MEW 23, S. 49-160: Erster Abschnitt - Ware und Geld

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    • MEW 23, S. 49-160: Erster Abschnitt - Ware und Geld

      Der Übersicht wegen orientiere ich mich an den "Abschnitten", denn wenn wir tatsächlich noch Band 2 und 3 lesen wollen, hätten wir sehr viele einzelne Kapitel/Threads.

      Also zum Ersten Abschnitt - Ware und Geld gehören:

      1) Erstes Kapitel - Die Ware
      1.1) Die zwei Faktoren der Ware: Gebrauchswert und Wert (Wertsubstanz, Wertgröße)
      1.2) Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit
      1.3) Die Wertform oder der Tauschwert
      1.4) Der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis
      2) Zweites Kapitel - Der Austauschprozeß
      3) Drittes Kapitel - Das Geld oder die Warenzirkulation
      3.1) Maß der Werte
      3.2) Zirkulationsmittel
      3.3) Geld
    • Fetischcharakter

      Hi!

      Wer kann den Fetischcharakter der Ware mal komplett mit anderen, eigenen Worten reflektieren, mit einer schönen Metapher vielleicht?

      mpg Philzer
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Es sollte mich doch sehr wundern, wenn Du da nicht schon selbst eine Idee hättest... :D
      also raus damit!

      ...ich lese derweil weiter...
      "Gibt es denn Worte genug, um alle Mäuler damit zu stopfen?" Stanislaw Jerzy Lec

      ...ich bin dann mal im Nicht-Sprache-Wald Blattdeutsch lernen
      ...
    • also zunächst ein paar Worte zu Kapitel 1:

      Die Werttheorie

      Das erste Kapitel des ersten Bandes ist überschrieben mit „Die Ware“. Und so beginnt das
      Kapital mit folgenden Worten: „Der Reichtum der Gesellschaften in welchen kapitalistische
      Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warenansammlung; die einzelne Ware
      als seine Elementarform. Unsere Analyse beginnt daher mit der Analyse der Ware. Die
      Ware ist zunächst ein äußerer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche
      Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt.“ (Marx)
      Auf die Art der Bedürfnisse kommt es dabei nicht an.
      Nun unterscheidet Marx einen Gebrauchswert und einen Tauschwert der einzelnen Ware.
      Jeder nützliche Gegenstand hat einen Gebrauchswert. Der Gebrauchswert selber fällt mit dem
      Nutzen zusammen.
      Dem gegenüber steht der Tauschwert. „Der Tauschwert erscheint als das quantitative Verhältnis,
      die Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer
      Art austauschen.“ (Marx)
      „Als Gebrauchswert sind die Waren vor allem verschiedener Qualität, als Tauschwert können
      sie nur verschiedener Quantität sein, enthalten also kein Jota Gebrauchswert.“ (Marx)

      Der Tauschwert

      Waren sind grundsätzlich Produkte menschlicher Arbeit. Waren sind vergegenständlichte
      Arbeit. Der Tauschwert ist nun das Maß der in der Ware, dem Arbeitsprodukt, vergegenständlichten
      Arbeit. Während der Gebrauchswert subjektiver Natur ist, liegt beim Tauschwert ein
      objektiver Maßstab vor, mit dem Waren untereinander verglichen und getauscht werden können.
      Der Einfachheit halber gebe ich hier ein Beispiel:
      Ein Bäcker braucht für einen Leib Brot 1 Stunde.
      So kostet der Leib Brot 1 GE (Geldeinheiten)
      Ein Schneider braucht für einen Rock 8 Stunden.
      So kostet der Rock 8 GE.
      Der Schneider könnte seinen Rock nun gegen 8 Brote tauschen.
      Noch einmal: der Tauschwert ist der objektive Maßstab für die vergegenständlichte Arbeit. Er
      stellt zugleich den Preis der Ware dar.

