MEW 23, S. 161-191: Zweiter Abschnitt - Die Verwandlung von Geld in Kapital

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    • Verwandlung von Geld in Kapital

      „Geld als Geld und Geld als Kapital unterscheiden sich zunächst nur durch ihre verschiedene
      Zirkulationsform.
      Die unmittelbare Form der Warenzirkulation, W....G....W, Verwandlung von Ware in
      Geld und Rückverwandlung von Geld in Ware, verkaufen, um zu kaufen, neben dieser Form
      finden wir aber eine zweite, spezifisch unterschiedene, die Form G....W....G,
      Verwandlung von Geld in Ware und Rückverwandlung von Ware in Geld, kaufen, um zu verkaufen.
      Geld, das in seiner Bewegung diese letzte Zirkulation beschreibt, verwandelt sich in Kapital,
      wird Kapital und ist schon seiner Bestimmung nach Kapital.
      Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich diesen Kapitalbegriff von Marx nicht teile, ich
      halte ihn nicht für wesensgemäß. Einen wesensgemäßen Begriff von Kapital oder Geldkapital
      erhalten wir, wenn wir Geld in Beziehung setzen zu einem Wirtschaftswert, den Konsumwerten
      oder den Fähigkeitswerten.
      Im Grunde sind sogar ausschließlich die Fähigkeitswerte Kapital, denn sie erzeugen den eigentlichen
      Reichtum der Menschheit. Marx hat zwar eine Kritik am Kapitalismus geschrieben,
      über den Kapitalbegriff sagt er hingegen nichts.

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Der Mehrwert

      Als nächstes führt Marx den Begriff des Mehrwertes ein. Wir kennen die Mehrwerttheorie
      schon von Owens Schüler Tompson (1785 – 1833). Unter Mehrwert versteht er den Profit,
      der bei einem Tauschgeschäft erzielt wird. Im weiteren Verlauf werde ich nur noch von Profit
      sprechen, denn auch Karl Marx meint den Profit, den erzielten Kapitalzins.

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Was ich in Beitrag 2 gepostet habe, möchte ich etwas korrigieren. Der Text ist schon etwas älter. Ich sehe das heute nicht mehr so regiede...

      Man kann natürlich in den Fähigkeiten der Menschen das eigentliche Kapital sehen. Aber deshalb hat Marx natürlich noch nicht Unrecht. Ganz im Gegenteil. Der Begriff des Kapitals ist in dieser Hinsicht ein zweigeteilter. Die andere Seite ist dann die von Marx angesprochene und Gemeinte:

      Kapital ist nichts anderes, als akkumuliertes Geld.

      Dabei kann das Geldkapital sowohl auf Arbeitskräfte oder Fähigkeiten (Produktionskapital) oder auch Konsumwerte oder Waren (Kunsumkapital) bezogen sein.

      Auf die Akkumulation des Kapitals kommen wir noch zu sprechen.... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Wie entsteht der Mehrwert?

      Hi !

      Die allgemeine Formel des Kapitals ist also: G zu W zu G'.

      Dies bedeutet Zweierlei.
      Erstens: Das eingesetzte Geld muss im Sinne einer Bedürftigkeit des Individuums überzählig sein, da es nicht zur Bedürfnisbefriedigung (Warenkauf zum Zweck des Eigenverbrauchs) des Individuums eingesetzt wird. Das ist die Definition von Kapital. (Hat jemand noch Hinweise/Ergänzungen?)
      Zweitens: Damit diese Aktion einen Sinn ergibt, muss G' grösser als G sein.

