Karl Marx und sein Kapital

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    • Karl Marx und sein Kapital

      Da wir hier ja (zum Glück;)) nicht wissenschaftlich arbeiten müssen, spare ich mir die konkreten Literaturverweise, kann euch aber trotzdem versprechen, dass es ordentlich recherchiert ist. Eine Literaturempfehlung für das gesamte Projekt hätte ich dennoch, nämlich:

      Heinrich, M. (2005). Kritik der politischen Ökonomie: Eine Einführung (3. Aufl.). Stuttgart: Schmetterling.
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      Im Folgenden aber nun etwas zu Karl Marx und seinem Kapital.

      Karl Marx

      * 1818 in Trier, † 1883 in London (wurde 64 Jahre alt)

      [IMG:http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d4/Karl_Marx_001.jpg/421px-Karl_Marx_001.jpg]

      - aufgewachsen in einer wohlhabendenen, kleinbürgerlichen, anfangs jüdischen, später protestantischen Familie mit mehreren Geschwistern; sein Vater (Heinrich Marx) war Rechtsanwalt
      - Besuch des Gymnasiums in Trier, ab 1835 Studium in Bonn und Berlin (anfangs Jura, später Philosophie und Geschichte)
      - zu dieser Zeit: Intensive (intellektuelle) Auseinandersetzungen mit Hegel, z.B. auch Kontakt mit dem Kreis der sog. Jung/Linkshegelianer (Bruno Bauer, Ludwig Feuerbach)
      - 1841 Promotion in Philosophie in Jena ("Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie") --> daher auch intensive Beschäftigung mit dem Demokrit'schen Materialismus
      - eine Universitätslaufbahn als Professor wird ihm aus politischen Gründen (vom konservativen/autoritären Preußen) verwehrt, daher arbeitet er fortan als Journalist und übernimmt ab 1842 die Leitung der oppositionell-liberalen "Rheinischen Zeitung" in Köln
      - die folgenden Jahre sind durch schriftstellerische Tätigkeiten, kritischer Distanzierung zu Hegel und den Junghegelianern, verschiedene Zwangsreisen/Ausweisungen (Paris, Brüssel) und Begegnungen mit dem Fabrikantensohn Friedrich Engels und anderen Intellektuellen (Heine, Bakunin, Proudhon) geprägt
      - mit Engels verbindet ihn bis ans Lebensende eine enge Freundschaft, wobei Engels ihn immer wieder finanziell unterstützt
      - seine Frau Jenny Marx (geborene von Westphalen, Verlobung: 1836, Heirat: 1843) unterstützte ihren Mann Karl dabei moralisch (;)) und fungiert gewissermaßen als Sekretärin
      - Schriften die in dieser frühen Phase (also der jüngere Marx) waren die "Thesen über Feuerbach", "Deutsche Ideologie", "Die heilige Familie", "Das Elend der Philosophie" und diverse ökonomisch-philosophische Manuskripte
      - inhaltlich geht es dabei um eine kritische Auseinandersetzung mit Hegel, um eine Abrechnung mit den radikalen Junghegelianern und auch schließlich auch eine Abrechnung der eigenen philosophischen Vergangenheit/Anschauungen; Themen wie Entfremdung, Emanzipation, menschliches Gattungswesen und die wirklichen ökonomischen Verhältnisse wurden damals ebenfalls diskutiert
      - 1848 erschien dann im Auftrag des "Bundes der Kommunisten" das viel zitierte "Manifest der kommunistischen Partei", in dem die historische Entwicklung des Kapitalismus, der Klassengegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie, die Unausweichlichkeit einer proletarischen Revolution sowie die unausweichliche Entwicklung hin über den Sozialismus zum Kommunismus, der klassenlosen Gesellschaft skizziert wurde --> wissenschaftlich wenig interessant, sozialrevolutionär aber eine folgenschwere Schrift, wie wir heute wissen!
      - im Zuge der Revolution von 1848/49 floh Marx, nachdem er kurzfristig die "Neue Rheinische Zeitung" gründete, unter der preußischen Reaktion verfolgt, wieder mehrmals ausgewiesen, zum Staatenlosen (z.B Paris) erklärt, schließlich ins Exil nach London
      - in London wohnt er bis zu seinem Lebensende, beginnt dort ein ausgedehntes (Selbst)studium der politischen Ökonomie und beginnt sein Projekt: "Kritik der politischen Ökonomie"
      - Marx leidet unter schweren Krankheiten und unter drückenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten
      - studiert in England nicht nur die Ökonomie, sondern liest z.B. auch Darwins "Entstehung der Arten" und engagiert sich stark politisch, z.B. (Mit)Gründer der I. Internationalen
      - gesundheitlich sehr stark eingeschränkt und auch emotional tief getroffen (seine Frau und viele seiner eigenen Kinder starben vor ihm) stirbt er 1883 im Londoner Exil
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      Okay, das war ein erster biographischer Überblick, Einzelheiten zum Kapital und zu den Hintergründen folgen später, aber noch heute!:)

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    • Noch zwei Literaturhinweise von mir (da kommt vielleicht noch mehr, aber die beiden fallen mir spontan ein):

      Rolf Peter Sieferle: Marx zur Einführung, Junius Verlag

      Joseph Alois Schumpeter: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (beschäftigt sich nicht direkt mit Marx, aber sehr interessant für jemanden, der mal eine eher ökonomische Sichtweise auf Marx haben will)
      Beim Brand der einzigen Bibliothek auf Melmac sind beide Bücher verbrannt. Und eines davon war noch nicht einmal fertig ausgemalt.

