Weil die die Zeichen der Zeit erkannt haben und den anspruchsvollen Leser als Zielgruppe haben. Deshalb wird diese Zeitung in ganz Dtld gelesen. Aber wenn ich mir täglich den Feuilleton der SZ reintue, brauche ich dann noch einmal in der Woche die Zeit oder den Spiegel, um mir eine Elite der Kulturredakteure anzutun, die dann aus einer gemächlichen Wochenperspektive wochenwohlverdaute Kommentare abgeben?


      Das ist doch eine Frage der eigenen Entscheidung, immer gewesen.
      Der Rest ist der Verkauf von Image. Jeder liest die Zeitung die zu ihm passt.
      "Das Wissen ist ein schöner Schrein,
      Die Kunst erst legt den Schatz hinein."
      (Carl Spitzweg)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Carl Spitzweg ()

    • Brauche ich dann noch die lokale Tageszeitung, um zu erfahren, welchen Verkehrsunfall es gestern um die Ecke gab, oder welcher Kreisklassenfußballverein am Wochenende gewonnen hat?


      Es ist ja nicht so, dass ich Deine Meinung nicht verstehen kann, sie ist ja klar und es macht Spaß sie zu lesen. Vermutlich sind wir da gar nicht weit von einander entfernt, ich habe keine Zeitschrift oder Zeitung abonniert, lese ansonsten das, was mich interessiert, bin aber, wie schon gesagt, immer auch mal froh, so in einen Artikel reinzurutschen, den ich mir vermutlich nicht gekauft hätte.

      Ist wie beim Fernsehen, da ist mein Konsum deutlich zurückgegangen, aber so beim zappen bleibt man doch mal irgendwo hängen und denkt nachher „Schön, das gesehen zu haben.“

      Etwas provozierend gesagt: Du liest halt nicht gerne Zeitung, dann lass es doch.
      Warum groß drüber reden, wenngleich in unterhaltsam-anspruchsvoller Weise?
      "Das Wissen ist ein schöner Schrein,
      Die Kunst erst legt den Schatz hinein."
      (Carl Spitzweg)
    • Zu: >>Gedruckt oder nicht gedruckt, das ist Frage<<

      Ja, man fragt sich manchmal was man da alles liest. Vieles liest man ja auch nicht. Es sollte/müßte eine mehr sog. meta-logishe Verarbeitungsmaschinebzw. sog. Suchmaschine geben, welche die eigentlichen logischen Inhalte mehr verknüpft. Mithin, die Zeitschriften und auch die Bücher leben von der Redundanz. in vieler Hinsicht braucht man nur andere Prämissen einzusetzen und die selben Textekommen dabei herum. Eine Frage der Bedeutung wäre, inwiefern andere Leute Zeit haben den ganzen Tag sich ´dies und jenes´ reinzuziehen oder zumindest so zu tuen als ob. "Kannst ja das Internet nutzen...!" ist so ne Frage. Im Grunde ist es ja gedruckt, Buchstabe für Buchstabe. Die Sache ist wie wir unsere Texte repräsentieren und auch wie man mit einer gewisser Maßen Metalogik der Dinge umgeht bzw. resp. überhaupt eine hätte.

      greetings AHL
    • Antwort an Carl Spitzweg

      "aber vielleicht schreibe ich ja in den falschen Foren, doch ich erlebe in vielen einen eklatanten Niveaurutsch."

      Für das Usenet kann ich das bestätigen, weshalb ich dort immer weniger und in Webforen eher mehr schreibe.
      Generell muss man aber sagen, dass früher das Internet weniger Leuten zugänglich war, v.a. Akademikern, die sich dann per Mail oder dem Usenet ausgetauscht haben. Da inzwischen jeder einen Internetzugang hat, ist auch jeder Halotri in den Foren.
      Nun ist es aber so, dass viele dieser Halotris gar keine eigenen Halotri-Foren haben, in denen sie sich austauschen könnten und besser aufgehoben wären. Was passiert nun?: Sie zweckentfremden philosophische Foren. Weil Philosophie: Das ist ja alles. Hier kann jeder nach Schnauze frei mitreden.