      Arbeit

      „Arbeit ist der Prozess, der Naturprodukte und Naturkräfte in Produkte und Produktivkräfte
      umwandelt.“ So sagt es Eugen Löbl, Wirtschaftstheoretiker des Prager Frühlings. Und Rudolf
      Steiner sagt: „Fähigkeiten, vom Geist geleitet, ergreifen die Natur.“
      Auch Marx war klar, dass Arbeit ein Ergreifen der Natur ist. In einer Ware kommen zwei
      Dinge zusammen: Der ungeformte Naturstoff und die formende Arbeit. Dabei ist Arbeit immer
      nützlich, denn sie erzielt einen Gebrauchswert (Nutzen). Der Tauschwert ist nur der objektive
      Maßstab für die geleistete Arbeit. Er stellt daher den zu erzielenden Preis dar und das
      Austauschverhältnis der Waren.
      „Arbeit ist immer Arbeit für andere“, so sagt es Joseph Beuys. Und zwar arbeiten wir für alle
      anderen Menschen, zur Befriedigung der Bedürfnisse aller. Eine nützliche Ware dient daher
      immer der Befriedigung eines Bedarfs.

      Diese Ausführungen beziehen sich in erster Linie auf die Kapitel 1,1 und 1,2. Die Kapitel 1,3 und 1,4 sind meines Erachtens völlig belanglos, daher möchte ich sie hier einmal wegfallen lassne.

      Das Kapitle 2 ist meines Erachtens auch völlgi belanglos, und soll von mir nicht weiter diskutiert werden.

      Das Kapitel 3 ist dann wieder sehr, sehr wichtig. Dazu sage ich dann aber später noch etwas. Ich würde geren erst noch bei Kapitel 1 bleiben.

      @ Philzer,

      die Waren haben keinen Fetischcharakter. Ganz im Gegenteil. Aber das Geld hat einen Fetischcharakter. Der angebliche Fetischcharakter der Ware ist prktisch so etwas, wie ein Fetisch des Marxismus. Nicht der Rede Wert... Gruß Joachim Stiller Münster
    • @Philzer: Hier nur ganz kurz mehr oder weniger aus der Erinnerung, weil ich noch nicht dazu gekommen bin, mir noch einmal das ganze Kapitel anzuschauen:

      Der Fetischcharakter der Ware liegt darin, dass die Menschen im Kapitalismus allein über die Ware in gesellschaftliche Beziehungen treten. Der gesellschaftliche Charakter ihrer Arbeit erscheint ihnen in den Waren als eine "gesellschaftliche Natureigenschaft" (p. 86) dieser, ihre Privatarbeit wird also erst eine gesellschaftliche durch Vermittlung über die Ware. Wenn ich z. B. Schuhe produziere und Bier brauche, kaufe ich die Ware Bier und verkaufe die Ware Schuhe, sodass meine gesellschaftliche Beziehung mit dem Bierbrauer nicht direkt stattfindet, sondern über meine Schuhe als Ware vermittelt wird. Die Schuhe sind in diesem Fall also eine Verbildlichung (= ein Fetisch) meiner gesellschaftlichen Vernetzung.
      Beim Brand der einzigen Bibliothek auf Melmac sind beide Bücher verbrannt. Und eines davon war noch nicht einmal fertig ausgemalt.

      ALF
    • Probleme mit dem Fetisch ... :-)

      Hi!

      Danke für die Antworten.

      rob wrote:

      Der Fetischcharakter der Ware liegt darin, dass die Menschen im Kapitalismus allein über die Ware in gesellschaftliche Beziehungen treten.


      Ja ich denke das ist es.

      JSM wrote:

      die Waren haben keinen Fetischcharakter. Ganz im Gegenteil. Aber das Geld hat einen Fetischcharakter.


      Mhh. Der Tauschwert von Ware und Geld ist aber doch identisch?

      Wiki erklärt hier Waren, Geld und Kapitalfetisch.

      de.wikipedia.org/wiki/Warenfetisch





      mpg Philzer
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Zum 1. Kapitel

      @ Philzer,

      werde darüber nachdenken... Danke...

      @ Alle,

      Im ersten Kapitel geht es praktisch nur um die Begriffe "Gebrauchswert" und Tauschwert" und um die Arbeitswerttheorie. Beides übernimmt Marx im Grunde von Adam Smith, auch wenn er selbst "nur" von Riccardo spricht. Marx konnte wohl mit Adam Smith nicht so viel anfangen, allein schon wegen dessen Angebots-Nachfrage-Funktion.