      Joachim Stiller schrieb:

      Als nächstes führt Marx den Begriff des Mehrwertes ein. Wir kennen die Mehrwerttheorie
      schon von Owens Schüler Tompson (1785 – 1833). Unter Mehrwert versteht er den Profit,
      der bei einem Tauschgeschäft erzielt wird. Im weiteren Verlauf werde ich nur noch von Profit
      sprechen, denn auch Karl Marx meint den Profit, den erzielten Kapitalzins.


      kontra Marx: Quelle

      Kapital S.175 schrieb:

      Gesetzt nun, es sei durch irgendein unerklärliches Privilegium dem Verkäufer gegeben, die Ware über ihrem Werte zu verkaufen, zu 110, wenn sie 100 wert ist, also mit einem nominellen Preisaufschlage von 10%. Der Verkäufer kassiert also einen Mehrwert von 10 ein. Aber nachdem er Verkäufer war, wird er Käufer. Ein dritter Warenbesitzer begegnet ihm jetzt als Verkäufer und genießt seinerseits das Privilegium, die Ware 10% zu teuer zu verkaufen. Unser Mann hat als Verkäufer 10 gewonnen, um als Käufer 10 zu verlieren.(24) Das Ganze kommt in der Tat darauf hinaus, daß alle Warenbesitzer ihre Waren einander 10% über dem Wert verkaufen, was durchaus dasselbe ist, als ob sie die Waren zu ihren Werten verkauften. Ein solcher allgemeiner nomineller Preisaufschlag der Waren bringt dieselbe Wirkung hervor, als ob die Warenwerte z.B. in Silber statt in Gold geschätzt würden. Die Geldnamen, d.h. die Preise der Waren würden anschwellen, aber ihre Wertverhältnisse unverändert bleiben.

      Unterstellen wir umgekehrt, es sei das Privilegium des Käufers, die Waren unter ihrem Wert zu kaufen. Hier ist es nicht einmal nötig zu erinnern, daß der Käufer wird. Er war Verkäufer, bevor er Käufer ward. Er hat bereits 10% als Verkäufer verloren, bevor er 10% als Käufer gewinnt.(25) Alles bleibt wieder beim alten.

      Die Bildung von Mehrwert und daher die Verwandlung von Geld in Kapital, kann also weder dadurch erklärt werden, daß die Verkäufer die Waren über ihrem Werte verkaufen, noch dadurch, daß die Käufer sie unter ihrem Werte kaufen.


      und weiter

      Kapital S.176 schrieb:

      Behaupten, der Mehrwert für den Produzenten entspringe daraus, daß die Konsumenten die Ware über den Wert zahlen, heißt nur den einfachen Satz maskieren: Der Warenbesitzer besitzt als Verkäufer das Privilegium, zu teuer zu verkaufen....


      Das heisst also, die normale rechtliche Parität zwischen Käufer und Verkäufer muss aufgehoben sein!

      Kapital S.176/177 schrieb:

      Die konsequenten Vertreter der Illusion, daß der Mehrwert aus einem nominellen Preiszuschlag entspringt oder aus dem Privilegium des Verkäufers, die Ware zu teuer zu verkaufen, unterstellen daher eine Klasse, die nur kauft, ohne zu verkaufen, also auch nur konsumiert ohne zu produzieren. Die Existenz einer solchen Klasse ist von unsrem bisher erreichten Standpunkt, dem der einfachen Zirkulation, noch unerklärlich. Aber greifen wir vor. Das Geld, womit eine solche Klasse beständig kauft, muß ihr beständig, ohne Austausch, umsonst, auf beliebige Rechts- und Gewaltstitel hin, von den Warenbesitzern selbst zufließen. Dieser Klasse die Waren über dem Wert verkaufen, heißt nur, umsonst weggegebenes Geld sich zum Teil wieder zurückschwindeln.(29) So zahlten die kleinasiatischen Städte jährlichen Geldtribut an das alte Rom. Mit diesem Geld kaufte Rom Waren von ihnen und kaufte sie zu teuer. Die Kleinasiaten prellten die Römer, indem sie den Eroberern einen Teil des Tributs wieder abluchsten auf dem Wege des Handels. Aber dennoch blieben die Kleinasiaten die Geprellten. Ihre Waren wurden ihnen nach wie vor mit ihrem eignen Gelde gezahlt. Es ist dies keine Methode der Bereicherung oder der Bildung von Mehrwert.