      Ich würde sagen, dass der Anteil dieser Halotris bei Philowelt größer ist als bei Philoraum: in letzterem geht es gemächlicher zu, es gibt weniger Beiträge, oft passiert hier gar nichts. Das siehst Du auch, wenn Du die jeweiligen Beitragszahlen vergleichst. Es gibt viele Foren im Usenet, die inzwischen so gut wie tot sind, zB de.sci.geschichte. Dort haben sich jahrelang Verschwörungstheoretiker herumgetrieben und das Forum unlesbar gemacht. de.sci.philosophie ist kurz vor dem Untergang, dort gibt es im wesenlichen nur noch Litaneien von Leuten, die ihren ewig gleichen Stuss von sich geben. Oder psychisch gestörte Spammer und Spammerinnen, die ständig ihren Namen und ihre E-Mail-Adresse wechseln.

      "Immer der gleiche eindimensionale, vorhersehbare Quatsch, von immer den gleichen Blitzbirnen, da bin ich direkt froh, dass der eine oder andere Redakteur noch die Grundregeln der deutschen Sprache beherrscht (im Gegensatz zu mir) und mir die Kommentare der Leser erspart bleiben."

      Das ist das, was ich mit dem google-Effekt bezeichnen würde. In google ist die Antwort, aber man findet sie nicht, weil irgendwelche Halotris in den vergangenen Jahren nichts zum Thema zu sagen hatten und nur aus Langeweile irgendeinen Stuss gelabert haben. Die machen die Ergebnislisten nun lang.

      Das, was Zeitunglesen so schwer macht, ist dieser Gegensatz zum Internet, wo man aktiv sein kann. Beim Zeitunglesen bin ich zur Passivität verurteilt. Und zur Geduld und zu einer wohlwollenden Haltung mit dem Autor. Vielleicht macht das aber auch seinen Reiz aus, mal abzuschalten und wieder eine gute alte Zeitung in die Hand zu nehmen. Im Urlaub mache ich das gerne. Da erinnert mich das Internet nur an den Alltag.

      /Gut, auch diese Zeitungen und Zeitschriften haben inzwischen Onlineauftritte, in denen man kommentieren kann./

      "Ja, der geht der Stuss dann weiter: ?Bitte bleiben Sie sachlich. Die Red.?"

      Da muss ich sagen, wäre es mir lieber, wenn die Red. den Beitrag löschen würde, das wäre richtige Moderation. Ansonsten bleibt der Stuss ja stehen.

      /Bei einer Zeitschrift hatte ich dies auch rege getan, doch irgendwann sagte die Redaktion, dass sie das nicht mehr wolle./

      "Du hast ja auch einen mordsmäßigen Auswurf, eigentlich bin ich ja schon als Vielschreiber gefürchtet?"

      Du hast mich falsch verstanden oder ich habe mich missverständlich ausgedrückt: Die Zeitschrift strich generell die Möglichkeit des Kommentierens. Dank der besagten Stuss-Schreiber. Womit dann die Nicht-Stuss-Schreiber leiden müssen.

      "Ob drohender Krieg im Iran, oder das Buch von Nádas, welche Meinung dazu würde Dich denn nach vorne bringen."

      Ich würde nicht auf die Idee kommen, politische Themen im Internet in politischen Foren zu diskutieren. Das ist das reine Chaos.

      "Versteh? mich nicht falsch, ich finde es gut, dass jeder seine Meinung äußern kann, aber ich finde es ebenso gut, dass ich 99,9% davon nicht lesen muss und ich bin da schon statistisch eher kulturell kreativ."

      Da teile ich Deine Meinung. Beiträge sollten stärker moderiert werden, z.B. durch Wochensperren. Dann würden auch die Kommentare lesbarer und übersichtlicher.

      /Und mit der Zeit merke ich dann, dass mir das die Lust am Romanelesen neuer Autoren nimmt und ich eher auf bewährte moderne Autoren oder klassische Literatur setze. Vielleicht ist das Schönste an neuen Romanen inzwischen, dass man sie nicht lesen muss./

      "Hm, der war nur mal so rausgehauen, oder?"