      Alle Waren, die einen Gebrauchswert haben, haben auch einen Nutzen. Ich habe einmal den Satz aufgestellt: Nutzen ist das Maß des Gebrauchswertes. Und dieser Nutzen ist nur qualitativ, aber eben nicht quantitativ bestimmbar. Der Grenznutzen hingegen stellt die Nachfragekurve bei Adam Smith dar. Das muss man einfach wissen.

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Inflationäres

      Hi!

      Frage zu Geld/Arbeitsproduktivität und Inflation:

      b) Quantitative Bestimmtheit der relativen Wertform - S.68 wrote:

      I. Der Wert der Leinwand wechsle, während der Rockwert konstant bleibt. Verdoppelt sich die zur Produktion der Leinwand notwendige Arbeitszeit, etwa infolge zunehmender Unfruchtbarkeit des flachstragenden Bodens, so verdoppelt sich ihr Wert. Statt 20 Ellen Leinwand = 1 Rock hätten wir 20 Ellen Leinwand = 2 Röcke, da 1 Rock jetzt nur halb so viel Arbeitszeit enthält als 20 Ellen Leinwand. Nimmt dagegen die zur Produktion der Leinwand notwendige Arbeitszeit um die Hälfte ab, etwa infolge verbesserter Webstühle, so sinkt der Leinwandwert um die Hälfte. Demgemäß jetzt: 20 Ellen Leinwand = 1/2 Rock. Der relative Wert der Ware A, d.h. ihr Wert ausgedrückt in der Ware B, steigt und fällt also direkt wie der Wert der Ware A, bei gleichbleibenden Wert der Ware B.


      Daraus kann man doch einen "natürlichen" Inflationsdrang der [b]Warengesellschaft ableiten?[/b]

      Diese Inflation liegt doch m.E. nach begründet in der Tatsache, daß Geld nichts anderes ist als "gespeicherte Arbeitszeit".

      Rechen-Beispiel: (die tatsächlichen Werte sind uninteressant, es geht nur ums Prinzip)

      Ich habe heute 100 Euro welche sagen wir der Kaufkraft von 5 Arbeitsstunden entsprechen.

      Nun lege ich diese 100 Euro 10 Jahre unters Kopfkissen. In dieser Zeit ist aber die Arbeitsproduktivität aller Waren um 30% gestiegen.

      Würde die Kaufkraft der 100 Euro nun immernoch 5 Arbeitsstunden entsprechen, würde ich 30% mehr Ware dafür bekommen.

      Die Inflation aber verhindert dies. Wie aber kommt die Inflation in Gang?

      Mein Motiv zur Frage:

      -> In Zolas "Germinal" lebt eine bürgerliche Familie einen bescheidenen Wohlstand durch die "ewige" Rente eines kleinen Vermögens.
      Dies wäre heute undenkbar, im Bruchteil eines Lebens wäre das kleine Vermögen durch die Inflation zeronnen.

      ->

      southface wrote:

      ...Vielleicht kennt jemand die Arbeit von Hartmut Rosa zur "Beschleunigung", das sind die neuen Probleme eines Kapitalismus, die uns gegenwärtig betreffen, nicht die soziale oder physische Verelendung der Arbeiterklasse, sondern der Wachstumszwang...


      -> ist es also der rasante Anstieg der Arbeitsproduktivität, den es noch nie in der Geschichte zuvor gab, welcher die Akkumulation von Reichtum in Geld/Kapitalform zwingt, sich keinerlei Ruhe zu gönnen, bei Strafe des sofortigen Zerfalls?


      Also bei mir liegt da noch viel im Unklaren. Vielleicht könnt Ihr besser rechnen. :D

      mpg Philzer
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Da Marx ja auch Geld für eine Ware hielt (Wert des Geldes = Wert des in him enthaltenen Goldes), gäbe es eine Inflation genau dann, wenn die "Produktionskosten" des Geldes schneller fallen als die der übrigen Waren.

      Rechenbeispiel:
      Ich bekomme Geld im Wert von 10 Arbeitsstunden für die ich mir 10 Einheiten Konsumgüter kaufen kann. Nach ein paar Monaten ist dieses Geld nur noch 8 Arbeitsstunden wert, da ein neuer Bagger erfunden wurde. In der gleichen Zeit haben sich die Produktionskosten für Konsumgüter halbiert. Mein Geld wäre jetzt daher 16 Konsumguteinheiten wert, d.h. es gäbe Deflation.