      ALF
    • Das Kapital: Kritik der politischen Ökonomie

      Aus sozioökonomischer Sicht ist "Das Kapital" sicherlich das Hauptwerk von Karl Marx, und zusammen mit den Vorarbeiten zum Kapital, den "Grundrissen" und den "Theorien über den Mehrwert" bildet es das Hauptprojekt des späteren Marx: Seine Kritik der politischen Ökonomie.

      Das Kapital selbst besteht heute aus drei Bänden, wurden immer wieder redigiert und bearbeitet, anfangs von Marx selbst, später und auch posthum zunehmend von Engels. Letzter hatte Band II und Band III posthum und auf Basis verschiedener Marx'scher Manuskripte herausgegeben, Band I ist noch zu Lebzeiten von Marx erschienen.

      • Band I, 1867 - Der Produktionsprozeß des Kapitals
      • Band II, 1885 - Der Zirkulationsprozeß des Kapitals (v. Engels herausgegeben)
      • Band III, 1894 - Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion (v. Engels herausgegeben)

      Ohne das im Detail jetzt verfolgen zu müssen, kann man festhalten, dass die Bände mehrmals (stark) von Marx selbst, später von Engels, und schließlich auch von den Herausgebern, etwa dem Institut von Marxismus-Leninismus überarbeitet und letztlich verzerrt wurden. Ob das, was wir heute in Händen halten tatsächlich von Marx autorisiert gewesen wäre, ist fraglich, und man muss sehen, dass Engels maßgeblich an den Werken (nachträglich) mitgeschrieben hat (vor allem Band II und III). Ein Werk also, das stetig im Prozess des Entstehens begriffen war und daher einzelne Sätze nicht unbedingt von Marx persönlich für die Ewigkeit in Stein geschlagen wurden!

      Heinrich (2005, S. 8 f.) weist darauf hin, dass man die Lektüre nicht mit dem ersten Band beenden sollte, da man sonst nur eine isolierte, unvollständige und schiefe Vorstellung der Marx'schen Kritik bekommt. Die Lektüre aller drei (zusammenhängender) Bände ist also notwendig, da Marx den Leser auch auf verschiedene, wechselseitige Abstraktionsstufen, die aufeinander aufbauen, mit nimmt und seine Theorie über alle drei Bände hinweg entfaltet.

      Zum Untertitel "Kritik der politische Ökonomie" möchte ich auch noch kurz was erzählen: Mit "Klassik", "klassische Ökonomie", "politische Ökonomie" oder "klassische Nationalökonomie" bezeichnet man die englische (teils auch französische) Wirtschaftstheorie von Adam Smith, David Ricardo, Thomas Malthus, John Stuart Mill, Jean-Baptiste Say. Marx setzte sich also im Kapital kritisch mit der klassischen politischen Ökonomie von Smith, Ricardo - oder wie Marx selbst meint, "alle Ökonomie seit W. Petty" (Marx, MEW 23, S. 95, Fn. 32) - auseinander. Marx (Ebd., S. 95, Fn. 32) grenzt davon die sog. Vulgärökonomie ab, also das was man heute gemeinhin als Neoklassik / neoklassische Theorie / neoklassisches Modell bezeichnen würde. Dieser (neoklassische) Vulgärökonomie verlacht Marx nur spöttisch, da sie letztlich nichts neues hervorbringt und sich nur im Rahmen der klassischen Ökonomie aufhält und immer das selbe widerkaut.

      Okay, ich hatte hier schon fast verfasst, bin aber zu faul, das jetzt komplett inhaltlich umzuschreiben, ich füge euch einfach (ohne Literaturverzeichnis) zwei Kapitel von einer Seminararbeit von mir hier ein, als Hintergrund, wie die wissenschaftliche Situation und die klassischen Positionen damals waren, es gibt noch weitere Standpunkte, hier nur die zwei Kapitel zur "Klassik" und "Neoklassik":

