Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?

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    • Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?

      Hier einmal der Volltext dieser kleinen, aber feinen Erörterung:

      zeno.org/Philosophie/M/Kant,+I…A+Was+ist+Aufkl%C3%A4rung?

      Ich lasse kurz die berühmten ersten Sätze der kleinen Abhandlung folgen:

      "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung." (Zeno)

      Und was ist heute, 250 Jahre später? Tja, was ist da? Da wird die Aufklärung erneut auf die Tagesordnung gesetzt. Die Philosophie ist tot. Es lebe die Philosophie, die neue Aufklärungsphilosophie... Danke und Gruß Joachim Stiller Münster

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Joachim Stiller ()

    • Themen für Aufsätze ...

      Hi JSM!

      Hast Du noch mehr solche unerschöpflichen Themen? :D Ich muss leider auch noch arbeiten, da kein Kapitalbesitzer. :D

      In Horkheimers/Adornos "Dialektik der Aufklärung" wurde schon das Scheitern der Aufklärung beschrieben/befürchtet.

      Denn was nützt "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen" allein?

      Nichts. Es kommt nichts anderes als eine totale Entfesselung des eigenen Egoismus heraus.
      Horkh./Adorno nannten dies instrumentale Vernunft.

      Diese ist aber nichts anderes als das, was Mephisto im Faust so beschreibt:
      "Er nennts Vernunft und brauchts allein um tierischer als jedes Tier zu sein."

      Wem ist damit gedient?
      Dem Stärkeren.

      Die Schere zwischen Arm und Reich wächst und wächst.

      Gehen wir mal anders heran. Vor einigen Jahrzehnten, verstand ich als jugendlicher Rotzbengel unter Aufklärung lediglich die eine Tatsache, das man halt wenn man ne Mieze aus der Disco abschleppt 'n bissl aufpassen muss, um sich und anderen nicht unnütz das Leben schwer zu machen. Heute mit meiner Philomacke würde ich das als vierdimensionale Venunft bezeichnen, welche eben in der Lage sein sollte unsere von tierischer, also dreidimensionaler Vernunft eingeforderten Bedürfnisse gemeinschaftstauglich zu realisieren. o.s.ä.

      Den Rest kennst Du aus meiner Neg.d.Neg. Aus vierdimensionaler Kognition muss vierdimensionale Ethik werden. Dann erst ist der Mensch, wenn er die Theodizee (Evoluzidee) gelöst hat.

      mpg Philzer
      Der freie Wille, als Ausdruck der Mythologisierung von Prozessen in vierdimensionalen Erkenntisapparaten, ist der Zuckerguss auf der Alleinstellungsideologie des Pantheismus. Er ist notwendig zur religiösen Selbstüberhöhung des Individuums, das in Wahrheit nichts ist, ohne die Gesellschaft. - Philzer

      Es gibt keine richtige Philosophie in der falschen.

      Dem frei fabulierenden Verstand sind keine Grenzen gesetzt. Wohl aber Motive. - Philzer
    • Instrumentale Vernunft ist sehr hochgegriffen. Kants Vernunftbegriff in diesem Sinne auszulegen, geht meiner Meinung nach daneben. Denn Vernunft ist das Wesentliche am Menschen. Sie ist kein Instrument, sondern mehr und damit gerade nicht am Egoismus, sondern an der Idee der Menschheit orientiert.
      Mir scheint, Kant hatte den Sündenfall aus der Genesis vor Augen, als er die Antwort auf die Frage, was Aufklärung sei, verfasste.
    • Flitzpiepe schrieb:

      Mir scheint, Kant hatte den Sündenfall aus der Genesis vor Augen, als er die Antwort auf die Frage, was Aufklärung sei, verfasste.

      Kannst du erläutern, ob Kant die Position Gottes, der Schlange oder Evas für aufklärerisch hält?
      "Wir alle, die wir in freien und offenen Gesellschaften leben wollen [...]: Wir alle haben ein Problem mit dem Islam" (Heiko Heinisch; in: The European, 20. Januar 2015). — "Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal hat kürzlich als Zeuge vor Gericht in Paris gesagt, der Antisemitismus sei Teil der islamischen Kultur, er werde im Koran, in den Moscheen und in den Familien verbreitet" (FAZ, 11. Dezember 2017). — "Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht verwirkt."
    • Fliege schrieb:

      Flitzpiepe schrieb:

      Mir scheint, Kant hatte den Sündenfall aus der Genesis vor Augen, als er die Antwort auf die Frage, was Aufklärung sei, verfasste.

