MEW 23, S. 11-46: Vorwörter und Nachwörter

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    • southface schrieb:

      Nochmal zu euerer obigen Diskussion bzgl. "nicht-teleologisch". Wo genau liest ihr das heraus. Die starke Beeinflussung von Darwin legt das sicherlich nahe. Aber direkt aus den Vorwörtern, kann man das an keiner Stelle ablesen. Ich lese da sogar eher eine teleologisch Absicht heraus, quasi als logische Konsequenz des Determinismus, also Determinismus ist auf die Vergangenheit bezogen, daraus kann man zukünftig/zielgerichtet/teleologisch vorhersagen.
      [...]
      Oder was hab ich übersehen?

      Marx schreibt an Lassalle (Quelle von mir bereits weiter oben verlinkt; dort Verweis auf MEW, Band 30, S. 578 :(
      Sehr bedeutend ist Darwins Schrift und passt mir als naturwissenschaftliche Unterlage des geschichtlichen Klassenkampfes [...]. Trotz allem Mangelhaften ist hier zuerst der 'Teleologie' in der Naturwissenschaft nicht nur der Todesstoß gegeben, sondern der rationelle Sinn derselben empirisch auseinandergelegt.
      Entsprechend geht Marx von "naturgemäßen" Entwicklungsphasen und einem "naturgeschichtlichen" Prozess aus (in den von dir zitierten Passagen aus dem Vorwort zur erste Auflage).
      Deswegen interessiert es mich, ob Marx bei seinem anti-teleologischen Ausgangspunkt bleibt.

      Wenn ein Astronom eine Mondfinsternis prognostiziert, macht er nicht deshalb eine teleologische Vorhersage, weil das Ereignis noch bevor steht.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Hmm, okay, ihr scheint recht zu haben. Auch wenn es mir noch nicht ganz klar ist. Scheinbar hatte ich den Begriff Teleologie falsch belegt. Da wird wieder deutlich, dass ich kein Philosoph bin...^^

      Also, für mich nochmal: Teleologie besagt, dass Entwicklungsprozesse an Zwecken orientiert sind, und zweckmäßig ablaufen. Also Zweckursachen besitzt. Also etwa Gott als DIE Zweckursache. Der Gegenteil von Teleologie wäre das mechanistische, deterministische, materialistische Bild? Ich versteh den Unterschied, aber wenn die Anti-Teleologie dann Prozesse aus dem Prozess heraus erklärt, dann ist das doch trotzdem eine Zweckursache, nämlich der "Zweck der Entwicklung", dann ist nicht mehr Gott das teleologische Wesen, sondern die Entwicklung an sich das teleologische Wesen. Oder anders gesagt: Im Materialismus, les ich bei Wikipedia, werden den Dingen an sich "Bewusstsein" zugesprochen, aber dann sind eben die Materialien an sich der Zweck, also teleologisch. Ist nicht alles teleologisch? Sorry, wie gesagt, bin kein Philosoph, versuch deshalb den Unterschied zu begreifen.

      Der Teleologie als Weltanschauung liegt die Annahme von entweder äußeren (transzendenten) oder inneren (immanenten) Zweckursachen zugrunde (aus wikipedia)... entsprechend der inneren Zweckursachen meine ich zu argumentieren, wenn ich vom teleologischen Wesen der Entwicklung an sich spreche..., oder?
    • southface schrieb:

      [E]ntsprechend der inneren Zweckursachen meine ich zu argumentieren, wenn ich vom teleologischen Wesen der Entwicklung an sich spreche..., oder?

      Teleologie nimmt an, es gebe ein Weltprinzip, das ein Ziel in der Zukunft platziert und dafür sorgt, dass dieses Ziel erreicht werden wird. Man könnte dann auf die Frage, warum etwas geschieht, antworten, dies geschieht, weil ein Weltprinzip dem Geschehen ein Ziel verfügt hat und mittels dieses Geschehens das gesetzte Ziel am Verwirklichen ist. Ein solches Weltprinzip wäre zugleich sehend und nicht blind sowie allmächtig, da unmöglich zielverfehlend.
      Selbst zielgerichtete Handlungen von Menschen wären unter diesem Gesichtspunkt nicht teleologisch, da deren Ziele unerreichbar sein und, falls erreichbar, verfehlt werden können.
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Fliege ()

    • Joachim Stiller schrieb:

      Zielgerichtete Handlungen sind unter diesem Gesichtspunkt erst recht teleologisch, da der Mensch dann das teleologisch Pronzip Gottes erst recht für sich in Anspruch nimmt.

      Kannst du den von dir angenommenen Zusammenhang etwas erläutern?
      Insbesondere unter Berücksichtigung deiner vorherigen Feststellung:

      Joachim Stiller schrieb:

      Aber es gibt eben keinen Gott, und damit keine Zwecke in der Natur.
      Oder können Menschen nicht zielgerichtet Handeln, weil Gott bzw. Göttliches nicht existiert?
      "You can fool all the people some of the time and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time" (Abraham Lincoln). — "Der Mensch ist gut! Da gibt es nichts zu lachen! [...] Der Mensch ist gut. Da kann man gar nichts machen. Er hat das, wie man hört, vom lieben Gott" (Erich Kästner).
    • Nein. Die Menschen können zielgerichtet handeln. Es gibt nur dann keine Zwecke in der Natur, wenn Du einen Gott ablehnst. Nimmst Du aber einen Gott an, und damit Zwecke in der Natur, bedeutet das nicht, dass der Mensch nun nicht mehr zeilgerichtet handeln könne. Ganz im Gegenteil, der Mensch wird sich dann mit Gott vergleichen, und genau so ist das ja auch tatsächlich. Du machst einfach in den letzten Beiträgen den Fehler, dass Du ständig den Sinn Deiner Aussagen ins logische Gegenteil verkehrst... Das macht dann "für mich" keinen Sinn... Danke und Gruß Joachim Stiller Münster