      Wenn man alle Empfehlungen lesen würde, hätte man keine Zeit mehr für was anderes. Mir hängt es auch zum Hals heraus, immer die Empfehlungen derselben Literaturkritiker zu lesen (zB in der Zeit). Inzwischen weiß man auch, dass die persönliche Vorlieben und Geschmäcker haben.

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    • Antwort an Carl Spitzweg

      "Wenn Du ne ernsthafte Antwort willst, kann sich in exzessiver Verbreitung der eigenen Meinung und ihrer damit implizit unterstellten Bedeutung auch jede Menge Narzissmus verbergen, vielleicht nicht gleich ganz hart pathologisch, aber so tendenziell dann schon."

      Das könnte nun ebensogut ein Kommentar für das Tun eines Zeitungsredakteurs sein, der seine eigene Meinung exzessiv, und das sogar hunderttausendfach gedruckt, verbreitet. Aber ich gebe Dir Recht: Manche Internetkommentarschreiber haben ein Sendungsbewusstsein, das an Religion erinnert. Wenn ich hier in die Glaubens- und Religionsabteilung gehe, sehe ich schon anhand der Ikonen, die sie benutzen, dass sie offensichtlich ein solches Sendungsbewusstsein haben, dass sich vielleicht sogar eine bestimmte Religion, und sei es 'nur' der Buddhismus, dahinter versteckt.

      "Da ist doch der, der es ohne Druck erträgt seine Morgenpostille oder sein empfohlenes Büchlein zu lesen, sich zu freuen und zur Arbeit zu fahren, durchaus nicht unfreier, da weniger getrieben."

      Ich habe nach wie vor Respekt vor Internetverweigerern. Wenn nun jemand 70 ist, muss der sich noch ein neues Medium antun? Ich kenne allerdings auch brave Spiegel-Leser, die seit 40 Jahren den Spiegel Woche für Woche lesen und noch nicht einen Leserbrief geschrieben haben. Der Spiegel ist doch nun wirklich nicht mehr das, was er einmal war. Bei Recherchen muss er teilweisen den Kollegen von Bild hinterherlaufen, wie in der letzten Kampagne mit dem heulenden, aber durchaus zähen Wolf ja zu sehen war.

      "Mir ist der abreagierende Charakter der Verkündung der einigen Meinung durchaus bewusst und ich schätze und benutze diesen Weg auch, aber ich musste dann auch mal einsehen, dass ich nicht zu jedem Thema etwas gehaltvolles beizutragen hat, was die Welt unbedingt lesen muss."

      Sehe ich auch so. Das kann bei mir nicht vorkommen, da mich viele Themen schlicht und einfach nicht interessieren. Aber Du hast Recht: Es gibt tatsächlich Exemplare, die auf fast alles, aber auch wirklich fast alles, ihren Senf geben. Das würde ich dann schon krankhafte Internetsucht nennen.

      "Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass die meisten Menschen, zu den meisten Themen kein bisschen davon profitieren, wenn sie meine unmaßgebliche Meinung dazu hören. Ganz in echt."

      Sehe ich genauso. Für mich ist Meinungschreiben auch manchmal Experimentierfeld für Texte. Wenn für mich dann ein guter Text herausgekommen ist, ist es für mich sekundär, wer meine Meinung gut oder schlecht fand, oder wieviele sie gelesen haben.

      "Nein, in Zukunft hältst Du Dir eine Kamera vor den Rüssel und sagst direkt, was Dich gerade an der Konsistenz Deines Frühstrückseis gestört hat. Dann zeigst Du noch die neueste Errungenschaft, die gerade in Deinem Wohnzimmer steht und stellst alles bei you tube oder facebook oder sonst wo rein."

      Diese zwanghafte Selbstpräsentation fällt mir besonders bei fb auf, weshalb ich da nichts mehr mache. Du brauchst nur einen Bekannten haben, der dieser Zwanghaftigkeit anhängt und Du wirst fb hassen.