      Bei modernen Währungen existiert allerdings keine Goldpreisbindung mehr, sodass die Menge an Geld von den Nationalbanken bestimmt wird. Da es für die Wirtschaft oft besser ist, die Inflation (in Maßen) anzutreiben, um Sparer zu Investitionen zu zwingen, werden sie wohl immer etwas mehr Geld auf den Markt werfen, als volkswirtschaftlich an Waren geschaffen wird. Das würde ungefähr deinem Argument entsprechen: Die Geldmenge der Vergangenheit ist im Verhältnis zur Warenmenge kleiner als in der Gegenwart, d.h. der gleiche Geldbetrag drückt weniger Wert aus.


      Im ersten Buch des Kapitals muss man immer etwas aufpassen, da Marx nur von Wert und nicht von Preis spricht, was für ihn einen Unterschied macht. Der Preis entspricht nicht unbedingt dem Wert, sondern orientiert sich an einer gesellschaftlichen Durchschnittsprofitrate (werden wir im 3. Buch noch sehen :D) und kann zusätzlich kurzfristig durch technische Innovation oder geschickten ungeschicktem Handeln der Akteure unter bzw. über dem momentanen Wert liegen.
      Beim Brand der einzigen Bibliothek auf Melmac sind beide Bücher verbrannt. Und eines davon war noch nicht einmal fertig ausgemalt.

      ALF
    • Daimonds & Pearls

      Hi rob!

      Ja Danke! Das mit/ohne Golddeckung war wohl mein entscheidender Denkfehler.

      Das hiesse mit Golddeckung und bei gleicher Steigerung der AP (Arbeitsproduktivität) für alle Waren (Durchschnitt) - inklusive Gold, gäbe es keine Inflation.

      -> deshalb konnte man eben zu Zolas Zeiten noch mit einem kleinen Vermögen sein Leben geniessen und der Arbeit Adieu sagen.

      Man könnte sagen das Geld hatte einen rein reellen Tauschwert, natürlich abhängig von der AP zur Goldgewinnung.

      Heute dagegen ist der Wert=Tauschwert des Geldes nicht mehr exakt bestimmbar - er enthält massgeblich/auch psychologische und wirtschaftsregulatorische Komponenten?

      -> siehe US-Ratingagenturen? Dollar psychologisch überbewertet durch Weltmachtsmonopol?

      Deinen Smily zum 3.Buch werte ich als liebevollen Zynismus, "Euch wird das Lachen vergehen Hinweis"; :LtD:

      Wäre aber nicht übel wenn wir bis dahin kämen ...

      mpg Philzer
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Zu Kapitel 3, 1 Geldtheorien

      Irrtum. Marx geht durchaus "nicht" von einer Golddeckung des Geldes aus, sondern von einer Goldpreisbindung. Darin war er seiner Zeit weit voraus. Auch für Marx ist das Geld rein Virtuell, d.h. das Gold ist nur viruell, imaginärer. Eine Goldentsprechung des Geldes gibt es bei Marx nicht. Inzwischen durch die Entwicklung der Zentralbanken auch die Goldpreisbindung des Geldes aufgehoben, der Wert des Geldes nur noch von seiner Menge abhängig. Man nennt das die geldmengenwerttheorie des Geldes. Ich hänge mal eben einige kurze Texte zu den Geldlehren als anhang an. Da kann man sich einen guten ersten Überblick verschafften. anhand meines Textes wird auch deutlich, dass diese Rezeption, die von Stavenhagen stammt, grundsätzlich nicht korrekt ist. Marx hat in keiner Weise einen Metallismus vertreten, sondern das genaus Gegenteil. Ich habe Das dritte Kapitel genau daraufhin einmal ganz besonder sorgfältig gelesen. marx spricht eindeutig von nur imaginärem, vorgestelltem Gold. Das ist alles andere, als ein Metallismus. Was für eine Theorie Marx tatsächlich vertritt, muss man dann mal genauer sehen....