      Kannst du erläutern, ob Kant die Position Gottes, der Schlange oder Evas für aufklärerisch hält?


      Kann ich: Keine von diesen. Stattdessen ist der Sündenfall ein Paradebeispiel für den Verzicht auf den eigenen Verstand und für die Verführung von außen, um dem zuwider zu handeln, von dem man eigentlich weiß, dass es sich gehört.
    • Flitzpiepe schrieb:

      Kann ich: Keine von diesen. Stattdessen ist der Sündenfall ein Paradebeispiel für den Verzicht auf den eigenen Verstand und für die Verführung von außen, um dem zuwider zu handeln, von dem man eigentlich weiß, dass es sich gehört.

      Also die Position Gottes, der mit Verboten und Vertreibungen die Aufklärung zu "befördern" trachtet.
      "Wir alle, die wir in freien und offenen Gesellschaften leben wollen [...]: Wir alle haben ein Problem mit dem Islam" (Heiko Heinisch; in: The European, 20. Januar 2015). — "Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal hat kürzlich als Zeuge vor Gericht in Paris gesagt, der Antisemitismus sei Teil der islamischen Kultur, er werde im Koran, in den Moscheen und in den Familien verbreitet" (FAZ, 11. Dezember 2017). — "Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht verwirkt."
    • Fliege schrieb:

      Flitzpiepe schrieb:

      Kann ich: Keine von diesen. Stattdessen ist der Sündenfall ein Paradebeispiel für den Verzicht auf den eigenen Verstand und für die Verführung von außen, um dem zuwider zu handeln, von dem man eigentlich weiß, dass es sich gehört.

      Also die Position Gottes, der mit Verboten und Vertreibungen die Aufklärung zu "befördern" trachtet.


      Nö. Die Ereignisse im Garten Eden sind nicht einfach nur Ereignisse zwischen Gott und zwei Menschen, sondern zwischen Gott und Mensch. Damit ist etwas allgemeines über die menschliche Natur besagt, aber auch, dass der Mensch ein ursprüngliches, unmittelbares Verhältnis zu Gott hat. Gemeint ist also jeder Mensch - Adam ist nicht einer unter vielen, sondern der erste und jeder.
    • Flitzpiepe schrieb:

      Nö.

      Ja, durch die Übertretung des göttlichen Verbotes treten Menschen an die Stelle Gottes und suchen sich selber aus, welches Gesetz sie sich geben wollen.
      "Wir alle, die wir in freien und offenen Gesellschaften leben wollen [...]: Wir alle haben ein Problem mit dem Islam" (Heiko Heinisch; in: The European, 20. Januar 2015). — "Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal hat kürzlich als Zeuge vor Gericht in Paris gesagt, der Antisemitismus sei Teil der islamischen Kultur, er werde im Koran, in den Moscheen und in den Familien verbreitet" (FAZ, 11. Dezember 2017). — "Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht verwirkt."
    • Flitzpiepe schrieb:

      Nicht nach Kant - und schon gar nicht im Sinne des kategorischen Imperativs. Vielmehr begründet doch die Heteronomie der Verlockung einen hypthetischen Imperativ. Gott wird dabei zum Lügner erklärt. Ich meine, es wird kein Gesetz gegeben.

      Eine Charakterisierung der Figuren in der Erzählung sieht meines Erachtens so aus:
      • Gott wirkt gegenaufklärerisch (damit er nicht seine Hand ausstreckt).
      • Eva ist feige (die Schlange betrog mich).
      • Adam ist eine Niete (das Weib gab mir).
      • Die Schlange hat Mumm (euch werden Augen aufgetan und ihr werdet wie Gott sein).
      Um Aufklärer zu sein, müsste Kant die Schlangen-Option wählen.
      "Wir alle, die wir in freien und offenen Gesellschaften leben wollen [...]: Wir alle haben ein Problem mit dem Islam" (Heiko Heinisch; in: The European, 20. Januar 2015). — "Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal hat kürzlich als Zeuge vor Gericht in Paris gesagt, der Antisemitismus sei Teil der islamischen Kultur, er werde im Koran, in den Moscheen und in den Familien verbreitet" (FAZ, 11. Dezember 2017). — "Wer Gastrecht missbraucht, der hat Gastrecht verwirkt."
    • Positionierungen

