Charakterabhängiges Philosophieren

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Charakterabhängiges Philosophieren


      Charakterabhängiges Philosophieren

      Der Psychoanalytiker und Astrologe Johannes Riemann meinte, daß charakterologisch zwischen vier hauptsächlichen menschlichen Verhaltensweisen und Persönlichkeitsstrukturen unterschieden werden könne, einer bindungs-typischen Struktur, einer distanz-typischen, einer ordnungs-typischen und einer ungebundenen, mobilen und variabilitäts-typischen. Eine gewisse Analogie bestehe hier zu hauptsächlichen kosmischen Kräften, etwa Gravitation, Eigenrotation und Fliehkraft. Das bindungs-typische Verhalten ist emotional akzentuiert, das distanz-typische Verhalten sachlich, das ordnungs-typische rational, das variabilitätstypische offen für Gegensätzliches und Spielhaftes. So meine ich es feststellen zu können in den Beiträgen zu diesem Forum. Manche Beiträge sind emotionaler Natur (bindungs-typisch), rein sachlicher Natur (distanz-typisch), sie sind ordnungshaft-rational (streng logisch) oder sie haben einen gedankenspielerischen, alles Festlegende meidenden Touch. Typische Beispiele sind beim Blättern in den Beiträgen leicht zu finden. Ich möchte mit diesem Hinweis nicht "psychologisieren", sondern die Frage aufwerfen, ob auch andere Teilnehmer Beziehungen zwischen dem Vorschlag philosophischer Themen, den Diskussionsbeiträgen und diesen zugrunde liegenden Charaktermerkmalen vermuten. P.S. Nur zum Verständnis älterer Literaturquellen : Riemann nannte die Bindungstypischen 'depressiv', die Distanztypischen 'schizoid', die Ordnungstypischen 'anankastisch'(=zwanghaft), die mobil Variablen 'hysterisch'. Grüße !
      cornak
    • Cornak schrieb:

      Charakterabhängiges Philosophieren


      Wird Symbolik favorisiert - etwa mit jener Symbolik, die mit astrologischen Tierkreis sei, die also mit bestimmten Planeten die in bestimmten Aspektbeziehungen zueinander stehen und die zur Darstellung gebracht wurden -, und wird mit dieser, beispielsweise astrologischen Interpretations-Darstellung auf Verhaltensweisen geschlossen, mit denen Charakter erfasst: dass sei dann Philosophie?

      Philosophieren wäre dann, beispielsweise aus der Stellung des Planeten Mars im Feld des Schützen Etwas zu folgern, um damit, wurde ausserdem die Geburtszeit einer bestimmten Person im Tierkreis berücksichtigt, zur Sprache zu bringen Erklärung von Verhaltensweisen.

      Wenn ja, kann Philosophie der Symbole ein Ordnungsdenken zwar geben, nicht jedoch Analytizität?

      Dieser Beitrag wurde bereits 7 mal editiert, zuletzt von rue ()

    • Persönlichkeitsstrukturern

      Hallo rue, bitte, mich nicht mißzuverstehen. Mit astrologischen Konstellationen habe ich absolut nichts am Hut. Meine Frage ist, ob typische Persönlichkeitsstrukturen zu wiederum typischen philosophischen Fragestellungen disponieren. Die von Riemann genannten v i e r typischen Persönlichkeutsstrukturen sind m.E. schon mal per se interessant. Mehr als didaktische Eselsbrücken sehe ich aber nicht in seinen Analogien zwischen anziehenden physikalisch-kormischen Elementarkräften (Alltraktion, Gravitation, magnetische Anziehung) und solchen, welche räumliche Distanz gewährleisten (Reaktion, Repulsion) zu menschlichem Grundverhalten (Bindung und Abstand). In manchen Debatten und Fragestellungenn fühle ich mich durch Ordnungsimpulse allzusehr gefesselt und festgelegt (analog zur Schwerkraft), in anderen verliere ich den Boden unter den Füßen durch ungebremstes , der Fliehkraft ähnliches Denken. Um wissenschaftlich stichhaltige Analogien handelt es sich dabei sicher nicht, zumal da auch noch weitere Kräfte erwähnt werden müßten, starke, schwache und elektromagnetische Wechselwirkungen, elektrostatische (chemische) Kräfte, magnetische und was weiß ich noch für welche, von geistigen Kräften abgesehen. Gruß !
      cornak
    • Cornak schrieb:

      Hallo rue, bitte, mich nicht mißzuverstehen. Mit astrologischen Konstellationen habe ich absolut nichts am Hut. Meine Frage ist, ob typische Persönlichkeitsstrukturen zu wiederum typischen philosophischen Fragestellungen disponieren. Die von Riemann genannten v i e r typischen Persönlichkeutsstrukturen sind m.E. schon mal per se interessant. Mehr als didaktische Eselsbrücken sehe ich aber nicht in seinen Analogien zwischen anziehenden physikalisch-kormischen Elementarkräften (Alltraktion, Gravitation, magnetische Anziehung) und solchen, welche räumliche Distanz gewährleisten (Reaktion, Repulsion) zu menschlichem Grundverhalten (Bindung und Abstand). In manchen Debatten und Fragestellungenn fühle ich mich durch Ordnungsimpulse allzusehr gefesselt und festgelegt (analog zur Schwerkraft), in anderen verliere ich den Boden unter den Füßen durch ungebremstes , der Fliehkraft ähnliches Denken. Um wissenschaftlich stichhaltige Analogien handelt es sich dabei sicher nicht, zumal da auch noch weitere Kräfte erwähnt werden müßten, starke, schwache und elektromagnetische Wechselwirkungen, elektrostatische (chemische) Kräfte, magnetische und was weiß ich noch für welche, von geistigen Kräften abgesehen. Gruß !


      Hallo Cornak,

      Grundannahmen in Verbindung mit Verhaltensweisen annehmen gibt gesellschaftliche Orientierung, mit denen beispielsweise Nähe und Distanz praktiziert wird. Bleiben diesbezügliche Grundannahmen stets mit Affektionen verbunden und wird die systematische Einsicht in die Naturgeschichte der menschlichen Affekte gewonnen (1), werden Grundannahmen stets im sozialen Kontext stehend berücksichtigt. Mit diesen Grundannahmen versuchen sowohl Einzelne wie auch Gesellschaften in ihrem Dasein sich zu behaupten. Mit inneren Grundbefindlichkeiten, getragen von Freude und Trauer aus denen alle weiteren Gefühle abgeleitet werden, wird der Trieb zur Selbsterhaltung befriedigt oder gehemmt.

      Erst dann, wenn nicht in der menschlichen Affektausrichtung verankerte Grundannahmen favorisiert werden - beispielsweise mit der Annahme die Idee der Mathematik entspricht keiner Ausdehnung, da erst mit der von Ausdehnung nicht bedingten Mathematik etwas über die Funktion der Ausdehnung zum Ausdruck gebracht werden könne -, kann die analogische Denkausrichtung favorisiert werden. (2) Symbol-Klassifizierung im Rückgriff auf Mathematik wird hier also vorgenommen, um Verhaltensweisen darzustellen.

      Werden Grundannahmen im Kontext des Sozialverhaltens angenommen, wird also nicht die analogische Denkweise ins Spiel gebracht, bleiben diese erfahrungsgesättigt. Die inneren Grundbefindlichkeiten sowie die Grundannahmen bleiben so verknüpft, dass die Selbsterhaltung nicht von der analogischen Denkweise beherrscht wird. Nun erst kann gesagt werden, dass im Vermögen einer Persönlichkeitsausrichtung liegt sein Sein weniger gehemmt zu leben. Übernimmt nun die analogische Denkweise die Oberhand überwiegt der Affekt der Trauer, wird die Selbsterhaltung - nun, sozusagen vom Überwiegen der Freude beraubt -, gehemmt streben.

      Angenommen, Pessimismus sei eine Philosophie, dann wird der Einzelne oder die Gesellschaft sich dieser verschreiben, wenn dieser oder jene in ihren Selbsterhaltungsstreben gehemmt sich gefunden. 'Philosophische' Fragen finden hier eine Basis des Affektgefüges vor, in der überwiegt: die Trauer. Die Antwort ist vom Fragenden bedingt, ist dieser vorwiegend gehemmt ausgerichtet, ist seine Antwort beispielsweise eine die als die des Pessimismus daherkommt. Wer meint Pessimismus sei eine Philosophie, wird ausgeben Philosophie sei eine Frage des Charakters. Die Kompensation wird entsprechend sein: von dem aus der Masse herausragenden Einzelnen wird, bei entsprechender Aufnahme der Geschichte der Philosophie beispielsweise in systematisiert-schwungvollen Sätzen die Welt als das Jammertal des Menschen, der Tiere ... gegeben.