      Gruß Joachim Stiller Münster
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    • Zu Kapitel 3, 2 Die Tauschwirtschaft

      Die Tauschwirtschaft

      Nehmen wir an, jemand produziert Stühle, die er auf dem Markt verkauft, so erhält er Geld
      für sein Arbeitsprodukt. Von diesem Geld kauft er z.B. Brot und Fleisch.
      „Von seinem Standpunkt vermittelt der ganze Prozess nur den Austausch seines Arbeitsproduktes
      mit fremdem Arbeitsprodukt, den Produktaustausch. Der Austausch der Ware vollzieht
      sich also in folgender Form:“ (Marx)
      Ware ........Geld ........Ware
      ..W ............G .............W

      Gruß Joachim Stiller Münster

      The post was edited 2 times, last by Joachim Stiller ().

    • Zum Kapitel 3, 3 Funktionen des Geldes

      Die moderne Geldtheorie kennt genau fünf Funktionen des Geldes (Ich fand diese Darstellung
      in dem wunderbaren und einfachen Werk „VWL für Berufsschulen“ von Franz Scheuring, das
      dem Leser ausdrücklich empfohlen sei):

      - Geld als Tauschmittel ermöglicht den Austausch von Waren (Kauf von Gütern)
      - Geld als Zahlungsmittel ermöglicht einseitige Wertübertragungen
      - Geld als Wertmesser (Recheneinheit) ermöglicht den Vergleich von Gütern und ist ein
      Maßstab für den Wert eines Gutes, der in Geldeinheiten ausgedrückt wird
      - Geld als Kreditmittel ermöglicht Finanzdienste
      - Geld als Wertaufbewahrungsmittel ermöglicht das Zurücklegen für spätere Anschaffungen
      (Sparen)

      Gruß Joachim Stiller Münster
    • p.84 wrote:

      Es finden wesentliche Veränderungen statt beim Übergang von Form I zu Form II, von Form II zu Form III. Dagegen unterscheidet Form IV sich durch nichts von Form III, außer daß jetzt statt Leinwand Gold die allgemeine Äquivalentform besitzt. Gold bleibt in Form IV, was die Leinwand in Form III war - allgemeines Äquivalent. Der Fortschritt besteht nur darin , daß die Form unmittelbarer allgemeiner Austauschbarkeit oder die allgemeine Äquivalentform jetzt durch gesellschaftliche Gewohnheit endgültig mit der spezifischen Naturalform der Ware Gold verwachsen ist.

      p.143f wrote:

      Die Ware, welche als Wertmaß und daher auch, leiblich oder durch Stellvertreter, als Zirkulationsmittel funktioniert, ist Geld. Gold (resp. Silber) ist daher Geld. Als Geld funktioniert es, einerseits wo es in seiner goldnen (resp. silbernen) Leiblichkeit erscheinen muß, daher als Geldware, also weder bloß ideell, wie im Wertmaß, noch repräsentationsfähig, wie im Zirkulationsmittel; andrerseits wo seine Funktion, ob es selbe nun in eigner Person oder durch Stellvertreter vollziehe, es als alleinige Wertgestalt oder allein adäquates Dasein des Tauschwerts allen andren Waren als bloßen Gebrauchswerten gegenüber fixiert.


      Marx scheint hier eindeutig Geld mit Gold zu identifizieren. Ob das Gold dabei reel vorhanden ist oder das Geld nur an den Goldpreis gebunden scheint mir für die Frage der Inflation vollkommen irrelevant zu sein. Auch wenn das Geld nur ideel, als "Maß der Werte" wie Marx sagen würde, vorhanden wäre, würde die Inflation bei Goldpreisbindung von der Verfügbarkeit der Ware Gold abhängen.
      Beim Brand der einzigen Bibliothek auf Melmac sind beide Bücher verbrannt. Und eines davon war noch nicht einmal fertig ausgemalt.

