MEW 23, S. 11-46: Vorwörter und Nachwörter

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    • MEW 23, S. 11-46: Vorwörter und Nachwörter

      Bestehend aus:

      1) Vorwort zur ersten Auflage, von Karl Marx, 1867
      2) Nachwort zur zweiten Auflage, von Karl Marx, 1873
      3) Vor- und Nachwort zur französischen Ausgabe, von Karl Marx, 1872 bzw. 1875
      4) Zur dritten Auflage, von Friedrich Engels, 1883
      5) Vorwort zur englischen Ausgabe, von Friedrich Engels, 1886
      6) Zur vierten Auflage, von Friedrich Engels, 1890
    • Marx kombiniert im Vorwort zur 1. Auflage zwei Aspekte (Unterstreichungen von mir).

      Marx, MEW, Band 23, S.16 schrieb:

      [...] mein Standpunkt, der die Entwicklung der ökonomischen Gesellschaftsformation als einen naturgeschichtlichen Prozeß auffaßt [...].

      Marx, MEW, Band 23, S.16 schrieb:

      [...] die jetzige Gesellschaft [ist] kein fester Kristall, sondern ein umwandlungsfähiger und beständig im Prozeß der Umwandlung begriffener Organismus.

      Das klingt nach einer Anleihe aus der Evolutionsbiologie.

      Den ersten Band des "Kapitals" brachte Marx 1867 heraus.
      Darwins "Über die Ursprung der Arten" erschien 1859.
      Engels las Darwin wohl 1859 und meinte in einem Brief an Marx (Quelle):
      Übrigens ist der Darwin, den ich jetzt gerade lese, ganz famos. Die Teleologie war nach einer Seite hin noch nicht kaputt gemacht, das ist jetzt geschehn. Dazu ist bisher noch nie ein so großartiger Versuch gemacht worden, historische Entwicklung in der Natur nachzuweisen, und am wenigsten mit solchem Glück.
      Marx folgte wohl 1860 und schrieb an Engels (ebenda):
      Dies sei
      das Buch, das die naturhistorische Grundlage für unsere Ansicht enthält.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Erkenntnisse aus dem Vorwort

      Hi!

      Das Kapital, Bd. I, S. 16 schrieb:

      Heutzutage ist der Atheismus selbst eine culpa levis <kleine Sünde>, verglichen mit der Kritik überlieferter Eigentumsverhältnisse.


      Für mich die wichtigste Erkenntnis ist die Tatsache, dass Marx & Engels nicht die Religiösität des Kapitalismus erkannten, und ihn fälschlich als atheistisch bezeichnen.

      Also konnten sie folglich auch nicht die zur kapitalistischen Produktionsweise passende Form der Gottabstraktion erkennen.

      ( vermutlich alle Glaubensformen welche mit Deismus kompatibel sind, ich bin da noch am arbeiten, Pantheismus; subj.Idealismus - wie Konstruktivismus etc; auf jeden Fall aber eben keine personifizierte Gottvorstellung haben, und eine einzelindividualistische Subjektivität erlauben! -->> Marx: Kapitalismus ist der Krieg Aller gegen Alle )

      Die Ursache dafür liegt darin begründet, dass man das Gemeinsame, was alle Religionen verbindet, und was ihr einzigstes Lebenselixier ist, noch nicht erkannt hat.

      Wie viele Denker strandete auch Marx bei der Betrachtung der Religion meist bei der Beschreibung einer ihrer Phänomenologien, anstatt sie als ganzheitliche Bewusstseinsstufe zu analysieren.

      Marx favorisierte bekanntlich die Trostfunktion.

      Und dieses Gemeinsame aller Religionen, ist nichts Geringeres als sich eben über das eigene Glaubenssystem die Legitimation zu erteilen, die Kraft der menschlichen Kreativität mit den Strategien des unbewussten Lebens, also der Sorglosigkeit und dem Prinzip des Stärkeren, zu kombinieren.

      Der Strategienmix den Mephisto so beschreibt:

      Er nennts Vernunft und brauchts allein um tierischer als jedes Tier zu sein.