      "Leider hat dann vor lauter Selbstpräsentation – bei abnehmender Selbstrepräsentation (psychologisch) – keiner mehr Zeit das zu gucken, weil jeder so eine Kamera vor dem Rüssel hat.
      Hm… man sollte Helme konstruieren, die…"

      ohne Visier, dann bräuchte man sich diese Pappnasengesichter nicht anzuschauen. Es ist doch dasselbe wie früher mit der SMS. Dieselben gestörten Leute benutzen beide Medien exzessiv, ob SMS oder fb.

      /Und der klassische passive Medienkonsument, der jeden Tag seine Zeit von vorne bis hinten liest, und diesen Ritus offenbar für sein Ego braucht./

      "Gewohnheit heißt auch Strukturierung. Besser Zeitung lesen, als so manches andere Ritual."

      Aber das ist doch nun wirklich auch eine psychische Störung, zwanghaft die Zeitung von vorne bis hinten zu lesen, um informiert zu sein, und nicht der Uninformiertheit überführt werden zu können.

      /Hinter dem iPad kann er sich weniger verstecken und es kommt vielleicht auch mal ein Dialog mit dem Gegenüber am Frühstückstisch zustande./

      "Sieht man ja überall. Kiddies stehen zusammen und jeder glotzt in frohen Monolog auf sein i-pad. Selbst in den Restaurants sitzten sich zwei gegenüber, er ist paarunsgwillig, naja, vielleicht will er auch nur reden, sie quatscht über Handy mit ihrer Freundin. Wer’s mag."

      Schuld daran sind aber nicht nur die Geräte. Beispiel: Zug. Da kann ich nur sagen, ich würde mich auch lieber mit meinem realen Gegenüber unterhalten, aber Schuld daran ist nicht das Smartphone, sondern die Deutsche Bahn, die nur noch Großraumwagen einsetzt und in denen man wie auf einem Präsentierteller sitzt, wo gleich 10 andere, die in der Nähe sitzen, mithören. Früher gab es noch Abteile und ich weiß definitiv, dass in solchen Abteilen die Atmosphäre viel ungezwungener war und wesentlich mehr und auch intensivere Gespräche zustande gekommen sind.

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    • Antwort an Carl Spitzweg

      "Etwas provozierend gesagt: Du liest halt nicht gerne Zeitung, dann lass es doch.
      Warum groß drüber reden, wenngleich in unterhaltsam-anspruchsvoller Weise?"

      Um die Verhältnisse zurecht zu rücken. Die Meinungsmacher und Medienempfehler sitzen nach wie vor in den Printmedien. Das Internet hat hier eine schwache Position. Derjenige, der wenig Zeitung liest, gilt immer noch als ungebildet. Das Wenigzeitunglesen wird allgemein beklagt, während derselbe Wenigzeitungleser aktiv und intellektuell mit anderen im Internet diskutiert und sich austauscht.

      Zur Bildung gehört der Austausch, ansonsten lässt sich Bildung nicht messen. Ansonsten wäre jeder Vielzeitungleser und Vielbücherleser automatisch gebildet. Das ist er aber nicht, wenn er sein Wissen und seine Bildung nicht anderen mitteilt. Mich kann niemand dazu zwingen, so jemanden für gebildet zu halten.

      Wenn ich ein Zimmer betrete und dort viele Regalwände mit lauter Büchern sehe, heißt das noch lange nicht, dass der Zimmerbesitzer wirklich gebildet ist. Vielleicht will er sich gern gebildet geben. Das ist ein Unterschied. In den Regalen können auch nur Romane stehen und kein einziges philosophisches oder naturwissenschaftliches Werk. Würdest Du so jemanden als gebildet bezeichnen?

      Vor ein paar Jahren gab's mal Bücher mit Titeln wie "Das muss man gelesen haben" oder "Die 100 wichtigsten Bücher". Wenn man dann näher reinschaut, hatte der jeweilige Autor kaum einen Schimmer von der Philosophie oder den Naturwissenschaften, den wichtigsten Grundlagen unserer Kultur. Meist handelte es sich um Literaten oder Literaturwissenschaftler. Und dieselben Leute sitzen wohlmöglich in den Feuilleton- und Kulturredaktionen der Zeitungen. Wenn man sich daran orientiert, muss man sich nicht wundern, wenn das allgemeine Bildungsniveau fällt. Und hier kann man dann nicht das Internet oder das Weniglesen verantwortlich machen.