      Natürlich ist dies eine Methode der Bereicherung im allgemeinen Sinne, aber eben nicht im Sinne des Kapitalismus, also keine Bereicherung durch Bildung von Mehrwert. Weiter:

      Kapital S.177/178 schrieb:

      Man mag sich also drehen und wenden, wie man will, das Fazit bleibt dasselbe. Werden Äquivalente ausgetauscht, so entsteht kein Mehrwert, und werden Nicht-Äquivalente ausgetauscht, so entsteht auch kein Mehrwert. Die Zirkulation oder der Warenaustausch schafft keinen Wert.


      Ich möchte an dieser Stelle versuchen eine ergänzende Erklärung aus meiner Sicht einfliessen zu lassen. Die Illusion dem Tausch, also der Warenzirkulation, das Vermögen der Erzeugung von Reichtum zu unterstellen, ist vmtl. eine unserer eigenen Erfahrungen. Denn jeder hat schonmal "besser" oder "schlechter" eingekauft. Und diese Tatsache ist auch ganz sicherlich nicht zu leugnen. Nur dass es eben sehr wenigen gelingt, durch Umgehung des Äquivalenzprinzips ihren Lebensunterhalt langfristig zu erbringen, werden sie doch alle von den Geprellten gejagd. :D Der Einzelfall ist also zulässig, er ist entsprechend der popperschen Propensität genauso möglich wie der Zerfall eines Atoms weit vor oder lange nach Erreichen der Halbwertszeit.

      Nur alle zusammen, als Gesellschaft von Käufern und Verkäufern, können sie der Determination nicht entkommen.
      Lesen wir weiter:

      Kapital S.179 schrieb:

      ...daß der Mehrwert nicht aus der Zirkulation entspringen kann, bei seiner Bildung also etwas hinter ihrem Rücken vorgehn muß, das in ihr selbst unsichtbar ist...Kann aber der Mehrwert anderswoher entspringen als aus der Zirkulation? Die Zirkulation ist die Summe aller Wechselbeziehungen ...Außerhalb derselben steht der Warenbesitzer nur noch in Beziehung zu seiner eignen Ware. Was ihren Wert angeht, beschränkt sich das Verhältnis darauf, daß sie ein nach bestimmten gesellschaftlichen Gesetzen gemessenes Quantum seiner eignen Arbeit enthält.


      Kapital S.180 schrieb:

      ...Er kann den Wert einer Ware erhöhn, indem er vorhandnem Wert neuen Wert durch neue Arbeit zusetzt, z.B. aus Leder Stiefel macht....Der Stiefel hat daher mehr Wert als das Leder, aber der Wert des Leders ist geblieben, was er war. Er hat sich nicht verwertet, nicht während der Stiefelfabrikation einen Mehrwert angesetzt. Es ist also unmöglich, daß der Warenproduzent außerhalb der Zirkulationssphäre, ohne mit andren Warenbesitzern in Berührung zu treten, Wert verwerte und daher Geld oder Ware in Kapital verwandle...Kapital kann also nicht aus der Zirkulation entspringen, und es kann ebensowenig aus der Zirkulation nicht entspringen. Es muß zugleich in ihr und nicht in ihr entspringen.
      Ein doppeltes Resultat hat sich also ergeben.


      Die Verwirrung ist also nun komplett. Zuerst erfahren wir dass der Mehrwert nicht in der Zirkulation entsteht, um dann zu erfahren dass er auch nicht beim Herstellen der Ware entsteht. Oder?

      Kapital S.180/181 schrieb:

      Die Verwandlung des Geldes in Kapital ist auf Grundlage dem Warenaustausch immanenter Gesetze zu entwickeln, so daß der Austausch von Äquivalenten als Ausgangspunkt gilt. Unser nur noch als Kapitalistenraupe vorhandner Geldbesitzer muß die Waren zu ihrem Wert kaufen, zu ihrem Wert verkaufen und dennoch am Ende des Prozesses mehr Wert herausziehn, als er hineinwarf. Seine Schmetterlingsentfaltung muß in der Zirkulationssphäre und muß nicht in der Zirkulationssphäre vorgehn. Dies sind die Bedingungen des Problems. Hic Rhodus, hic salta! <Hier ist Rhodos, hier springe!>


      :LtD:

      mpg Philzer
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Die Arbeitskraft 1.