      Hallo Fliege und Flitze, was Kant über die Positionierung der Leute im Paradies vermutete, weiß ich nicht. Ich kann nur mit eigenen Gedanken dienen. Gott, den allmächtig Allwissenden lasse ich außen vor. Er scheint nicht geahnt zu haben, was er anrichtet, war also wohl gar nicht so doll aufgeklärt. Die Gnostiker hielten ihn deshalb für einen Demiurgen, einen Pfuscher. Aufgeklärt wird m.E. nur der Adam. Und der Preis für alle Beteiligten und ihre Nachkommen war und ist hoch. Sloterdijk hat das sehr einleuchtend begründet in "Nicht gerettet", Kapitel "Kränkung durch Maschinen" (suhrkamp 2001). Dieser Text ist m.E. für philosophisch Interessierte ein Muß. Aufklärung, so eine seiner Interpretationen, heißt überzeugt zu werden vom Nachteil, man selbst zu sein. Aufklärung zerschlägt alle üblichen narzißtischen und konfessionellen Psycho-Immunschilde. Danach steht man da und kratzt sich den Kopf. Kant hatte da noch naive Illusionen. "Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück !" meinte Gottfried Benn. Wer die Flüche Gottes in der Genesis noch nicht kennt, sollte sie sich zu Gemüte führen (also nicht nur lesen). Und so einer heißt "lieber Gott". Heutzutage schlägt Aufklärung brutal zurück auf jeden, der sie anstrebt. Als "mündiger" Bürger, versteht sich. Ich kann nur warnen. Herzliche Grüße !
      cornak
    • Fliege schrieb:

      Flitzpiepe schrieb:

      Nicht nach Kant - und schon gar nicht im Sinne des kategorischen Imperativs. Vielmehr begründet doch die Heteronomie der Verlockung einen hypthetischen Imperativ. Gott wird dabei zum Lügner erklärt. Ich meine, es wird kein Gesetz gegeben.

      Eine Charakterisierung der Figuren in der Erzählung sieht meines Erachtens so aus:
      • Gott wirkt gegenaufklärerisch (damit er nicht seine Hand ausstreckt).
      • Eva ist feige (die Schlange betrog mich).
      • Adam ist eine Niete (das Weib gab mir).
      • Die Schlange hat Mumm (euch werden Augen aufgetan und ihr werdet wie Gott sein).
      Um Aufklärer zu sein, müsste Kant die Schlangen-Option wählen.


      Warum? Die Schlange hatte eine verlockende Wahrheit gesagt, aber sie hatte auch entscheidend gelogen.
      Aber ansonsten zeigen doch deine Deutungen Adams und Evas, dass beide wider besseren Wissens auf jemand anders gehört hatten. Das Dilemma ist in meinen Augen, dass ihr Eindruck von Gott nicht mächtig genug war, um das Angebot der Schlange in den Wind zu schlagen. Daraus entnehme ich höchstens noch die Unaufdringlichkeit der Wahrheit. Sie ist erst spürbar nach dem Bruch mit ihr, nach dem Verbrechen. Vergleichbar mit: Was ich hab, weiß ich erst, wenn ich es verloren habe. Was ich weiß, werde ich erst wissen, wenn ich es besser weiß.

      @Cornak

      Das klingt sehr interessant. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir Sloterdijk je so schmackhaft gemacht wurde, wenngleich der von dir skizzierte Gedanke eher beklemmend stimmt.
    • Videotranskription

      Tom Petervari hatte dankenswerter Weise auf diese wunderbare Videotranskription zum Text aufmerksam gemacht. Hier noch einmal der Link:

      Teil 1/2:

      youtube.com/watch?v=hHB8RWM9utQ

      Teil 2/2:

      youtube.com/watch?v=0ielATuCaRk&feature=relmfu

      Gruß Joachim Stiller Münster

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