      2.1 Commercial Society der klassischen Ökonomie

      Der von Marx (1962 [1867], S. 95, Fn. 32) geprägte Begriff der klassischen politischen Ökonomie bezeichnet die Etablierung einer Wirtschaftstheorie im 18. und 19. Jahrhundert durch die Nationalökonomen Adam Smith, David Ricardo, Thomas Malthus, John Stuart Mill und Jean-Baptiste Say. War die Wirtschaft bisher von magisch-mythischen Vorstellungen begleitet und in die Gemeinschaft, Religion und Herrschaftsstrukturen eingebettet, löste die klassische Theorie die Wirtschaft aus ihren theologischen Fesseln und entwarf eine commercial society (Smith, 1976 [1776], S. 37) mit eigener moralischer Geltung.
      Diese kommerzielle Struktur der bürgerlichen Gesellschaft werde durch die Positionen in der Wirtschaft bestimmt und manifestiere sich in einem sozialen Beziehungsgefüge aus Produktion, Konkurrenz und Tausch. Der Vernunft wird dabei im Sinne einer Zweck-Mittel-Rationalität des kaufmännischen Handelns eine bedeutende Rolle zugewiesen (Mikl-Horke, 2011, S. 28 f.).
      Die Freihandelsgesellschaft wurde als ein autonomes System mit einer natürlichen Eigendynamik betrachtet, das seinen eigenen Gesetzen folge. Das Streben nach Gewinn und die individuellen Bedürfnisse wurden als natürliche Antriebe der Menschen begriffen (Mikl-Horke, 2008, S. 20).
      Obwohl Adam Smith im fünften Buch seines Wealth of Nations (Smith, 1976 [1776], S. 689-947) ausführlich die (finanzwissenschaftliche) Rolle des Staates diskutiert und fordert1, wird sein Werk allzu oft von vulgärökonomischen Wiederkäuern (Marx, 1962 [1867], S. 95, Fn. 32) auf seine invsible hand reduziert:

      By preferring the support of domestick to that of foreign industry, he intends only his own security; and by directing that industry in such a manner as its produce may be of the greatest value, he intends only his own gain, and he is in this, as in many other cases, led by an invisible hand to promote an end which was no part of his intention. Nor is it always the worse for the society that it was no part of it. By pursuing his own interest he frequently promotes that of the society more effectually than when he really intends to promote it“ (Smith, 1976 [1776], S. 456).

      An anderer Stelle hält er fest (Ebd., S. 26 f.):

      It is not from the benevolence of the butcher, the brewer, or the baker, that we expect our dinner, but from their regard to their own interest.“

      Diese invisible hand steht seither als Metapher und Symbol marktwirtschaftlicher und neoliberaler Träumereien. Als politisches Schlagwort wurde sie dabei ihres historisch-kulturellen und werkimmanenten Kontextes enthoben und vernachlässigt dabei zweierlei: Zum einen die Tatsache, dass Adam Smith sich ihrer nur an einer einzigen, nämlich der oben zitierten Stelle in seinem Hauptwerk bedient und die Konnotation auf an (!) (und nicht the) invisible hand liegt. Zum anderen, dass Smith im 18. Jahrhundert wohl tatsächlich einen einfachen Markt – eben mit Metzgern, Brauern und Bäckern – im Auge hatte, und daher eine Übertragung der invisible hand auf einen globalen Finanzmarktkapitalismus des 21. Jahrhunderts als sehr bedenklich erscheinen muss. Die Instrumentalisierung der invisible hand durch die Neoklassik konnte Smith selbst freilich nicht verhindern, sodass seine Utopie eines selbstregulierenden Marktes (Polanyi, 1978 [1944], S. 19) den Aufstieg des Wirtschaftsbürgertums begünstigte und als Motor des Zivilisationsfortschritts verstanden wurde.
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      1Beispielsweise notiert er im fünften Buch, sicherlich zum Erstaunen vieler Neoklassiker: „It is not very unreasonable that the rich should contribute to the publick expence [sic!], not only in proportion to their revenue, but something more than in that proportion“ (Smith, 1976 [1776], S. 842).

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    • 2.4 Marginal Revolution und das neoklassische Modell