      Wir jagen weiter nach der Wertveränderung. :D
      Kauf und Verkauf der Arbeitskraft.

      Kapital S.181 schrieb:

      Die Veränderung muß sich also zutragen mit der Ware, die im ersten Akt G - W gekauft wird, aber nicht mit ihrem Wert, denn es werden Äquivalente ausgetauscht, die Ware wird zu ihrem Werte bezahlt. Die Veränderung kann also nur entspringen aus ihrem Gebrauchswert als solchem, d.h. aus ihrem Verbrauch. Um aus dem Verbrauch einer Ware Wert herauszuziehn, müßte unser Geldbesitzer so glücklich sein, innerhalb der Zirkulationssphäre, auf dem Markt, eine Ware zu entdecken, deren Gebrauchswert selbst die eigentümliche Beschaffenheit besäße, Quelle von Wert zu sein, ... Und der Geldbesitzer findet auf dem Markt eine solche spezifische Ware vor - das Arbeitsvermögen oder die Arbeitskraft.

      &

      Kapital S.181/182 schrieb:

      Damit jedoch der Geldbesitzer die Arbeitskraft als Ware auf dem Markt vorfinde, müssen verschiedne Bedingungen erfüllt sein. ... kann die Arbeitskraft als Ware nur auf dem Markt erscheinen, sofern und weil sie von ihrem eignen Besitzer, der Person, deren Arbeitskraft sie ist, als Ware feilgeboten oder verkauft wird. Damit ihr Besitzer sie als Ware verkaufe, muß er über sie verfügen können, also freier Eigentümer seines Arbeitsvermögens, seiner Person sein.

      Er und der Geldbesitzer begegnen sich auf dem Markt und treten in Verhältnis zueinander als ebenbürtige Warenbesitzer, nur dadurch unterschieden, daß der eine Käufer, der andre Verkäufer, beide also juristisch gleiche Personen sind. Die Fortdauer dieses Verhältnisses erheischt, daß der Eigentümer der Arbeitskraft sie stets nur für bestimmte Zeit verkaufe,... Er als Person muß sich beständig zu seiner Arbeitskraft als seinem Eigentum und daher seiner eignen Ware verhalten, und das kann er nur, soweit er sie dem Käufer stets nur vorübergehend, für einen bestimmten Zeittermin, zur Verfügung stellt, zum Verbrauch überläßt, also durch ihre Veräußerung nicht auf sein Eigentum an ihr verzichtet

      &

      Kapital S.183 schrieb:

      Die zweite wesentliche Bedingung, damit der Geldbesitzer die Arbeitskraft auf dem Markt als Ware vorfinde, ist die, daß ihr Besitzer, statt Waren verkaufen zu können, worin sich seine Arbeit vergegenständlicht hat, vielmehr seine Arbeitskraft selbst, die nur in seiner lebendigen Leiblichkeit existiert, als Ware feilbieten muß.


      Hier haben wir also den doppelt freien Lohnarbeiter.

      Kapital S.183 schrieb:

      Zur Verwandlung von Geld in Kapital muß der Geldbesitzer also den freien Arbeiter auf dem Warenmarkt vorfinden, frei in dem Doppelsinn, daß er als freie Person über seine Arbeitskraft als seine Ware verfügt, daß er andrerseits andre Waren nicht zu verkaufen hat, los und ledig, frei ist von allen zur Verwirklichung seiner Arbeitskraft nötigen Sachen.


      Daraus schliesst Marx eine wichtige philosophische Konklusion:

      Kapital S.183 schrieb:

      Die Frage, warum dieser freie Arbeiter ihm in der Zirkulationssphäre gegenübertritt, interessiert den Geldbesitzer nicht, der den Arbeitsmarkt als eine besondre Abteilung des Warenmarkts vorfindet. Und einstweilen interessiert sie uns ebensowenig. Wir halten theoretisch an der Tatsache fest, wie der Geldbesitzer praktisch. Eins jedoch ist klar. Die Natur produziert nicht auf der einen Seite Geld- oder Warenbesitzer und auf der andren bloße Besitzer der eignen Arbeitskräfte. Dies Verhältnis ist kein naturgeschichtliches und ebensowenig ein gesellschaftliches, das allen Geschichtsperioden gemein wäre. Es ist offenbar selbst das Resultat einer vorhergegangenen historischen Entwicklung, das Produkt vieler ökonomischen Umwälzungen, des Untergangs einer ganzen Reihe älterer Formationen der gesellschaftlichen Produktion.

