"Beschreibungen" und "Zuschreibungen". Zwei unterschiedliche Aussagetypen in Tierphilosophie, Anthropologie, Evolutionsbiologie

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    • Ich schätze den Artikel anders ein:
      der Artikel versucht sich von den derzeitigen Forschungsergebnissen, die zahlreiche Forscher erbracht haben und erbringen, abzuheben, indem er eine Position vorstellt, die genau entgegengesetzt ist. Das trifft man in den letzten Jahren immer wieder an, verspricht natürlich Aufmerksamkeit und passt ins "Bild"-Medienzeitalter.
      DAss diese Position, die hier formuliert wird, sehr auf deiner Linie liegt, da du ja "konservativ" - (man denke nur an deinen"Normen"-Begriff vs. Regel-Begriff, vor einigen Jahren noch) - dazu neigst, dualistisch Natur, Pflanzen, Tiere auf der einen Seite und Menschen auf der anderen Seite zu verorten ( im Sinne eines epistemologischen Aspektdualismus und einem impliziten ontologischen Dualismus), ist es nachvollziehbar, dass du diesen Artikel "interessant" findest.

      Sachlich beschrieben: Die allermeisten Fachartikel, Experimente, etc. sehen es anders, als es hier beschrieben wird.

      Das räumt der Artikel selbst auch ein. Nur verwendet er dies als Sprungbrett, um sich umso mehr selbst den Glanz des "Anderen", "Neuen" zu verleihen.
      Das, was die anderen erforschen, sei nur "Mode"-Trend, sei nur Hoffnung nach "Nähe" mit Tieren, etc. etc. . Die richtige Position sei die eigene und diese natürlich ist unverblendet.
      Warum die anderen nur einem "Trend" folgen, er jedoch der einzige ist, der klar sehen kann und nicht etwa dem Trend des "Neuen", "Anderen" folgt, die anderen jedoch richtig liegen, kann uns der ARtikel nicht sagen. Das ist eben das Problem der Ideologie-Kritiker: sie behaupten, dass sie erkennen können, dass alle anderen irren/verblendet sind, können uns aber nicht plausibel darstellen, warum ausgerechnet sie nicht irren/verblendet sind.

      Warum er mit Affen in einem "Käfig" Experimente durchführt - und viele weitere methodische Fragen bleiben ungeklärt. (Es ist beispielsweise bekannt, dass freilebende Affen den Rouge-Test wesentlich erfolgreicher bestehen, als Affen, die in einem Käfiggehege aufwuchsen.)
      Dass Affen Werkzeuge benutzen und diese auch modifizieren können, wird einfach verschwiegen - es wird das Gegenteil behauptet.
      Anhand des "Experimentes" wird einfach posutliert: Affen können in dieser Weise nicht lernen.
      Das ist weniger als wenig - scheint aber denen auszureichen, die an das "Andere" glauben wollen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Spirit ()

    • Dieser Passus ist wohl etwas mehr als nur Stimmungsmache aus "konservativem" Blickwinkel:

      Er hatte gehofft, endlich den Beweis zu liefern, dass Schimpansen imitieren können. Ein solches positives Ergebnis hätte eine lange Forschungskontroverse beendet und Claudio Tennie große Anerkennung gebracht. Ein negativer Ausgang des Experiments dagegen, weiß Tennie, ist immer problematisch. Erstens lassen sich negative Ergebnisse in der Regel nur schwer in Fachzeitschriften veröffentlichen – schließlich wird eine Entdeckung höher geschätzt als eine Nichtentdeckung. Zudem werden negative Ergebnisse vom Rest der Community viel härter auf die Probe gestellt: Man sucht nach methodischen Fehlern und bezweifelt die Aussagekraft – vor allem, wenn sie einer lange geltenden Ansicht widerspricht. Mit seinem Ergebnis musste sich Claudio Tennie als kleiner Doktorand gegen das Gros der Menschenaffenforscher stellen – und ihm schwante, dass das alles andere als einfach werden würde.