      War in der klassischen Ökonomie von Adam Smith der finanzwissenschaftlichen Rolle des Staates (Smith, 1976 [1776], S. 689-947) noch eine wichtige Funktion zugesprochen, änderte sich diese klassische Auffassung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts radikal. Begünstigt durch einen utilitaristischen und liberalen Zeitgeist wurde die Rolle des Staates zurückgedrängt, die Gesellschaft als Anhängsel des Marktes (Polanyi, 1978 [1944], S. 88 ) behandelt und die Ökonomie ihres gesellschaftlichen Beziehungsgefüges entwurzelt.1 Die Smith'sche Lehre wurde dabei im Sinne einer individualistischen Ökonomie fehlinterpretiert und eine neue formalisierte Wirtschaftstheorie als eine mathematisch-logische Disziplin des freien individuellen Rationalverhaltens geboren (Mikl-Horke, 1999, S. 518 ff.).
      Im Fokus des Interesses stand dabei der durch Angebot und Nachfrage gesteuerte Markt, der unter Annahme vollkommener Konkurrenz stets zu einem Gleichgewicht führen würde. Unter Verwendung des Konzepts des Grenznutzens (marginal revolution) und auf Basis exakt-logischer Methoden wurden die ureigensten Bewegungen der Wirtschaft untersucht und alle störenden Elemente ausgeschlossen. Die Markteigendynamik von Angebot und Nachfrage sowie die Gleichgewichtstheorie der Preise eigneten sich so hervorragend für eine mathematische Formulierung und wurde zum Kern der modernen Ökonomie (Ebd., S. 518 ff.; Mikl-Horke, 2008, S. 24 f.)
      Indem diese neue Generation von Nationalökonomen also alle nicht-ökonomischen Aspekte ausklammerte und eine pseudo-naturwissenschaftlich legitimierte Wirtschaftstheorie begründete, bestimmte sie was als ökonomisch relevant zu gelten hatte und wiesen die verbleibenden störenden Elemente einer soziologischen Randwissenschaft zu (Ebd., S. 23 ff.).
      Ein Blick in aktuelle VWL-Lehrbücher (Mankiw, 2009; Varian, 2010) zeigt, dass die von Marx als Vulgärökonomie verspottete und im offiziellen Sprachgebrauch als Neoklassik bezeichnete Wirtschaftswissenschaft bis heute die Mainstreamökonomik beherrscht.2 Konstitutiv ist dabei nach wie vor das theoretische Verhaltensmodell des (fiktiven) homo oeconomicus, ein eigeninteressierter, nutzenmaximierender und stets rational handelnder Akteur mit eindeutigen Präferenzen und vollständigen Informationen. Obwohl Kirchgässner (2008, S. 12-62) ein differenziertes Bild des homo oeconomicus zeichnet und die (experimentelle) Verhaltensökonomie gewissermaßen im radikalen Widerspruch zum homo oeconomicus forscht, dient er in der wissenschaftlichen Diskussion als regelrechtes Zerrbild, an dem sich das Spannungsfeld von Ökonomie und Soziologie vielleicht am deutlichsten entlädt.
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      1Polanyi etablierte dabei den später von Granovetter (1985) geprägten Begriff der embeddedness, und stellt in seinem Hauptwerk fest: „Die Wirtschaft ist nicht mehr in die sozialen Beziehungen eingebettet, sondern die sozialen Beziehungen sind in das Wirtschaftssystem eingebettet“ (Polanyi, 1978 [1944], S. 88 f.).
      2Weder die sogenannte neoklassisch-keynesianische Syn­these, dazu später mehr, noch diverse Modifikationen des neoklassischen Modells haben die Grundannahmen und -logiken wesentlich verändert.
    • Und abschließend um die Kritik von Marx auch einzuordnen, und zu sehen, dass er damit bei weitem nicht alleine dasteht:

      Die soziologische Kritik am neoklassischen Referenzmodell zieht sich wie ein roter Faden durch die wirtschaftssoziologische Geschichte, was – zusätzliche zu der schon oben beschriebenen Marx'schen Vulgärökonomie – an drei Beispielen exemplifiziert sei:
      So empfindet die postkeynesianische Sozialökonomin Joan Robinson die Spitzfindigkeiten der neoklassischen Doktrinen als beschämend und begreift die Gleichgewichtsanalyse als ein „Moloch, dem weiterhin Generationen von Studenten geopfert werden“ (Robinson, 1988 [1973], S. 10). Die Soziologin Gertraude Mikl-Horke verweist auf die „große Definitionsmacht von Ideen, Begriffen, Theorien, die sich von ihren Ursprüngen als abstrakte Konstrukte entfernen und zu Bewusstseinsrealitäten“ (Mikl-Horke, 2011, S. 30) werden. Und fasst weiter zusammen:

      So wurde Vernunft auf ökonomische Zweck-Mittel-Kalküle reduziert, Gerechtigkeit und Wert wurden durch Marktgleichgewicht und den individuellen Nutzen ersetzt. Arbeiter wurden zu freien Wirtschaftssubjekten erklärt, obwohl sie dies noch lange nicht wirklich waren. Die Beziehung zwischen Käufer und Verkäufer, zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer wurde zur Geld-Ware-Relation“
      (Ebd., S. 30 f.).

      Hans Albert, Philosoph, Soziologe und Anhänger des Kritischen Rationalismus, entlarvt in einer sehr überzeugenden Analyse die Neoklassik als ökonomische Ideologie (Albert, 1972). Als ideologisch interpretierbares Leerformelsystem begreift er die Gleichgewichtsökonomik als Schein-Theorie, die als politische Waffe verwendet wird. Die wesentliche Aufgabe der Sozialwissenschaften sei es, die ideologische Maskerade des Ökonomismus zu beseitigen und – vor allem dort wo er die Mittel der Wissenschaft selbst ideologisch missbraucht – der Wahrheit willen zu destruieren (Ebd., S. 121 ff.).

      In einem anderen Beitrag wirft er dem neoklassischen Denkstil einen von den sozialen Tatbeständen zu sehr abstrahierenden, isolierenden und gegen Kritik geradezu immunisierendenModell-Platonismus (Albert, 1968 ) vor.
      Am Beispiel des Nachfragegesetzes, der Quantitästheorie und der Wachstumstheorie veranschaulicht Albert den neoklassischen Modell-Platonismus. Durch tautologische Formulierungen, Ceteris-paribus-Klauseln und anderen Immunisierungsstrategien werde das ökonomisches Modell so konzipiert, dass es beinahe unmöglich an der empirischen Realität scheitern kann. Es werden also in ihrer logischen Struktur nicht falsifizierbare und damit empirisch gehaltlose Hypothesen und Gesetze formuliert. Für Albert läuft dieses metaökonomische Verfahren auf eine Selbsttäuschung hinaus, oder anders, auf eine neuartige Form des Platonismus (Ebd., S. 416 f.).