      Die 'Philosophie" des Pessimismus wird jene anziehen, deren Streben weniger von der Freude, sondern mehr von der Trauer bewegt ist.
      ---

      (1) Spinoza: Ethik.

      (2) Die Astrologie als analogische Denkweise wird die Mathematik bemühen, um diese so mit Symbolik – die ihres Tierkreises, die der Planeten, Felder, Häuser, Aspekte, Aszendent … -, aufzuladen, um Verhaltensweisen - sozusagen nicht nackt -, zu interpretieren. Erfahrung wird hier abhängig vom festgeschriebenen Charakter, da dieser mathematisch-symbolisch gefasst somit die Ausdehnung 'überschreitend', interpretiert.

      Dieser Beitrag wurde bereits 6 mal editiert, zuletzt von rue ()

    • Cornak schrieb:

      Meine Frage ist, ob typische Persönlichkeitsstrukturen zu wiederum typischen philosophischen Fragestellungen disponieren. Die von Riemann genannten v i e r typischen Persönlichkeutsstrukturen sind m.E. schon mal per se interessant.


      Cornak schrieb:

      In manchen Debatten und Fragestellungenn fühle ich mich durch Ordnungsimpulse allzusehr gefesselt und festgelegt (analog zur Schwerkraft), in anderen verliere ich den Boden unter den Füßen durch ungebremstes , der Fliehkraft ähnliches Denken.


      Hallo Cornak,

      die Frage aufzuwerfen, ob sich das jeweilige subjektive Herangehen an Themata tatsächlich in Beziehung zu charakterlichen Strukturen setzen lässt, erfordert schon eine gewisse Distanz, Logik, Empathie und Flexibilität. Sonst würde man den Sinn der Frage kaum erkennen können. Vermutlich ist die Liste sogar noch unvollständig. Im Idealfall lässt sich wohl - will man philosophieren - aus jedem Bereich ein Stück beisteuern.

      In der Regel kann man aber tatsächlich beobachten, dass sich bestimmte Charakteristiken in der jeweiligen Vermittlung und Einlassung zeigen. Eine analogiehafte Eselsbrücke scheint mir aber deswegen nicht unbedingt nötig. Ich denke da eher in die Richtung, dass sowieso alle Charakteristika (Fähigkeiten) sich in jedem Menschen befinden, nur eben ungleichmäßig verteilt. Außerdem ist auch das jeweilige Thema relevant für den Typus des Sich-darauf-Einlassens. Manches Thema ist eben in rationaler Hinsicht interessanter als in emotionaler und umgekehrt. Und es scheint auch die jeweilige individuelle Reife eine Rolle dabei zu spielen, welche mE einen Ausgleich oder Neuordnung der Charakteristiken/Prioritäten im eigenen Inneren versucht.


      lieben Gruß
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.
    • Hallo Iselilja, hallo Cornak

      ich denke hier im Prinzip ähnlich wie Iselilja; möchte aber auch noch einmal herausstreichen, dass ich denke, ein wirklich philosophisch wertvoller Beitrag wird von allen vier Typen etwas oder eine Essenz haben müssen, eine emotional leidenschaftliche, eine zumindest in dem Thema eine Ordnung suchende, eine distanziert betrachtende und eine, mit Hilfe deren man überhaupt zwischen alle den Elementen variierungs fähig operiert. Ich denke je umgreifender der Beitrag alle diese Elemente enthält, desto aussagekräftiger wird er auch an Glaubhaftigkeit und Darlegung.

      Das, was ich aber schon bemerke, ist, dass bei einem gewissen Streben nach Reglmäßigkeit beim Philosophieren und dann, wenn eben der "erste Schwung von neuen Erkenntnissen" zu Beginn sich schon ausgedrückt hat, dass ich dann bei mir selber - gemäß meiner medizinisch diagnostizierten und bekannten psychischen Veranlagung - und da hat Cornak durchaus recht - zum distanziert vorsichtigen Typ "hier im Forum" bewusst auch willentlich vorhabe zu werden .
      Erstens hat man mit zu raschen Antworten schlechte Erfahrungen gemacht, zweitens hat man sich teilweise für den persönlichen Geschmack selbst zu viel emotional involviert und drittens hat man festgestellt, dass eben auch die Neigung hier besteht, durch zu häufiges Antworten small talk Partituren in Threads zu kreieren, die man dann vom philosophischen Wert her selbst als störend unnd nicht zweckdienlich empfindet.
      Allerdings würde ich das wie gesagt als Willensakt sehen, als Folge einer Erkenntnis, was einem am meisten gut tut und wie man einfach am Besten mit den sozialen und emotionalen Spannungen, die durch das Schreiben hier ja auch für den Schreibenden entstehen, umgeht. Also NICHT als eine "Fixierung" oder eine "Anlage" weil man es aufgrund dunkler triebhafter Gebundenhait an das eigene Unbwusste nicht anders kann bzw. könnte.