      »Jeder präsentiert gerne eine gute Geschichte«, sagt Eric-Jan Wagenmakers. Der Professor für Methodische Psychologie an der Universität Amsterdam forscht darüber, wie die Qualität von wissenschaftlichen Studien verbessert werden kann. Ein negatives Resultat könne hingegen immer ein Hinweis darauf sein, dass ein Versuch schlecht geplant oder ausgeführt wurde, sagt er. »Deswegen verschwinden solche Ergebnisse oft im Aktenschrank der Forscher.« Ein möglicher Grund, aus dem 95 Prozent aller publizierten Studienergebnisse in der Psychologie, zu der auch Tennies Forschungsgebiet zählt, positiv sind. »Wenn aber nur noch positive Resultate veröffentlicht werden, dann repräsentiert die wissenschaftliche Literatur nicht die Wirklichkeit«, sagt Wagenmakers.

      Und das gilt offenbar auch für die Schimpansenforschung.
    • Spirit schrieb:

      Warum er mit Affen in einem "Käfig" Experimente durchführt - und viele weitere methodische Fragen bleiben ungeklärt. (Es ist beispielsweise bekannt, dass freilebende Affen den Rouge-Test wesentlich erfolgreicher bestehen, als Affen, die in einem Käfiggehege aufwuchsen.)
      Dass Affen Werkzeuge benutzen und diese auch modifizieren können, wird einfach verschwiegen - es wird das Gegenteil behauptet.
      Anhand des "Experimentes" wird einfach posutliert: Affen können in dieser Weise nicht lernen.

      Zu berücksichtigen ist auch, dass die Menschheitsentstehung über weite Zeitstrecken durchaus zäh verlaufen ist: erste Menschen vor 2 bis 8 Millionen Jahren, Feuermachen vor rund 1,5 Millionen Jahren, Sprechen vor rund 1,5 bis 1 Millionen Jahren, Rad vor rund 4000 Jahren. Ein etwaiger außerirdischer Zoologe würde damals nach mehreren Besuchen der Erde womöglich enttäuscht gesagt haben: Menschen begreifen schier gar nichts; es ist hoffnungslos; aus Menschen wird niemals etwas werden.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Fliege ()

    • Mir scheint es gibt hier Ebenen/Personen-Verwechslungen in unserer Kommunikation. Zur Klärung der Ebenen/Personen:
      Dass Tennie seine Position aus konservativen Hintergründen heraus vertrete, hatte ich nicht geschrieben - hier hatte ich dich angesprochen.
      Dass es Tennie lediglich um etwas Neues ginge, das irgendwie anders ist, das habe ich auch nicht geschrieben - hier sprach ich den Autor des Artikels an.
      Ich habe in meinem Beitrag drei Personen angesprochen: 1. den Autor des Artikels, über den ich am meisten geschrieben habe, denn dessen Artikel, den du hier verlinkt hast, habe ich ja auch gelesen. 2. dich, da ich hier einige deiner Beiträge im Forum gelesen habe, 3. Tennie, über den ich eigentlich so gut wie nichts geschrieben habe, da er mit Tomasello zusammenarbeitet und es viel mehr der Differenzierung bedürfte, seine genaue Position zu bestimmen, als dies der "interessante" Artikel leistet.
    • Fliege schrieb:

      Rad vor rund 4000 Jahren. Ein etwaiger außerirdischer Zoologe würde damals nach mehreren Besuchen der Erde womöglich enttäuscht gesagt haben: Menschen begreifen schier gar nichts; es ist hoffnungslos; aus Menschen wird niemals etwas werden.

      finde ich eine interessante Sichweise. Ja, das verdeutlicht sehr, wie lange der Mensch benötigte, um alleine das Rad zu erfinden und wie sehr sich erst über diese etablierende Kultur dann komplexere Kultur immer rascher etablierte.
      Das verdeutlicht, wie kurzsichtig die Vergleiche sind, wenn wir den "Alltagsmenschen" der Gegenwart - und seine darin scheinbar zum Ausdruck kommenden universalen Handlungskompetenzen - als Repräsentanten für "den Menschen" dem Schimpansen vergleichend gegenüberstellen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Spirit ()