      Die Quasi-Invarianzen im ökonomischen Denken entstehen also erst dadurch, dass die neoklassischen Platonisten ihre Theorien vor dem Eindringen anderer (sozialwissenschaftlicher) Erkenntnise abschirmen und ihre begriffliche Autonomie verteidigen. Die Neoklassik könne nach Albert nur durch eine Soziologisierung des ökonomischen Denkens überwunden werden (Ebd., S. 421 ff.):

      Die Immunisierung gegen den Einfluß sogenannter außerökonomischer Faktoren führt zur Immunisierung gegen die Erfahrung überhaupt. Die Diagnose der fundamentalen methodologischen Schwäche des neoklassischen Denkstils scheint auf seine Soziologiefremdheit führen zu müssen“
      (Ebd., S. 422).
    • Marx (Ebd., S. 95, Fn. 32) grenzt davon die sog. Vulgärökonomie ab, also das was man heute gemeinhin als Neoklassik / neoklassische Theorie / neoklassisches Modell bezeichnen würde.

      Ich glaube nicht, dass man die Vulgärökonomen Marx' mit den modernen Neoklassikern gleichsetzen kann. Die Kritik von Marx an den "Vulgärökonomen" richtete sich auch nicht gegen die Marktgläubigkeit und Immunisierungsstrategien der Neoklassiker (zumindest fällt mir da jetzt kein Beispiel ein). Der Größte Kritikpunkt war vielmehr der Wertbegriff, den die "Vulgärökonomen" (bzw. allgemein die Marginalisten) zusammengesetzt aus den Faktoren Boden, Kapital und Arbeit sahen, Marx dagegen allein aus der Arbeit.

      Ein Neoklassiker könnte sagen, dass die Arbeitswerttheorie Marx' als Grenzfall in der Grenznutzentheorie enthalten ist, wenn die Produktionsfaktoren Kapital und Boden unbegrenzt vorhanden sind. Andersherum hat Marx argumentiert: Grundrente, Zins und Arbeitslohn seien alle auf dieselbe Quelle (=Arbeit) zurückzuführen. Für die Ökonomie ist die Grenznutzentheorie auf jeden Fall angemessener - selbst in einer sozialistischen Gesellschaft wäre nicht unbegrenzt Boden und Kapital vorhanden, sodass sich der Wert letzten Endes auch durch den Mangel an diesen Faktoren bestimmt.
      Beim Brand der einzigen Bibliothek auf Melmac sind beide Bücher verbrannt. Und eines davon war noch nicht einmal fertig ausgemalt.

      ALF

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von southface ()

    • Bei so etwas gilt für mich immer der Satzt: Nicht verzage, Wiki fragen. Daher der Vollständigkeit halber eben hier der Wiki-Artilel zum Kapital:

      de.wikipedia.org/wiki/Das_Kapital

      Na ja, viel steht da nicht drin, aber gut...


      Ich ahbe mal irgendwann das Kapital von Marx stichpunktartig zusammengefasst, weil ich den Text brauchte. Ich hänge ihn mal eben als Anhang an....


      Gruß Joachim Stiller Münster
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    • rob schrieb:

      Ich glaube nicht, dass man die Vulgärökonomen Marx' mit den modernen Neoklassikern gleichsetzen kann. Die Kritik von Marx an den "Vulgärökonomen" richtete sich auch nicht gegen die Marktgläubigkeit und Immunisierungsstrategien der Neoklassiker.

      Naja, zu dieser Zeit gab es neben der klassischen politischen Ökonomie eben nur die aufstrebende Neoklassik (lassen wir mal Historische Schule, Österreichische Schule etc.) außen vor. Ich bin mir relativ sicher, und meine es auch öfters in der Sekundärliteratur gelesen zu haben, dass mit Vulgärökonomen die Neoklassiker gemeint sind. Wer sonst?

      Ich möchte dir auch sagen, warum: Einmal eben MEW 23, S. 95, Fn. 32: "im Gegensatz zur Vulgärökonomie, die sich nur innerhalb des scheinbaren Zusammenhangs herumtreibt..." --> welche Richtung sollte das sonst gewesen sein? Betonung liegt hier auf "Gegensatz" und "innerhalb des Zusammenhangs", man könnte auch sagen, innerhalb des Modells. Besonders MEW 23, S. 325 scheint meine Leseart zu bestätigen: "Sie sucht es durch gewaltsame Abstraktion vor den Widersprüchen der Erscheinung zu retten. [...] Die Vulgärökonomie [...] pocht hier, wie überall, auf den Schein gegen das Gesetz der Erscheinung."