      Ich weiß allerdings nicht, inwieweit diese Erkenntnis der Typenauthentität etwas bewirken, etwas nutzen oder etwas verbessern soll, denn die bloße Feststellung dass dem so ist, kann ja niemand jetzt irgendwie dienen, oder verstehe ich da was falsch?

      liebe Grüße

      Ich bin ein Freund der Weisheit,
      aber nicht alle ihrer Freunde
      sind auch meine Freunde.

    • mensch-und-psyche.de/typenmodelle/psychographie/

      hier findet sich die Geschichte der Beziehungs-, Handlungs- und Sachtypen

      FRIEDMANN baute aus diesen drei einen Mercedesstern
      und fand für den Kreis außenrum viele Bezeichungen

      diese Bezeichnungen passen nun ganz gut zur astrologisch überlieferten Typenlehre

      vom Anthroposophen STEINER gibt es auch einen Kreis,
      (ausgehend von einem Kreuz,)
      der die Philosophie-Richtungen aufschlüsselt

      wenn ich diese Kreise wohlwollend angehe,
      dann sehe ich darin eine Periode

      wenn ich diese Kreise kritisch angehe,
      dann sehe ich eine originelle, aber nicht wesentliche Erweiterung bewusst ausgewählter Begriffe
      (Dreieck bzw. Kreuz)

      ich selbst kann mich darin nicht finden,
      da ich mal so und mal so bin

      ich unterscheide
      daher nur die Reihenfolge,
      in der das Fühlen (Beziehungstyp), das Denken (Sachtyp) und das Handeln (Handlungstyp) passiert
      • fühlen-denken-handeln (= weise)
      • denken-handeln-fühlen (= zweifeln)
      • handeln-fühlen-denken (= dumm oder physikalisches Experiment)
    • Neutralis schrieb:

      Ich weiß allerdings nicht, inwieweit diese Erkenntnis der Typenauthentität etwas bewirken, etwas nutzen oder etwas verbessern soll, denn die bloße Feststellung dass dem so ist, kann ja niemand jetzt irgendwie dienen, oder verstehe ich da was falsch?


      scilla schrieb:

      wenn ich diese Kreise kritisch angehe,
      dann sehe ich eine originelle, aber nicht wesentliche Erweiterung bewusst ausgewählter Begriffe



      Wenn ich mal dem normalen Sprachgebrauch folge, sind Charaktertypen ein hilfreiches Mittel der sozialen Orientierung. Eine Interpretation, die sich darüber hinaus wagt, wird kritisch. Sowohl als Methode als auch als resultierendes Moment. Man kann also sinnieren, wie sich Charakterliches verteilt, ordnet und zusammenhängt oder man praktiziert Schubladendenken. Letzteres ist jetzt nicht unbedingt als obsolet zu bestimmen, denn tatsächlich brauchen wir diese "flüchtige" Schnelleinordnung im Alltag. Wir haben weder die Zeit noch das Interesse, jeden Menschen auf seine Vollständigkeit hin zu bestimmen. Schubladen sind also nützlich, wenn auch oberflächlich. Wer unter die Oberfläche will, wird sich irgend ein System basteln, wie diese Schubladen im einzelnen zu bedienen sind. Soweit der psychologisch soziale Aspekt, auch wenn sich dazu noch wesentlich mehr sagen ließe.


      Basierend darauf nun Philosophie oder das jeweilige persönliche Philosophieren zu charakterisieren, dürfte um einiges schwerer sein.


      lieben Gruß
      Es ist gut, ins philosophische Nichts zu springen. Besser ist es, wieder heil nach Hause zu kommen.

      Willst du einen Menschen wirklich lehren, musst du ihn zuvor erkennen.