      ALF
    • @ rob,

      ich habe Marx eindeutig dahingegehend verstanden, dass er Geld eben "nicht mit Gold indentifizeirt, nur seinen Wert, der eben über den Goldwert bestimmt ist... Auch zu Marxens Zeiten gab es Geldscheine, auf denen etwa stand 1/2 Pfund Sterling, 1 Pfund Sterling, 2 Pfund Sterling, 5 Pfund Sterling, usw. Wenn man einmal zugrunde legt, dass, wie Stavenhagen sagt, es sich um einen Metallismus handelt, dann macht Stavenhagen, den Fehler, hier nicht ausreichend zu differenzieren. Genau besehen gibt es nämlich drei Theorieformen des Metallismus. 1. reines Münzgeld, 2, Golddeckung des Papiergeldes, Gotwerte des Papiergelsdes, und die vierte, sich nun anschleißedne Form wäre dann die Geldmengentheorie, Marx stand im Grunde unmittelbar vor dieser Lösung, er war praktisch schon über den klassischen Metallismus hinaus. Und damit war er eben auch sehr weit, jedenfalls weiter, als die Klassiker des Liberalismus. So sehe ich das jedenfalls... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Was können wir eigentlich schon zum "Wertparadoxon " (Wasser vs. Diamant) sagen? Da gibt es ja verschiedene Positionen, man kann den Unterschied einmal über den Nutzen erklären, also den Nutzen der Waren für mich, dann über die Arbeit (also: Arbeitswerttheorie), und - mein Vorschlag, welche Richtung vetritt das? - einfach schlicht die Knappheit. Ich finde in diesem klassischen Beispiel bestimmt maßgeblich die Knappheit den Preis, Diamanten sind selten, da kann man den Preis völlig unabhängig von Wert betrachten, oder wenn man so will der Wert des Diamanten ist seine Knappheit, das der Distinktion, dem Habitus, wie auch immer dienen mag, oder eben dass man sich glücklich/besonders/elitär fühlt. Wasser hat zwar einen höheren Wert zum Überleben, aber ist im Überfluss vorhanden.

      Man kann das übrigens auch über Nutzen erklären, man kann Nutzen auch erst einmal als inhaltsleer betrachten. Jedem nutzt eben etwas anderen, der eine sieht einen hohen Nutzen im Wasser für sich, weil er in der Wüste ist, der andere im Diamanten, weil er wertvoll/einzigartig ist. Der Nutzenbegriff ist auch immer subjektiv, und man sollte das nie objektivieren in dem Sinne, dass Wasser (objektiv) wertvoller sein solle. Das find ich eine falsche Annahme, mit der man in dieses Wertparadoxon schon a priori startet. Wasser muss nicht für alle wertvoller sein als Diamanten, je nach kategorie ist es wertvoller (als Lebensmittel), oder eben weniger wertvoll (als Distinktion).

      In diesem Sinne, Die Marx'sche Arbeitswerttheorie find ich interessant, aber hier nicht sonderlich gut zu gebrauchen...ist mir schlicht zu abstrakt
    • Wertparadoxon sagt, dass Wert und Nurzen, oder Wert und Tauschwert unterschiedlich sind. Sie wikipedia, oben veerlinkt. In diesem klassischen Beispiel kann man die Arbeitswerttheorie gar nicht ran ziehen, weil Diamanten und Wasser natürlich vorhanden sind. Bzw. die Arbeit, die es kostet Diamanten zu schleifen, abzubauen etc. bzw. Wasser zu schöpfen bei weitem nicht allein die preisliche Differenz widerspiegeln können.
    • 1. "ist" der Nutzen der Gebrauchswert, und 2. ist der Preis der Tauschwert. Du kannst den Tauschwert nun auf zwei Sachverhalte beziehen, entweder den Kostenpreis (Arbeitswerttheorie, oder auf den Gewinnpreis (z.B Seltenehitswert bei Diamanten - hoher Gebrauchswert). Eigentlich hätte Marx genau zwei Tauschwerte annehmen müssen, einmal den Kostenpreis, und einmal den Gewinnpreis. Im 1. Teil des Kapitals, im Zusammenhang mit der Arbeitswerttheorie, fällt der Tauschwert noch mit dem reinen Kostenpreis zusammen. Später, nach Einführung des Mehrwerts, fällt der Tauschwert dann ganz logisch mit dem Gewinnpreis zusammen. Marx musste das ganze Gebäude nur erst einmal systematisch aufbauen. Es ist hier einfach erforderlich, die einzelenen Seiten des Ganzen genau auseinanderzuhalten und ind er richtigen Weise zu differnezieren. Ein Paradox kann ich darin jedenfalls nicht erkennen... Gruß Joachim Stiller Münster