Der Blick nach innen

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Der Blick nach innen

      A) Gefühle erkennt man, wenn man die Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper richtet.

      Irgendein Innenleben ist immer da - und wenn es auch nur die Körperfunktionen selbst sind - aber es ist einfach die Frage, ob ich dieses mein Innenleben (ich kann in kein anderes sehen als meines) deute oder nicht. Deute ich es, erkenne ich dieses Innenleben als Gefühle; d.h. ich kann es so beschreiben.

      D.h. wenn man das NICHT tut, ist man auf die Außenwelt fixiert; auf das Handeln und seinen Erfolg; was innen vor sich geht, ist irrelevant. Das Innenleben ist nach wie vor da, nur ungedeutet.

      B) WELCHE Gefühle man erkennt, kommt auf die Art und Weise an, wie der Blick nach innen erfolgt.

      D.h. wir haben nicht ein "Moral-Gefühl", oder ein "Überlegenheits-Gefühl" (und noch tausend andere Gefühle!) sondern: Wir haben - praktisch unendlich viele - verschiedene Arten, wie wir unsere Innenwelt anschauen.

      D.h. es gibt keine Differenzierung von physisch vorhandenen Gefühlen, sondern es gibt eine Differenzierung von Anschauungsarten auf die Innenwelt.

      Wie diese Innenwelt physisch aussieht ist ganz egal; entscheidend ist ihre Interpretation, ihre Deutung; eben die Art ihrer Anschauung.

      C) Die Anschauungsweise des Innenlebens ist sprachlich und damit auch logisch geordnet.

      D.h. der Blick auf das eigene Innenleben erfolgt im Lichte einer bestimmten Theorie; und erst diese ist es, die dem Gefühl einen Namen gibt: "Moral", "Überlegenheit", "Angst", "Verzeihen", "Hoffnung" etc. Und weil Sprache eben immer auch Außenweltwirkung hat, entsteht über sie eine logisch konstruierte Verbindung von Außenwelt und Innenwelt.

      D.h. es läßt sich aufgrund dieser Theorie jederzeit begründen, warum man ein Gefühl hat (das Warum wird in der Außenwelt liegen). Begründen ist aber ohne Logik nicht denkbar.

      Ein Gefühl begründen könnte man auch manchmal "Rationalisieren" nennen; d.h. Klären und Ordnen. Aber geklärt und geordnet wird nicht das Gefühl selbst, sondern wie es angeschaut wird (die Theorie). Eine Klärung führt dann auch dazu, dass man weiß, wie man mit dem Gefühl "umgehen" muss.

      D) Ich denke nicht, dass wir Sprachverwender eine reichhaltigere oder ausdifferenziertere Gefühlswelt haben als z.B. Tiere oder Pflanzen; was aber ausdifferenzierter ist, das ist unsere Art, diese Gefühle (über die Brille einer Theorie) anzuschauen.

      D.h. nicht die Gefühle sind unterschiedlich, sondern die logisch konstruierten Brillen, mit denen wir sie anschauen können.

      Wichtig ist auch, dass wir uns selbst davon abhalten können, unser Innenleben zu theoretisieren. Das ist nicht unbedingt ein Fehler, wenn es gilt, schnell und ohne Bedenken zu handeln; also die Außenwelt physisch zu ordnen.

      E) Es gibt Situationen, in der wir nicht mehr in der Lage sind, Sprache als Konstruktionsart unserer Gefühle zu gebrauchen, nämlich Situationen, in denen diese Gefühle einfach übermächtig werden (Affekte, starker Stress, Panik usw.)

      D.h. es ist in diesen Situationen nicht mehr möglich zu denken, oder zu rationalisieren, oder zu ordnen usw. Das Innenleben wird übermächtig und setzt die logische Kontrolle außer Kraft.