      Diese Legitimationsform aber, muss nun entsprechend dem Wissensstand (common sense) der Masse, und den ökonomischen Erfordernissen, Anzahl der zu beherrschenden Individuen, Grösse des Reiches, PV und PK, angepasst werden.

      Da die Religion keine stetig sich entwickelnde Wissenschaft ist, sondern lediglich eine mythische Ersatzerklärung der Welt, zur dogmatischen Disziplinierung der Einzelindividuen, muss sie, und dass hat Marx schon erkannt, wie die zu klein gewordene Haut einer wachsenden Schlange, zyklisch abgelegt werden.

      Was die Religion praktisch über alle ihre Entwicklungsstufen erkennbar macht, der oben angeführte Strategienmix, das ist ideell gesehen die Tatsache des Unverständnisses der Welt. Dieses Unverständnis aber unterliegt einer steten psychologischen Wandlung über die Jahrtausende der antagonistischen Formationen. Es ist der Wandel vom Nicht-Wissen-Können des Jäger&Sammlers, zum Nicht-Wissen-Wollen des pantheistischen Bürgertums.

      Dieser Prozess ist dabei stetig über die Jahrtausende! Nicht erst im Kapitalismus. Siehe bspw.Inquisition. Im Pantheismus der Bourgeoisie ist er nur noch marginal Institutionalisiert/Kontrolliert, er funktioniert im opportunistischen Individuum quasi automatisch über die Meinungsfreiheit.


      mpg Philzer
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Philzer ()

    • @Fliege: Das "Naturgesetz der gesellschaftlichen Entwicklung" (vgl. p. 15f) zu finden, ist ja das erklärte Ziel von Marx. Im Vorwort zur 1. Auflage beschreibt er ja seine Methode analog zur Naturwissenschaft: Analyse der einfachen "Zellform" Wert und Ware (p.12), aus der sich die bürgerliche Gesellschaft zusammensetzt, die Entwicklung England als Musterbeispiel späterer Entwicklungen in Deutschland und Kontinentaleuropa (analog zum Experiment in der Naturwissenschaft), schließlich die Überzeugung, dass die gefundenen Gesetze allgemein anwendbar sind (analog zu einer naturwissenschaftlichen Theorie). Dazu passen auch die Anmerkungen zur Dialektik im Nachwort zur zweiten Auflage.

      @Philzer: In seiner Polemik der bürgerlichen Ökonomen, deren Theorien danach bewertet würden, ob sie "dem Kapital nützlich oder schädlich" (p. 21) seien, spricht er der Klasse der Kapitalisten eindeutig religiöse bzw. ideologische Eigenschaften zu. Die Ökonomie an sich ist für ihn aber ein materielles "Naturgesetz", deren ideologischen "Auswüchse" nicht unabhänig existieren.

      Ansonsten wäre es schön, wenn freihändiges Fabulieren und unbelegte Behauptungen wie "Und dieses Gemeinsame aller Religionen, ist nichts Geringeres als sich eben über das eigene Glaubenssystem die Legitimation zu erteilen, die Kraft der menschlichen Kreativität mit den Strategien des unbewussten Lebens, also der Sorglosigkeit und dem Prinzip des Stärkeren, zu kombinieren." in einem Lesethread ein wenig in den Hintergrund gerückt wird und erst einmal über den Text diskutiert wird.
      Beim Brand der einzigen Bibliothek auf Melmac sind beide Bücher verbrannt. Und eines davon war noch nicht einmal fertig ausgemalt.

      ALF
    • rob schrieb:

      Das "Naturgesetz der gesellschaftlichen Entwicklung" (vgl. p. 15f) zu finden, ist ja das erklärte Ziel von Marx.

      Da Gesellschaft von Marx als ein "in Umwandlung begriffener Organismus" aufgefasst wird, wobei diese Umwandlung nicht-teleologisch, also ohne Zielgerichtetheit erfolgen soll, deklariert er seinen Erklärungsansatz als einen, der analog zur von Darwin vorgelegten biologischen Evolutionstheorie konzipiert sei.
      Ich erwähne das, weil ich im Auge behalten möchte, wie Marx die Gesellschaft als Organismus späterhin genauer umreißt und ob sein Erklärungsansatz tatsächlich nicht-teleologisch ausgerichtet ist.