      Wenngleich ich dir vollkommen zustimme, denn MEW 23, S. 325 legt nahe, dass es eben um den Wertbegriff geht. Aber ich sehe da keinen Widerspruch zwischen unseren Positionen. Er richtet sich inhaltlich gegen den Wertbegriff der klassischen Ökonomie, und damit auch inbegriffen gegen die Neoklassik, die innerhalb dieser agiert. Letztlich sind solche Begriffe ja auch immer sozial und historisch konstruiert, ich weiß z.B. gar nicht wer den Begriff der Neoklassik eingeführt hatte, also in diesem Sinne. Sagen wir: Es gibt eine (große) Schnittmenge zwischen der Neoklassik und den Vulgärökonomen.
    • @ southface, der wichtigste Vorläufer des Kapitals dürfte wohl das ursprünglich ebenfalls auf drei Bände angelegte Werk "Zur Kritik der politischen Ökonomie sein. (Das Kapital war übrigens auf vier Bände angelegt). Marx kam einfach seine langjährige Erkrankung dazwischen....

      Die Klassiker des Liberalismus sind für Marx schon sehr wichtig, nicht zuletzt Smith und Riccardo. Marx übernimmt praktisch die wichtigsten Theorieelemente vor allem von diesen beiden Klassikern. Daher der eklektische Charakter des Kapitals. Wir werden sicherlich noch im Einzelnen darauf eingehen.

      Die Klassiker nun als Idelaist, Religiosnphilosophen oder Mystiker zu bezeichnen, ist ein bischen weit hergeholt. Smith war ungemein nüchter und sehr exakt denkender Wissenschftler, der Bahnbrechendes geleistet hat. Man lese vielelicht einmal sein Hauptwerk. Im Gegenteil ist es Marx, der mit den Martgesetzen, dem Gesetz von Angebot und Nachfrage bei Smith nichts anfangen kann. Ein riesiger Fehler des gesamten Marxschen Systems. Marx übernimmt von Smith praktisch nur die Arbeitswerttheorie, die Unterscheidung von Gebrauchswert und Tauschwert und die Arbeistteilung, wobe er letztere möglicherweise mehr in "Zur Kritik der politischen Ökonomie" abhandelt. Abe rich kann mich auch täuschen. Werde es gleich einmal nachschaunen. Das heißt eben auch, und das ist mir noch ganz wichtig, dass es einen Unterschied gibt zwischen der "Kritik der politischen Ökonomie" (Kapital) und "Zur Kritik der politischen Ökonomie.... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Joachim, ich sehe darin keinen Unterschied, also nach meinen Informationen ist das Kapital das Endergebnis, und die Vorarbeiten dazu wurden teils auch einzeln veröffentlicht. Diese Trennung, die du hier behauptest, ist mir nicht bekannt. Es gibt tatsächlich diese Vorarbeiten ("Zur Kritik der politischen Ökonomie", "Grundrisse" usw.), aber die mündeten quasi ins Kapital. Es gibt kein in drei Bänden angeletes Alternativ-Werk zum Kapital mit dem geplanten Titel "Zur Kritik der politischen Ökonomie", sondern damit sind die drei (geplanten vier) Bändes des Kapitals gemeint. Sehe da keine Unterscheidung, außer vielleicht für eine historische Leseart...

      Vielleicht kann das auch noch jemand anderes bestätigen, nicht dass ich mich irre...
    • Im Vorwort des Kapitals steht ja explizit, dass Marx auf die Ergebnisse seiner früheren Veröffentlichung (übrigens MEW 13) Bezug nimmt. Ich kenne zwar den Text "Zur Kritik der Politischen Ökonomie" nicht, aber wenn man sich schon den ersten Satz anschaut, wird eine gewisse gemeinsamkeit schon recht deutlich :D

      Zur Kritik der Politischen Ökonomie schrieb:

      Auf den ersten Blick erscheint der bürgerliche Reichtum als eine ungeheure Warensammlung, die einzelne Ware als sein elementarisches Dasein.


      Zu den Neoklassikern: Ich bin jetzt auch nicht so ökonomisch geschult, dass ich mich da weit aus dem Fenster lehnen möchte. Ich stimme Dir auf jeden Fall zu, dass es eine große Schnittmenge zwischen Neoklassikern und Marx' Vulgärökonomen gibt! Auch ist es sicher richtig, dass solche Kategorien immer sehr konstruiert sind. Ich wollte aber darauf hinweisen, dass einige ökonomische Erkenntnisse, vor allem die Grenznutzentheorie bzw. Grenzkostentheorie, bei Marx noch gar nicht vorkamen, aber heute anscheinend als grundlegend für die Neoklassik gelten (zumindest laut Wikipedia). Deswegen sollte man die Neoklassiker nicht auf die von Marx kritisierten "Vulgärökonomen" des 19. Jahrhunderts reduzieren.
      Beim Brand der einzigen Bibliothek auf Melmac sind beide Bücher verbrannt. Und eines davon war noch nicht einmal fertig ausgemalt.