      &

      Kapital S.184 schrieb:

      Unter welchen Umständen nehmen alle oder nimmt auch nur die Mehrzahl der Produkte die Form der Ware an, so hätte sich gefunden, daß dies nur auf Grundlage einer ganz spezifischen, der kapitalistischen Produktionsweise, geschieht. Eine solche Untersuchung lag jedoch der Analyse der Ware fern. Warenproduktion und Warenzirkulation können stattfinden, obgleich die weit überwiegende Produktenmasse, unmittelbar auf den Selbstbedarf gerichtet, sich nicht in Ware verwandelt, der gesellschaftliche Produktionsprozeß also noch lange nicht in seiner ganzen Breite und Tiefe vom Tauschwert beherrscht ist.


      Ein Exkurs in eigener Sache. Das Umschlagen von Quantität in Qualität, hier also die stetige Zunahme der Warenproduktion über Jahrtausende, bis zur allein vorherrschenden Produktionsform welche nun ganzheitlich den Charakter der Formation bestimmt, ist ein dem Philosophen immer wieder begegnentes Element.

      In meiner Demokratieanalyse tritt dieses Element ebenso zutage, da eben erst ein bestimmtes quantitatives Mass an zielgerichtetem und kontinuierlichem Surplusprofit von einer Masse von Individuen zu einer anderen Masse von Individuen, zur Ausformung der Demokratie genügt, während es in geringerem Masse vermutlich schon so lange existiert als Völker gegen Völker kämpfen.
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer

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    • Arbeitskraft 2.

      Schauen wir nun noch weiter zur Arbeitskraft.

      Kapital S.184/185 schrieb:

      Diese eigentümliche Ware, die Arbeitskraft, ist nun näher zu betrachten. Gleich allen andren Waren besitzt sie einen Wert. Wie wird er bestimmt? Der Wert der Arbeitskraft, gleich dem jeder andren Ware, ist bestimmt durch die zur Produktion, also auch Reproduktion, dieses spezifischen Artikels notwendige Arbeitszeit. So sie Wert, repräsentiert die Arbeitskraft selbst nur ein bestimmtes Quantum in ihr vergegenständlichter gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit. Die Arbeitskraft existiert nur als Anlage des lebendigen Individuums.

      &

      Kapital S.185 schrieb:

      Die Existenz des Individuums gegeben, besteht die Produktion der Arbeitskraft in seiner eignen Reproduktion oder Erhaltung. Zu seiner Erhaltung bedarf das lebendige Individuum einer gewissen Summe von Lebensmitteln. Die zur Produktion der Arbeitskraft notwendige Arbeitszeit löst sich also auf in die zur Produktion dieser Lebensmittel notwendige Arbeitszeit, oder der Wert der Arbeitskraft ist der Wert der zur Erhaltung ihres Besitzers notwendigen Lebensmittel.


      Ich denke das ist klar. Bildung, Gesundheit, gesellschaftliche Infrastruktur, alles denkbare ist wie wir es von Marx gewohnt sind, perfekt in die Abstraktion integriert. Nur noch soviel:

      Kapital S.185 schrieb:

      Die natürlichen Bedürfnisse selbst, wie Nahrung, Kleidung, Heizung, Wohnung usw., sind verschieden je nach den klimatischen und andren natürlichen Eigentümlichkeiten eines Landes. Andrerseits ist der Umfang sog. notwendiger Bedürfnisse, wie die Art ihrer Befriedigung, selbst ein historisches Produkt und hängt daher großenteils von der Kulturstufe eines Landes, unter andrem auch wesentlich davon ab, unter welchen Bedingungen, und daher mit welchen Gewohnheiten und Lebensansprüchen die Klasse der freien Arbeiter sich gebildet hat. Im Gegensatz zu den andren Waren enthält also die Wertbestimmung der Arbeitskraft ein historisches und moralisches Element. Für ein bestimmtes Land, zu einer bestimmten Periode jedoch, ist der Durchschnitts-Umkreis der notwendigen Lebensmittel gegeben.