      Marx erwähnt im Vorwort zur Erstauflage den "Physiker", der "Naturprozesse" beobachtet. Die Newtonsche Gravitationstheorie (beispielsweise) liefert Erklärungen nur dann, wenn zunächst die Zustandsbeschreibung eines Systems angegeben wird, wobei diese Zustandsbeschreibung nicht aus der Gravitationstheorie selber abgeleitet werden kann. Um die Frage zu beantworten, ob sich ein Sonnensystem im Laufe seiner Geschichte einem einigermaßen stabilen Zustand (oder Zwischenzustand) nähert und erreicht und diesen für eine Weile beibehält, genügt ein bloßer Hinweis auf die Gravitationstheorie nicht, denn es könnte sein, dass sich bei gegebener Zustandsbeschreibung gerade keine stabile "Tendenz" durchsetzt.

      Deshalb wird es interessant sein zu verfolgen, wie Marx sich das vorstellt, wenn er sagt, ihm gehe es bei seiner Erforschung der kapitalistischen Produktionsweise "um diese Gesetze selbst, um diese mit eherner Notwendigkeit wirkenden und sich durchsetzenden Tendenzen".
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Fliege ()

    • Fabulieren kontra philosophische Konklusion

      @ Rob:

      Mir liegt nichts daran Marx so zu lesen als ob wir heute in etwa das Jahr 1880 schreiben würden.

      Du verwechselst philosophische Konklusionen, über die bekannten Methoden, mit fabulieren der Mythenschaffer, also der religiösen Individuen selbst.

      Plilolex schrieb:

      Ein Mythos wird "gebildet in der absichtslos dichtenden Sage", wie David Friedrich Strauß es genannt hat. Er ist das Ergebnis des menschlichen Einbildungsvermögens, des fabulierenden Verstandes. Es gibt verschiedenste Mythen, denen eines gemeinsam ist: Sie sind nicht nachprüfbar. Man kann sie glauben oder es auch lassen. (Die Aussa-gen von Mythen können noch sovielen Erfahrungen und modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen, der Gläubige wird trotzdem an ihnen festhalten.)


      Das Feststellen der Sorglosigkeit in der Biotopübernutzung, und der darauf folgende Existenzkampf nach dem Gesetz des Stärkeren aller religiösen Formationen aber, ist eine historische Tatsache die man tausendfach nachweisen kann, und den man in philosophischer Manier eben der dazugehörigen Bewusstseinsstufe zuordnen muss, so man klar und apologiefrei denken will.

      Ich habe also lediglich einen Punkt, der mir wichtig ist, stellt er doch eine entscheidende Verständnisbrücke zum Jetzt, zur Globalisierung und zur Demokratie her, herausgegriffen und kurz und bündig abgearbeitet.

      mpg Philzer
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Philzer schrieb:

      Das Feststellen der Sorglosigkeit in der Biotopübernutzung, und der darauf folgende Existenzkampf nach dem Gesetz des Stärkeren aller religiösen Formationen aber, ist eine historische Tatsache die man tausendfach nachweisen kann, und den man in philosophischer Manier eben der dazugehörigen Bewusstseinsstufe zuordnen muss, so man klar und apologiefrei denken will.

      Ob das eine historische Tatsache ist, sei mal dahingestellt. Die Religion auf die Funktion als Verteidiger bzw. Ursache dieser Verhältnisse zu reduzieren ist dagegen entweder total unsinnig oder eine totale Umdeutung des Wortes Religion (in einen Sinn, der irgendwie jede Ideologie auf die sich Herrschaftssysteme potentiell stützen zur Religion erklärt. Die Zuordnung eines Zustandes auf eine wie auch immer geartete "Bewusstseinsstufe" (was auch immer das sein soll), die dann monokausal auf die Religion reduziert wird macht sowieso überhaupt keinen Sinn.

      Ich weiß, dass Du das anders sehen wirst, ich habe das nur geschrieben, weil es hier um "das Kapital von Karl Marx geht, und zwar so, wie man ihn 2011 liest. Nicht um Philzers Ideologien aufgehängt an einen Halbsatz von Marx' Einleitung und mit keinem Wort auf diese eingehend.
      Beim Brand der einzigen Bibliothek auf Melmac sind beide Bücher verbrannt. Und eines davon war noch nicht einmal fertig ausgemalt.