      ALF
    • Grenzkosten und Grenznutzen sind nicht klassisch, und stellen in gewisser Weise genau das dar, was man so landläufig als Vulgärökonomie bezeichnet. Für den Betriebswirt ist die Grenzkostentheorie noch so gerade zu gebrauchen, hat auch den Vorteil, dass sie mit Marxens "organischer Wirtschaftstheorie" in etwa im Einklang ist. Grenznutzen gibt es nicht. Grenznutzen ist beispielsweise niemals qunatifizierbar. Der Grenznutzen stell praktisch nur die Nachfragekurve dar. Das ist alles. Damit brechen aber die eigentlichen Grenznutzentheorien in sich zusammen. Bei mir läuft das eben und Vulgärökonomie. Andere Vulgärökonomien wäre etwa das Zeitgeld. Du bekommst Geld als Ausdruch der gleiesteten Arbeitszeit. Praktisch so eine Art Vulgärmarxismus. Wir hatten mal eine Diskussion mit einem gewissen "rabert" hier im Forum... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Zur Geschichte der Wirtschaftstheorien

      Ich habe einmal einWerk geschrieben, mit dem Titel "Zur geschichte deer Wirtschaftstheorien. Daraus ist an deiser Stelle vor allem der erste Teil interessant. Dort wird die Entwicklung der Wirtschaftstheorien von den Anfängen über die klassiker des Liberalismus bis hin zu den Sozialisten kurz zusammengefasst. Das Material basiert auf dem Werk "Zur Geshcichte der Wirtschaftstheorie" von Stavenhagen. Es sei Euch ganz besonders empfohlen. Für einen ersten Überblick tut es aber vielleicht auch meine Stichpunktartige Zusammenstellung:

      jstiller.js.funpic.de/download/sozialwissenschaft4.pdf

      Ich überlege immer noch, ob ich nicht irgendwann einmal ein "richtiges" Werk zur Wirtschaftstheorie schreibne soll. Das müsste dann in erster Linie auf eine "dynamische Wirtschaftstheorie" hinauslaufen. Im grunde müsste man auch Band II und Band III des Kapitals neuschreiben. So sehe ich das jedenfalls im Augenblick...

      Übrigens, wenn davon die Rede ist, dass Marx verfälscht wurde, dann halte ich das schlicht für ein Gerücht. Von Engels ganz bestimmt nicht. Engels hätte nie etwas geschreiben, was nicht im Sinne von Marx gewesen wäre. Beide haben praktisch "alles" geteilt (nur nicht ihr Bett)... Gruß Joachim Stiller Münster


      Gruß Joachim Stiller Münster
    • Joachim Stiller schrieb:

      Übrigens, wenn davon die Rede ist, dass Marx verfälscht wurde, dann halte ich das schlicht für ein Gerücht. Von Engels ganz bestimmt nicht. Engels hätte nie etwas geschreiben, was nicht im Sinne von Marx gewesen wäre. Beide haben praktisch "alles" geteilt (nur nicht ihr Bett)... Gruß Joachim Stiller Münster


      Den 2. und 3. Band des Kapitals hat Engels anscheinend mehr oder weniger komplett umgearbeitet, ohne dies deutlich zu machen. Die verstreuten Notizen Marx' waren anscheinend einfach unmöglich originalgetreu als Buch herauszugeben. Ob die Bearbeitung im Sinne von Marx war, kann man im Nachhinein nicht mehr beurteilen. Ehrlicherweise hätte man die Bücher aber "Das Kapital, Fortsetzung von Friedrich Engels nach Durchsicht der Manuskripte von Karl Marx" nennen müssen.
      Beim Brand der einzigen Bibliothek auf Melmac sind beide Bücher verbrannt. Und eines davon war noch nicht einmal fertig ausgemalt.

      ALF
    • Ja, also, das ist pure Spekulation, wie auch immer entscheident ist, dass Engels Band II und III maßgeblich bearbeitet hat, und das sollte man berücksichtigen. Das war auch in die Richtung gemünzt, die das Kapital - ähnliche wie die Bibel - als Wort Gottes (bzw. Marx') wortwörtlich verehren. Engels hatte sicherlich auch eigene Interessen, und hat das immer wieder angepasst. Mit Verzerrung meine ich auch die zugeschriebenen Zitate, das sind natürlich zwei geniale Zitate, der man sich immer bedienen kann, vielleicht hätte Marx das selbst auch so gesagt, aber der heutige Nutzen dieser Zitate ist natürlich immens. Ersteres kann man immer gut anführen, wenn das Standardargument kommt: "Marx hatte ein falsches Menschenbild". Und zweiteres, von Engels zugeschrieben, naja, das ist natürlich sehr, sehr hilfreich für jeden Marx-Verfechter, gerade angesichts des real existierenden Sozialismus im 20 jahrhundert. Engels hatte 1890 (nach Marx' Tod) gespürt und schon zur damaligen Zeit beobachten können, wie Marx zunehmend missbraucht wurde. Das halte ich für ein bewusst gefälschtes/verzerrtes Zitat, wenngleich ich Engels dafür dankbar bin!;)

      Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich mich täglich mit Ökonomie und Soziologie auseinander zu setzen habe, Studien-bedingt, siehe auch oben, die Ausschnitte aus der Seminararbeit. Die Marginal Revolution kam erst mit der Neoklassik zu richtig in die Wirtschaftstheorie, und die ist nicht nur in Nachfragefunktionen eingezogen, sondern das ist eines der fundamentalen Prinzipien: Das generelle Denken in Grenzbegriffen. Grenznutzen. Grenzkosten. Nutzenfunktionen. Gossensches Gesetz. usw. Im übrigen, BWL ist keine Wissenschaft, gab es zu Marx' Zeiten auch noch nicht, Also, wenn wir von Wirtschaftswissenschaften reden, dann meinen wir die VWL (BWL ist einfach eine zusammengeklaute Wissenschaft, mit dem Ziel: Wie Maximiere ich den Gewinn eines Unternehmens; da wird von allen Seiten geklaut und auf die praktische Anwendung im kapitalistischen Unternehmen heruntergebrochen, von der Mathematik (Buchführung), von der Personalpsychologie (Personalmanagement), von der Sozialforschung/Soziologie (Marketing, Makrtforschung), von Jura (Recht, WIrtschaftsgesetze), von der VWL natürlich (das ganze pseudo-wirtschaftliche)...)

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    • Ich wollte noch eben etwas Abschließendes zur angebots-Nachfrage-Funktion von Adam Smith sagen. Ich selber habe sie etwas geändert: Nicht angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, sondern Kostenpreis und Nachfrage. So ist es wieder mit Marx im Einnklang. Dazu findet sich auch etwas in meiner Schrift "Zur Geschichte der Wirtschaftstheorien". Marx hat dann ja im Kapital praktisch die angebots-Nachfrage-Funktion, mit der er nichts anfangen konnte, Dur seine Mehrwerttheorie ersetzt...

      Und was die Anteile von Engels am Kapital anbelangt: Es mag durchaus sein, dass Engels das Material umgeschriben hat. Abe rer hat das mit Sicherheit im Sinne von Marx getan. ich jedenfalls habe keienrlei Zweifel an der Integrität von Engels. Eigentlich war doch imme rEngels der entscheidende antreibe rin dem Gespann... Gruß Joachim Stiller Münster
    • Southface, kannst Du eigentlich eine gute Einführung in die VWL empfehlen? Würde da gerne mal wenigstens einen groben zusammenhängenden Überblick bekommen. Ich habe zwar in Zusammenhang mit Marx (Selstlektüre + Seminar + Nebenfach-Diplomprüfung) einiges mitbekommen, aber eben nicht wirklich aus volkswirtschafltlicher Sicht, sondern immer ein wenig mit der Philosophen-Brille :D
      Beim Brand der einzigen Bibliothek auf Melmac sind beide Bücher verbrannt. Und eines davon war noch nicht einmal fertig ausgemalt.

      ALF
    • Also wenn du das lernen möchtest, was man heute in der "Volkswirtschaftslehre", also Mikroökonomie und Makroökonomie (Wirtschaftspolitik, Sozialpolitik, Finanzwissenschaft lass ich mal außen vor), lernt, also in Form eines Lehrbuchs, aber eben methodisch/inhaltlich/modelltheoretisch:

      dann, als Übersicht, der Klassiker: Mankiw's Grundzüge, sowohl Mikro als auch Makro, das typische Einstiegslehrbuch im ersten Semester. Vertieft dann für die Mikroökonomie den Varian , für die Makroökonomie den anderen Mankiw (den von Joachim empfohlenen). Da lernst du aber nur das "anwendungsbezogene" Wissen, ohne historische Ordnung, und wie sich die Wirtschaftstheorie selbst entwickelt hat, und heterodoxe Ansätze werde da meist ignoriert, Keynes etwa auch nur im Sinne der neoklassischen Synthese behandelt. Aber wie gesagt, alles recht mathematisch eben.

      Wenn du etwas über die Geschichte und Entwicklung der Ökonomie lernen willst, dann würde ich ganz klar dieses Buch von Mikl-Horke empfehlen. Oder einfach generell recherchieren, unter den begriffen "Wirtschaftssoziologie" oder "Sozialökonomie", die beschäftigen sich weit mehr mit ihrer eigenen wissenschaftlichen Vergangenheit, also die VWL heutzutage. Empfehlen kann ich einen kurzen Artikel in einem Sammelband, den kann man auch kostenlos auf springerlinks.com (also im Uni-Netz) abrufen, ebenfalls von Mikl-Horke, da hat sie die "Klassische Positionen von Soziologie und Ökonomie" herausgearbeitet, aber wie gesagt, in ihrem Buch oben ist das natürlich viel ausführlicher. Artikel: klick.

      Also, je nach dem, erstere sind moderne, typische VWL-Lehrbücher, zweitere zeichnen den historischen Verlauf von Wirtschaft und Gesellschaft, speziell eben des Wirtschaftsdenkens nach.