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    • @ JoergMiddendorf:

      Nun ist es aber so, dass viele dieser Halotris gar keine eigenen Halotri-Foren haben, in denen sie sich austauschen könnten und besser aufgehoben wären. Was passiert nun?: Sie zweckentfremden philosophische Foren. Weil Philosophie: Das ist ja alles. Hier kann jeder nach Schnauze frei mitreden.


      Ob Rückenschmerzen, Krankenschwestern, Esoteriker oder Nassrasierer, wirklich jeder hat heute sein Forum. Eigentümlich finde ich immer, wenn jemand Philo-Foren aufsucht um dann erst mal abzurotzen, wie dämlich doch die Philosophie ist. Naja.

      Ich würde sagen, dass der Anteil dieser Halotris bei Philowelt größer ist als bei Philoraum: in letzterem geht es gemächlicher zu, es gibt weniger Beiträge, oft passiert hier gar nichts. Das siehst Du auch, wenn Du die jeweiligen Beitragszahlen vergleichst.


      Ähm… was die Beitragszahlen angeht … ähm, würde ich nicht jede an Zahl glauben, die unten eingeblendet ist – und halte mich ansonsten dezent zurück, zur wundersamen Beitragvermehrung kann ja jeder nach Wunsch mal emprische Studien anstellen.
      Ansonsten geht es philo-welt inzwischen wohl etwas unsachlicher zu, sehe ich auch so.

      Es gibt viele Foren im Usenet, die inzwischen so gut wie tot sind, zB de.sci.geschichte. Dort haben sich jahrelang Verschwörungstheoretiker herumgetrieben und das Forum unlesbar gemacht. de.sci.philosophie ist kurz vor dem Untergang, dort gibt es im wesenlichen nur noch Litaneien von Leuten, die ihren ewig gleichen Stuss von sich geben. Oder psychisch gestörte Spammer und Spammerinnen, die ständig ihren Namen und ihre E-Mail-Adresse wechseln.


      Klingt verlockend. :)


      Was den google-Effekt angeht, da meinen wir wohl Ähnliches und ja, Zeitungen haben vielleicht auch was Gemütliches, ist aber dann und wann auch nicht falsch.
      Zeitung, Cordhose, Pfeife, Schaukelstuhl – klingt vielleicht so altbacken wie’s ist, aber immernoch besser, als von Halbsatz zur oberflächlichen Diskussion zu hangeln, dann 35 Sekunden eines mit 3 Minuten schon viel zu langen Videos sehen und so zappt man sich durchs Leben und meint man wäre effektiv. Dabei ist es nur oberflächlicher Mist, zu oft.

      "Ja, der geht der Stuss dann weiter: ?Bitte bleiben Sie sachlich. Die Red.?"

      Da muss ich sagen, wäre es mir lieber, wenn die Red. den Beitrag löschen würde, das wäre richtige Moderation. Ansonsten bleibt der Stuss ja stehen.


      Wird ja dann auch gelöscht, zzg. der Bemerkung.



      Du hast mich falsch verstanden oder ich habe mich missverständlich ausgedrückt: Die Zeitschrift strich generell die Möglichkeit des Kommentierens. Dank der besagten Stuss-Schreiber. Womit dann die Nicht-Stuss-Schreiber leiden müssen.


      Okay, kapiert.

      "Ob drohender Krieg im Iran, oder das Buch von Nádas, welche Meinung dazu würde Dich denn nach vorne bringen."

      Ich würde nicht auf die Idee kommen, politische Themen im Internet in politischen Foren zu diskutieren. Das ist das reine Chaos.


      Ja, aber darauf läuft es immer hinaus.
      Nur wo es emotional heiß läuft, wird geklickt, entweder jemand wird kaputtgemobbt, jemand fühlt sich kaputtgemobbt oder es geht im Kirche, Israel oder Kapitalismus. Da kocht es dann hoch, bis zur Schnappatmung (und zur Spannungsabfirh gibt es dann, you p… und Co.).
      Wie geil is das denn?