      ALF
    • Fliege schrieb:

      Ich erwähne das, weil ich im Auge behalten möchte, wie Marx die Gesellschaft als Organismus späterhin genauer umreißt und ob sein Erklärungsansatz tatsächlich nicht-teleologisch ausgerichtet ist.


      Bei dem "Nicht-Teleologisch" hätte ich auch ein dickes Fragezeichen gemacht. Ob er seinem eigenen Anspruch gerecht wird, wird wohl eine interessante Frage bei der Lektüre sein.
      Beim Brand der einzigen Bibliothek auf Melmac sind beide Bücher verbrannt. Und eines davon war noch nicht einmal fertig ausgemalt.

      ALF
    • Fabeln und historische Tatsachen

      Hi!

      rob schrieb:

      Ob das eine historische Tatsache ist, sei mal dahingestellt.


      Köstlich :LtD:

      Darf ich ein Marx-Zitat bringen, bürgerliche Philosophie, und mit der haben wir es ja wohl hier zu tun, betreffend?

      Philosophie und die wirkliche Betrachtung der Welt, verhalten sich zueinander wie Onanie und geschlechtliche Liebe.


      rob schrieb:

      Die Religion auf die Funktion als Verteidiger bzw. Ursache dieser Verhältnisse zu reduzieren ist dagegen entweder total unsinnig oder eine totale Umdeutung des Wortes Religion


      Eieiei. Die Religion ist hier nur scheinbare Ursache, sie ist nur Phänomenologie! Denn sie kommt ja nicht vom lieben Gott, sondern von den Individuen selbst welche sie sich nach ihren Bedürfnissen entwickelt haben! Und eben bei geänderten Bedürfnissen auch ständig neu entwickeln.

      Religion und Opportunismus ist nichts anderes als die Einheit von Theorie und Praxis.

      rob schrieb:

      Umdeutung des Wortes Religion (in einen Sinn, der irgendwie jede Ideologie auf die sich Herrschaftssysteme potentiell stützen zur Religion erklärt.


      Nur solange dieses System/Ideologie die Strategien aus dem unbewussten Leben fortsetzt.

      rob schrieb:

      Die Zuordnung eines Zustandes auf eine wie auch immer geartete "Bewusstseinsstufe" (was auch immer das sein soll), die dann monokausal auf die Religion reduziert wird macht sowieso überhaupt keinen Sinn.


      Funktionen der Religion in der opportunistischen Bewusstseinsstufe hab ich hier dargelegt.

      rob schrieb:

      Ich weiß, dass Du das anders sehen wirst,


      Exakt. Wir sollten es dabei belassen.

      rob schrieb:

      ich habe das nur geschrieben, weil es hier um "das Kapital von Karl Marx geht, und zwar so, wie man ihn 2011 liest. Nicht um Philzers Ideologien aufgehängt an einen Halbsatz von Marx' Einleitung und mit keinem Wort auf diese eingehend.


      Ich bin darauf eingegangen, dass er m.E. nach fälschlicherweise "nachmonotheistische" Bewusstseinsstufen quasi automatisch als Atheismus bezeichnet. Das finde ich wichtig. Denn es verschleiert den religiösen Charakter des Kapitalismus. Auch wenn er hie und da etwas religiöse Eigenschaften beschrieben hat, er hat es nirgends auf den Punkt gebracht, und die Religion des Kapitalismus nicht verstanden und erläutert.

      Ich denke wir brechen hier ab, wir werden da nicht zusammenkommen.

      Ich gebe Dir in einem Punkt nach, bzw. Recht: Das Kapital ist eine Ökonomiekritik, nichts sonst. Man kann m.E. nach weder einen Kommunismus (oder was auch immer) daraus ableiten. Dann aber kommen wir zu einem Widerspruch:

      Rob schrieb:

      Das "Naturgesetz der gesellschaftlichen Entwicklung" (vgl. p. 15f) zu finden, ist ja das erklärte Ziel von Marx. Im Vorwort zur 1. Auflage beschreibt er ja seine Methode analog zur Naturwissenschaft: Analyse der einfachen "Zellform" Wert und Ware (p.12), aus der sich die bürgerliche Gesellschaft zusammensetzt,