      Diese vom Arbeiter benötigte Warenmasse (Lebenserhaltungskonsum) werden nun ins Verhältnis gesetzt. Es wird ein 12h-Arbeitstag als Maß genommen:

      Kapital S.186/187 schrieb:

      Gesetzt, in dieser für den Durchschnittstag nötigen Warenmasse steckten 6 Stunden gesellschaftlicher Arbeit, so vergegenständlicht sich in der Arbeitskraft täglich ein halber Tag gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit, oder ein halber Arbeitstag ist zur täglichen Produktion der Arbeitskraft erheischt. Dies zu ihrer täglichen Produktion erheischte Arbeitsquantum bildet den Tageswert der Arbeitskraft oder den Wert der täglich reproduzierten Arbeitskraft. Wenn sich ein halber Tag gesellschaftlicher Durchschnittsarbeit ebenfalls in einer Goldmasse von 3 sh. oder einem Taler darstellt, so ist ein Taler der dem Tauschwert der Arbeitskraft entsprechende Preis. Bietet der Besitzer der Arbeitskraft sie feil für einen Taler täglich, so ist ihr Verkaufspreis gleich ihrem Wert und, nach unsrer Voraussetzung, zahlt der auf Verwandlung seiner Taler in Kapital erpichte Geldbesitzer diesen Wert.


      Man sollte zumindest für die privilegierte westliche Welt, bevor der Demokrat anfängt zu zetern :LtD: , erwähnen, dass es natürlich möglich ist, auch Teile des Mehrwertes an den Arbeiter auszuzahlen, solange noch gewährleistet ist:

      - dass er diesen grossteils verkonsumiert (Rückkehr in den Kapitalprozess für andere Kapitalisten -> Nachfrage nach "Inwertsetzung" von Welt steigt (müsste heissen Nachfrage nach Weltzerstörung steigt -> Offroaderwahn etc. :D )

      - es nicht ausreicht seine Abhängigkeit vom Kapitalisten aufzuheben


      Doch kommen wir noch zu einem interessantem Detail:

      Kapital S.188 schrieb:

      Die Veräußerung der Kraft und ihre wirkliche Äußerung, d.h. ihr Dasein als Gebrauchswert, fallen daher der Zeit nach auseinander. Bei solchen Waren aber, wo die formelle Veräußerung des Gebrauchswerts durch den Verkauf und seine wirkliche Überlassung an den Käufer der Zeit nach auseinanderfallen, funktioniert das Geld des Käufers meist als Zahlungsmittel. In allen Ländern kapitalistischer Produktionsweise wird die Arbeitskraft erst gezahlt, nachdem sie bereits während des im Kaufkontrakt festgesetzten Termins funktioniert hat, z.B. am Ende jeder Woche. Überall schießt daher der Arbeiter dem Kapitalisten den Gebrauchswert der Arbeitskraft vor; er läßt sie vom Käufer konsumieren, bevor er ihrem Preis bezahlt erhält, überall kreditiert daher der Arbeiter dem Kapitalisten.


      Aber wir sind vermutlich noch nicht am Ziel:

      Kapital S.189 schrieb:

      Der Konsumtionsprozeß der Arbeitskraft ist zugleich der Produktionsprozeß von Ware und von Mehrwert. Die Konsumtion der Arbeitskraft, gleich der Konsumtion jeder andren Ware, vollzieht sich außerhalb des Markts oder der Zirkulationssphäre. Diese geräuschvolle, auf der Oberfläche hausende und aller Augen zugängliche Sphäre verlassen wir daher, zusammen mit Geldbesitzer und Arbeitskraftbesitzer, um beiden nachzufolgen in die verborgne Stätte der Produktion, an deren Schwelle zu lesen steht: No admittance except on business. <Eintritt nur in Geschäftsangelegenheiten.> Hier wird sich zeigen, nicht nur wie das Kapital produziert, sondern auch wie man es selbst produziert, das Kapital. Das Geheimnis der Plusmacherei muß sich endlich enthüllen.