      "Versteh? mich nicht falsch, ich finde es gut, dass jeder seine Meinung äußern kann, aber ich finde es ebenso gut, dass ich 99,9% davon nicht lesen muss und ich bin da schon statistisch eher kulturell kreativ."

      Da teile ich Deine Meinung. Beiträge sollten stärker moderiert werden, z.B. durch Wochensperren. Dann würden auch die Kommentare lesbarer und übersichtlicher.


      Ja, ein Forum für notorisch Uneinsichtige, die sich von Moderatoren, bösen Usern mit dreistelligem IQ, Nichtpsychotikern, dem Finanzkapitalismus und der allgemein (wahlweise links- oder rechtpolitisch) gleichschalteten Medienmafia verfolgt fühlen und die chronisch beleidigt sind, dass die Welt ihre einzig wahren Durchblick noch immer nicht angemessen würdigt (trotz eigener Website, wo doch alles drin steht) oder im unbeirrten und unbeirrbaren Monolog, zu allem ihren Senf geben. Wie hieß es mal in der philo-welt HWG-Person (Hauptsache was gesagt). Es kann ja auch nicht sein, dass es irgendein Thema gibt, zu dem machen User nichts zu sagen hätten. Oder gar in nichtapodiktischer Form kommunizieren, wo kämen wir denn da hin? Im schlimmsten Fall entsteht noch ein Dialog.
      Ätzend sind auch die, die Dialog antäuschen, um ihr fundamentalistisches Geplärre in die Welt zu tuten.

      Wenn man alle Empfehlungen lesen würde, hätte man keine Zeit mehr für was anderes. Mir hängt es auch zum Hals heraus, immer die Empfehlungen derselben Literaturkritiker zu lesen (zB in der Zeit). Inzwischen weiß man auch, dass die persönliche Vorlieben und Geschmäcker haben.


      Gut, nur der Büchermarkt wächst.
      Schon sich die wirklich lesenswerten Klassiker anzutun, dürfte mehr Zeit beanspruchen, als man im Leben so hat. Was hat denn die Leserei für eine Funktion für Dich?
      Information? Inspiration? Andere, innere Welten erleben? Bildung? Mitreden? Zeit totschlagen? Genießen und abschalten?

      Das könnte nun ebensogut ein Kommentar für das Tun eines Zeitungsredakteurs sein, der seine eigene Meinung exzessiv, und das sogar hunderttausendfach gedruckt, verbreitet.


      Das ist sein Job.

      Aber ich gebe Dir Recht: Manche Internetkommentarschreiber haben ein Sendungsbewusstsein, das an Religion erinnert.


      Vor allem die Atheisten. ;)

      Wenn ich hier in die Glaubens- und Religionsabteilung gehe, sehe ich schon anhand der Ikonen, die sie benutzen, dass sie offensichtlich ein solches Sendungsbewusstsein haben, dass sich vielleicht sogar eine bestimmte Religion, und sei es 'nur' der Buddhismus, dahinter versteckt.


      Dagegen ist ja erst mal nichts einzuwenden. Kritische Distanz zu allem und jeden, ist ja auch ein fragwürdiges Unterfangen. Kompensatorisch bleibt dann oft nur noch der Fußball.

      Ich habe nach wie vor Respekt vor Internetverweigerern. Wenn nun jemand 70 ist, muss der sich noch ein neues Medium antun? Ich kenne allerdings auch brave Spiegel-Leser, die seit 40 Jahren den Spiegel Woche für Woche lesen und noch nicht einen Leserbrief geschrieben haben.


      Ich habe einmal in meinem Leben einen Leserbrief geschrieben, emotional bewegt und engagiert.
      Die Reaktion war – gar keine. Das war dann der letzte Leserbrief, ist so 15 Jahre her. Leute die Leserbriefe an Fernsehzeitungen schreiben, ich glaube das wäre mal ein Thema für das ICD-V.
      Du hast ja das Meinung kundtun fast zur eigenen Kunstform erhoben, ich kann das durchaus würdigen und Deine Kommentare im phil. Radio fand ich gut (zwei habe ich gehört).
      "Das Wissen ist ein schöner Schrein,
      Die Kunst erst legt den Schatz hinein."
      (Carl Spitzweg)