      Und das eben geht mit Ökonomie allein nicht. Alle opportunistischen Formationen sind bewusstseinsmässig nichts anderes als eine ESS. Mit Altruisten und Egoisten. Sie kämpfen mit und gegeneinander nach den Regeln des unbewussten Lebens, der langfristigen Sorglosigkeit und dem Gesetz des Stärkeren. Und davon eben, konnte Marx noch nichts wissen.

      mpg Philzer
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Ich selber bin an den Vor- Und Nachworten nicht sonderlich interessiert. Ich lese so etwas heute auch nicht mehr. Ist doch meistesn nur Geschwätz. Daher steige ich in die Diskussion ein, wenn es mit dem Haupttext losgeht.... Gruß Joachim Stiller Münster

      Na ja, es soll Spezialisten geben, die bei der Lektüre de Vorworte derart tief ins Glas geschaut haben, dass sie sich den ganzen Rest gespart haben... :LtD: Gruß Joachim Stiller Münster
    • Ich weiß, dass Du das anders sehen wirst, ich habe das nur geschrieben, weil es hier um "das Kapital von Karl Marx geht, und zwar so, wie man ihn 2011 liest. Nicht um Philzers Ideologien aufgehängt an einen Halbsatz von Marx' Einleitung und mit keinem Wort auf diese eingehend. [rob]
      Geht es in dem Ton weiter? Ich hoffe nicht. [atman]
      Philzer,

      ich "kenn" dich ja noch nicht so lange wie die anderen, bitte dich deshalb in Zukunft sachlich bei Marx und dem Kapital zu bleiben. Mir scheint es tatsächlich so, als ob du bisher bewusst recht weit vom eigentlichen Thema abschweifst, und ich dir ehrlich gesagt auch nicht mehr folgen konnte und nicht verstehe wo da noch ein großer Bezug zu Marx sein sollte (Bitte erkläre es mir auch nicht!). Ich bin mir aber sicher, dass du zukünftig deine Ausschweifungen lässt, ich will hier ja niemanden ständig editieren, löschen oder gar ausschließen. Danke! Dann wieder in einem freundlichen Ton weiter!:)
    • Halte die Vorwörter übrigens schon für wichtig, und stimme auch rob und Fliege in weiten Teilen zu, fand das recht interessant, auch die Nähe zu den Naturwissenschaften und Darwin, oder zusammen gefasst, den historischen Materialismus, den er hier kurz umreißt. Inwiefern findet man darin eigentlich auch den Demokrit'schen Materialismus, der Marx sicherlich geprägt hat, aber zunehmend in Vergessenheit zu graten scheint?

      Ansonsten sollte man MEW 23, S. 16 nicht vergessen, hier gesteht Marx, dass er auch selbst abstrahiert, indem er Personen von ihren persönlichen, kulturellen, und ich will auch sagen ideologischen/religiösen Merkmalen löst und sie nur auf ökonomische Faktoren herunter bricht. Also, Kapitalisten betrachtet er z.B. nur soweit sie "Personifikationen ökonomischer Kategorien" und "Träger von bestimmten Klassenverhältnissen und Interessen" sind.

      Interessant und was mich beschäftigt ist dann dieser Punkt: "den Einzelnen verantwortlich machen für Verhältnisse, deren Geschöpf er sozial bleibt, sosehr er sich auch subjektiv über sie erheben mag" --> Denke hiervon kann man in viele Richtungen denken: Denkt man an Religionen, an den Klingelbeutel oder - heute - an Personen, die für den Schein und das Image spenden. Oder wenn ich an mich denke, oder die sog. "Neuen Grünen", eine aufstrebende Mittelschicht, die ihr gutes Gewissen in Fair Trade und Bio-Produkten findet, letztlich aber über den Job und ihren Positionen in der Gesellschaft erst die präkere Lage verursachen, aus der sie sich dann im Privatleben versuchen heraus zu kaufen.