      Kapital S.190 schrieb:

      Die Sphäre der Zirkulation oder des Warenaustausches, innerhalb deren Schranken Kauf und Verkauf der Arbeitskraft sich bewegt, war in der Tat ein wahres Eden der angebornen Menschenrechte. Was allein hier herrscht, ist Freiheit, Gleichheit, Eigentum und Bentham. Freiheit!

      Denn Käufer und Verkäufer einer Ware, z.B. der Arbeitskraft, sind nur durch ihren freien Willen bestimmt. Sie kontrahieren als freie, rechtlich ebenbürtige Personen. Der Kontrakt ist das Endresultat, worin sich ihre Willen einen gemeinsamen Rechtsausdruck geben. Gleichheit! Denn sie beziehen sich nur als Warenbesitzer aufeinander und tauschen Äquivalent für Äquivalent. Eigentum!

      Denn jeder verfügt nur über das Seine. Bentham! Denn jedem von den beiden ist es nur um sich zu tun. Die einzige Macht, die sie zusammen und in ein Verhältnis bringt, ist die ihres Eigennutzes, ihres Sondervorteils, ihrer Privatinteressen. Und eben weil so jeder nur für sich und keiner für den andren kehrt, vollbringen alle, infolge einer prästabilierten Harmonie der Dinge oder unter den Auspizien einer allpfiffigen Vorsehung, nur das Werk ihres wechselseitigen Vorteils, des Gemeinnutzens, des Gesamtinteresses.

      &

      Kapital S.191 schrieb:

      Beim Scheiden von dieser Sphäre der einfachen Zirkulation oder des Warenaustausches, woraus der Freihändler vulgaris Anschauungen, Begriffe und Maßstab für sein Urteil über die Gesellschaft des Kapitals und der Lohnarbeit entlehnt, verwandelt sich, so scheint es, schon in etwas die Physiognomie unsrer dramatis personae.

      Der ehemalige Geldbesitzer schreitet voran als Kapitalist, der Arbeitskraftbesitzer folgt ihm nach als sein Arbeiter; der eine bedeutungsvoll schmunzelnd und geschäftseifrig, der andre scheu, widerstrebsam, wie jemand, der seine eigne Haut zu Markt getragen und nun nichts andres zu erwarten hat als die - Gerberei.


      :LtD:

      mpg Philzer & gute N8!
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Es gibt keine Möglichkeit, den Preis einer Stunde Arbeit obejktiv zu bestimmen. Letzendlich hängt er nur von freier Vereinbarung ab, bzw vom Tarifvertrag... Das ist ja auch so ein Punkt, dass Marx noch gar nicht mit den Gewerkschaften gerechnet hat, und daher noch ein subsistenzeinkommen annahm, einschließlich des ehernen Lohngesetzes...Gruß Joachim Stiller Münster
    • Übrigens kann der Mehrwert das bloße Mehrprodukt mitunter erheblich übersteigen. Zur Zeit von Karlchen Marx war das auch tatsächlich der Fall. Da zeigt sich eben die Unsinnigkeit und irrationalität der Mehrwerttheorie, eine Irrationalität, die Marx indirekt dem Angebots-Nachfrage-Modell von Smith zu vorwurf macht. Aber das ist nicht das entscheidende. Würde man es nur hübsch oberflächlich sehen, dann könnte man auch mit der Merhrwerttheorie leben, auch wenn man sie dann etwas profaner und einfacher versteht, als Marx dies inauguriert hat. Entscheidend ist aber am Ende, dass es keinen tendentiellen Fall der Profitrate gibt. Und den Blick auf diesen so zentralen Punkt sollte man sich auf gar keinen Fall verstellen. Darum auch mein Kompromiss in Bezug auf die Mehrwerttheorie... Gruß Joachim Stiller Münster