      Abschließend erinnert mich diese ganze Abstraktion (rein) auf die ökonomischen Kategorien auch an die RAF. Ulrike Meinhof schrieb einst, dass ein Polizist dann, wenn er eben als Polizist tätig ist, kein Familienvater mehr ist, sondern Repräsentant des Systems, und damit kann man über diesen Polizisten das System angreifen. Dabei hat sie übersehen, dass es im "System" (wenn man es so nennen will) Rollen gibt, die beliebig mit Personen besetzt werden können, und wenn man Personen abknallt, nicht deshalb die Rolle verschwindet, sondern eine neue Person diesen Platz einnimmt. Aber das nur am Rande, Marx konnte dafür natürlich nichts, und das soll jetzt kein kritischer Seitenhieb sein, ich wollte nur anmerken und aufzeigen, wie z.B. die RAF aus solchen Stellen durchaus zu ihrer Anschauung gelangen konnte...
    • Hi!

      1. Du musst keine Zitate entstellen. Atmans "Geht es in dem Ton weiter?" bezog sich augenscheinlich nicht auf meine Posts!

      southface schrieb:

      bitte dich deshalb in Zukunft sachlich bei Marx und dem Kapital zu bleiben.


      Das habe ich in Post 3 getan. Und wurde des Fabulierens bezichtigt. Darauf entfaltete sich ein Disput.


      southface schrieb:

      Ich bin mir aber sicher, dass du zukünftig deine Ausschweifungen lässt, ich will hier ja niemanden ständig editieren, löschen oder gar ausschließen.


      Wie soll ich das verstehen? Solche Posts wie Nr.3 von mir sind verboten, oder es ist mir verboten mich zu verteidigen?

      Oder Beides?

      Du darfst mich gern löschen/sperren. Kein Problem.


      Dann wieder in einem freundlichen Ton weiter!:)


      mpg Philzer
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Vielleicht hilft eine Rubrik zu Weltrettung mit oder ohne Marx, um entsprechenden Mitteilungsbedürfnissen einen Platz zu geben.
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    • Hi!

      Konsens.

      mpg Philzer
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    • southface schrieb:

      Abschließend erinnert mich diese ganze Abstraktion (rein) auf die ökonomischen Kategorien auch an die RAF. Ulrike Meinhof schrieb einst, dass ein Polizist dann, wenn er eben als Polizist tätig ist, kein Familienvater mehr ist, sondern Repräsentant des Systems, und damit kann man über diesen Polizisten das System angreifen. Dabei hat sie übersehen, dass es im "System" (wenn man es so nennen will) Rollen gibt, die beliebig mit Personen besetzt werden können, und wenn man Personen abknallt, nicht deshalb die Rolle verschwindet, sondern eine neue Person diesen Platz einnimmt. Aber das nur am Rande, Marx konnte dafür natürlich nichts, und das soll jetzt kein kritischer Seitenhieb sein, ich wollte nur anmerken und aufzeigen, wie z.B. die RAF aus solchen Stellen durchaus zu ihrer Anschauung gelangen konnte...

      Die RAF-Leute sind verzweifelte (mindestens ungeduldige) Marxisten gewesen, weil bis in die 1970-er Jahre nicht passiert ist, was Marx in Zur Kritik der politischen Ökonomie (Vorwort, 1859) prognostiziert (MEW, Band 13, S. 9):
      Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen [...]. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein.

      In ihrer Verzweiflung interpretieren die RAF-ler nun Marx obendrein systematisch falsch, obwohl Marx sagt (ebenda, S. 8-9):
      Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.

      Das "gesellschaftliche Sein" ist die "Rolle" bzw. die "ökonomische Kategorie" (bestimmt durch Klassenverhältnisse und Interesse) aus dem Vorwort zur 1. Auflage des Kapitals (MEW, Band 23, S. 16). Man kann nämlich keine "ökonomische Kategorie" angreifen, indem man deren "Träger" angreift.
      Tatsächlich läuft die Tötung eines Rollenträgers auf das Eingeständnis hinaus, dass man nun versucht, über das Bewußtsein (die Leute haben Angst) - also durch Veränderung des eigentlich vollständig determinierten "Überbaus" - die alles bestimmende "reale Basis" zu verändern.

      Allerdings hat Marx diese theoriewidrige Option selber theoriewidrig angedeutet (sonst wäre nämlich das Manifest der Kommunistischen Partei von 1848 für die Katz gewesen [*]), indem er im Vorwort zur 1. Auflage des Kapitals sagt (MEW, Band 23, S. 16):
      [Die Gesellschaft] kann naturgemäße Entwicklungsphasen weder überspringen noch wegdekretieren. Aber sie kann die Geburtswehen abkürzen und mildern.

      "Die Geburtswehen ab[zu]kürzen und [zu] mildern" ist eine ad-hoc-These (eventuell politisch motiviert) mit erheblicher Sprengkraft für das Marxsche Theoriegefüge.


      [*] Manifest der Kommunistischen Partei (MEW, Band 4, S. 461):
      Es ist hohe Zeit, daß die Kommunisten ihre Anschauungsweise, ihre Zwecke, ihre Tendenzen vor der ganzen Welt offen darlegen und dem Märchen vom Gespenst des Kommunismus ein Manifest der Partei selbst entgegenstellen.
      Man braucht nämlich einem Naturvorgang nicht per Manifest erklären, wo es lang geht. Zudem könnte ein solches Manifest, so es - obwohl theoriewidrig - doch Wirkung hat, die Prognose selber ruinieren.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Fliege ()

    • Hi Fliege!

      In fast allen Punkten Konsens.

      bis auf:

      Fliege schrieb:

      Man braucht nämlich einem Naturvorgang nicht per Manifest erklären, wo es lang geht. Zudem könnte ein solches Manifest, so es - obwohl theoriewidrig - doch Wirkung hat, die Prognose selber ruinieren.


      M.E. nach ist eben ein Naturvorgang nur die zyklische Änderung von PV nach PK, die wird auch den Kap irgendwann treffen.

      Die Überwindung der Prinzipien aus dem unbewussten Leben als massgebliche Gestaltungskräfte der Gesellschaft, hat aber damit nichts zu tun. Die brauchen dann irgendwann schon ein Manifest wenn eine bewusst gestaltete Gesellschaft entstehen soll.

      mpg Philzer
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Nochmal zu euerer obigen Diskussion bzgl. "nicht-teleologisch". Wo genau liest ihr das heraus. Die starke Beeinflussung von Darwin legt das sicherlich nahe. Aber direkt aus den Vorwörtern, kann man das an keine Stelle ablesen. Ich lese da sogar eher eine teleologisch Absicht heraus, quasi als logische Konsequenz des Determinismus, also Determinismus ist auf die Vergangenheit bezogen, daraus kann man zükünftig/zielgerichtet/teleologisch vorhersagen. Ich lese das heraus aus:

      • "entwickeltere Land zeigt dem minder entwickelten nur das Bild der eignen Zukunft" (S. 12)
      • "soll und kann [eine Nation] von der andern lernen" (S. 15)
      • naturgemäße Entwicklungsphasen können weder übersprungen noch wegdekretiert werden, die Geburtswehen aber abgekürzt und gemildert werden (vgl. S. 16)
      • und eben die üblichen Aussagen betreffend "kein kristall", "wandlungsfähiger Organismus" "naturgeschichtlicher Prozeß" usw., die kann man aber auch teleologisch lesen, bzw. die sind erst mal "neutral"

      Oder was hab ich übersehen?
    • Die Idee, dass die Gesellschaft strengen quasinaturwissenschaftlichen Gesetzen unterliegt und diese Gesetzmäßigkeiten aus den gegenwärtig vorliegenden Daten bestimmt werden können, stellt schon einen nicht-teleologischen Ansatz dar. Schließlich versucht sie die Welt nicht von einer Endursache her zu erklären, sondern aus den in ihr wirkenden Ursachen. Dass dabei Gesetzmäßigkeiten gefunden werden können, widerspricht diesem nicht-teleologischen Ansatz nicht - auch aus den Newton'schen Gesetzen kann man gesetzmäßigkeiten Ableiten (z. B. die Kepler-Gesetze), niemand würde sie deshalb als teleologische Bezeichnen (z. B. so, dass die elliptische Bahn der Planeten um die Sonne Endziel der Mechanik wäre).
      Beim Brand der einzigen Bibliothek auf Melmac sind beide Bücher verbrannt. Und eines davon war noch nicht einmal fertig ausgemalt.

      ALF